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Drägerwerk AG & Co. KGaA

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Rechtsform Kommanditgesellschaft auf Aktien
ISIN DE0005550636
Gründung 1889
Sitz Lübeck, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 14.399[1]
Umsatz 2,595 Mrd. (2018)[1]
Branche Medizin- und Sicherheitstechnik
Website www.draeger.com
Stand: 31. Dezember 2018

Der Hauptsitz in Lübeck
Der Hauptsitz in Lübeck

Die börsennotierte Drägerwerk AG & Co. KGaA in Lübeck entwickelt, produziert und vertreibt Geräte und Systeme in den Bereichen Medizin- und Sicherheitstechnik (einschließlich der Tauchtechnik).

Noch heute werden Mitarbeiter des Rettungswesens im Bergbau in den USA auf Grund der Atemschutzgeräte der Drägerwerke als Drägermen bezeichnet.

UnternehmensbereicheBearbeiten

Der Konzern ist in zwei Hauptsparten mit weltweit über 100 Tochtergesellschaften aufgeteilt.[2]

  • Medizintechnik: Die Medizintechnik macht circa zwei Drittel des Umsatzes der Drägerwerk AG & Co. KGaA aus und firmierte vor der Verschmelzung mit der Muttergesellschaft 2015 eigenständig als Dräger Medical AG & Co. KG und zuletzt als Dräger Medical GmbH. Seit 2003 gab es in der Medizintechnik ein Joint Venture zwischen der Drägerwerk AG (75 Prozent) und der Siemens AG (25 Prozent). 2009 kaufte die Drägerwerk AG & Co. KGaA den Minderheitsanteil von 25 % der Siemens AG zurück.[3] Die Sicherheitstechnik firmiert weiterhin unter Dräger Safety AG & Co. KGaA. In der Medizintechnik bietet Dräger seinen Kunden unter anderem Anästhesiearbeitsplätze, Beatmungsgeräte für die Intensiv- und Notfallmedizin, Patientenmonitoring und Geräte für die medizinische Versorgung von Frühchen und Neugeborenen in der Perinatalmedizin (1975 entstand das Kleinkinder-Beatmungsgerät Babylog[4][5]). Mit Deckenversorgungseinheiten, IT-Lösungen für den OP und Gasmanagementsystemen steht das Unternehmen seinen Kunden im gesamten Krankenhaus zur Seite. Ab 1985 brachte Dräger seine Evita-Reihe mit weiterentwickelter Bildschirm- und Computertechnologie und damit einhergehender erweiterter Anpassung der maschinellen Beatmung an die Spontanatmung auf den Markt.[6] In der Medizintechnik erwirtschaftete Dräger im Jahr 2017 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 92,9 Mio. Euro.[7]
  •  
    Soldat der Recon Marines mit LAR V-Kreislauftauchgerät, 2009
    Sicherheitstechnik: Dräger ist einer der weltweit führenden Hersteller von Personenschutzausrüstungen und Gasmesstechnik sowie Systemanbieter kompletter Sicherheitsdienstleistungen in der Industrie, im Brandschutz, im Bergbau, im militärischen Bereich und in anderen Branchen. In der Sicherheitstechnik erwirtschaftete Dräger im Jahr 2017 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 62,8 Mio. €.[7] Das Unternehmen ist mit seinen rund 4000 Mitarbeitern in über 100 Ländern und mit rund 40 eigenen Tochtergesellschaften weltweit vertreten. Dräger Safety hat Produktionsstandorte in Deutschland, Großbritannien, Tschechien, USA, Schweden, Südafrika und China. Das Fertigungsprogramm der Sicherheitstechnik umfasst Atemschutzausrüstungen, stationäre und mobile Gasmesssysteme, professionelle Tauchtechnik sowie Alkohol- und Drogenmessgeräte. Darüber hinaus entwickelt Dräger gemeinsam mit seinen Kunden komplette Brandübungsanlagen, Trainingskonzepte und Schulungen.

GeschichteBearbeiten

 
Lubeca-Ventil 1890

Am 1. Januar[8] 1889 wurde das Unternehmen von Johann Heinrich Dräger und Carl Adolf Gerling als Firma Dräger & Gerling Stammsitz Lübeck gegründet. Im selben Jahr wurde das Lubeca-Ventil, ein Druckminderer, patentiert. 1899 brachte Dräger ein als Finimeter noch heute bezeichnetes Manometer für Atemgasflaschen auf den Markt.[9] Mit dem nach dem Lübecker Arzt Otto Roth benannten Roth-Dräger-Narkoseapparat gelang 1902 die Entwicklung eines Narkosegerätes, das bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland verwendet wurde.[10]

In diesem Jahr stieg Heinrich Drägers Sohn Bernhard in die Geschäftsführung ein; ab diesem Zeitpunkt firmierte das Unternehmen als Drägerwerk Heinr. und Bernh. Dräger.

