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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Winningen
Winningen
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Winningen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 19′ N, 7° 31′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mayen-Koblenz
Verbandsgemeinde: Rhein-Mosel
Höhe: 79 m ü. NHN
Fläche: 6,66 km2
Einwohner: 2434 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 365 Einwohner je km2
Postleitzahl: 56333
Vorwahl: 02606
Kfz-Kennzeichen: MYK, MY
Gemeindeschlüssel: 07 1 37 230
Adresse der Verbandsverwaltung: Bahnhofstraße 44
56330 Kobern-Gondorf
Website: www.winningen.de
Ortsbürgermeister: Eric Peiter
Lage der Ortsgemeinde Winningen im Landkreis Mayen-Koblenz
Karte
Ortsansicht
Mosel-Fähre bei Winningen 1930 (handkolorierte Schwarzweißaufnahme)

Winningen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mayen-Koblenz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rhein-Mosel an, die ihren Verwaltungssitz in Kobern-Gondorf hat. Winningen ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort.[2]

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Winningen liegt im Landschaftsschutzgebiet „Moselgebiet von Schweich bis Koblenz“ an der Untermosel zwischen Koblenz-Güls und Kobern-Gondorf auf der linken Moselseite. Nächstgelegene Städte sind an der Mosel Koblenz, etwa 5 km moselabwärts, sowie Cochem, etwa 40 km moselaufwärts.

Zu Winningen gehört auch der Wohnplatz Distelbergerhof.[3]

GeschichteBearbeiten

Winningen war bereits in römischer Zeit besiedelt. Beim Bau der A 61 wurden nahe Moseltalbrücke die Fundamente einer Villa rustica entdeckt, heute von der Schleife der Ausfahrt zur Autobahnraststätte Moseltal Ost umschlossen.[4]

Winningen wurde erstmals in einer Urkunde des Königs Ludwig II. vom 20. Oktober 865 unter dem Namen „Uuidinge“ genannt. Als König Arnulf am 23. Januar 888 der Reichsabtei St. Maximin die „Villa Rübenach“ im Mayenfeldgau mit ihren Zubehörungen schenkte, wurde darunter auch „Uuindiga“ gezählt. Diese Urkunde aus dem Jahr 888 ist möglicherweise verfälscht, aber auch später wurde Winningen stets bei den Maximinischen Gütern genannt: „Windingun“, „Windingis“, „Wendenges“, „Wendengias“.[5]

Güter in Winningen (Windinga) wurden 1016 von Kaiser Heinrich II. dem Nonnenkloster Kaufungen geschenkt. Im Jahr 1320 wird Ritter Hermann von Winningen erwähnt. Er besaß eine der ältesten dokumentierten Weinbergslagen, die er von Graf Wilhelm I. von Katzenelnbogen als Lehen erhielt. Dabei handelte es sich um einen Weingarten zu Winningen im Destil beim Garten des Heinrich Kind von Pfaffendorf, einen Weingarten am Wolfspfade und einen Weingarten am Gire.

Der Weinhex­brunnen, umgeben von einem Fachwerkensemble, spielt auf die Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert an. Oberhalb des Ortes auf dem Hexenhügel erinnert das derzeit älteste bekannte Denkmal aus dem Jahr 1925 an die Opfer der Hexenverfolgungen an diese Zeit.

Winningen ist traditionell eine evangelische Enklave in einem katholischen (ehemals kurtrierischen) Umland. Aufgrund der Rechtsnachfolge der Grafschaft Sponheim bestand in Winningen bis 1776 eine Doppelherrschaft zwischen Pfalz-Zweibrücken und der Markgrafschaft Baden. Da beide Herren in der Reformationszeit zum neuen Glauben übertraten, wurde auch Winningen evangelisch.

Von 1776 bis zur Besetzung durch französische Revolutionstruppen 1794 war Winningen badisch. Nach Ende der Franzosenzeit gehörte es zur preußischen Rheinprovinz.

