Rüdinghausen

Stadtteil von Witten, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Rüdinghausen ist einer von sieben Stadtteilen von Witten im Ruhrgebiet. Im Stadtteil leben rund 6600 Menschen.[1]

Rüdinghausen
Stadt Witten
Koordinaten: 51° 27′ 1″ N, 7° 24′ 1″ O
Fläche: 7,35 km²[1]
Einwohner: 6632 (30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 902 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1922
Eingemeindet nach: Annen
Postleitzahlen: 58453, 58454
Vorwahl: 02302
Ortsansicht von Rüdinghausen
Ortsansicht von Rüdinghausen

GeschichteBearbeiten

AnfängeBearbeiten

Rüdinghausen ist als so genannte Rodungssiedlung entstanden. Wann mit den Rodungen und der Ansiedlung erster Bauernhöfe begonnen wurde, lässt sich nicht festlegen. Die Heimatforschung geht vom 11. oder spätestens 12. Jahrhundert aus. Vermutlich wurden die ersten Rüdinghauser Bauern der Bauerschaft des benachbarten Persebecks zugeordnet.

13. JahrhundertBearbeiten

1200 beauftragt Erzbischof Adolf von Köln einen Kaplan aus Dortmund mit der Betreuung der Gemeinde. 1268 wird Rüdinghausen als „Rudinchusen“ erstmals urkundlich erwähnt. An einem Hang des Ardeygebirges entstand eine kleine Burg, in der sich Angehörige der Familie von Witten niederließen. Während die Familie Witten das Gerichtsrecht über die Bauerschaft in einem Radius ausübte, der heute etwa die Grenzen des Wittener Stadtteils Witten-Mitte darstellen, übten die Herren von Witten zu Rüdinghausen dieses Recht auf die Bauerschaften von Barop, Oespel, Marten, Kley, Kirchlinde, Westrich, Eichlinghofen, Renninghausen, Salingen sowie Annen aus. Dazu kommen noch einige Höfe, die sich in weiteren, heute zu Dortmund gehörenden Stadtteilbezirken befinden.

14. JahrhundertBearbeiten

1326 benennt die Stiftungsurkunde der Rüdinghauser Kirche Johannes von Dortmund als Plebanus (Hauptpastor). 1398 verkaufen die Herren von Witten zu Rüdinghausen einen Großteil ihres Besitzes / ihrer Bauerschaften.

Um 1389 wird Rüdinghausen während der Dortmunder Fehde geplündert und zerstört.

15. JahrhundertBearbeiten

Um 1412 übernimmt der Pastor der Gemeinde Eichlinghofen gegen Überlassung der Gemeinderenten die Gottesdienste in der Kapelle Rüdinghausen. 1423 wird Rüdinghausen aufgrund eines Erbfolgestreits zwischen Adolf III. und seinem Bruder Gerhard von den Städten Hamm, Unna, Kamen und Schwerte geplündert und vollkommen zerstört. Die Rüdinghauser Burg wird wieder aufgebaut.

16. JahrhundertBearbeiten

1507 wird Hinrich von Neheim, genannt Duscher zu Rüdinghausen, erster Pfarrer der Gemeinde. Um diese Position zu erhalten schließt er mit Everhardus Gulden Thalemann einen Vertrag mit dem vermutlich bestehende kirchenrechtliche Hürden umgangen werden. 1586 äscherten die Spanier auf ihrem Feldzug gegen den Protestantismus unter Führung von Oberst La Barlotte das Schloss Rüdinghausen ein. Auch diesmal wird die Burg wieder aufgebaut.

17. JahrhundertBearbeiten

 
Brunebecktal mit dem Günnemann-Kotten aus dem 17. Jahrhundert

1612 wird Gerhardt Staelhövel im hohen Alter als lutherischer Prediger der Gemeinde urkundlich erwähnt. Wann genau die Gemeinde sich der Reformation anschloss ist nicht bekannt. Während des Dreißigjährigen Kriegs werden die Pfarreien Eichlinghofen und Rüdinghausen wieder zusammengelegt. 1655 verliert der Pastor der katholisch verbliebenen Reinoldikirche nach einem Prozess die Rechte am Meßhafer, dem damaligen Kirchgeld. Gleichzeitig bestimmt der Große Kurfürst die Selbstständigkeit der Kirchengemeinde Rüdinghausen und das Recht des dortigen Pastors auf diese Einkünfte. Allerdings blieben diese Einkünfte in der Bauerngemeinde gering. Rüdinghausen galt als schlechtbezahlteste Pfarrstelle in der Grafschaft Mark. Die Pastöre mussten daher zusätzlich in weltlichen Berufen arbeiten, einer sogar als Söldner.

