Rai – Radiotelevisione Italiana

öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Italiens
Rai — Radiotelevisione italiana S.p.A.

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Rechtsform Società per azioni
Gründung 1954
Sitz Rom, ItalienItalien Italien
Leitung
  • Fabrizio Salini, CEO
Mitarbeiterzahl 12.811[2]
Umsatz 2,58 Mrd. EUR[2]
Branche Medien
Website www.rai.it
Stand: 31. Dezember 2018

Die Rai — Radiotelevisione italiana S.p.A. (meist nur Rai, früher RAI) ist die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Italiens. Sie ist eine Hörfunk- und Fernsehanstalt. Das Akronym stand ursprünglich für Radio Audizioni Italiane, wurde bei der Umbenennung 1954 jedoch beibehalten.

GeschichteBearbeiten

Im August 1924 schlossen sich in Turin die S.A. Radiofono der Marconi Company und die Società Italiana Radio Audizioni Circolari (SIRAC) der RCA zur Unione Radiofonica Italiana (URI) zusammen. Am 6. Oktober 1924 erfolgte aus Rom die erste Sendung der URI, die das alleinige Senderecht erhielt.[3] 1925 folgte die Station Mailand,[4] 1926 die Station Neapel.[5]

Im November 1927 wurde die URI durch den Ente Italiano per le Audizioni Radiofoniche (EIAR) ersetzt, zu dessen Aktionären General Electric, die Società Idroelettrica Piemontese (SIP) und Fiat gehörten. Neue Stationen entstanden in Bozen,[6] Genua,[7] Turin,[8] Palermo,[9] Triest,[10] Florenz[11] und Bari.[12] 1930 wurde die Kurzwellenstation Prato Smeraldo eröffnet. 1933 begann der Betrieb eines zweiten Sendernetzes (Mailand II und Turin II).[13] Ab circa 1935 gab es einen Fremdsprachendienst, darunter auch Nachrichten auf Deutsch[14] (eingestellt 2007).[15] 1935 ging die Verantwortung für die Radioprogramme auf das Ministerium für Presse und Propaganda über.[16] 1937 starteten ein drittes Hörfunkprogramm[17] und der experimentelle Fernsehsender Monte Mario.[18]

Im Februar 1945 wurde die Umbenennung des EIAR in Radio Audizioni Italia (RAI) wirksam.[19] Nach dem Start des regulären Fernsehens am 3. Januar 1954 erfolgte am 10. April desselben Jahres die Umbenennung in Radiotelevisione Italiana. Zwei Jahre später erreichten die Fernsehsignale das gesamte italienische Staatsterritorium. Auf Grund der hohen Anschaffungskosten für ein Fernsehgerät gab es damals jedoch erst wenige Teilnehmer (360.000). 1961 bzw. 1979 folgten das zweite bzw. dritte Fernsehprogramm der RAI.

1976 wurde vom Verfassungsgerichtshof das bis dahin bestehende Monopol der RAI zugunsten lokalen Privat-Rundfunks aufgehoben.[20] In den Folgejahren fehlte es an gesetzlichen Regelungen, so dass sich de facto mehrere landesweite Privat-Fernsehprogramme etablieren konnten.[21]

Im Zuge einer Restrukturierung der Rai wurden am 18. Mai 2010 Rai Uno in Rai 1, Rai Due in Rai 2, Rai Tre in Rai 3, Rai Sport in Rai Sport 1 und Rai Sport Più in Rai Sport 2 umbenannt. Des Weiteren wurden zwei neue Sender eingeführt: Rai 5 und Rai Storia. Die Logos der Fernsehprogramme wurden ebenfalls verändert.[22]

2018 wurde bekannt gegeben, dass Rai sich gemeinsam mit der deutschen Rundfunkanstalt ZDF und der französischen Rundfunkanstalt France Télévisions an der Koproduktionsgemeinschaft European Alliance beteiligt.[23]

OrganisationBearbeiten

Die Rai ist als staatliche Aktiengesellschaft organisiert. An der Spitze steht der Verwaltungsrat (Consiglio di Amministrazione, Board of Directors) mit einem Vorsitzenden.[24] Dem CEO (Amministratore Delegato) sind einige Bereiche direkt zugeordnet, darunter die Berichterstattung aus dem Präsidentenpalast (Rai Quirinale) und dem Vatikan (Rai Vaticano).

