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ispace, inc.

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Rechtsform Kabushiki-gaisha
Gründung 2010
Sitz Minato, Tokio, Japan
Branche unbemannte Raumfahrt
Website ispace-inc.com

ispace ist ein japanisches Start-up-Unternehmen, das Mondlandegeräte entwickelt. Es ging aus dem ursprünglich niederländischen Team White Label Space (ホワイトレーベルスペース) – später Hakuto (japanisch ハクト) – hervor, das 2008 zur Teilnahme an dem Mondflugwettbewerb Google Lunar X-Prize gegründet worden war. Hakuto wurde nach dem Hasen im Mond benannt, der in der ostasiatischen Mythologie eine Rolle spielt.

OrganisationBearbeiten

Der Hauptsitz von ispace befindet sich im Tokioter Stadtbezirk Minato. Außerdem bestehen Niederlassungen in Luxemburg und am Ames Research Center der NASA in Kalifornien. Das Unternehmen beschäftigte im August 2019 rund 100 Mitarbeiter.[1]

Geplante MissionenBearbeiten

Unter dem Projektname Hakuto-R – kurz für Hakuto-Reboot – sind zwei eigene Mondmissionen geplant, eine 2021Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren mit einem Lander und eine weitere 2023Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren zusätzlich mit einem Rover.[2] Sie sollen jeweils als Sekundärnutzlast mit einer Falcon-9-Rakete starten.[3] Außerdem ist ispace an der für frühestens 2024Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren geplanten russisch-europäischen Luna-27-Mission beteiligt.

ProjekteBearbeiten

Google Lunar X-Prize (2008–2018)Bearbeiten

Das Hakuto-Team wurde im Jahr 2008 unter dem Namen White Label Space von einer Gruppe „erfahrener Weltraum-Profis“ in den Niederlanden gegründet. Das Team nannte damals neun Partnerorganisationen:[4]

  • Advanced Operations and Engineering Services (AOES Group BV) – Ein internationaler Ingenieursdienstleister und ein Beratungsunternehmen, das fachspezifische Unterstützung bei Konstruktions- und Analyseaufgaben im Zusammenhang mit den Strukturen, thermischen und Antriebssubsystemen bei Landungsgerät und Rover bot.
  • Swiss Propulsion Laboratory – Zuständig für die Entwicklung eines Low-Cost-Motors für die Landestufe. Das Labor besitzt oder besaß einen eigenen Raketenmotor-Teststand.
  • Universität Tohoku Space Robotics Laboratory – Das Institut sollte den Mondrover für die Mission entwickeln.
  • Airborne Composites BV – Ein Entwickler von Verbundwerkstoffprodukten und -technologien für die Raumfahrt und andere Industriezweige. Das Unternehmen wollte leichte, leistungsstarke Verbundstoffstrukturen für die Mission bereitstellen.
  • Emxys – Ein Entwickler und Hersteller von eingebetteten elektronischen Systemen für die Instrumentierung und Steuerung für Wissenschaft und Industrie.[5]
  • Space Technology Group der Technischen Universität München.
  • LunarNumbat – Ein Team von Australiern und Neuseeländern, das Open-Source-Hardware und -Software für die Mission entwickeln wollte.
  • Technische Universität Breslau – Entwickler von Kommunikationsgeräten für die Luft- und Raumfahrt.
  • JAQAR Space Engineering – Partner für Orbitaldesign und Missionsanalyse.