1907 wurden ein Tauchretter für U-Bootbesatzungen und das Notfallbeatmungsgerät Pulmotor entwickelt; 1912 ein schlauchloses Helmtauchgerät, das die Sicherheit für Taucher erhöhte, da es die Gefahr des Reißens oder Verklemmens des Luftschlauchs beseitigte. Tieftauchversuche in einem Tauchsimulator führten 1914 zur Entwicklung einer frühen Dekompressionstabelle. 1926 entwickelte Dräger einen Bade-Tauchretter, ein Sauerstoffkreislaufgerät zur Rettung verunglückter Schwimmer. Von 1928 bis 1986 wurde das Unternehmen von Heinrich Dräger geleitet.

Während der Zeit des Nationalsozialismus waren im Drägerwerk Zwangsarbeiter beschäftigt. 1941 waren es etwa 1.200 von 7.000 Mitarbeitern.[9] Mit einem Transport aus dem KZ Ravensbrück wurden im Juni 1944 knapp 500 Frauen zur Zwangsarbeit in die Hamburger Drägerwerke nach Hamburg-Wandsbek verbracht. Bis April 1945 lebten sie in dem Außenlager Hamburg-Wandsbek des KZ Neuengamme in Baracken auf dem Werksgelände. Sie wurden in der Produktion von Gasmasken und zu Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen auf Hamburg eingesetzt. Mit einigen der Häftlinge wurden Menschenversuche über das Überleben in gasdichten Luftschutzräumen angestellt. Zu den Leitern des Lagers gehörte der SS-Hauptscharführer Max Kirstein. Die Befreiung der bis dahin etwa 550 Frauen gelang im Mai 1945 durch britische Soldaten und das schwedische Rote Kreuz.[11][12]

Durch die Zusammenarbeit des Drägerwerks mit dem in Lübeck tätigen Chirurgen Albert Lezius sowie den Hamburgern Paul Sudeck und Helmuth Schmidt (1895–1979) entstanden weitere moderne Narkose-, Wiederbelebungs- und Beatmungsgeräte.[13]

1953 wurden ein Alkohol-Teströhrchen und das militärische Sauerstoff-Kreislaufgerät Leutnant Lund II entwickelt. 1969 baute Dräger ein Unterwasserlabor vor Helgoland.

Seit 1970 ist das Drägerwerk eine Aktiengesellschaft. Nachfolger von Heinrich Dräger als Vorstandsvorsitzender wurde sein Sohn Christian Dräger, der bereits seit 1961 im Drägerwerk tätig war. 2003 wurde der Bereich Luft- und Raumfahrttechnik an den britischen Luftfahrttechnik-Konzern Cobham plc verkauft und 2004 Air-Shields übernommen.

Der Umsatz betrug 2009 1,9 Milliarden Euro, von denen ca. 1,5 Mrd. im Ausland erwirtschaftet wurden.[14] Vorstandsvorsitzender ist seit dem 1. Juli 2005 Stefan Dräger.

Im August 2006 wurde der Grundstein für den Neubau der Zentrale des Teilkonzerns Dräger Medical gelegt, die inzwischen bezogen ist.[15] Im Jahr 2010 wurde in Wandsbek eine KZ-Gedenkstätte eröffnet und ein Mahnmal für die Zwangsarbeiter errichtet.[16] Mitte 2016 wurde die Produktion der Medizin- und Sicherheitstechnik in einer neuen Fertigungsstätte am Standort in der Revalstraße in Lübeck zusammengeführt.[17]

OrganeBearbeiten

VorstandBearbeiten

Der Vorstand besteht aus folgenden Mitgliedern:[18]

  • Stefan Dräger (Vorsitzender)
  • Gert-Hartwig Lescow
  • Rainer Klug
  • Reiner Piske
  • Anton Schrofner

AufsichtsratBearbeiten

Der Aufsichtsrat besteht aus folgenden Mitgliedern:[19]

  • Stefan Lauer (Vorsitzender)
  • Siegfrid Kasang (stellvertretender Vorsitzender)
  • Bettina van Almsick
  • Nike Benten
  • Daniel Friedrich
  • Thorsten Grenz
  • Uwe Lüders
  • Thomas Rickers
  • Reinhard Zinkann
  • Astrid Hamker
  • Stephan Kruse
  • Maria Dietz

Kapitalstruktur und AnteilseignerBearbeiten

Drägerwerk war bis 2007 eine Aktiengesellschaft (AG) und ist seither eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (AG & Co. KGaA). Das gezeichnete Kapital ist in 10.160.000 Stammaktien und 7.600.000 stimmrechtslose Vorzugsaktien eingeteilt. Die Vorzugsaktien befinden sich zu 100 % im freien Handel und sind Bestandteil des TecDAX. Die Stammaktien befinden sich (2018) zu 71,32 % in der Hand der Familie Dräger, vorwiegend über die Dr. Heinrich Dräger GmbH.[20]

Einziger Komplementär (persönlich haftender Gesellschafter) der KGaA ist die Drägerwerk Verwaltungs AG, die sich zu 100 % im Besitz der Stefan Dräger GmbH befindet.[21]

SponsoringBearbeiten

Dräger unterstützt das Deutsche Feuerwehrmuseum in Fulda.

