Hauptmenü öffnen
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.
Postamt Tegernseer Platz 7 in München
Postamt am Harras in München
Postamt am Goetheplatz in München
Ehemaliges Paketzustellamt in München

Die bayerische Postbauschule war die wichtigste Manifestation des Neuen Bauens in Bayern zwischen 1920 und 1934. Als Initiatoren dieser Schule gelten Robert Poeverlein und vor allem Robert Vorhoelzer mit den namensgebenden Münchner Postbauten am Tegernseer Platz und Goetheplatz. Wichtige Vertreter sind unter anderem Walther Schmidt, Hanna Löv und Sep Ruf.

GeschichteBearbeiten

EntstehungBearbeiten

Mit dem Poststaatsvertrag 1920 entstand in Bayern als Zeichen der Unabhängigkeit trotz des Übergangs von der Bayerischen Staatspost in die Deutsche Reichspost in Berlin eine eigene Abteilung des Reichspostministeriums mit Sitz in München, die sogenannte Abteilung VI. In dieser Abteilung wurde eine eigenständige Postbauabteilung eingerichtet. Diesen Freiraum nutzten zahlreiche modernistische Architekten um Robert Poeverlein und Robert Vorhoelzer, den Leitern der Bauabteilung, um Neubauten im Stil des Neuen Bauen zu errichten.

Postbauschule bis 1933Bearbeiten

Neben Vorhoelzer sind vor allem Walther Schmidt und Hanna Löv als Wegbereiter dieser „bayrischen Moderne“ in der Architektur zu nennen. Bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 prägte die Architektur der Postbauschule das gesamte Postbauwesen in Bayern. Dies wurde vor allem durch den gestiegenen Bedarf an Dienstgebäuden der Post gefördert – zwischen 1920 und 1935 entstanden etwa 350 Bauten in Dörfern und Kleinstädten. Besonders hervorzuheben ist die Versuchssiedlung an der Arnulfstraße in München, in der auch die Münchner Küche entwickelt wurde, eine Funktionsküche mit offenem Durchgang ins Esszimmer und weitgehend verglaster Wand, um die Isolation der Frau in der Küche aufzuheben.

Postbauschule im NationalsozialismusBearbeiten

Am 27. Februar 1934 wurde dann durch das Gesetz zur Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung der Poststaatsvertrag ausgesetzt und die Abteilung VI aufgelöst. Damit unterstand das Postbauwesen in Bayern auch dem Berliner Reichspostministerium. Vorhoelzer wurde 1935 in den vorläufigen Ruhestand versetzt und Poeverlein, der die Ideen von Vorhoelzer weitertragen wollte, wurde seines Postens enthoben. Daraufhin arbeiteten die Architekten der Postbauschule vor allem in der Rüstungsindustrie (Luftwaffenbauten) sowie in ländlichen Gegenden, wo sie versuchten, Elemente der modernen Architektur wenigstens in Teilen umzusetzen. Die früher oft geäußerte These, dass der Industriebau eine „heimliche Zufluchtsstätte“ der modernistischen Architekten gewesen sei, hat sich als nur teilweise tragfähig erwiesen, da gerade die Industriebauten nach Kriegsbeginn sehr oft mit Hilfe des Zwangsarbeitereinsatzes oder Kriegsgefangenen errichtet wurden und hauptsächlich der Rüstungsproduktion dienten. Nach 1933 schritt die Standardisierung der Bauweise der Postämter stark fort, so dass 1937 für Dachform, Grundriss und Fassade vorgefertigte Lösungen bereitstanden. Zudem legte der Erlass über die „Kunst am Bau“ 1934 kunsthandwerkliche Richtlinien fest, die eine volkstümliche Dekoration (etwa in Gestalt freskierter Wandbilder) vorschrieb.

Wichtige BautenBearbeiten

Architekten der PostbauschuleBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen (Hrsg.):
  • Florian Aicher: Das Landpostamt. In: Florian Aicher, Uwe Drepper (Hrsg.): Robert Vorhoelzer – Ein Architektenleben. Die klassische Moderne der Post. München 1990, S. 212–216.
  • Friedrich Bauer, Alfred Wiedenmann: Die bayerische Postbauschule (1920–1934). In: Florian Aicher, Uwe Drepper (Hrsg.): Robert Vorhoelzer – Ein Architektenleben. Die klassische Moderne der Post. München 1990, S. 152–157.
  • Rudolf Duffner: Das Posthaus im Wandel der Zeit unter besonderer Berücksichtigung der postbaulichen Anlagen in Deutschland. Berlin 1936.
  • Heinrich Götzger: Bauten der Deutschen Reichspost. Berlin 1942.
  • Winfried Nerdinger (Hrsg.): Bauen im Nationalsozialismus, Bayern 1933–1945. Architekturmuseum der TU-München, München 1993, S. 369–370.
  • Winfried Nerdinger (Hrsg.): Walther Schmidt 1899–1993. Von der Postbauschule zum Stadtbaurat von Augsburg. Reimer, Berlin 2008. ISBN 3-496-01383-4.
  • Walther Schmidt: Amtsbauten. Aus Betriebsvorgängen gestaltet, dargestellt am Beispiel der bayerischen Postbauten. Ravensburg 1949.
  • Wolfgang Voigt: Von der Postbauschule zur Luftwaffenmoderne. In: Florian Aicher, Uwe Drepper (Hrsg.): Robert Vorhoelzer – Ein Architektenleben. Die klassische Moderne der Post. München 1990, S. 162–167.