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Pfarrer

geistlicher Leiter einer christlichen Gemeinde; Pastor
Katholische Priester bei der Spendung der heiligen Kommunion

Pfarrer ist eine in christlichen Gemeinden verwendete Bezeichnung für eine Person, mit der Leitung einer Kirchengemeinde oder Pfarrei betraut ist und die Verantwortung trägt für die Leitung von Gottesdiensten, die seelsorglichen Betreuung und in der Regel auch für die Verwaltung der weltlichen Angelegenheiten der Pfarrei oder Kirchengemeinde. In der römisch-katholischen Kirche kann nur ein Priester Pfarrer einer Pfarrei sein. Anstelle der Leitung einer Gemeinde kann ein Pfarrer jedoch auch einen besonderen Dienst übernehmen. Die römisch-katholische Kirche, die Evangelische Kirche in Deutschland und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche regeln die Rechte und Pflichten der Pfarrer durch Kirchengesetz (Pfarrerdienstrecht), das sich weitgehend am staatlichen Beamtenrecht und an den Laufbahnen von Studienräten orientiert.

Inhaltsverzeichnis

EtymologieBearbeiten

 
Ein Pfarrer der Norwegischen Kirche bei der Konfirmation

Das Wort Pfarrer geht auf das ältere Pfarre „Amtsbezirk eines Pfarrers“ zurück, das vom griechischen παροικία („Nachbarschaft“) entlehnt wurde.[1] „Pfarrin“ bezeichnete im 19. Jahrhundert die Ehefrau des Pfarrers.[2]

AufgabenBearbeiten

 
Besuch beim Dorfpfarrer, Gemälde von Ludwig Knaus, 1905
 
Der Pfarrer, Gemälde von Ferdinand Hodler, 1879

Ein Pfarrer bekleidet in der Regel ein Pfarramt. In Mittel- und Norddeutschland wird der Pfarrer auch Pastor genannt. Die Stellung und Aufgaben eines Pfarrers sind in den christlichen Konfessionen unterschiedlich: In den evangelischen Kirchen und der Altkatholischen Kirche ist der Pfarrer aus dem Kreise der bei der jeweiligen Kirche verbeamteten Geistlichen entweder von der Gemeinde gewählt oder von der übergeordneten Kirchenleitung ernannt. Im zweiten Fall muss auf die Ernennung die Vokation durch den Kirchenvorstand erfolgen. In seltenen Fällen wird die Pfarrstelle aber auch nach Präsentation durch einen Patron besetzt.

In den evangelischen Kirchen wird man durch die Ordination zum Pfarrer. Ein Bewerber wird dadurch mit der öffentlichen Verkündigung des Wortes Gottes und der Verwaltung der Sakramente (vor allem Taufe und Abendmahl) beauftragt. In der Ordination verspricht der Pfarrer seelsorgerliche Verschwiegenheit und die Wahrung des Beichtgeheimnisses. Ein Pfarrer kann dann eine Gemeinde leiten oder auch in einem anderen Bereich geistliche Aufgaben erfüllen. Die meisten evangelischen Kirchen ordinieren Frauen und Männer ausschließlich ins Gemeindepfarramt und setzen für Sonderpfarrämter eine Praxiszeit im Gemeindepfarramt voraus.

In der römisch-katholischen Kirche wird ein geweihter Priester vom Diözesanbischof zum Pfarrer ernannt, nachdem er die entsprechenden Examina abgelegt hat. Neben der Spendung der Sakramente und der Verkündigung des Wortes Gottes in Gottesdienst und Seelsorge gehört zum klassischen Gemeindepfarramt immer auch die Verwaltung einer Gemeinde, etwa das Pflegen der Kirchenbücher und die dienstrechtliche Aufsicht über die Mitarbeitenden.

Um Pfarrer werden zu können, muss ein Bewerber Theologie studiert und Examina nach der Ordnung der jeweiligen Diözese abgelegt haben. In der Regel gibt es eine akademische und eine praktische Vorbereitungsphase für den Pfarrdienst. In der katholischen Kirche stehen vor der Priesterweihe die akademischen Prüfungen des Theologiestudiums und die Absolvierung der praktischen Ausbildung (Pastoralkurs) und nach der Priesterweihe und einer gewissen Dienstzeit als Kaplan in einer Pfarrei weitere Prüfungen (Pfarrexamen) nach der Ordnung des jeweiligen Bistums. Ein Pfarramt wird in der Regel erst verliehen, nachdem sich ein Priester einige Jahre im geistlichen Dienst bewährt hat.