LiteraturBearbeiten

  • Johann Heinrich Dräger: Welt im Wandel. Lebenserinnerungen. Leibniz Verlag, St. Goar 2003, ISBN 978-3-931155-01-8 (Erstausgabe: 1913).
  • Damals. Dräger Mitarbeiter erinnern sich. Drägerwerk AG, Lübeck 1989.
  • Stefan Romey: Ein KZ in Wandsbek. Zwangsarbeit im Hamburger Drägerwerk. VSA-Verlag, Hamburg 1994, ISBN 978-3-87975-613-1.
  • Martin Thoemmes: Heinrich Dräger. In: Alken Bruns (Hrsg.): Neue Lübecker Lebensläufe. Wachholtz Verlag, Neumünster 2009, ISBN 978-3-529-01338-6, S. 175–182.
  • Welf Böttcher, Martin Thoemmes: Heinrich Dräger. Eine Biographie. Wachholtz Verlag, Neumünster 2011, ISBN 978-3-529-06123-3.
  • Ernst Bahns: Mit dem Pulmotor fing es an. Die Geschichte der maschinellen Beatmung. Drägerwerk, Lübeck 2014.
  • Michael Kamp: Bernhard Dräger: Erfinder, Unternehmer, Bürger. 1870 bis 1928. Wachholtz Verlag GmbH, 2017, ISBN 978-3-52906-369-5.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Drägerwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Geschäftsbericht 2018, abgerufen am 16. April 2019
  2. Bernd Müller-Dauppert: Logistik-Outsourcing: Ausschreibung, Vergabe, Controlling, S. 109. Verlag Heinrich Vogel, München 2005, ISBN 978-3-574-26090-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Pressemitteilung Dräger vom 29. Dezember 2009. (PDF; 22 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 20. Juli 2011.@1@2Vorlage:Toter Link/www.draeger.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Ernst Bahns (2014), S. 48 f. (Die Beatmung kleiner Patienten – Der Weg zum Babylog).
  5. Ernst Bahns (2014), 46 f. (Die nicht-invasive Beatmung mit Carina).
  6. Ernst Bahns (2014), S. 40–43.
  7. a b Geschäftsbericht 2017. Abgerufen am 4. Oktober 2018.
  8. Meinolfus Strätling, A. Schneeweiß, Peter Schmucker: Medizinische Universität zu Lübeck: Klinik für Anästhesiologie. In: Jürgen Schüttler (Hrsg.): 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin: Tradition und Innovation. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 2003, ISBN 3-540-00057-7, S. 479–486, hier: S. 479.
  9. a b Drägerwerk: die Geschichte des Unternehmens. (PDF; 1,5 MB) Abgerufen am 20. Juli 2011.
  10. Ulrich Koppitz, Alfons Labisch, Norbert Paul: Historizität: Erfahrung und Handeln, Geschichte und Medizin, S. 234. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-515-08507-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. KZ-Gedenkstätte Neuengamme: Hamburg-Wandsbek. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 18. Dezember 2014; abgerufen am 20. Juli 2011.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kz-gedenkstaette-neuengamme.de
  12. Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg: Interaktive Karte zur Zwangsarbeit in Hamburg. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  13. M. Strätling, A. Schneeweiß, Peter Schmucker: Medizinische Universität zu Lübeck: Klinik für Anästhesiologie. 2003, S. 479.
  14. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  15. Grundstein für neue Dräger Medical-Zentrale. In: HL-Live. 24. August 2006, abgerufen am 20. Juli 2011.
  16. Mahnmal am ehemaligen KZ-Außenlager Wandsbek-Drägerwerk wird eingeweiht. In: Pressearchiv. Stadt Hamburg, 29. Oktober 2010, abgerufen am 20. Juli 2011.
  17. Drägers "Zukunftsfabrik" entsteht planmäßig. Abgerufen am 4. Oktober 2018.
  18. Geschäftsbericht 2016. (PDF) Drägerwerk AG & Co. KGaA, abgerufen am 13. März 2017.
  19. Aufsichtsrat auf draeger.com, abgerufen am 7. August 2018
  20. Überblick über Aktionärsstruktur Website des Unternehmens
  21. Jahresbericht 2011, Seite 44 (PDF; 4,4 MB)


Koordinaten: 53° 51′ 36″ N, 10° 40′ 12″ O