Obermögersheim

Ortsteil der Stadt Wassertrüdingen

Obermögersheim ist mit 536 Einwohnern (Stand 1. September 2010) der größte Ortsteil der Stadt Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken (Bayern).

Obermögersheim
Koordinaten: 49° 3′ 32″ N, 10° 39′ 30″ O
Höhe: 455 m ü. NHN
Fläche: 12,59 km²
Einwohner: 536 (1. Nov. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 91717
Vorwahl: 09836
Das Dorf im Juni 2016
Pfarrkirche St. Anna
Friedhofskapelle St. Martin

GeografieBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt etwa vier Kilometer nordöstlich von Wassertrüdingen unweit der Grenze zum Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. In einer flachwelligen bis hügeligen Landschaft, zwischen dem Hahnenkamm und dem Fränkischen Seenland, liegt der Ort in einer breiten Mulde 454 m ü. NHN. Im Süden befindet sich die Anhöhe Wachtlerberg (587 m ü. NHN), im Norden der Rastberg (534 m ü. NHN), im Südwesten der Eiselberg (503 m ü. NHN). Im Süden liegt das Flurgebiet Stein, im Westen das Perlichfeld und im Osten das Winkelfeld.[2]

GeschichteBearbeiten

Das ehemalige Freidorf wurde erstmals 802 urkundlich erwähnt.[3]

Von 1163 bis 1366 ist ein Ortsadel nachweisbar, der sich von Megersheim nennt. Als Besitzer des Obermögersheimer Schlosses sind nachweisbar:

  • 1418–1448 Seitz von Kempnaten († 1448)
  • 1448–1491 Ulrich von Kempnaten († 1491), sein Sohn
  • 1491–1496 Jörg von Kempnaten († 1504), sein Sohn
  • 1496–1523 Bernhart von Rossau († 1523), sein Schwager
  • 1523–1579 Hans Georg I. von Rossau († 1579), sein Sohn
  • 1579–1595 Hans Georg II. von Rossau († 1595), sein Sohn
  • 1595–1606 Hans Georg III. von Rossau († 1606), sein Sohn
  • 1606–1622 Hans Wolf von Rossau († 1622), Sohn von Hans Georg I. von Rossau
  • 1623–1632 Wilhelm von Goltstein († 1632), Ehemann der Nichte des Hans Georg II. von Rossau
  • 1632–1667 Conrad Wilhelm Freiherr von Goltstein († 1713), sein Sohn
  • 1667–1669 Jobst Wilhelm von Jaxtheim († 1669), sein Schwager
  • 1669–1717 Christoph Sebastian von Jaxtheim († 1717), sein Sohn aus 1. Ehe
  • 1717–1773 Wolf Sigmund von Jaxtheim († 1773), sein Sohn aus 2. Ehe
  • 1773–1813 Juliana Philippina Wilhelmina Freiin von Stein zum Altenstein († 1813), geb. Freiin von Adelsheim, Enkelin des Wolf Sigmund von Jaxtheim, verheiratet mit Friedrich Ernst Freiherrn von Stein zum Altenstein († 1780)
  • 1813–1840 Karl Sigmund Franz Freiherr von Stein zum Altenstein († 1840), ihr Sohn, 1. Kultusminister in Preußen, und sein Bruder Sigmund Ludwig August Freiherr von Stein zum Altenstein († 1835)
  • 1840–1849 Louise Caroline Freiin von Stein († 1864), Tochter von Sigmund Ludwig August Freiherr von Stein zum Altenstein, verheiratet mit August Karl Freiherrn von Stein, einem Enkel von Goethes Freundin Charlotte von Stein

Der im Dreißigjährigen Krieg stark mitgenommene Ort konnte nach dem Friedensschluss durch zahlreiche österreichische Glaubensflüchtlinge neu besiedelt werden, die hier eine neue Heimat fanden.[4]

Obermögersheim lag im Fraischbezirk des ansbachischen Oberamtes Wassertrüdingen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es 93 Untertansfamilien. Grundherren waren ansbachische Ämter (42) und Oettingen-Spielberg (51).[5][6] Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Wassertrüdingen. Von März bis September 1806 cantonnierte das 34. französische Linienregiment der napoleonischen Truppen im Ort und in der Umgebung. Im Schloß war ein Lazarett eingerichtet.[7]

1806 kam Obermögersheim an das Königreich Bayern. Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde das Steuerdistrikt Obermögersheim gebildet, zu dem die Orte Kröttenbach, Laufenbürg und Nordstetten gehörten. Wenig später wurde die Ruralgemeinde Obermögersheim gebildet, zu der Laufenbürg gehörte. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Wassertrüdingen.[8] Die Gemeinde hatte eine Gebietsfläche von 12,591 km².[9]

Das baufällige Schloss wurde in den 1840er Jahren auf Abbruch verkauft.[10]

Im Zuge der Gebietsreform wurde Obermögersheim am 1. Juli 1972 nach Wassertrüdingen eingemeindet.[11]

BaudenkmälerBearbeiten

  • Burlesberg: Ehemalige Schafscheune, verputzter Massivbau mit tief heruntergezogenem Satteldach, 19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 1: Ehemaliges Bauernhaus, zweigeschossiges Wohnstallhaus mit Steildach und reich verziertem Portal, bez. 1895.
  • Haus Nr. 2: Gasthaus, zweigeschossiger Putzbau auf hohem Kellergeschoss mit Profilierungen und Satteldach, Mitte 19. Jahrhundert, Umbau 1881; Nebengebäude, schmaler verputzter Satteldachbau, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 62: Zwiehof: Wohnstallhaus, zweigeschossiger verputzter Satteldachbau, im Kern 18. Jahrhundert, bez. 1890; Scheune, zweigeschossiger Putzbau mit Satteldach, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 100: Evangelisch-lutherische Pfarrkirche, ehemals St. Anna, sogenannte Untere Kirche, schlichter verputzter Saalbau von 1821, Turm im Kern mittelalterlich; mit Ausstattung.
  • Haus Nr. 104: Evangelisch-lutherisches Pfarrhaus, zweigeschossiger Putzbau mit Mansardwalmdach, 1716.
  • Haus Nr. 108: Wohnstallhaus des ehemaligen Zweiseithofes, erdgeschossiger verputzter Satteldachbau, bez. 1764; Scheune, massiver Putzbau mit Satteldach, 2. Hälfte 19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 120: Teile der ehemaligen Schlossmauer, Haustein. (Adelssitz 1840 abgebrochen)
  • Haus Nr. 138: Gasthaus und ehemalige Brauerei Bickel, zweigeschossiger Putzbau mit Krüppelwalm, im Kern 17./18. Jahrhundert, umgebaut 1860; Nebengebäude mit Brauhaus, ein- und zweigeschossiger Putzbau mit Satteldach, 1865 anstelle älterer Brauanlagen errichtet; mit Ausstattung; Kellerhaus, mit Fachwerküberbau, wohl 18./19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 146: Wohnstallhaus des Zwiehofes, erdgeschossiger verputzter Sandsteinquaderbau mit Steildach, bez. 1902.
  • Haus Nr. 152: Erdgeschossiges massives Wohnstallhaus mit Zwerchhaus-Erweiterung, 18./19. Jahrhundert
  • Haus Nr. 156: Erdgeschossiges massives Wohnstallhaus, 18./19. Jahrhundert; massive Scheune; große Hoflinde.
  • Haus Nr. 194: Evangelisch-lutherische Friedhofskirche, sogenannte Obere Kirche, ehemals St. Martin, spätromanischer Chorturm mit Spitzhelm, flachgedecktes Langhaus, 15. Jahrhundert; mit Ausstattung; Friedhofsmauer, Bruchsteinmauerwerk.
  • Haus Nr. 206: Erdgeschossiges massives Wohnstallhaus mit Zwerchhaus-Erweiterung, 18./19. Jahrhundert

