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Liste der von den Vereinten Nationen nicht als selbstständige Staaten anerkannten Gebiete

Wikimedia-Liste
  • Keinerlei internationale Anerkennung
  • Nicht-UNO-Mitglied, nur von anderen Nicht-UNO-Mitgliedern anerkannt
  • Nicht-UNO-Mitglied, von mindestens einem UNO-Mitglied anerkannt
  • UNO-Mitglied, von mindestens einem anderen UNO-Mitglied nicht anerkannt
  • Diese Liste sammelt verschiedene geopolitische Einheiten, die von den Vereinten Nationen nicht als selbstständige Staaten anerkannt werden.

    Die meisten dieser Länder sind Teile einer Nation mit einer eigenen nationalen Identität, die sich von ihrem Mutterland abgespalten haben. Man bezeichnet sie daher als (englisch) „Break-away“-Staaten. Sie sind zwar nach der Drei-Elemente-Theorie Staaten, werden aber vom Großteil der etablierten Staaten nicht als solche anerkannt. Diese Länder werden im Deutschen als De-facto-Regime bezeichnet.

    Einige Territorien sind selbstverwaltete autonome Regionen oder Protektorate mit militärischem Schutz und informellen diplomatischen Auslandsvertretungen durch einen anderen Staat.

    Aktuelle StaatsgebildeBearbeiten

    Nicht-Mitglieder der Vereinten Nationen mit eingeschränkter internationaler AnerkennungBearbeiten

     
    Staaten, die die Republik Abchasien anerkennen
    Nach der Besetzung des unabhängigen Georgiens durch das bolschewistische Russland 1921 wurde Abchasien zunächst von Georgien getrennt, 1931 wurde es jedoch zu einer Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (ASSR) innerhalb der Georgischen SSR. 1992 rief der Oberste Sowjet der Abchasischen ASSR die Unabhängigkeit von Georgien aus, was zu einem Krieg (1992–1994) führte. Der Waffenstillstand vom Juni 1994 hat im Wesentlichen standgehalten und Abchasien außerhalb der Kontrolle der Regierung Georgiens belassen. Im Zuge des Kaukasuskrieges 2008 wurde die Unabhängigkeit Abchasiens anerkannt:
    • am 26. August 2008 von Russland,
    • am 5. September 2008 von Nicaragua,[1]
    • am 10. September 2009 von Venezuela[2]
    • am 15. Dezember 2009 von Nauru[3]
    • am 23. Mai 2011 von Vanuatu,
    • am 18. September 2011 von Tuvalu,
    • am 29. Mai 2018 von Syrien.

    Vanuatu und Tuvalu zogen die Anerkennung 2013 bzw. 2014 wieder zurück.

     
    Staaten mit diplomatischen Beziehungen zur Republik China
     
    Staaten, die die Republik Kosovo anerkennen
     
    Staaten, die die Republik Südossetien anerkennen
    • Sudossetien  Die Republik Südossetien ist ein selbsternannter Staat im Norden Georgiens, der von Nauru, Nicaragua, Russland, Syrien und Venezuela sowie drei anderen international nicht anerkannten Mitgliedstaaten der Gemeinschaft nicht-anerkannter Staaten, Abchasien, Arzach und Transnistrien, anerkannt wird.
    Nach der Besetzung des unabhängigen Georgiens durch das bolschewistische Russland 1921 wurde es als Südossetische Autonome Oblast in Georgien Teil der Sowjetunion. Im Jahr 1991 wurde die Unabhängigkeit ausgerufen und 1992 ein Waffenstillstand vereinbart. Nach erneuten militärischen Auseinandersetzungen und einem Eingreifen Russlands wurde die Unabhängigkeit Südossetiens anerkannt:
    • am 26. August 2008 von Russland,
    • am 5. September 2008 von Nicaragua,[1]
    • am 10. September 2009 von Venezuela,[2]
    • am 16. Dezember 2009 von Nauru[3] und
    • am 19. September 2011 von Tuvalu,
    • am 29. Mai 2018 von Syrien.

    Tuvalu zog die Anerkennung 2014 wieder zurück.

    • Nordzypern  Die Türkische Republik Nordzypern geht auf den Türkischen Bundesstaat von Zypern zurück, der 1975 im nördlichen Teil Zyperns ausgerufen worden war, nachdem 1974 türkische Truppen im Zypernkonflikt interveniert und den nördlichen Teil der Insel besetzt hatten. 1983 erklärte der Türkische Bundesstaat von Zypern unter dem Namen Türkische Republik Nordzypern seine Unabhängigkeit. Diese wird von einem UN-Mitgliedstaat, der Türkei, anerkannt. Ein Plan der Vereinten Nationen mit dem Ziel, die beiden zypriotischen Staaten zu vereinen, wurde 2004 in einem Referendum von der Bevölkerung der Türkischen Republik Nordzypern angenommen, jedoch von der Bevölkerung des von der Regierung der Republik Zypern kontrollierten Teiles der Insel abgelehnt. Weitere Versuche, eine Wiedervereinigung herbeizuführen, sind bislang erfolglos geblieben.
     