18. JahrhundertBearbeiten

Bis 1753 gehört Rüdinghausen zusammen mit Persebeck und Schnee zur Bauerschaft Persebeck im Oberamt Hörde. Nach einer Neugliederung der Ämtergrenzen kam die Bauerschaft zum neu gegründeten Kreis Hörde, wobei die Gerichtsbarkeit dem Landgerichtsbezirk Unna unterstellt wurde. Im Siebenjährigen Krieg wird auch Rüdinghausen von fouragierenden französischen Truppen immer wieder geplündert. Zwischen 1780 und 1790 wird eine neue Kirche errichtet, die jedoch aufgrund von Baumängeln an den Grundmauern rasch verfällt.

19. JahrhundertBearbeiten

1810, während der Besatzung der Region durch Napoleon I., wurde Rüdinghausen der neu gegründeten Bürgermeisterei von Witten zugeordnet, die ihrerseits dem neuen Kanton Hörde angehört. 1815, nach dem Abzug der Truppen, schied Rüdinghausen wieder aus der Bürgermeisterei aus und wurde Teil des neuen Amtes in Barop, das ab 1821 zum Landkreis Dortmund gehörte.

1819 ergreift der damalige Pastor Scherz nach über 20-jähriger Tätigkeit die Gelegenheit und lässt sich in eine besser bezahlte Pfarrstelle versetzen. Zu diesem Zeitpunkt sind Kirche und Pfarrhaus unbenutzbar. Unter diesen Umständen gelingt es nicht einen Pfarrer für die Gemeinde zu finden. 1830 wird nach langjährigen Schwierigkeiten neben dem alten Friedhof an der heutigen Kreisstraße ein steinernes Bethaus fertiggestellt. 1833 wird die erste Schule des Dorfes fertiggestellt. In einem Brief vom 7. November 1838 an den Superintendenten fordert die Staatsregierung in Arnsberg die Wiederbesetzung der Pfarrstelle. Sie verlangt darin die Reparatur des Pfarrhauses und die Festsetzung eines Pfarrgehalts das der Pfarrersfamilie ein notdürftiges Auskommen sichert. Das Pfarrhaus wird 1839 fertiggestellt. Mit dem Amtsantritt von Pastor Dannert endet am 23. Oktober 1840 die Pfarrvakanz.

1848 scheitert die Errichtung eines Bahnhofs der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft am Widerstand der einheimischen Bauern. Der Bahnhof wird daraufhin in der benachbarten Gemeinde Annen gebaut.

Infolge des aufstrebenden Bergbaus im Ardeygebirge verzehnfacht sich die Einwohnerzahl binnen einer Generation. Es wird der Neubau einer größeren Kirche erforderlich. Am 11. Mai 1864 wird die Kirche auf dem Berg geweiht und Rüdinghausen zur Landgemeinde ernannt. Das Bethaus dient ab da für mehr als 120 Jahre als Gemeindehaus.

1880 wird die Gütereisenbahn der Rheinischen Eisenbahngesellschaft, der Rheinischer Esel fertiggestellt. Auch diesmal wird in Rüdinghausen kein Bahnhof gebaut. 1895 wird ein steinernes Schulhaus mit vier Klassenzimmern errichtet.

1888 wird Rüdinghausen dem Amt Kirchhörde mit Amtssitz in Hombruch im Kreis Hörde zugeordnet.

20. JahrhundertBearbeiten

1913 wird der Ort an die Trinkwasserversorgung angeschlossen.