Die Einführung eines Pfarrers in sein Amt bzw. in seine Gemeinde geschieht im Rahmen einer feierlich gestalteten Heiligen Messe. Dies soll bei der Gemeinde und beim Bewerber den Glauben stärken, dass Gott ihn in seinen Dienst beruft.

Neben dem Wirkungsbereich innerhalb einer Ortsgemeinde (Pfarrei; in Österreich: Pfarre) arbeiten Pfarrer auch in anderen Institutionen: Schulpfarrer, Krankenhauspfarrer, Gefängnispfarrer, Leiter karitativer Einrichtungen, Studenten-/Hochschulpfarrer, Studienleiter an katholischen Akademien oder evangelischen Akademien, Wirtschafts- und Sozialpfarrer, Betriebsseelsorger, Militärpfarrer, Polizeipfarrer, Fernsehpfarrer, Medienpfarrer, Zirkuspfarrer oder Schaustellerpfarrer. Katholische Geistliche in solchen Funktionen erhalten den Titel Pfarrer durch bischöfliches Dekret.

Pfarrer waren in früheren Zeiten gelegentlich auch in ganz anderen Bereichen tätig, etwa als Mathematiker, Techniker und Erfinder, zum Beispiel René-Just Haüy, Jacob Christian Schäffer, Michael Stifel, Friedrich Christoph Oetinger, Franz Senn und Philipp Matthäus Hahn. Politisch aktive Pfarrer waren bzw. sind Carl Sonnenschein, Peter Hintze und Joachim Gauck.

Katholischen Priestern ist seit 1983 durch das Kirchenrecht untersagt, öffentliche Ämter anzunehmen, die eine Teilhabe an der Ausübung weltlicher Gewalt mit sich bringen.[3]

KirchenrechtBearbeiten

Römisch-katholische KircheBearbeiten

In der römisch-katholischen Kirche amtiert der Pfarrer zwar unter der Autorität und im Namen des Bischofs, hat der Pfarrer jedoch erst einmal von seinem Amt Besitz ergriffen (Investitur), so kann ihn der Bischof ohne seine Einwilligung, besondere Gründe oder seinen Amtsverzicht nicht versetzen. Bis auf die Vollmacht, das Weihesakrament (Ordination) zu erteilen und die Firmung zu spenden, steht ihm die volle Jurisdiktion in seiner Pfarrei zu. Gemäß römisch-katholischem Kirchenrecht ist in der lateinischen Kirche der Pfarrer pastor proprius („der eigene Hirte“) der ihm anvertrauten Pfarrei.[4] Es ist dem Bischof jedoch möglich, den Pfarrer des Amtes zu entheben. Die Amtsgeschäfte in seinen Pfarreien führt der Pfarrer bis zu einem gewissen Grade frei, ist aber an die Vorgaben der Diözese gebunden und auf die Zusammenarbeit mit pastoralen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen in Räten (z. B. Kirchenvorstand, Pfarrverwaltungsrat, Pfarrgemeinderat und Ausschüssen) angewiesen.[5][6]

Eine besondere Stellung in der römisch-katholischen Kirche nimmt der Moderator ein. Entgegen dem Grundsatz, dass nur einer Pfarrer einer Pfarrei sein kann (can. 526 § 1 CIC 1983), ist es möglich eine Gruppe von Priestern mit der Seelsorge in einer Pfarrei zu beauftragen, unter denen jedoch einer als Leiter oder Moderator die Verantwortung gegenüber dem Bischof und die Koordination der Seelsorge übernehmen muss.[7] Eine Pfarrei kann ebenso einem Ordensinstitut oder einer Gemeinschaft des geweihten Lebens übertragen werden, jedoch muss auch hier ein geeignetes Mitglied dieser Gemeinschaften als Pfarrer oder Moderator ernannt werden.[8]

In Österreich gibt es auf Beschluss der Bischofskonferenz zudem eine weitere Form des Moderators: Diesem wird „die Verantwortung für eine Pfarre auf längere Zeit“ übertragen, er hat dieselben Befugnisse und Aufgaben wie ein Pfarrer, steht aber in einem Dienstverhältnis zur Diözese und wird nicht zum Pfarrer im vollen Sinne des can. 519 bestellt. Dies wird in erster Linie angewandt, um Seelsorger leichter versetzen zu können.[9]

