Paradiso TI

Gemeinde in der Schweiz
TI ist das Kürzel für den Kanton Tessin in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Paradisof zu vermeiden.
Paradiso
Wappen von Paradiso
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton TessinKanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Luganow
Kreis: Kreis Paradiso
BFS-Nr.: 5210i1f3f4
Postleitzahl: 6900
Koordinaten: 716692 / 94395Koordinaten: 45° 59′ 28″ N, 8° 56′ 41″ O; CH1903: 716692 / 94395
Höhe: 274 m ü. M.
Höhenbereich: 270–640 m ü. M.
Fläche: 0,89 km²
Einwohner: 4247 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 4772 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
54,4 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.comune-paradiso.ch
Paradiso TI

Paradiso TI

Lage der Gemeinde
Lago MaggioreLago DelioLago di PianoLago di OriglioLago di MuzzanoLuganerseeComer SeeItalienItalienItalienKanton GraubündenBezirk BellinzonaBezirk LocarnoBezirk MendrisioAgno TIBioggioCademarioMuzzano TIVernate TIAlto MalcantoneArannoMigliegliaNovaggioCapriascaCapriascaOriglioPonte CapriascaPonte CapriascaKommunanz Capriasca/LuganoCollina d’OroGranciaMelide TIMorcoteParadiso TIVico MorcoteArognoBissoneBrusino ArsizioMaroggiaMelanoRovioLuganoCaslanoCurio TICurio TIMagliasoNeggioTresa TIPura TIAstanoBediglioraBediglioraCurio TIBedanoGravesanoManno TIMezzovico-ViraMezzovico-ViraMonteceneriTorricella-TaverneCadempinoCanobbioComano TICuregliaLamoneMassagnoPorzaSavosaSorengoVeziaKarte von Paradiso
Über dieses Bild
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Paradiso (bis 1929 Calprino) ist eine politische Gemeinde im Kreis Paradiso, Bezirk Lugano, im Schweizer Kanton Tessin.

GeographieBearbeiten

 
Luftbild aus 400 m von Walter Mittelholzer (1919)

Paradiso liegt am Luganersee am Fusse des Monte San Salvatore. Die an Lugano angrenzende Gemeinde geht nahtlos in diese über und wird daher fälschlicherweise oft nur als Stadtteil Luganos angesehen.

Paradiso hat eine internationale Seegrenze mit der italienischen Exklave und Gemeinde Campione d’Italia.

Geschichte und OrtsnameBearbeiten

Die Gemeinde heisst erst seit 1929 Paradiso, davor hiess sie jahrhundertelang Calprino. Die Fraktionen Calprino (am Nordhang des San Salvatore), Fontana (am See) und Guidino (ebenfalls am Nordhang des San Salvatore, aber östlich von Calprino gelegen) sind jeweils aus dem 12. bis 14. Jahrhundert erstmals bezeugt; die ebenfalls am See gelegene Fraktion Paradiso wird erstmals 1713 als «Paradiso di Fontana» erwähnt.[3]

In Fontana im Juli 1924 wurde ein Grab wahrscheinlich etruskischen Ursprungs entdeckt. Die Fraktion 1591 besass eine dem heiligen Eusebius geweihte Kapelle, die heute Santa Maria della Gerretta heisst.[4]

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850[5] 1900[5] 1950[5] 1970[5] 1980[5] 1990[5] 2000[5] 2005 2010 2020
Einwohner 254 791 1660 3101 3261 3372 3694 3524 3454 4341

PolitikBearbeiten

2
3
12
3
12 
Insgesamt 20 Sitze

Die Legislative von Paradiso ist der Consiglio comunale (Gemeinderat), der 20 Sitze umfasst. Die Grafik rechts zeigt seine Zusammensetzung im September 2020.[6]

Die Exekutive bildet der siebenköpfige Municipio (Gemeinderat). Im Oktober 2019 setzt er sich wie folgt zusammen: 5 FDP, 1 CVP, 1 Lega. Ihr steht seit 2015 als Sindaco (Stadtpräsident) Ettore Vismara (FDP) vor.[7]

Wirtschaft und VerkehrBearbeiten

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war Paradiso mit seinen an der Uferpromenade gelegenen Hotels ein im Vergleich zum geschäftigen Lugano ruhiger Erholungsort. Anfänglich wurde der Ort durch die Strassenbahn Lugano bedient, auf die der inzwischen ebenfalls eingestellte Trolleybus Lugano folgte. Inzwischen sind Paradiso und Lugano mit einer Autobuslinie verbunden. Es gibt ferner eine Schiffsverbindung zum Luganeser Debarcadero Centrale (der Hauptschiffsanlegestelle) sowie einen zwei Kilometer langen, aussichtsreichen Fussweg, der «Lungolago».

Nicht nur Hotels bestimmten Paradiso, sondern auch zahlreiche Villen in Hanglage (etwa die Villa Mersmann), hinter denen zugleich mit der Eröffnung der Gotthardbahn der Bahnhof Paradiso eingerichtet wurde. Die Uferstrasse verläuft von Paradiso entlang des Sees, unterhalb der Felswände des Monte San Salvatore, nach dem Ponte Diga, der Brücke zum Ostufer. Dort in Bissone gibt es eine Abzweigung nach Campione d’Italia, einer italienischen Enklave mit bekanntem Spielcasino. Hauptstrasse, Autobahn und Bahn verlaufen nun weitgehend parallel bis Chiasso, dem schweizerisch-italienischen Grenzort. Vor der Seebrücke bei Melide biegt die westliche Seeuferstrasse ab zum alten Handelsplatz und Fischerort Morcote.