Am 1. April 1922 verliert Rüdinghausen seine Selbstständigkeit und wird ein Ortsteil der Gemeinde Annen. Mit der Eingemeindung Annens in die Stadt Witten am 1. August 1929 erlangte Rüdinghausen den Status eines Stadtteils von Witten.[2]

Vermutlich seit 1949 hielt die Deutsche Bundesbahn dann doch in Rüdinghausen. Auf dem Rheinischen Esel wurde ein Haltepunkt eingerichtet, der bis zur Einstellung des Personenverkehrs auf dieser Strecke im Jahr 1979 bedient wurde.[3] Nach den Unterlagen des NRW-Bahnarchives wurde der Haltepunkt Witten-Rüdinghausen allerdings bereits 1945 eingerichtet.[4]

 
St. Pius

Ende der 1950er Jahre erwirbt die katholische Kirche größere Ländereien, die sie parzelliert an ausgewählte Siedlerfamilien zu günstigen Konditionen weitergibt. Damit verbunden ist die Verpflichtung sich am Bau der katholischen Kirche St. Pius zu beteiligen. Nach wenigen Jahren wird diese 1969 abgerissen und durch ein Gemeindezentrums mit abteilbaren Sakralraum und Kindergarten an gleicher Stelle ersetzt.

In den 1960er Jahren beginnt die Stadt Witten das Rüdinghauser Feld im Norden des Ortsteils als Industriegebiet zu erschließen. Im Zuge dessen wird auch eine neue Straßenverbindung zur Stadt gebaut.

In den 1990er Jahren verkauft die evangelische Gemeinde ihr Gemeindehaus, um mit den Verkaufserlösen einen Teil ihres neuen Gemeindezentrums zu finanzieren. Das alte Bethaus wird zum Wohnhaus umgebaut. Ein Anbau aus den 1960er Jahren wird abgerissen.

OrtsteileBearbeiten

Rüdinghausen wird in drei Ortsteile („Statistische Bezirke“) eingeteilt:

Infrastruktur und WirtschaftBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Schienen-, Straßenbahn- und BusverkehrBearbeiten

Rüdinghausen wird durch die Linien 320, 320E und 376 der BoGeStra, 448 der DSW21 sowie 373 und 564 der VER mit Busverkehr erschlossen. Der Zielnetzplan NRW 2015 sieht die Verlegung des S-Bahnhof Dortmund-Kruckel an die Stadtgrenze zu Rüdinghausen vor.

StraßenBearbeiten

Rüdinghausen ist durch die Bundesautobahn 448 an das Fernstraßennetz angebunden.

Ansässige UnternehmenBearbeiten

FreizeitgestaltungBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Flohmarkt Ostermann – einmal monatlich, meistens am 1. Sonntag im Monat auf dem Parkplatz des Möbelhauses Ostermann A 44, Ausfahrt Witten-Annen
  • Rüdinghauser Weihnachtsmarkt/Adventstag

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Haus Almfrieden

Vereine und SporteinrichtungenBearbeiten

 
Schwimmbad des SuN-Witten (Privates Bad - NICHT Öffentlich!)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Angaben zur Fläche und zu den Einwohnerzahlen der Stadtteile (Memento des Originals vom 11. April 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.witten.de
  2. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 210.
  3. Rolf Swoboda, Michael Schenk: Die Rheinische Eisenbahn zwischen Hagen und Dortmund einschließlich der Zweigbahn nach Langendreer. 2005, ISBN 3-933254-59-0.
  4. André Joost: BetriebsstellenArchiv Witten-Rüdinghausen. In: NRWbahnarchiv. Abgerufen am 22. Juni 2017.
  5. http://www.getraenke-kuypers.com/
  6. http://www.proserv-electronic.de/index.html
  7. TuRa Rüdinghausen. Abgerufen am 21. Mai 2012.
  8. Sportfreunde Schnee. Abgerufen am 21. Mai 2012.
  9. Sport- und Naturfreunde Witten. Abgerufen am 21. Mai 2012.
  10. 1. Wittener Computer Club e. V.. Abgerufen am 25. April 2014.
  11. Rulof Albert: Spitzname Mellmausland. WAZ, 10. August 2009, abgerufen am 25. Dezember 2016.

LiteraturBearbeiten

  • Paul Brandenburg, Karl-Heinz Hildebrand: Witten. Straßen, Wege, Plätze. Mit einem Beitrag zur Siedlungsgeschichte Wittens von Heinrich Schoppmeyer (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Witten. Band 1). VOHM, Witten 1989, ISBN 3-920611-13-6.
  • Rüdiger Jordan: Von Kapitellen, Kanzeln und Taufsteinen. Ein spannender Führer zu 67 Kirchen und Klöstern im Ruhrtal. 1. Auflage. Klartext Verlag, Essen 2006, ISBN 3-89861-436-0.
  • Bädeker-Heppe: Geschichte der evangelischen Gemeinden der Grafschaft Mark II.

WeblinksBearbeiten

Commons: Witten-Rüdinghausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien