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Patrizia Immobilien

Globaler Anbieter von Immobilieninvestments
Patrizia AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000PAT1AG3
Gründung 1984
Sitz Augsburg, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 804[1]
Umsatz 351 Mio. Euro[1]
Branche Immobilienwirtschaft
Website www.patrizia.ag
Stand: 31. Dezember 2018

Die Patrizia AG (Eigenschreibweise PATRIZIA AG) mit Sitz in Augsburg ist ein im SDAX der Deutschen Börse notierter globaler Anbieter von Immobilieninvestments in Europa.

Das Unternehmen beschäftigte zum Jahresende 2018 rund 800 Mitarbeiter.[1] Die Geschäftstätigkeit umfasst unter anderem den Ankauf, die Verwaltung, die Wertoptimierung sowie den Verkauf von Wohn- und Gewerbeimmobilien. Institutionellen Investoren werden direkte und indirekte Immobilienanlagen in Deutschland und Europa angeboten. Seit 2016 bietet das Unternehmen über ihre Tochtergesellschaft PATRIZIA GrundInvest auch Fonds für Privatanleger an. Mit dem Kauf der GBW Gruppe (heute: Dawonia) im April 2013 stieg das von Patrizia betreute Immobilienvermögen auf über 12 Milliarden Euro.[2] Mit Bekanntgabe der Übernahme der Rockspring Property Investment Managers LLP, der Triuva Kapitalverwaltungsgesellschaft mbH und des globalen Dachfondsanbieters Sparinvest Property Investors (SPI) im vierten Quartal 2017 hat sich das verwaltete Immobilienvermögen von Patrizia, die Assets under Management, gegenüber dem Vorjahr 2016 auf 38,7 Mrd. Euro mehr als verdoppelt.[3] Bis Ende 2018 stiegen die Assets under Management auf 41 Mrd. Euro. Das Unternehmen ist an fünf deutschen Standorten vertreten und hat darüber hinaus Tochtergesellschaften in Amsterdam, Brüssel, Dublin, Helsinki, Kopenhagen, London, Luxemburg, Madrid, Mailand, Paris, Stockholm sowie Warschau. Hinzukommen fünf weitere Standorte in Hongkong, Melbourne, New York City, Seoul und Tokio, von denen aus Patrizia ihre Investoren in Nordamerika und Asien betreut. Das Unternehmen ist somit auf vier Kontinenten als Investor und Dienstleister auf dem Immobilienmarkt tätig.[1]

GeschichteBearbeiten

Das Unternehmen wurde im Jahr 1984 von Wolfgang Egger gegründet, der nach wie vor Vorstandsvorsitzender ist. Der Schwerpunkt lag dabei in München und Augsburg. So wurden Wohnungen in der Olympia-Pressestadt, Werkswohnungen der Bayer AG und weiterer Unternehmen sowie große Mietwohnungskomplexe in Perlach, Schwabing, Obergiesing und Augsburg erworben und überwiegend an die Mieter verkauft.

Nach dem Börsengang am 31. März 2006 erwarb die Patrizia in mehreren Transaktionen in Ballungsräumen Wohnungen und dehnte ihren Bestand zwischenzeitlich auf rund 13.000 Wohnungen aus.[4] Gleichzeitig erweiterte das Unternehmen seine geschäftlichen Aktivitäten und begann Spezialfonds für institutionelle Anleger aufzulegen. Zudem gründete es mit zwei internationalen Pensionskassen die PATRoffice GmbH & Co. KG, die in Gewerbeimmobilien investiert.[5]

2011 übernahm die Patrizia die Hamburger LB Immo Invest GmbH, die Spezialfonds im Bereich Gewerbeimmobilien auflegt, und baute damit dieses Geschäftsfeld weiter aus. In einem Co-Investment mit Versicherungen und Pensionskassen wurde Mitte Februar 2012 für 1,435 Milliarden Euro die LBBW Immobilien GmbH mit ca. 21.500 Wohnungen erworben.[6]

Im April 2013 erhielt ein durch die Patrizia geführtes Co-Investment von Versorgungskassen, Versicherungen und Sparkassen den Zuschlag für 92 % der Aktien der GBW AG. Diese verfügt über einen Wohnungsbestand von rund 32.000 Wohnungen in Bayern; der Bruttokaufpreis betrug 2,45 Milliarden Euro.[7] Im gleich Jahr übernahm die Patrizia die britische Tamar Group.[8]

2004 beauftragte die größte deutsche Pensionskasse BVV die Patrizia mit der Verwaltung und dem Asset-Management ihrer Immobilienbestände.