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Wassertrüdingen#Obermögersheim

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Obermögersheim

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 700 740 711 654 658 649 662 652 626 613 589 623 605 640 623 595 559 538 521 706 689 679 525 545
Häuser[12] 116 116 138 136 136 123 122 119
Quelle [13] [14] [15] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [21] [15] [15] [22] [15] [15] [15] [23] [15] [15] [15] [24] [15] [9] [25]

Ortsteil Obermögersheim

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002010 002017
Einwohner 686 722 642 653 604 595 544 667 515 535 479 536* 536*
Häuser[12] 114 114 134 135 122 120 117 111
Quelle [13] [14] [16] [18] [21] [22] [23] [24] [9] [25] [26] [1]
* inklusive Laufenbürg

VereineBearbeiten

Es gibt zahlreiche Vereine in Obermögersheim, darunter die Freiwillige Feuerwehr, Evang. Landjugend, Sport-, Reservisten-, Gartenbau-, Schützen- und Gesangsverein.

SonstigesBearbeiten

  • Bekannt wurde Obermögersheim unter anderem durch die Braumeisterin „Brui Mina“, Wilhelmina Bickel.
  • In Obermögersheim gibt es zwei Kirchen: St. Martin und St. Anna.
  • Leonhard Niederlöhner (1854–1930), Reichstagsabgeordneter, lebte hier.
 
Der Koder, das Wahrzeichen von Obermögersheim

VerkehrBearbeiten

Durch Obermögersheim verläuft die Kreisstraße AN 61/WUG 26, die den Ort mit Unterschwaningen und Gnotzheim verbindet. Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Geilsheim.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

 Commons: Obermögersheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Die wichtigsten Zahlen und Fakten in einer Übersicht auf der Website wassertruedingen.de
  2. Obermögersheim im BayernAtlas
  3. S. Buchner: Obermögersheim Chronik eines ehemaligen Freidorfes, S. 31f.
  4. Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Wassertrüdingen (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 28). GFF, Nürnberg 2014, ISBN 978-3-929865-61-5.
  5. Johann Bernhard Fischer: Megersheim. In: Statistische und topographische Beschreibung des Burggraftums Nürnberg, unterhalb des Gebürgs, oder des Fürstentums Brandenburg-Anspach. Zweyter Theil. Enthaltend den ökonomischen, statistischen und sittlichen Zustand dieser Lande nach den funfzehen Oberämtern. Benedict Friedrich Haueisen, Ansbach 1790, S. 383 (Digitalisat).
  6. J. K. Bundschuh, Bd. 3, Sp. 482.
  7. Staatsarchiv Nürnberg, BA Dinkelsbühl, 212-3, Nr. 1179.
  8. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 72 (Digitalisat).
  9. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, Abschnitt II, Sp. 763 (Digitalisat).
  10. S. Buchner: Obermögersheim, Chronik eines ehemaligen Freidorfes, S. 40–46, S. 120–150.
  11. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 448.
  12. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  13. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 67 (Digitalisat). Für die Gemeinde Obermögersheim zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Laufenbürg (S. 53).
  14. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 254 (Digitalisat). Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 735 Einwohner.
  15. a b c d e f g h i j k Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, S. 168, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  16. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1005, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  17. Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S. 157 (Digitalisat).
  18. a b Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1172, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  19. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Hergestellt auf Grund der neuen Organisation der Regierungsbezirke, Bezirksämter und Gerichtsbezirke. Nachtrag zum Heft 36 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1879, S. 61 (Digitalisat).
  20. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Heft 35 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1882, S. 176 (Digitalisat).
  21. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1104 (Digitalisat).
  22. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1169 (Digitalisat).
  23. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1206–1207 (Digitalisat).
  24. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, Abschnitt II, Sp. 1037 (Digitalisat).
  25. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, S. 172 (Digitalisat).
  26. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 331 (Digitalisat).