    Staaten mit diplomatischen Beziehungen zu den Cookinseln
    • Cookinseln  Die Cookinseln sind ein selbstverwaltetes Territorium in Ozeanien, das in freier Assoziierung mit Neuseeland steht. Deutschland hat die Cookinseln im März 2001 als selbstständigen Staat anerkannt. Diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern wurden am 11. September 2001 aufgenommen. Der deutsche Botschafter in Wellington ist auch auf den Cookinseln akkreditiert. Insgesamt haben 52 Staaten bis Dezember 2018 die Cookinseln als selbstständigen Staat anerkannt, darunter China, Australien und die Schweiz. Von Neuseeland sind die Cookinseln seit 1993 anerkannt.
     
    Staaten mit diplomatischen Beziehungen zu Niue
    • Niue  Niue ist wie die Cookinseln ein selbstverwaltetes Territorium in freier Assoziierung mit Neuseeland, sowie eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth of Nations. Bis September 2016 haben 20 Staaten Niue als selbstständigen Staat anerkannt, darunter bislang kein deutschsprachiger Staat. Ebenso wie die Cookinseln erkennt Neuseeland Niue seit 1993 an.

    Staatliche und staatsähnliche Gebiete ohne die gewünschte internationale AnerkennungBearbeiten

    • Arzach Republik  Die Republik Arzach, bis 2017 Republik Bergkarabach, ist (seit 1991) ein selbsternannter und teilweise funktionsfähiger unabhängiger Staat, wird jedoch nicht als unabhängig anerkannt. Auch das angrenzende Armenien erkennt den Staat nicht an, behält sich dies aber im Falle des Scheiterns von Verhandlungen vor. International wird es als Teil von Aserbaidschan gesehen, ist jedoch mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Die Republik ist Teil der Gemeinschaft nicht-anerkannter Staaten, deren Mitgliedstaaten einander anerkennen.
    • Somaliland  Die Republik Somaliland (seit 1991)1 befindet sich im Nordwesten Somalias. Im Mai 1991 riefen Politiker im Norden eine unabhängige Republik Somaliland aus, die mittlerweile fünf der achtzehn Verwaltungsregionen von Somalia umfasst. Dies entspricht dem Britischen Somaliland, welches sich zwischen Äthiopien, Dschibuti, Puntland und dem Golf von Aden erstreckte.
    • Transnistrien  Transnistrien ist der Teil der Republik Moldau östlich des Flusses Dnister und seit 1990 ein selbsternannter, teilweise funktionsfähiger Staat ohne internationale Anerkennung irgendeines UN-Mitgliedstaates. Die Bevölkerung besteht in der Mehrzahl aus Ostslawen im Gegensatz zur Gesamtheit Moldaus aus einer Majorität von Moldauern. Die Republik ist Teil der Gemeinschaft nicht-anerkannter Staaten, deren Mitgliedstaaten einander anerkennen. Transnistrien hat mehrfach um eine Aufnahme in die Russische Föderation gebeten.

    Gebiete unter militärischer OkkupationBearbeiten

    • Der Palastina Autonomiegebiete  Staat Palästina wurde 1988 ausgerufen und wird von derzeit 137 Staaten anerkannt. Bei der UNO hat der Staat einen Beobachterstatus.[5] Ein Teil des beanspruchten Staatsgebiets ist von Israel militärisch besetzt.
    Siehe auch die Artikel Internationale Anerkennung des Staates Palästina, Palästinensische Autonomiegebiete, Gazastreifen sowie Westjordanland, welche Beiträge über Gebiete in der Region Palästina beinhalten.
    Die DARS ist ein vollwertiges Mitglied der Afrikanischen Union, jedoch erkennt auch die Mehrheit der AU-Einzelstaaten die Republik noch nicht (oder zwischenzeitlich wieder nicht) an. Die Hoheitsansprüche sind ungeklärt, und die Vereinten Nationen streben mittels der Mission MINURSO ein Referendum an, um die Lage zu klären. Seit 1991 besteht ein von der UN überwachter Waffenstillstand.