Nach der Integration von Rockspring, Triuva und Sparinvest erwarb Patrizia 2018 eine strategische Beteiligung an Evana, einem Unternehmen für künstliche Intelligenz, als Teil ihres erklärten Ziels, „der Technologieführer im europäischen Immobilieninvestmentmanagement“ zu werden.[9]

Im Januar 2019 gab Patrizia die Übernahme der japanischen Kenzo Capital Corporation bekannt. Kenzo ist eine japanische Plattform für europäische Kunden, die an Investments in japanische Wohnimmobilien interessiert sind.[10]

KritikBearbeiten

1992 berichtete Der Spiegel,[11] Wolfgang Egger habe mit der Aussage „Jede frei werdende Wohnung wird mit Asylanten belegt“ die Bewohner der Rote-Torwall-Straße 16 und Schülestraße 4 in Augsburg verunsichert; Egger bestritt diese Aussage.[11]

2004 gab es Klagen gegen die Baugenehmigung, mit der die Patrizia den Hamburger Schanzenturm in ein Mövenpick-Hotel umwandeln ließ. Später erhielt die gelungene Umgestaltung zwei Auszeichnungen, darunter 2008 einen Award der Immobilienmesse MIPIM.

Nach Auffassung der Bayerischen Staatsregierung musste, durch einem Regulierungsbeschluss der Europäischen Union, die Bayerische Landesbank einen Großteil ihres GBW-Immobilienbestandes veräußern. Stand April 2019 ist allerdings unklar, ob diese Aufforderung der Europäischen Union tatsächlich bestand und damit der Verkauf überhaupt notwendig war. Auch die Frage, ob der Freistaat nicht direkt als Käufer hätte eintreten können, ist weiterhin ungeklärt.[12][13] Die zuständige EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte, dass „der Verkauf der Wohnungsgesellschaft GBW auf Wunsch der BayernLB erfolgte und der Freistaat Bayern die Wohnungsgesellschaft GBW aus dem Besitz der Bayerischen Landesbank hätte kaufen können“.[14] In einem privatem Bieterverfahren erhielt die Patrizia anschließend den Zuschlag, musste sich jedoch einer von Finanzminister Söder zugesicherten „Sozialcharta XXL“ unterwerfen zum Bestandsschutz für die Mieter. Dennoch häuften sich bei Mietervereinen in Bayern Beschwerden über Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen, den Weiterverkauf von Wohnungen an Dritte oder Mieterhöhungen.[15] Dass die Sozialcharta dagegen tatsächlich eingehalten wurde, bestätigten 2013 sowohl unabhängige Wirtschaftsprüfer als auch Günther Beckstein als Ombudsmann.[16] Die Wirkung besagter Sozialcharta ist allerdings, auch durch ein Gerichtsurteil, durchaus umstritten.[17]

KonzernstrukturBearbeiten

 
Hauptsitz der Patrizia Immobilien AG in Augsburg (2014)

Im Zuge der Integration von Rockspring, Triuva und Sparinvest unter einer gemeinsamen Marke im Jahr 2018 änderte Patrizia ihr Operating Model, um der neuen paneuropäischen Struktur Rechnung zu tragen. Diese unterteilt die Funktionen in globale, paneuropäische und lokale Einheiten.