Bei einem Raubüberfall zusammen mit vier Komplizen erschoss Dieter Freese am 14. Februar 1962 den Filialleiter der Sparkasse in Winningen. Nach einer spektakulären Flucht wurde Freese am 9. März 1962 gefasst und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.[6]

Statistik zur Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Winningen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2]

Jahr Einwohner
1815 1.270
1835 1.551
1871 1.661
1905 1.890
1939 1.990
1950 2.684
Jahr Einwohner
1961 2.399
1970 2.459
1987 2.457
2005 2.457
2011 2.483
2017 2.434
 
Einwohnerentwicklung von Winningen von 1815 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Winningen besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Bis 2014 gehörten dem Gemeinderat 16 Ratsmitglieder ab.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[7]

Wahl CDU FDP FBL Gesamt
2014 8 1 11 20 Sitze
2009 6 3 7 16 Sitze
2004 8 4 8 20 Sitze
  • FBL = Freie Bürgerliste Winningen e. V.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Das Winzerdorf war mehrfach Gewinner von Dorfverschönerungswettbewerben wie „Unser Dorf hat Zukunft“ und rühmt sich, eines der schönsten Dörfer Deutschlands zu sein. Winningen ist auch sehr bekannt für das „Winninger Moselfest“, das älteste Weinfest in Deutschland, sowie sein Wahrzeichen, die „Winninger Weinhex“.

BauwerkeBearbeiten

 
Die Moseltalbrücke, im Vordergrund der Uhlen

Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Winningen

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Hauptattraktion ist das alljährliche zehntägige Moselfest Ende August/Anfang September. Es ist das älteste und mit zehn Tagen Dauer längste Weinfest („Winzerfest“) an der Mosel.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WeinbauBearbeiten

Winningen wird vom Weinbau geprägt, der auf Terrassen oberhalb des Orts betrieben wird. Die Weinberge stellen zugleich Lebensräume für seltene Tiere (z. B. Apollofalter, Eidechsen) dar.

 
Der Uhlen

Der auf den Schieferterrassen wachsende Riesling gehört nach fachmännischem Urteil zu den besten Weinen der Welt. 2005 erhielt ein Winninger Uhlen Laubach Riesling Erste Lage aus dem Weingut Heymann-Löwenstein in Paris den Preis für den besten ausländischen Wein.[8] Dieses Weingut und das Weingut Reinhard und Beate Knebel sind auch auf der vom Stern (Zeitschrift) erstellten Liste der 100 besten Weingüter zu finden.[9]

Winningen gehört zum „Weinbaubereich Burg Cochem“ im Anbaugebiet Mosel. Im Ort sind 44 Weinbaubetriebe tätig, die bestockte Rebfläche beträgt 89 ha. Etwa 90 % des angebauten Weins sind Weißweinrebsorten (Stand 2007).[2]

Weinlagen (moselabwärts gesehen)[10]
  • Winninger Hamm
Der Winninger Hamm ist die kleinste Einzellage Winningens. Sie wird bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz unter der Weinlagennummer 440537 geführt. Der Name soll vom lateinischen Begriff Hammus für Flussbogen oder Krümmung abgeleitet sein. Der Winninger Hamm weist mit den Devonschieferschichten, die von Quarziten und tonigen Bodenanteilen durchzogen sind, eine ähnliche Bodenstruktur wie der Winninger Röttgen auf. Der Wein wird hier in Terrassen und in Steillagen angebaut.
  • Winninger Domgarten
Der Name weist auf den früheren kirchlichen Besitz hin. Bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz wird die größte Lage Winningens unter der Weinlagennummer 440536 geführt. Die Lage umfasst wie ein Rahmen den Ort Winningen. Im Bereich des Domgartens finden sich unterschiedliche Böden; im flachen Bereich überwiegen sandig-lehmige Schichten, in den steileren Lagen sind sie mit Schiefer angereichert. Dazu kommen Löss- und Bimsanteile, die den Boden für den Weinbau optimieren. Auch hier werden vorwiegend Rieslingweine angebaut.
  • Winninger Brückstück
Aus dieser Lage wurden die Steine für die Koblenzer Balduinbrücke gebrochen und auf Schiffen nach Koblenz transportiert. Daran erinnert heute noch der Name dieser Lage. Bei der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz wird sie unter der Weinlagennummer 440535 geführt. Neben Tonschiefer aus dem Devon bestimmen Bimssteinanteile den Boden. Der Bims wurde bei einem Ausbruch des Laacher See-Vulkans vor etwa 12000 bis 13000 Jahren als Eruptivasche abgelagert. Daraus entstanden sehr wasserdurchlässige Böden. Der Weinberg ist in Richtung Süden und Süd-Süd-Ost ausgerichtet. Angebaut werden überwiegend Rieslingtrauben im Terrassenweinbau.
  • Winninger Röttgen
Der Name des Winninger Röttgen ist von „roden“ abgeleitet. Sie wird als Einzelweinlage mit der Nummer 440539 geführt und liegt in Richtung Süd-Südost. Die Weine werden hier ausschließlich im Terrassenbau kultiviert. Der Boden enthält neben Schiefer aus dem Devon auch Quarzitadern und Lössanteile, die aus den oberen Hangbereichen permanent nachgespült werden. Der Löss puffert den pH-Wert und schützt so den Boden vor einer Übersäuerung.