Der Verwaltungsbereich (Direzione Generale Corporate) gliedert sich in Finanzen, technische Infrastruktur und Immobilien einschließlich Regional- und Auslandsbüros (Sedi Regionali ed Estere) sowie weitere Gebiete wie Personalverwaltung (Risorse Umane) und Rundfunkarchiv (Rai Teche).

Der Programmbereich gliedert sich in vier Gebiete:

Zu den Tochterunternehmen der Rai zählen u. a. Rai Cinema, Rai Com (Vermarktung), Rai Pubblicità (Werbekonzessionär) und Rai Way (Sendenetz).

Einige LogosBearbeiten

       
Rai Way
Ausstrahlungs-Netzwerk für die Verbreitung des Rundfunksignals
Rai Italia
betreibt den Sendern Rai Italia für Amerika, Asien, Australia und Afrika
Rai Vaticano
überträgt Sendungen aus dem Vatikan
Rai Parlamento
betreibt die Kanäle GR Parlamento, Senato della Repubblica und Camera dei deputati
       
Rai Giornale Radio
die Radio-Nachrichtenredaktion
Rai Teche
das Rundfunkarchiv
RaiPlay
die Internetpräsenz
Rai Quirinale
überträgt Sendungen aus dem Quirinalspalast des Präsidenten
       
Rai Cinema
Produktionsfirma für Filme
Rai Com
fördert die Vermarktungsrechte der Produktionen
Rai Orchestra
das Rundfunkorchester
Rai Libri
Zeitschriftenverlag
     
Rai Fiction
Produktionsfirma für Spielfilme, TV-Filme und Ähnlichem
Rai Cultura
betreibt Ereignis- und Dokumentationskanäle
Rai Trade
förderte von 1987 bis 2011 die Vermarktungsrechte der Produktionen

ProgrammeBearbeiten

Derzeit sendet RAI auf 14 terrestrisch übertragenen Fernsehkanälen (Rai 1, Rai 2, Rai 3, Rai 4, Rai 5, Rai Movie, Rai Premium, Rai Gulp, Rai Yoyo, Rai News 24, Rai Storia, Rai Sport, Rai Scuola) und drei landesweiten Radiokanälen in FM (Rai Radio 1, Rai Radio 2, Rai Radio 3). Außer Rai 1, Rai 2, Rai 3 und Rai News24 sind die anderen TV-Sender zum Teil nicht immer landesweit verfügbar. Mit anderen Technologien werden die Radiokanäle Rai Radio Tutta Italiana, Rai Radio 3 Classica, Rai Radio Techete', Rai Radio Live und Rai Radio Kids ausgestrahlt. Der Radiokanal Rai Isoradio wird nur entlang die Autobahnen und in Rom übertragen. Des Weiteren ist RAI Mitglieder der paneuropäischer Fernsehsender Euronews und überträgt die politisch-orientierten Sender Camera dei deputati bzw. Senato della Repubblica.

In Bozen bestehen neben der italienischsprachigen Redaktion zwei weitere unabhängige Abteilungen: Rai Südtirol produziert deutschsprachige Radio- und Fernsehsendungen (etwa die Tagesschau) für Südtirol, Rai Ladinia tut dasselbe in ladinischer Sprache für Ladinien. Die Programme von Rai Südtirol und Rai Ladinia werden auf einem gemeinsamen Fernseh- und Radiokanal ausgestrahlt. In Triest gibt es eine slowenische, im Aostatal eine französische Redaktion

Seit 2004 wurden die digitalen Fernsehprogramme der RAI versuchsweise (lokal begrenzt) terrestrisch ausgestrahlt. Der landesweite Ausbau des digitalen Fernsehens wurde 2012 abgeschlossen. Seit 2008 überträgt Rai HD terrestrisch Programme von anderen RAI-Kanälen in HD-Qualität. Weitere in HD übertragenen RAI-Sendern sind nur mit dem Satellitenrundfunk verfügbar.

Die RAI betreibt den Auslandsfernsehdienst Rai Italia (Rai Italia America, Rai Italia Asia, Rai Italia Africa, Rai Italia Australia und Rai World Premium) weltweit über Satellit. Die Hörfunksendungen auf Kurzwelle wurden am 30. September 2007 eingestellt.

