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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Ochtendung
Ochtendung
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Ochtendung hervorgehoben

Koordinaten: 50° 21′ N, 7° 23′ O

Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-Koblenz
Verbandsgemeinde: Maifeld
Höhe: 200 m ü. NHN
Fläche: 24,07 km2
Einwohner: 5389 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 224 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56299
Vorwahl: 02625
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 086
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Marktplatz 4
56751 Polch
Website: www.ochtendung.de
Ortsbürgermeister: Lothar Kalter (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Ochtendung im Landkreis Mayen-Koblenz
Karte

Ochtendung ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Maifeld an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Polch hat.

GeographieBearbeiten

Ochtendung liegt in einem ehemaligen Vulkangebiet. Die nahegelegenen erloschenen Vulkane Karmelenberg und Tönchesberg sowie die nördlich gelegene Wannengruppe zeugen von vulkanischer Aktivität in verschiedenen Zeiträumen.

Ochtendung liegt in der Nähe der A 48 sowie der A 61 und hat jeweils eine eigene Autobahnabfahrt. Der Ort ist oberhalb des Nettetals gelegen. Nachbargemeinden sind Lonnig, Bassenheim, Plaidt, Kruft und Saffig. Bis vor einigen Jahren begann die B 258 in Koblenz und führte über Ochtendung nach Mayen und dann weiter bis nach Belgien am Nürburgring vorbei. Der Teil zwischen Koblenz und Mayen wurde wegen der Nähe zur Autobahn 48 abgestuft; seitdem ist dies die L 98.

Bis Ochtendung liegen noch heute [veraltet] die Schienen der ehemaligen Eisenbahnstrecke Strecke Koblenz-Lützel–Mayen Ost, die im Dezember 1983 für den Personenverkehr stillgelegt wurde. Heute verläuft auf der Strecke ab Ochtendung ein Bahntrassenradweg.

GemeindegliederungBearbeiten

Zu Ochtendung gehören die Ortsteile Alsingerhof, Emmingerhof, Sackenheimerhöfe (ehemaliger Ortsteil von Bassenheim), Fressenhof und Waldorferhof.

GeschichteBearbeiten

Der Name des Ortes Ochtendung leitet sich aus dem Wort Thing, Ding, (Ochtendung von „of demo dinge“) ab. Ein Thing war zu früheren Zeiten der Begriff für ein Gericht, oder genauer gesagt: für den Ort, an dem Gericht gehalten wurde.

Kaiser Karl IV. verlieh Ochtendung am 8. Januar 1354 Frankfurter Stadtrecht. 1563 umfasste die Ortschaft unter dem Namen Ochtendunk 75, 1683 64 Feuerstellen. Landesherrlich gehörte sie bis Ende des 18. Jahrhunderts zum Kurfürstentum Trier und bildete zunächst einen eigenen Amtsbezirk mit Sitz auf der Burg Wernerseck, unterstand später aber der Verwaltung des Amtes Münster-Maienfeld.[2]

Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Ochtendung; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[3][1]

 
Einwohnerentwicklung von Ochtendung von 1815 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Jahr Einwohner
1815 980
1835 1.384
1871 1.824
1905 2.518
1939 2.966
1950 3.518
Jahr Einwohner
1961 3.712
1970 4.067
1987 3.910
1997 4.970
2005 5.228
2017 5.423