Alle Winninger Weinlagen gehören zur Großlage Weinhex.

FremdenverkehrBearbeiten

Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus, der von den Schiffsanlegestellen und dem gern von niederländischen Besuchern frequentierten nahen Campingplatz profitiert.

Schifffahrtslinie der Köln-Düsseldorfer: Koblenz – Winningen – Treis – Cochem (nur Freitag, Samstag, Sonntag)

Schifffahrtslinie der Personenschifffahrt Gebr. Kolb: Cochem – Treis – Winningen – Koblenz (nur freitags)

Flugplatz Koblenz-WinningenBearbeiten

Der Flugplatz Koblenz-Winningen wird sowohl von Sportfliegern als auch von Geschäftskunden genutzt. Die Polizeihubschrauberstaffel des Landes Rheinland-Pfalz ist dort stationiert.

VerkehrBearbeiten

Am Moselufer entlang führt die B 416 am Ort vorbei. Diese verbindet Koblenz mit Treis-Karden und weiter die B 49 mit Cochem. Über eine Landstraße besteht Anbindung an die A 61, Abfahrt Koblenz-Metternich.

Am Bahnhof Winningen (Mosel) hält die zwischen Koblenz – Treis-Karden und Trier verkehrende Regionalbahn (Moseltalbahn) der Deutschen Bahn. Darüber hinaus verkehrt ein Bus von Koblenz nach Kobern-Gondorf.

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Johann Georg Ferdinand Jacobi (1766–1848), Jurist und Bürgermeister von Dresden.
  • Gottlob Jacobi (1770–1823), Unternehmer
  • Karl Wilhelm Arnoldi (1809–1876), Arzt und Naturforscher
  • August Horch (1868–1951), Autobaupionier
  • Lothar Krall (1924–2000), Politiker
  • Waltraud A.L. Jarrold MBE (* 1928), geb. Krall, Präsidentin der Norfolk & Norwich Koblenz Friendship Association (NNKFA), Gebietsweinkönigin Mosel-Saar-Ruwer (1950/51), Ehrenwinzerin (1999), Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz (2002)
  • Siglinde Krumme (* 1933), geb. Krall, Verlegerin, Autorin, Museumsleiterin, Bundesverdienstkreuz 2014
  • Horst Schulze (* 1939), Hotelier des Jahrhunderts (ehem. CEO von Ritz-Carlton, heute Präsident der West Paces Hotel Group)
  • Anne von Canal (* 1973), Schriftstellerin und Übersetzerin

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans Bellinghausen: Winningen: Ein deutsches Heimatbuch. 2 Bände. Rheinische Verlagsgesellschaft, 1923 und 1925.
  • Marko Kiessel: Die römische Villa von Winningen. Die römische Villa rustica „Auf dem Bingstel“, Gemeinde Winningen, Kreis Mayen-Koblenz. Untersuchungen zu Befunden, Fundmaterial und Besiedlungskontinuität. Gesellschaft für Archäologie an Mittelrhein und Mosel / Direktion Landesarchäologie Koblenz, Koblenz 2009, ISBN 978-3-9811687-5-4.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Winningen – Sammlung von Bildern
  Wikisource: Winningen – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerungsstand 2017, Gemeindeebene (Hilfe dazu).
  2. a b c Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile. Stand: Januar 2018[Version 2019 liegt vor]. S. 29 (PDF; 2,2 MB).
  4. Reinhard Schindler: Archäologie in Not. Was ist Bodendenkmalpflege? 30 Jahre archäologische Denkmalpflege in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland. In: Gerd Biegel (Red.): Das neue Bild der alten Welt. Archäologische Bodendenkmalpflege und archäologische Ausgrabungen in der Bundesrepublik Deutschland von 1945–1975 (= Kölner Römer-Illustrierte, Bd. 2). Römisch-Germanisches Museum, Köln 1975, S. 5–11, hier S. 9.
  5. Christian von Stramberg, Anton Joseph Weidenbach: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius, Band 17, Teil 2, R. F. Hergt, 1870, S. 569 (Online bei Google Books)
  6. 50 Jahre nach dem Raubmord: Lebt „Gangsterboss“ Freese noch? in: Rhein-Zeitung, 15. Februar 2012
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. siehe FAZ, 17. März 2005
  9. STERN 19/2007, S. 146
  10. Krieger, Joachim: Terrassenkultur an der Untermosel, Joachim Krieger Verlag, Neuwied 2003