Schäftlarn

Gemeinde im Landkreis München in Bayern
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Schäftlarn
Schäftlarn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Schäftlarn hervorgehoben

Koordinaten: 47° 59′ N, 11° 27′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: München
Höhe: 692 m ü. NHN
Fläche: 16,71 km2
Einwohner: 5853 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 350 Einwohner je km2
Postleitzahlen: 82067 (Ebenhausen, Kloster Schäftlarn, Zell),
82069 (Hohenschäftlarn)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 08178
Kfz-Kennzeichen: M, AIB, WOR
Gemeindeschlüssel: 09 1 84 142
Gemeindegliederung: 5 Gemeindeteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Starnberger Straße 50
82069 Hohenschäftlarn
Website: www.schaeftlarn.de
Bürgermeister: Matthias Ruhdorfer (CSU)
Lage der Gemeinde Schäftlarn im Landkreis München
Starnberger SeeLandkreis Bad Tölz-WolfratshausenLandkreis EbersbergLandkreis ErdingLandkreis FreisingLandkreis FürstenfeldbruckLandkreis MiesbachLandkreis RosenheimLandkreis StarnbergLandkreis Weilheim-SchongauLandkreis DachauMünchenForstenrieder ParkGrünwalder ForstBrunnthalHöhenkirchen-SiegertsbrunnPerlacher ForstAschheimAyingBaierbrunnBrunnthalFeldkirchen (Landkreis München)Garching bei MünchenGräfelfingGrasbrunnGrünwaldHaar (bei München)Höhenkirchen-SiegertsbrunnHohenbrunnIsmaningKirchheim bei MünchenNeubibergNeuried (bei München)OberschleißheimOttobrunnPlaneggPullach im IsartalPutzbrunnSauerlachSchäftlarnStraßlach-DinghartingTaufkirchen (bei München)UnterföhringUnterhachingUnterschleißheimOberhachingKarte
Über dieses Bild
Hohenschäftlarn

Schäftlarn ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München an der Isar gelegen.

GemeindeteileBearbeiten

Die Gemeinde hat fünf amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

GeschichteBearbeiten

Um 762 wurde das Benediktiner-Kloster Schäftlarn durch Waltrich, einen Freisinger Domkleriker, gegründet. Ab 1140 gehörte das Kloster dem Orden der Prämonstratenser. Der Ort Hohenschäftlarn wurde erstmals 778 erwähnt, er gehörte als geschlossene Hofmark zum Kloster. Zell ist um 1160 bezeugt, aber mit Sicherheit weit älter. Ebenhausen erscheint urkundlich frühestens 1130 unter dem Namen Emmenhusen. Neufahrn wird erstmals 1140 erwähnt (frühere Daten sind unsicher).

Das Kloster Schäftlarn spielte eine geschichtliche Rolle bei der bayerischen Volkserhebung von 1705,[3] als sich dort die Rebellen zum Marsch auf München trafen, als dessen Folge es zur Sendlinger Mordweihnacht kam.[4] Der Klosterkomplex wurde 1702 bis 1760, die Kirche St. Georg zu Hohenschäftlarn 1729/30 letztmals neu erbaut. Wie alle bayerischen Klöster wurde Schäftlarn durch die Säkularisation aufgelöst. Die Gebäude wurden verkauft, u. a. wurden hier eine Steingutfabrik, eine Brauerei und ein Mineralbad betrieben. Schäftlarn wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbständige politische Gemeinde. 1866 stiftete der ehemalige König Ludwig I. von Bayern das Kloster als Benediktinerkloster neu und förderte die Errichtung einer Schule. Das bekannte Klostergymnasium mit Internat gründeten die Schäftlarner Benediktiner 1884. 1910 wurde Schäftlarn wieder zur Abtei erhoben.

