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Geilsheim

Ortsteil der Stadt Wassertrüdingen

Geilsheim ist ein Ortsteil der Stadt Wassertrüdingen im Landkreis Ansbach in Mittelfranken (Bayern).

Geilsheim
Koordinaten: 49° 1′ 51″ N, 10° 38′ 56″ O
Höhe: 446 (446–468) m ü. NHN
Fläche: 12,47 km²
Einwohner: 512 (1. Nov. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 91717
Vorwahl: 09832
Geilsheim, Luftaufnahme (2016)
Geschichtstafel am Parkplatz unterhalb des Pfarrhauses

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Das Pfarrdorf liegt etwa drei Kilometer südöstlich von Wassertrüdingen am Grundbach, einem linken Zufluss der Wörnitz. Am östlichen Ortsende fließt der Sulzbach zu, in der Ortsmitte ein weiterer, teils verrohrter Bach. Alle drei entspringen auf dem nordöstlich gelegenen bewaldeten Wachtlerberg (587 m ü. NN). Der Ort ist von Acker- und Grünland mit vereinzeltem Baumbestand umgeben. Im Nordwesten heißt die Flur Pitelberg, im Nordosten Streng, im Osten Altenbühl, im Süden Röte, Fuchsloch und Hart, im Südwesten Mühlberg und im Westen Hoher Buck und Hoher Berg.[2]

GeschichteBearbeiten

1273 wurde ein Ortsadeliger erwähnt: Friedrich von Geilsheim verkaufte seine Güter zu „Phlunuelt“ (Pflaumfeld) der Deutschordenskommende Eschenbach.[3] Geilsheim wurde nach einem adeligen Gutsbesitzer namens Gisel „Giselshaim“ benannt. Ursprünglich bestand der Ort aus zwei eigenständigen Dörfern (Geilsheim und das südlich davon gelegene Bühl) mit jeweils einer eigenen Pfarrei, die 1313 zusammengelegt wurden. Von dieser ehemaligen Eigenständigkeit zeugen noch zwei Kirchen, die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche als Hauptkirche und die in Bühl gelegene, ebenfalls evangelische Andreaskapelle, die zu besonderen Anlässen noch in gottesdienstlichem Gebrauch ist und sich durch ihr hohes Alter und die mittelalterlichen Fresken im Chorraum auszeichnet.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Geilsheimer Kirche 1646 von schwedischen Truppen in Brand gesteckt, wobei zahlreiche Bewohner des Ortes starben, die sich dorthin geflüchtet hatten. Zum Wiederaufstieg des Ortes trugen rund 130 Glaubensflüchtlinge (Exulanten) aus Österreich bei, die hier nach Kriegsende eine neue Heimat fanden.[4]

1800 gab es in dem Ort 101 Haushalte, von denen 90 dem ansbachischen Oberamt Wassertrüdingen und 11 dem Hochstift Eichstätt untertan waren.[5]

Mit dem Gemeindeedikt (frühes 19. Jahrhundert) wurde die Ruralgemeinde Geilsheim gebildet, zu der die Oberaumühle gehörte. Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Wassertrüdingen.[6] Die Gemeinde hatte 1961 eine Gebietsfläche von 12,466 km².[7] Von 1959 bis 1962 fand die Flurbereinigung statt. Im Zuge der Gebietsreform wurden beide Orte am 1. Mai 1978 nach Wassertrüdingen eingemeindet.[8]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Gemeinde Geilsheim

Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970
Einwohner 785 740 733 712 715 718 738 691 708 702 681 670 689 680 661 649 692 660 624 912 911 837 688 653
Häuser[9] 127 127 152 165 160 146 143 145
Quelle [10] [11] [12] [12] [13] [12] [14] [12] [12] [15] [12] [12] [16] [12] [12] [12] [17] [12] [12] [12] [18] [12] [7] [19]