ArchäologieBearbeiten

Die Südosteifel ist eine „Fundgrube“ für Archäologen. 3 km nördlich von Ochtendung, im Bereich des Vulkans „Wanneköpfe“, wurde 1997 von Axel von Berg eine Neandertalerkalotte mit 3 Steinartefakten (ein Breitschaber, ein diskoider Kern und ein kleiner Abschlag) gefunden.[4] Bei der Kalotte handelt es sich um das Schädeldach eines erwachsenen Mannes (30–45 Jahre), das unter dem Druck des Erdreichs in drei Teile zerbrochen war, die sich aber wieder nahtlos aneinanderfügen ließen. Ihr Alter ließ sich geologisch und mit der Leucin-Analyse auf 160.000–170.000 Jahre datieren; sie stammt also von einem sogenannten „frühen Neandertaler“. Besonders interessant ist die Kalotte aufgrund ihrer morphologischen Nähe zum homo erectus und weil sie an den Rändern Spuren von menschlicher Bearbeitung aufweist. Vermutlich wurde sie „umgearbeitet“ und als Werkzeug oder Schale genutzt. Die Kalotte wurde sehr schnell von Sediment bedeckt und befindet sich deshalb in einem sehr guten Erhaltungszustand.[5]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Ochtendung besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[6]

Wahl SPD CDU FWG Ich tu´s Gesamt
2019 10 9 3 22 Sitze
2014 10 9 2 1 22 Sitze
2009 11 7 2 2 22 Sitze
2004 9 10 2 1 22 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Ochtendung e. V.
  • Ich tu’s = Ich tu’s –DIE BÜRGER– Initiative e. V.

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Silber ein rotes durchgehendes Balkenkreuz, bewinkelt von vier schwarzen Ringen (Kreisen).“[7]
Wappenbegründung: Das rote Balkenkreuz in Silber ist das Wappen Kurtriers, zu dem Ochtendung über siebenhundert Jahre hindurch gehörte, die Kreise (Ringe) symbolisieren die alte Gerichtsstätte im Maifeld, seinerzeit „Ding“ oder „Thing“ genannt. Von diesem Begriff ist auch der Ortsnamen Ochtendung abgeleitet – „of demo dinge“ wurde der Ort in der ersten urkundlichen Erwähnung vom 10. Juni 963 genannt. Es handelte sich dabei um einen Schenkungsakt des fränkischen Gaugrafen Udo sowie seiner beiden Vizegrafen Raginbold und Bernhard zugunsten des Stiftes von Münstermaifeld.

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

Die Gemeinde unterhält Partnerschaften mit Caiazzo in Italien und La Chaussée-Saint-Victor in Frankreich.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Tumulus von Ochtendung

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Ochtendung

Siehe auch: Liste der Stolpersteine in Ochtendung

TourismusBearbeiten

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter von OchtendungBearbeiten

  • Johann Jakob Kraft (1808–1884), Weihbischof in Trier
  • Jakob Vogt (1902–1985), Gewichtheber
  • Werner Peters (1906–1990), Landwirt und Politiker (CDU)
  • Josef Rüber (1917–1977), Landwirt und Politiker (CDU)
  • Magdalena Frühinsfeld (* 1951), Praktische Ärztin in Wilhermsdorf
  • Jürgen Weigt (* 1957), General der Bundeswehr
  • Peter Peters (* 1962), Journalist und Fußballfunktionär
  • Harald Paganetti (* 1962), Professor an der Harvard Medical School, Boston[8]
  • Kristin Silbereisen (* 1985), Tischtennisspielerin

QuellenBearbeiten

  • Human Evolution, 19,1 S. 1–8 (2004) (Zeitschrift)
  • Terra Nostra, Schriften der GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung, 2006/2 (Kongresszeitschrift)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2018, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 145, 155, 215/216.
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  4. Neandertalerreste im Eifelkrater entdeckt (Memento vom 27. Juli 2011 im Internet Archive)
  5. Axel von Berg, Silvana Condemi & Manfred Frechen: Die Schädelkalotte des Neanderthalers von Ochtendung/Osteifel — Archäologie, Paläoanthropologie und Geologie. In: Eiszeitalter und Gegenwart. Hannover 2000 (online (Memento vom 25. März 2014 im Internet Archive) [PDF; 9,1 MB; abgerufen am 25. März 2014]).
  6. Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahlen 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  7. Ochtendung. Wappen. In: Das Maifeld. Abgerufen am 20. Dezember 2015.
  8. Harald Paganetti. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 22. Dezember 2015; abgerufen am 28. August 2014.