    Staatsgebilde ohne Anspruch internationaler AnerkennungBearbeiten

    •   Republik Azania (seit 2010 autonomer Teilstaat) auf dem Gebiet des vormaligen Jubaland-Staats (Somalia)
    •   Galmudug ist seit 2006 autonomer Teilstaat im Bereich des international anerkannten Somalias
    •   Khaatumo ist seit 2012 autonomer Teilstaat im Bereich des international anerkannten Somalias
    •   Puntland (seit 1998 autonomer Teilstaat), Integration als Bundesstaat in Somalia ist anvisiert

    Historische StaatsgebildeBearbeiten

    Staaten mit eingeschränkter internationaler AnerkennungBearbeiten

    Staaten ohne die gewünschte internationale AnerkennungBearbeiten

    •   Azawad in Mali erklärte am 6. April 2012 seine Unabhängigkeit, wurde von keinem Staat anerkannt und Anfang 2013 von malischen Truppen mit massiver französischer Hilfe zurückerobert.
    • Katanga  Katanga erklärt 1960 die Unabhängigkeit von der kurz zuvor von Belgien unabhängig gewordenen Republik [sic!] Kongo. Die Sezession war Hauptursache der Kongokrise. Trotz Unterstützung durch Belgien wurde Katanga von keinem Staat anerkannt; 1963 wurde die abtrünnige Provinz von UN-Truppen erobert und die Sezession beendet.
    •   Bougainville (Republik der Nördlichen Salomonen) (1990–1997) unterzeichnete einen Friedensvertrag mit Papua-Neuguinea, welcher der Insel, abhängig von einem Referendum zur Unabhängigkeit innerhalb einer Dekade, Autonomie verschaffen sollte.
    • Gagausien  Gagausien (1990–1994) ist heute ein Teil der Republik Moldau.
    •   Republik Serbische Krajina (1991–1995) ist heute ein Teil von Kroatien.
    • Republika Srpska  Republika Srpska (1992–1995) ist heute eine der beiden Entitäten des Bundesstaates Bosnien und Herzegowina.
    •   Anjouan (1997–2002) ist heute Teil der Komoren.
    •   Mohéli (1997–1998) ist heute Teil der Komoren.
    • Tamil Eelam war die Bezeichnung für die während des Bürgerkriegs in Sri Lanka (1983–2009) unter Verwaltung der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) stehenden Gebiete im Norden und Osten Sri Lanka. International wurde das Staatsgebilde von keinem Staat anerkannt; die LTTE wurden von vielen Staaten als Terrororganisation betrachtet.
    • Die   Volksrepublik Kongo wurde auf dem Höhepunkt der Simba-Rebellion am 7. September 1964 in Stanleyville, dem heutigen Kisangani, von lumumbistischen Rebellen ausgerufen. Die Rebellen erhielten zwar Unterstützung aus dem sozialistischen Lager, allerdings keine diplomatische Anerkennung. Der Aufstand wurde bis Dezember 1964 von Regierungstruppen niedergeschlagen.[7]
    •   Föderativer Staat Neurussland (24. Mai 2014 – 18. Mai 2015) war eine Union zwischen der Volksrepublik Donezk und der Volksrepublik Lugansk. Im Mai 2015 wurde das Projekt für beendet erklärt.[8][9]
    •   Islamischer Staat, abgekürzt IS, bezeichnet neben der gleichnamigen, als Terrorgruppe eingestuften Organisation, auch ein von dieser am 29. Juni 2014 in Syrien und im Irak ausgerufenes Kalifat. In den von der Organisation eroberten Gebieten entwickelten sich neben militärischen bald auch zivile staatliche Strukturen. Das Kalifat wurde jedoch von keinem anderen Staat anerkannt. In laufender militärischer Auseinandersetzung mit regulären syrischen oder irakischen Armeeverbänden, gegnerischen Rebellenmilizen und internationalen Streitkräften, verlor der IS bis zum Herbst 2017 die Kontrolle über sämtliche größeren Städte, zuletzt auch über das als Hauptstadt des Kalifats fungierende Rakka.

    Staatsgebilde ohne Anspruch internationaler AnerkennungBearbeiten

    Siehe auchBearbeiten

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. a b Anerkennungsdekret (Memento vom 10. September 2008 auf WebCite) (PDF; 230 kB)
    2. a b russland.RU vom 11. September 2009: Venezuela erkennt Südossetien und Abchasien an (Memento vom 29. Juli 2013 im Internet Archive)
    3. a b net-tribune.DE vom 15. Dezember 2009: Pazifikstaat Nauru erkennt Abchasien und Südossetien an (Memento vom 29. März 2010 im Internet Archive)
    4. Pristina: Kosovo erklärt sich für unabhängig, Spiegel Online, 17. Februar 2008.
    5. On Day of Solidarity with Palestinians, Ban stresses urgency of reaching two-state solution. In: UN News Centre. UN Publications, 29. November 2012, abgerufen am 30. November 2012 (englisch).
    6. Putin signs order to recognize Crimea as a sovereign independent state, RT.com, 17. März 2014.
    7. Thomas Kacza: Die Kongo-Krise 1960-1965. Centaurus-Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler 1990, ISBN 978-3-89085-477-9, S. 164.
    8. Neurussland ist beendet, Gaseta.ru, 20. Mai 2014.
    9. Russian-backed 'Novorossiya' breakaway movement collapses, Ukraine Today, 20. Mai 2015