Ortsteil Geilsheim

Jahr 001818 001840 001861 001871 001885 001900 001925 001950 001961 001970 001987 002010 002017
Einwohner 729 740* 701 728 691 682 685 905 683 648 618 498* 512*
Häuser[9] 126 127* 163 158 145 142 144 169
Quelle [10] [11] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [7] [19] [20] [1]
* inklusive Oberaumühle

BaudenkmälerBearbeiten

 
Pfarrkirche Heilig Kreuz
  • Geilsheim 62: Widenbauernhof: Dreiseithof, ursprünglich eingeschossiges Fachwerkhaus, (dendrochronologisch datiert) 1647, Errichtung des Obergeschosses (dendrochronologisch datiert) 1679, weitgehender Ersatz des ursprünglichen Fachwerkgefüges in Bruchsteinmauerwerk mit Wappenstein des Klosters Rebdorf, (dendrochronologisch datiert) bezeichnet „1738“; Scheune, breitgelagerter verputzter Satteldachbau, (dendrochronologisch datiert) 1867; ehemaliger Schweinestall, kleiner Putzbau mit Satteldach, Bruchsteinmauerwerk, 19. Jahrhundert; Teilstücke der massiven Einfriedung
  • Geilsheim 64: Ehemaliger Pfarrhof: Pfarrhaus, zweigeschossiger Putzbau mit Steildach, 18. Jahrhundert; Nebengebäude, kleiner verputzter Satteldachbau, gleichzeitig; Einfriedung, barocke Sandsteinpfeiler mit Kugelbekrönung und Werksteinmauer, gleichzeitig; ehemalige Scheune, verputzter Satteldachbau, gleichzeitig
  • Geilsheim 68: Evangelische Pfarrkirche, ehemals Heilig Kreuz, gotische Chorturmkirche, im Kern 14. Jahrhundert, angefügtes Langhaus Anfang 16. Jahrhundert, Turmoktogon und Glockenhaube 1727; mit Ausstattung; Friedhofsmauer, spätmittelalterliche Bruchsteinmauer mit eingelassenen Grabsteinen
  • Evangelische Kapelle, ehemals St. Andreas, gotische Chorturmkirche des 14. Jahrhunderts mit angefügtem Langhaus von 1746; mit Ausstattung; Friedhofsmauer, spätmittelalterliche Bruchsteinmauer mit Treppenaufgang
  • Scheune, sogenannter Seestadel, breitgelagerter doppeltoriger Halbwalmdachbau, bez. 1784

Liste der Baudenkmäler in Geilsheim

Bildung und KulturBearbeiten

Die Grundschule wurde bereits in den 1980er Jahren geschlossen. Heute ist im ehemaligen Schulgebäude eine Einrichtung für Kinder mit Sprachschwächen (SVE – Schulvorbereitende Einrichtung) untergebracht. Im Jahre 2007 wurde das Gebäude erheblich verändert. Das neue Feuerwehrhaus wurde angebaut, die Pausenhalle abgerissen und diverse Räumlichkeiten renoviert.

 
Geilsheim Dorfgemeinschaftshaus und Spielplatz

Der örtliche Kindergarten wurde 2004 geschlossen und das Gebäude zur Nutzung als Wohnhaus verkauft. Außer dem Sportgelände mit Fußballplatz und Tennisplatz gibt es seit 2008 auch einen Flugplatz für Ultraleichtflugzeuge.

 
Flugplatz Geilsheim, Luftaufnahme (2016)

Beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ erhielt Geilsheim 1981 die Goldmedaille der Bayerischen Staatsregierung. Der Ort wird durch ein reichhaltiges kulturelles Leben sowie den großen Zusammenhalt unter den Einwohnern geprägt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Theateraufführungen des Geilsheimer Kulturvereins im Gemeinschaftshaus alljährlich zu den Höhepunkten in der Adventszeit zählen. Der nahe Turtelberg ist ebenfalls jährlicher Veranstaltungsort des Kulturvereins (Turtelbergfest im August). Von hier aus hat man eine Aussicht bis in den Jura, ins Oberland und ins Wörnitztal. Die römische Geschichte hat auch bei Geilsheim ihre Spuren hinterlassen: Am Fuße des Turtelberges befinden sich die Überreste einer „Villa rustica“ unter der Erdoberfläche.

