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Cewe

deutsches Fotoentwicklungsunternehmen
CEWE Stiftung & Co. KGaA

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Rechtsform Stiftung & Co. KGaA
ISIN DE0005403901
Gründung 1961
Sitz Oldenburg, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 4.199[1]
Umsatz 653,3 Mio. Euro[1]
Branche Fototechnik, Druckerei
Website www.cewe.de
Stand: 31. Dezember 2018

Cewe, verkörpert durch die Cewe Stiftung & Co. KGaA (Eigenschreibweise: CEWE) mit Sitz in Oldenburg, ist Europas größter Fotodienstleister mit 14 Produktionsstandorten. Über die Marken cewe-print.de, Saxoprint, Laserline und viaprinto bietet Cewe als Online-Druckerei auch Geschäftsdrucksachen wie z. B. Flyer, Plakate, Broschüren und Visitenkarten an. Mit den Handelsketten Fotojoker (Polen), Japan Photo (Skandinavien), Fotolab (Tschechien und Slowakei) sowie Wöltje (Deutschland) ist das Unternehmen zudem im Foto-Einzelhandel aktiv.

GeschichteBearbeiten

Am 1. Mai 1912 gründete August Friedrich Carl Wöltje im niedersächsischen Oldenburg eine „Photographische Anstalt“. Ab 1924 erweiterte er sein Geschäft um den Verkauf von Kameras und Zubehör. Kurz nach der Währungsreform 1948 trat sein Schwiegersohn Heinz Neumüller in das Unternehmen ein.

1950 eröffnete Carl Wöltje eines der ersten Farblabore im Bundesgebiet und versorgte mit 17 Mitarbeitern einen Stammkundenkreis von mehreren 100 Fotogeschäften. Cewe wurde unter dem Namen Cewe Color im Jahr 1961 von Heinz Neumüller in Oldenburg gegründet. Der heutige Name kam dadurch zustande, dass er die Initialen seines Schwiegervaters Carl Wöltje zu dessen Ehre in die Firma mit aufnahm.

Um der steigenden Nachfrage nach Colorfotos gerecht zu werden, baute Cewe 1964 auf einem 50.000 m2 großen Gelände in Oldenburg-Kreyenbrück ein Foto-Großlabor. 1971 wurde das Unternehmen erstmals im Ausland aktiv und erschloss den niederländischen Markt. 1973 fusionierte Cewe mit der Vereinigten Color in Hamburg und Bremen. Die Firmenbezeichnung lautete von da an Vereinigte Cewe Color Betriebe. Im Laufe der folgenden Jahre übernahm Cewe noch weitere Labore im In- und Ausland und wurde im Zuge des Übergangs von der Schwarzweiß- zur Farbfotografie in den 70er Jahren zum Marktführer für Fotoentwicklung in Deutschland.[2]

Ab 1980 wurden in zahlreichen Verbrauchermärkten und Innenstädten Foto-Einzelhandelsgeschäfte eröffnet. Diese firmierten unter den Namen Ivema oder Fotopoint. Zudem war es ab sofort möglich, Fotos auf Geschenkartikel wie Tassen oder T-Shirts drucken zu lassen.

Von 1986 an eröffnete das Unternehmen weitere Betriebe in Mönchengladbach, Paris, Berlin, Worms und Dresden. 1989 führte Cewe die Eurocombi-Tasche zur Aufbewahrung von Fotoaufträgen ein. 1992 wurde die Firmengruppe unter dem Dach der Cewe Color Holding AG neu strukturiert und 1993 von Hubert Rothärmel an die Börse gebracht. Anschließend expandierte Cewe in Frankreich, Skandinavien und Osteuropa. Seit 1993 sind die Aktien des Unternehmens an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert.
Bereits 1994 stellte sich Cewe auf den Wandel von der analogen zur digitalen Fotografie ein und investierte in einen Printer, der Digitalfotos auf Fotopapier drucken konnte. Zudem war kurz zuvor der Cewe Photoindex eingeführt worden, eine Karte mit Miniaturfotos, die nach Ausbelichtung eines Films zusammen mit den fertigen Fotos und Negativen an den Kunden ausgeliefert wurde. Dies vereinfachte die Nachbestellung der Bilder. Der Cewe Photoindex war das erste digitale Massenprodukt überhaupt und gilt heute als Grundstein für die Digitalisierung des Unternehmens und der Branche im Allgemeinen.[3]
Ab 1995 konnten Bilder von Negativen gescannt, digitalisiert und als Bildershow auf einer Diskette ausgegeben werden. 1997 wurde aus dem Projekt die Cewe Image CD.[4]
Diese ließ sich auf DVD-Playern abspielen und enthielt neben den Fotos des Kunden auch eine Software zur Bildbearbeitung und -präsentation. Im gleichen Jahr stellte Cewe die erste Station zur Annahme digitaler Bilddaten in einem Foto-Fachgeschäft auf.[5] Zudem war es ab sofort möglich, Digitalfotos per Internet zu bestellen.[6]