Gründer, Mehrheitsgesellschafter und Vorstandsvorsitzender des Unternehmens ist Wolfgang Egger. Seit August 2011 besitzt er über seine Verwaltungsgesellschaft First Capital Partner mehr als 51 Prozent der Patrizia-Stimmrechte.[18] Weitere Vorstandsmitglieder sind Karim Bohn, Anne Kavanagh und Klaus Schmitt. Im Aufsichtsrat sitzen Theodor Seitz, Alfred Hoschek und Uwe H. Reuter.[19]

Gemeinnützige StiftungBearbeiten

Wolfgang Egger gründete 1999 die Patrizia Children Foundation (ehemals Patrizia Kinderhaus-Stiftung). Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Augsburg ist weltweit tätig. Der Auftrag der Stiftung ist es, Kindern weltweit Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Dies geschieht durch die Errichtung von Schulen, Kinderkrankenhäusern und Kinderheimen. Im Jahr 2019, im Jubiläumsjahr, wurde die Stiftung in Patrizia Children Foundation umbenannt. Sie unterhält weltweit 18 Children Center, in denen bislang 200.000 Kinder Zugang zu Bildung erhalten haben, 20.000 Kinder konnten medizinisch versorgt werden und 200 Kinder erleben in den Kinderheimen der Stiftung einen Alltag in Sicherheit oder erhalten Pflege. Weitere Children Center sind geplant.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Patrizia Immobilien AG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Geschäftsbericht 2018. (PDF) PATRIZIA AG, abgerufen am 11. Juni 2019.
  2. Rede des Vorestandsvorsitzenden zur Hauptversammlung am 27. Juni 2014. (PDF) Abgerufen am 15. November 2017.
  3. Geschäftsbericht 2017. (PDF; 7,47 MB) PATRIZIA Immobilien AG, abgerufen am 10. Dezember 2018.
  4. Patrizia-Aktie startet über Ausgabepreis. In: Manager Magazin. 7. September 1992, abgerufen am 27. Juni 2014.
  5. Meilensteine. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 20. Juli 2013; abgerufen am 13. Juni 2013.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.patrizia.ag
  6. Patrizia Immobilien Pressemitteilung vom 14. Februar 2012 (Memento des Originals vom 19. Juni 2013 im Webarchiv archive.today)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.patrizia.ag
  7. Patrizia macht Mega-Immobiliendeal perfekt. Handelsblatt vom 8. April 2013. Abgerufen am 13. Juni 2013.
  8. Patrizia Immobilien Pressemitteilung vom 24. April 2013. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 21. Juli 2013; abgerufen am 13. Juni 2013.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.patrizia.ag
  9. Künstliche Intelligenz: Beteiligung. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  10. PATRIZIA erweitert asiatisches Netzwerk durch Kauf des japanischen Unternehmens KENZO Capital Corporation. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  11. a b „Früher war hier ein Blumenmeer“ – Wie Augsburger Altbauten mit Hilfe von Asylbewerbern entmietet werden. In: Der Spiegel. Nr. 37, 1992 (online).
  12. Streit um GBW-Verkauf geht nach EU-Stellungnahme weiter. In: Welt Online. 19. Juni 2018, abgerufen am 8. April 2019.
  13. Klaus Ott: Söder gerät weiter in Bedrängnis. In: Süddeutsche. 16. Juli 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 8. April 2019]).
  14. Walter Gröh: Die Privatisierung der GBW. Abgerufen am 8. April 2019.
  15. Jürgen Umlauft: Fragwürdige Sozialcharta. In: Bayerische Staatszeitung, 4. April 2014
  16. Sozialcharta GBW Gruppe. Abgerufen am 28. Oktober 2015.
  17. Klaus Ott: Kritik an Sozialcharta der GBW. In: sueddeutsche.de. 6. September 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 8. April 2019]).
  18. Firmenchef Egger übernimmt Aktienmehrheit. Wirtschaftswoche vom 26. August 2011. Abgerufen am 13. Juni 2013.
  19. Halbjahresfinanzbericht Januar bis Juni 2015. (PDF; 493 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) PATRIZIA Immobilien AG, archiviert vom Original am 24. September 2015; abgerufen am 10. August 2015.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.patrizia.ag

Koordinaten: 48° 22′ 10,7″ N, 10° 53′ 35,9″ O