Lutherische LandeskirchenBearbeiten

In den lutherischen Landeskirchen bestimmt die Kirchengemeindeordnung, dass die Kirchengemeinden vom Kirchenvorstand (bzw. Kirchengemeinderat) und Pfarrer gemeinsam geleitet werden. Die Mitglieder des Kirchenvorstandes sind hiernach verpflichtet, nach dem Maß ihrer Gaben und Kräfte zusammenzuarbeiten. Der Kirchenvorstand besteht aus gewählten Mitgliedern und Mitgliedern kraft Amtes (d. h. dem Pfarrer bzw. den Pfarrern). Vorsitz und stellvertretender Vorsitz werden von einem gewählten Mitglied und einem Mitglied kraft Amtes wahrgenommen. In der Württembergischen Evangelischen Landeskirche wird der Pfarrer in Verwaltungsangelegenheiten durch den Kirchenpfleger entlastet, der kraft Amtes auch Mitglied des Kirchengemeinderats ist und als Mitarbeiter der Kirchengemeinde vielfältige Verwaltungsaufgaben zu bearbeiten hat (Abwicklung der Einnahmen und Ausgaben, Buchungen, Haushaltsplan, Bauaufgaben, Personalangelegenheiten). Pädagogische Aufgaben oder solche der Sozialarbeit können in den evangelischen Kirchen einem Diakon übertragen sein. Auf diese Weise wird dem Pfarrer mehr Freiraum für seine Kernaufgaben in der geistlichen Gemeindearbeit verschafft.

Pfarrergesetze regeln kirchenintern die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Beziehung zwischen einzelnen Pfarrern und der Kirchenleitung.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Oliver Janz: Bürger besonderer Art. Evangelische Pfarrer in Preußen 1850–1914. de Gruyter, Berlin, New York 1994, ISBN 3-11-014140-X.
  • Oliver Janz: Kirche, Staat und Bürgertum in Preußen. Pfarrhaus und Pfarrerschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert. In: Luise Schorn-Schütte und Walter Sparn (Hrsg.): Evangelische Pfarrer. Zur sozialen und politischen Rolle einer bürgerlichen Gruppe in der deutschen Gesellschaft des 18. bis 20. Jahrhunderts (= Konfession und Gesellschaft, Bd. 12), Stuttgart 1997, S. 128–147.
  • Frank-Michael Kuhlemann: Bürgerlichkeit und Religion. Zur Sozial- und Mentalitätsgeschichte der evangelischen Pfarrer in Baden 1860–1914 (= Veröffentlichungen des Vereins für Kirchengeschichte in der Evangelischen Landeskirche in Baden, Bd. 58), Göttingen 2001.
  • Dimitrij Owetschkin: Die Suche nach dem Eigentlichen. Studien zu evangelischen Pfarrern und religiöser Sozialisation in der Bundesrepublik der 1950er–1970er Jahre (= Veröffentlichungen des Instituts für soziale Bewegungen, Schriftenreihe A–Darstellungen, Bd. 48), Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0506-1.
  • Paul Bernhard Rothen: Das Pfarramt. Ein gefährdeter Pfeiler der europäischen Kultur. Lit-Verlag, Münster 2009, 456 Seiten, ISBN 978-3-643-80026-8.
  • Luise Schorn-Schütte, Walter Sparn (Hrsg.): Evangelische Pfarrer. Zur sozialen und politischen Rolle einer bürgerlichen Gruppe in der deutschen Gesellschaft des 18. bis 20. Jahrhunderts (= Konfession und Gesellschaft, Bd. 12), Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-014404-9.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Pastors – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Pfarrer – Zitate
 Wiktionary: Pfarrer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Eintrag Pfarre
  2. Friedrich Jacobs (Philologe), Aurora oder die Erbschaft, Erzählungen, Leipzig 1824, gefunden in der "Encyclopädie der deutschen Nationalliteratur" von Oskar Ludwig Bernhard Wolff
  3. Codex Iuris Canonici can. 285 § 3
  4. Codex Iuris Canonici can. 519
  5. Codex Iuris Canonici cann. 536 und 537
  6. Handbuch der Pfarrverwaltung. Kommentare, Hinweise, Praxishilfen. In: Reinhild Ahlers (Hrsg.): Loseblattsammlung. 4. Ergänzungslieferung 2010. Ludgerus Verlag Hubert Wingen, Essen 2002, ISBN 3-87497-242-9, S. 4.1–5.2.
  7. Codex Iuris Canonici can. 517 § 1
  8. Codex Iuris Canonici can. 520 § 1
  9. Dekret über einheitliche Denomination der Pfarrseelsorger. In: Amtsblatt der Österreichischen Bischofskonferenz, Nr. 1 vom 25. Jänner 1984, 18. Abgerufen am 3. Mai 2019.