Übersicht der ProgrammeBearbeiten

TV-Programme der RAIBearbeiten

           
Rai 1 Rai 2 Rai 3 Rai 4 Rai 5 Rai News 24
           
Rai Gulp Rai Yoyo Rai 4K Rai Movie Rai Scuola Rai Sport
           
Rai Südtirol Rai Ladinia Rai 3 BIS (slowenisch) Rai Premium Rai Storia Rai Sport + HD
     
Rai Italia Senato della Repubblica Camera dei Deputati

Radio-Programme der RAIBearbeiten

         
Rai Radio 1 Rai Radio 2 Rai Radio 3 Rai Isoradio Rai Südtirol/Ladinia
         
Rai Radio 1 Sport Rai Radio 2 Indie Rai Radio 3 Classica Rai Gr Parlamento Rai Radio Trst A
       
Rai Radio Kids Rai Radio Live Rai Radio Techete' Rai Radio Tutta Italiana

Ehemalige TV-Programme der RAIBearbeiten

           
RaiSat Album RaiSat Art RaiSat Fiction RaiSat Smash RaiSat Smash Girls RaiSat Show
           
RaiSat Ragazzi RaiSat Gambero Rosso Channel Rai Med Yes Italia Rai Nettuno Sat Uno Rai Extra
           
Rai Test HD Rai Futura Rai Doc Rai Edu 1 Rai Edu 2 Rai Edu Storia
           
Rai Edu Lab Rai Edu Lab1 Rai Edu Lab2 Rai Olimpia Rai Utile Rai Edu Scuola
       
Rai Nettuno Sat Due Rai Sport piu Rai HD Rai Sport 2

Ehemalige Radio-Programme der RAIBearbeiten

       
Rai Satelradio Notturno Italiano (1952–2011) Radio Rai Sport Rai Radio 8 Opera

FinanzierungBearbeiten

Das Budget von jährlich rund 2,5 Milliarden Euro wird hauptsächlich durch Rundfunkgebühren sowie durch Werbeeinnahmen finanziert. Die Gebührenregelung stammt aus dem Jahr 1938.[26] Seit einer Gesetzesreform werden die Gebühren seit 2016 gemeinsam mit der Stromrechnung eingezogen. Durch diese Verfahrensumstellung konnte das Gebührenaufkommen deutlich erhöht werden (um 500 Millionen Euro auf nun 2,1 Milliarden Euro),[27] obwohl die pro Haushalt fällige Gebühr gleichzeitig von 113,50 auf 100,00 Euro pro Jahr gesenkt wurde.[28] Zuvor waren nach Schätzungen rund 30 Prozent der Italiener ihrer Zahlungspflicht nicht nachgekommen.[29] Zum Jahr 2017 sank die gesetzliche Gebühr erneut auf nun 90 Euro.[30]

PräsidentenBearbeiten

 
Logo der RAI von 1987 bis 2000
 
Logo der RAI
(von 2000 bis 18. Mai 2010)
Name Amtsantritt Amtsende
Arturo Carlo Jemolo 20. April 1945 9. August 1946
Giuseppe Spataro 9. August 1946 17. Mai 1951
Cristiano Ridomi 17. Mai 1951 11. März 1954
Antonio Carrelli 3. Juni 1954 4. Januar 1961
Novello Papafava 4. Januar 1961 25. März 1964
Pietro Quaroni 29. Mai 1964 12. April 1969
Aldo Sandulli 23. April 1969 18. Februar 1970
Umberto delle Fave 24. März 1970 22. April 1975
Beniamino Finocchiaro 23. Mai 1975 20. Januar 1977
Paolo Grassi 20. Januar 1977 12. Juni 1980
Sergio Zavoli 12. Juni 1980 23. Oktober 1986
Enrico Manca 23. Oktober 1986 19. Februar 1992
Walter Pedullà 19. Februar 1992 13. Juli 1993
Claudio Demattè 13. Juli 1993 12. Juli 1994
Letizia Moratti 12. Juli 1994 24. April 1996
Giuseppe Morello 24. April 1996 10. Juli 1996
Vincenzo Siciliano 10. Juli 1996 21. Januar 1998
Roberto Zaccaria 3. Februar 1998 16. Februar 2002
Vittorio Emiliani 16. Februar 2002 22. Februar 2002
Antonio Baldassarre 5. März 2002 26. Februar 2003
Paolo Mieli 7. März 2003 13. März 2003
Lucia Annunziata 13. März 2003 4. Mai 2004
Francesco Alberoni 5. Mai 2004 31. Mai 2005
Sandro Curzi 1. Juni 2005 30. Juli 2005
Claudio Petruccioli 31. Juli 2005 25. März 2009
Paolo Garimberti 26. März 2009 8. Juni 2012
Anna Maria Tarantola 8. Juni 2012 5. August 2015
Monica Maggioni 6. August 2015 25. September 2018
Marcello Foa 26. September 2018

Kontroverse mit der Regierung BerlusconiBearbeiten

Die damalige Präsidentin der RAI, Lucia Annunziata, trat am 4. Mai 2004 von ihrem Amt zurück. Die Journalistin, die Oppositionskreisen nahesteht, protestierte damit gegen den „allmächtigen Einfluss“ der Regierung Berlusconi auf die RAI. Sie kündigte, nachdem der Aufsichtsrat der Fernsehanstalt mehrere regierungsnahe Manager für die Leitung von Tochtergesellschaften der RAI vorgeschlagen hatte.

SendeanlagenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Rai — Radiotelevisione italiana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. rai.it - Organi di Amministrazione e Controllo
  2. a b Relazioni e bilancial 31 dicembre 2018. Rai — Radiotelevisione italiana S.p.A., abgerufen am 7. Januar 2020 (italienisch).
  3. Regio Decreto 14 dicembre 1924, n. 2191 (G.U. 15 gennaio 1925, n. 11)
  4. 8. Dezember 1925; La stazione radiotrasmittente di Milano, Radio Orario 1925, n. 48
  5. 14. November 1926; La stazione di Napoli della U.R.I., Radiorario 1926, n. 48
  6. 12. Juli 1928; La sagra di Bolzano, Radiorario 1928, n. 30
  7. 28. Oktober 1928; Inaugurazione della stazione di Genova, Radiorario 1928, n. 45
  8. 11. Februar 1929; La stazione di Torino, Radiorario 1929, n. 7
  9. 14. Juni 1931; La festa siciliana della radiofonia, Radiocorriere 1931, n. 25
  10. 28. Oktober 1931; EIAR Radio Trieste, Radiocorriere 1931, n. 43
  11. 21. April 1932; Nella solennità del natale di Roma Firenze inaugura la sua trasmittente, Radiocorriere 1932, n. 16
  12. 6. September 1932; La stazione radiofonica di Bari, Radiocorriere 1932, n. 36
  13. Le prove della nuova stazione Torino II, Radiocorriere 1933, n. 44
  14. Cronache italiane del turismo auf Deutsch, Englisch, Esperanto, Französisch, Niederländisch und Spanisch, begründet von Achille Antonibon (Annuario della stampa italiana 1959 S. 912)
  15. Portale Italradio: RAI International stops short waves and 26 languages
  16. Regio Decreto-Legge 26 settembre 1935, n. 1829 (G.U. 27 ottobre 1935, n. 252)
  17. 29 ottobre, inizio delle trasmissioni del terzo programma, Radiocorriere 1937, n. 43
  18. La chiamarono radiovisione per non usare parole straniere, Radiocorriere 1967, n. 50
  19. Decreto Legislativo Luogotenenziale 26 ottobre 1944, n. 457 (G.U. 20 febbraio 1945, n. 22)
  20. ECLI:IT:COST:1976:202
  21. Martin Geppert: Europäischer Rundfunkraum und nationale Rundfunkaufsicht. 1993, S. 21 f.
  22. Rai Digitale Terrestre (Memento vom 22. Mai 2010 im Internet Archive)
  23. ZDF schließt Koproduktions-Allianz mit France Télévisions und RAI, abgerufen am 22. Oktober 2019.
  24. rai.it: Organigramma
  25. siehe Legge 14 aprile 1975, n. 103 (G.U. 17 aprile 1975, n. 102), Art. 19, lett. c)
  26. Regio Decreto-Legge 21 febbraio 1938, n. 246
  27. RAI license fee dodging down to 4%, in: ANSA English vom 9. Februar 2017, abgerufen am 24. Mai 2017 (englisch)
  28. Canone Rai: l’importo tornerà sopra i 100 euro dal 2017, in: QuiFinanza vom 23. November 2015, abgerufen am 24. Mai 2017 (italienisch)
  29. Einhebung der RAI-Fernsehgebühr über die Stromrechnung im Juli, in: Vinschger Wind vom 8. Juli 2016, abgerufen am 24. Mai 2017
  30. Canone Rai: tutti gli importi 2017, in: QuiFinanza vom 9. Januar 2017, abgerufen am 24. Mai 2017 (italienisch)