2001 führte Cewe einen Foto-Terminal ein, der Digitalfotos annehmen und direkt am Point of Sale auf CD ausgeben konnte.[7] Bis zum 15. Juni 2007 war das Unternehmen im SDAX gelistet und stieg am 4. März 2009 erneut in den SDAX auf.[8] Daneben ist Cewe im niedersächsischen Aktienindex Nisax20 notiert.

2007 kam es zu einem Konflikt zwischen dem Cewe-Management und dem Aktionär M2 Capital Management AG, einer Schweizer Private-Equity-Gesellschaft. M2 Capital forderte eine drastische Erhöhung der Dividende, die nach Ansicht des Cewe-Vorstands sowie einiger Großaktionäre die Umstrukturierung und langfristige Ausrichtung des Unternehmens gefährdet hätte.[9][10][11] Die an M2 Capital beteiligten Investmentfonds warfen dem Cewe-Vorstand und -Aufsichtsrat Versagen vor und forderten den Rücktritt des Managements.[12] Der Angriff blieb ohne Erfolg. Sebastian Freitag, der als Inhaber der Investmentbank Freitag & Co. die beiden Hedgefonds M2 Capital und K Capital beriet und als deren Interessenvertreter im Cewe-Aufsichtsrat saß, trat am 8. Februar 2007 zurück.[13] Für das Geschäftsjahr 2007 wurde eine unveränderte Dividende von 1,20 Euro ausgeschüttet.[14] Sechs Jahre nach dem Konflikt änderte Cewe die Gesellschaftsform von einer Aktiengesellschaft (Cewe Color Holding AG) in eine Stiftung & Co. KGaA[15] und beschnitt damit die Einflussmöglichkeiten der Aktionäre.

2007 überstieg die Zahl der entwickelten Digitalbilder (1.515 Mio.) erstmals die Zahl der von Filmen entwickelten Fotos (1.277 Mio.). Im folgenden Jahr übernahm Cewe mit dem Unternehmen diron aus Münster einen Anbieter von Software und Beratungsdienstleistungen rund um den gewerblichen Druck. Anfang 2010 startete diron zunächst mit dem Piloten aprinto.de, daraus entstand später das Unternehmen viaprinto, eine Online-Druckerei für Unternehmen.[16]

2010 wurde Cewe von der Zeitschrift WirtschaftsWoche und der Unternehmensberatung A.T. Kearney für die erfolgreiche Transformation zum Digitalunternehmen als „Best Innovator“ ausgezeichnet.[17]

Im Januar 2012 hat Cewe die Dresdner Saxoprint GmbH (370 Mitarbeiter, Umsatz 2011: 31,4 Millionen Euro) übernommen. Damit ist das Unternehmen in den Markt der Online-Druckereien und den Geschäftskundenmarkt mit Auflagen bis zu 200.000 Exemplaren eingestiegen.[18]

EigentümerBearbeiten

Neben der Erbengemeinschaft des Unternehmensgründers, die seit 2007 durch Realisierung von Bezugsrechten mit 27,4 % vom Grundkapital die größte Aktionärin ist, halten Schroders plc, London, 3,00 %, Fidelity Investments 2,98 % und Sparinvest Holdings SE, Luxembourg, 2,74 % der Aktien. An eigenen Aktien werden 2,5 % gehalten. Der Rest ist breit gestreut.[19]

ProduktionBearbeiten

Cewe erzielt seinen Hauptumsatz mit der Produktion von Digitalbildern, Fotobüchern, personalisierten Geschenkartikeln, analogen Filmentwicklungen und Online-Druckaufträgen.

Das Unternehmen verfügte zum Jahresende über 14 Fotoentwicklungsbetriebe in Europa und beschäftigte rund 4.200 Mitarbeiter.[1]

Cewe führt für viele große Handelsketten und Drogeriemärkte die Fotoarbeiten aus. Durch Kooperation mit etwa 20.000 Handelspartnern in 26 europäischen Ländern werden täglich Kunden mit Fotoarbeiten sowohl über Verkaufsorte und Sofortfotostationen als auch über den Postversand beliefert.