Im Jahr 1873 wurde der Gemeindename Hohenschäftlarn amtlich in Schäftlarn geändert.[5]

Mit der Eröffnung der Isartalbahn im Jahr 1860 entwickelten sich Kloster Schäftlarn, Hohenschäftlarn, Zell und Ebenhausen zu beliebten Ausflugszielen und schließlich zu einem Treffpunkt der Münchner Bohème.[6][7] Einblick in diese Zeit gibt der Roman Jules et Jim (1953)[8], des französischen Schriftstellers Henri-Pierre Roché. Basierend auf Tagebucheinträgen[9] schildert das Buch die Liebesgeschichte von Henri-Pierre Roché, Franz Hessel und Helen Hessel, die Anfang der 1920er-Jahre in der Villa Heimat in der Nähe des Bahnhofs Hohenschäftlarn lebten. Das Buch wurde 1962 von François Truffaut mit Jeanne Moreau, Oskar Werner und Henri Serre unter dem gleichnamigen Titel – Jules und Jim – verfilmt.

Bis 2001 war Ebenhausen Sitz der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), die seither in Berlin residiert.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 4.848 auf 5.853 um 1.005 Einwohner bzw. um 20,7 %.

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Der amtierende Erste Bürgermeister ist Matthias Ruhdorfer (CSU). Er wurde im Jahr 2014 zum dritten Mal für dieses Amt gewählt. Zweite Bürgermeisterin ist Maria Reitinger (UWG), Dritte Bürgermeisterin ist Susanne Dichtl (CSU).[10]

GemeinderatBearbeiten

Gemeinderatswahl 2014[11]
(Wahlbeteiligung 64,8 %)
 %
40
30
20
10
0
38,4 %
7,9 %
23,7 %
20,6 %
9,4 %

Der Gemeinderat von Schäftlarn besteht aus 21 Mitgliedern (mit dem 1. Bürgermeister) und setzt sich nach der Kommunalwahlwahl 2014 wie folgt zusammen:

WappenBearbeiten

Beschreibung: In Blau ein silbernes Schiff mit zwei geschrägten silbernen Rudern, darüber schwebend ein sechsstrahliger silberner Stern.

Geschichte: Das ursprüngliche Klosterwappen mit Kahn, zwei Rudern und Stern geht auf eine Mitte des 15. Jahrhunderts aufgekommene, falsche Deutung des Namens Schäftlarn zurück, nämlich auf eine Ableitung von dem griechischen Wort scapha („Boot“). Man knüpfte dabei an die alte Übersetzstelle an der Isar nächst dem Kloster an.

Erstmals erscheint das Wappen im Jahr 1462 ohne Stern, der wohl eine spätere dekorative Zutat darstellt. Das hohe Alter wird gegenüber dem Prunk jüngerer Zeiten durch die Schlichtheit des Motivs bestätigt. Das Gemeindewappen ist somit eines der ältesten in Bayern.

VerkehrsanbindungBearbeiten

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

SchulenBearbeiten

Freizeit- und SportanlagenBearbeiten

  • TSV Schäftlarn e. V. 1921
    • Fußballplätze
    • Tennishalle
    • Beachvolleyball-Anlage
    • Skaterplatz

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Schäftlarn und Liste der Bodendenkmäler in Schäftlarn

MuseenBearbeiten

  • Heimathaus der Gemeinde Schäftlarn: Das 1846 errichtete Haus gibt Einblick in die Lebenswelt eines Kleinstbauern des 19. und 20. Jahrhunderts.

WeblinksBearbeiten

 Commons: Schäftlarn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Schäftlarn in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 9. September 2019.
  3. Michael Morosow Unterhaching: Figuren aus dem Reich der Fantasie. In: sueddeutsche.de. 2016, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 9. Juli 2018]).
  4. Sendlinger Bauernaufstand. In: Academic dictionaries and encyclopedias. (deacademic.com [abgerufen am 9. Juli 2018]).
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 595.
  6. Elisabeth Tworek: Literarische Sommerfrische. Künstler und Schriftsteller im Alpenvorland. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München 2011.
  7. Das Liebesnest der Weltliteratur. 27. Juni 2014, abgerufen am 6. Januar 2020.
  8. Henri-Pierre Roché: Jules et Jim. Gallimard, Paris 1953.
  9. Xavier Rockenstrocly: Henri-Pierre Roché : profession écrivain. 1996, abgerufen am 6. Januar 2020 (französisch).
  10. Übersicht Gemeinderat auf www.schaeftlarn.de
  11. Ergebnis der Gemeinderatswahl 2014 (Memento des Originals vom 31. Mai 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/schaeftlarn.de