VerkehrBearbeiten

Durch Geilsheim verläuft die Staatsstraße 2218, die südlich von Wassertrüdingen bei Zollhaus in die Staatsstraße 2221 mündet bzw. in der anderen Richtung in Ostheim in die B 466. Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Obermögersheim und zur Staatsstraße 2221.

PersönlichkeitenBearbeiten

In Geilsheim wurde am 9. Dezember 1862 Georg Bickel geboren. Er starb am 13. Juli 1924 in Mönchsroth, wo er Pfarrer war. Er wird als „Malerpfarrer“ bezeichnet.[21][22]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Geilsheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Die wichtigsten Zahlen und Fakten in einer Übersicht auf der Website wassertruedingen.de
  2. Geilsheim im BayernAtlas
  3. Robert Schuh: Gunzenhausen. Ehemaliger Landkreis Gunzenhausen. Reihe Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Mittelfranken, Bd. 5: Gunzenhausen. Kommission für bayer. Landesgeschichte, München 1979, S. 212.
  4. Eberhard Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Wassertrüdingen (Quellen und Forschungen zur fränkischen Familiengeschichte, 28). GFF, Nürnberg 2014, ISBN 978-3-929865-61-5.
  5. J. K. Bundschuh, Bd. 2, Sp. 288.
  6. Adreß- und statistisches Handbuch für den Rezatkreis im Königreich Baiern. Kanzlei Buchdruckerei, Ansbach 1820, S. 71 (Digitalisat).
  7. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, Abschnitt II, Sp. 762 (Digitalisat).
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 707.
  9. a b Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
  10. a b Alphabetisches Verzeichniß aller im Rezatkreise nach seiner durch die neueste Organisation erfolgten Constituirung enthaltenen Ortschaften: mit Angabe a. der Steuer-Distrikte, b. Gerichts-Bezirke, c. Rentämter, in welchen sie liegen, dann mehrerer anderer statistischen Notizen. Ansbach 1818, S. 28 (Digitalisat). Für die Gemeinde Gailsheim zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Aumühl (S. 7).
  11. a b Eduard Vetter (Hrsg.): Statistisches Hand- und Adreßbuch von Mittelfranken im Königreich Bayern. Selbstverlag, Ansbach 1846, S. 252 (Digitalisat).
  12. a b c d e f g h i j k l m n Historisches Gemeindeverzeichnis. Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952. In: Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192. München 1953, S. 167, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  13. a b Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, Sp. 1004, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  14. a b kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. München 1877, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen von 1871), Sp. 1170, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  15. a b Karl von Rasp: Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Hrsg.: K. Bayer. Statistisches Bureau. München 1888, Abschnitt III, Sp. 1102 (Digitalisat).
  16. a b K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, Abschnitt II, Sp. 1168 (Digitalisat).
  17. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, Abschnitt II, Sp. 1205 (Digitalisat).
  18. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, Abschnitt II, Sp. 1036 (Digitalisat).
  19. a b Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, S. 169 (Digitalisat).
  20. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, S. 331 (Digitalisat).
  21. Susanne Finckh, Gunther Reese: Georg Bickel. Der Malerpfarrer von Mönchsroth. Aus dem Leben eines Dorfpfarrers um die Jahrhundertwende. Begleitbuch zur Ausstellung in der Klosterkirche Mönchsroth vom 19. Juni bis 15. August 1994. Mönchsroth 1994.
  22. Ludwig Schneller: Georg Bickel, ein fränkisches Pfarr-Original. 1938.