Seit 1980 wurde Paradiso vom starken Durchgangsverkehr abschnittsweise durch den Bau der Autobahn entlastet, die von Paradiso Centro ausgehend, den Monte San Salvatore bis Ponte Diga untertunnelt und in Chiasso das Schweizer Autobahnnetz mit dem italienischen verbindet.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts wandelte Paradiso sein Gesicht. An die Stelle historischer, teils behäbiger Hotels traten und treten zunehmend Grossbauten, die sowohl von Dienstleistern genutzt werden als auch Wohneigentum mit Seeblick anbieten.

TourismusBearbeiten

Für Touristen ist Paradiso vor allem wegen der Talstation der San-Salvatore-Bahn von Bedeutung. Vom Monte San Salvatore (912 m ü. M.) aus hat man Aussicht über Lugano und den Luganersee. Viel genutzt wird der Wanderweg, der vom Gipfel südwärts nach Carona führt, mit dem Freischwimmbad und einem umfassenden Blick bis zum Monte Rosa. Von Carona aus ist auch der Alpengarten Parco San Grato leicht zu erreichen. Gleiches gilt für die landschaftlich wie kulturhistorisch interessante Collina d’Oro, welche eine Halbinsel im Luganersee bildet.

 
Rathaus von Paradiso

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Kirche Spirito Santo[8]
  • Kapelle Santa Maria della Gerretta
  • Palazzo Roeschli, Architekt: Arnoldo Ziegler[8]
  • Hotel Victoria au Lac[8]
  • Centro Cinque Continenti, Architekt: Mario Botta[8]
  • historischer Palazzo[8]
  • Castello Cattaneo, Architekt: Gino Coppedè[8]
  • Villa Antonietti im Ortsteil Morchino[8]
  • Uferanlage mit Wasserträgerin-Brunnen

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Antonio Barzaghi-Cattaneo (1834–1922), Kunstmaler
  • Luciano Zuccoli (1868–1929), Journalist, Schriftsteller
  • Totò (1898–1967), italienischer Schauspieler, Drehbuchautor und Liedtexter
  • Filippo Boldini (* 13. November 1900; † 28. Oktober 1989 in Lugano), Kunstmaler, Freskomaler, Mosaikarbeiter[9][10][11]
  • Adriana Ramelli (* 22. April 1908 (Adele) in Paradiso; † 4. März 1996 in Lugano), Leiterin der Kantonsbibliothek Lugano[12]
  • Vinicio Salati (* 9. Juli 1908 in Paradiso; † 27. Oktober 1994 in Lugano), Anarchist, Journalist, Freiwilliger im Spanischen Bürgerkrieg, Dichter, Schriftsteller, Träger des Schillerpreises, Musiker[13][14]
  • Duilio Arigoni (1928–2020), aus Gentilino, Chemiker, Ehrenbürger von Paradiso
  • Corrado Kneschaurek (* 1949), Hotelier in Paradiso, Präsident der Hotellerie Suisse, Sezione Ticino, Politiker (FDP), Gemeinderat von Muzzano TI[15]

SportBearbeiten

  • Football Club Paradiso[16]

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Paradiso TI – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter.Gemeinde Paradiso. Stand: 1. April 2012, abgerufen am 11. Juli 2014
  3. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 694.
  4. Celestino Trezzini: Fontana. In Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 3, S. 192 (PDF Digitalisat), abgerufen am 25. Dezember 2020.
  5. a b c d e f g Antonio Gili: Paradiso. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 1. Dezember 2009.
  6. Consiglio comunale. Comune di Paradiso, abgerufen am 7. November 2020 (italienisch).
  7. Composizione 2017-2020. Comune di Paradiso, abgerufen am 7. November 2020 (italienisch).
  8. a b c d e f g Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 341–342.
  9. Celestino Trezzini: Filippo Boldini. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz, Band 8, Supplement, S. 28 (PDF Digitalisat), abgerufen am 9. Oktober 2017.
  10. Claudio Guarda: Filippo Boldini. In: Sikart (Stand: 2005)
  11. Filippo Boldini (italienisch) auf https://uovodiluc.ch/artista-boldini-filippo.html
  12. Mario Frasa: Adriana Ramelli. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 27. Januar 2012, abgerufen am 12. Januar 2020.
  13. Giovanni Bonalumi: Vinicio Salati. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 14. März 2012, abgerufen am 29. April 2020.
  14. Vinicio Salati. In: Carlo Piccardi: Un „enfant terrible“ che guardava lontano. Vinicio Salati (1908–1994), S. 232; Idem: Fra i pionieri della radiofonia. Un documentario di Vinicio Salati su Gian Francesco Malipiero. In: Il Cantonetto 43, 2016, S. 242.
  15. Intervista a Corrado Kneschaurek, Albergatore (italienisch) auf lanostrastoria.ch/entries/
  16. Football Club Paradiso