Der Umsatz des Unternehmens betrug im Jahr 2018 653,3 Mio. Euro. Es wurden 2,2 Milliarden Fotos entwickelt. Die Produktion der Fotobücher erreichte 6,18 Millionen Stück.

Produktionsstandorte

Neben dem Unternehmenssitz in Oldenburg unterhält Cewe in Deutschland Produktionsstandorte in Mönchengladbach, Eschbach bei Freiburg, Germering bei München, Dresden, Berlin und Münster. Im europäischen Ausland verfügt Cewe über Standorte in Tschechien (Prag), Frankreich (Rennes, Montpellier), Polen (Koźle), Ungarn (Budapest) und dem Vereinigten Königreich (Warwick).

LiteraturBearbeiten

  • Johannes Blome-Drees und Reiner Rang: Die Aktivitäten von Finanzinvestoren in Deutschland am Beispiel der Cewe Color AG, Dokumentation auf der Grundlage leitfadengestützter Interviews mit Arbeitnehmervertretern der Cewe Color Ende 2007 im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 2009 (Digitalisat als PDF)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Cewe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Geschäftsbericht 2018. In: CEWE Stiftung & Co. KGaA. Abgerufen am 12. Mai 2019.
  2. Johannes Blome-Drees und Reiner Rang: Die Aktivitäten von Finanzinvestoren in Deutschland am Beispiel der Cewe Color AG. In: Hans Böckler Stiftung. Juni 2009, abgerufen am 3. März 2017.
  3. Klaus-Peter Jordan: Cewe schafft Zeitenwende. In: Neue Osnabrücker Zeitung. 23. August 2016, abgerufen am 3. März 2017.
  4. Hella Meyer: Image CD - Die digitale Lösung für jeden Analogfotografen. In: Presseportal. 5. September 2003, abgerufen am 3. März 2017.
  5. FOTO HITS-Redaktion: 25 Jahre digitale Bilder - CEWE feiert digitale Innovationen. In: FOTO HITS. 3. August 2016, abgerufen am 6. März 2017.
  6. Herbert Kaspar: CEWE 25 Jahre digital aufgestellt. In: d-pixx. August 2016, abgerufen am 6. März 2017.
  7. Hella Meyer: CeWe Color: Die Nutzung von Digitalkameras steigt rasant - aber wie kommt man schnell und kostengünstig an gedruckte Bilder? In: Presseportal. 6. Dezember 2001, abgerufen am 6. März 2017.
  8. Ftd:Außerplanmäßige Indexumstellung (Memento vom 31. Juli 2012 im Webarchiv archive.today)
  9. Pressespiegel auf der Homepage von Cewe Color
  10. Süddeutsche Zeitung vom 31. Januar 2007 Hedge-Fonds erpressen CeWe Color
  11. Erbengemeinschaft Neumüller unterstützt Vorstand.@1@2Vorlage:Toter Link/www.faz.net (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Februar 2007.
  12. Stellungnahme von M2 Capital (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/de.biz.yahoo.com, Fix CeWe Color Shareholder Site (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fixcewecolor.com
  13. n-tv, auf Basis einer Pressemitteilung von Cewe Color, 8. Februar 2007.
  14. Geschäftsbericht 2008 der Cewe Color AG, abgerufen am 17. Mai 2014.
  15. CEWE: Aktionäre beschließen Formwechsel , Pressemeldung auf www.dgap.de, 5. Juni 2013, abgerufen am 17. Mai 2014.
  16. Cewe Color Tochter bietet Dokumenten-Druck ohne Mindestauflage. In: imaging + foto contact. 24. November 2010, abgerufen am 6. März 2017.
  17. Hans-Jürgen Klesse: Wettbewerb "Best Innovator" - Die innovativsten Firmen des Jahres. In: Wirtschafts Woche. 4. Februar 2010, abgerufen am 6. März 2017.
  18. Heiko Weckbrodt: CeWe Color übernimmt Online-Druckerei Saxoprint. Abgerufen am 10. Februar 2012.
  19. Aktionärsstruktur. Abgerufen am 17. Mai 2015.

Koordinaten: 53° 6′ 3,5″ N, 8° 12′ 43,7″ O