2009 erfolgte die Anmeldung des Teams beim Wettbewerb Google Lunar X-Prize.[6] Am 10. September 2010 gründete das Team die in Japan eingetragene Firma White Label Space Japan LLC, eine eingetragene Gesellschaft mit beschränkter Haftung.[7] Am 11. Juni 2012 wurde beschlossen, den Prototyp der zweiten Einheit, des Rovers (PM-2) „White Rabbit“ (はくと) zu nennen.[6] Das Team finanzierte seine Mondmission aus den Werbeetats großer globaler Unternehmen.[8]

Am 30. Januar 2013 kam es zu einer umwälzenden Veränderung in der Struktur des Teams: Die europäischen Teammitglieder schieden aus, jedoch setzten die in Japan ansässigen Mitglieder die Arbeit fort. Es folgte eine Namensänderung in Hakuto, ebenso der Muttergesellschaft, die von White Label Space Japan LLC in ispace Inc umfirmierte.[9][10] Damit ging auch ein Führungswechsel einher: Der Mitbegründer Steve Allen schied aus und Takeshi Hakamada trat seine Nachfolge an, der nun die Geschäfte in Japan leitete.[11][12] Am 4. Dezember 2013 hatte das Team die Entwicklung und Finanzierung des Prototyps der dritten Einheit, dem zweiten Rover (PM-3) erfolgreich abgeschlossen.[6] Am 19. Februar 2014 erhielt Hakuto als eines von fünf Teams einen Preis, den so genannten Milestone Prize, der für die erfolgreiche Entwicklung eines mobilen Subsystems vergeben wurde.[13]

Im Dezember 2016 entschied sich Hakuto, einige der anfallenden Kosten mit dem Mitbewerber, dem Team Indus, zu teilen und ihre beiden Rover gemeinsam mit einer Trägerrakete vom Typ PSLV der ISRO zu starten. Der Start war ursprünglich für den 28. Dezember 2017 geplant,[14] wurde jedoch kurzfristig um einige Monate verschoben und dann Anfang 2018 abgesagt.[15][16]

 
Modelle von Hakuto-Mondlander und -Rover (2019)

Das Team wurde nach wie vor Takeshi Hakamadag geleitet, und der Mondrover trug den Name Sorato.[15]

Am 23. Januar 2018 erklärte Peter Diamandis, Gründer und Vorsitzender des X-Prize-Wettbewerbes: „Nach intensiver Abstimmung mit unseren fünf Finalisten in den vergangenen Monaten sind wir zu dem Schluss gekommen, dass kein Team einen Startversuch unternehmen wird, um den Mond innerhalb der gesetzten Frist bis zum 31. März 2018 zu erreichen. Zudem wird der Google Lunar XPRIZE[17] in Höhe von 30 Millionen US-Dollar nicht in Anspruch genommen.“[18] Das Hakuto-Team wurde daraufhin aufgelöst.[2]

Zuletzt (Stand März 2018) war geplant, dass ein Hakuto-Rover an der ersten Mission des Mondlanders Peregrine der Firma Astrobotic teilnimmt.[19] Diese war für 2020 geplant und verschob sich später auf 2021.Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren

Hakuto-R (seit 2018) Bearbeiten

Im zweiten Halbjahr 2018 nahm ispace das Projekt unter den Name Hakuto-R wieder auf und gab den Startvertrag mit SpaceX für zwei Mondflüge bekannt. Der erste war für Mitte 2020 mit einem Orbiter geplant, der zweite für Mitte 2021 mit einem Lander und mehreren Rovern.[20] Im August 2018 wurde eine neue Missionsplanung bekanntgegeben: Der Orbiterflug entfällt; die Landung 2021Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren soll nun ohne Rover erfolgen, und für 2023Vorlage:Zukunft/In 4 Jahren ist eine zweite Landung mit einem Rover geplant.[21]

Artemis-7 (seit 2018) Bearbeiten

Zur Vermarktung seiner Mondlander-Technologie an die NASA schloss ispace sich mit den US-Unternehmen Draper und General Atomics zusammen. Draper war bereits an der Entwicklung des Apollo Guidance Computer beteiligt und nimmt auch am neuen CLPS-Programm der NASA für kommerzielle Mondlander teil. Der von ispace entwickelte CLPS-Lander trägt die Bezeichnung Artemis-7 und würde nicht – wie der Hakuto-Lander – von ispace selbst gefertigt, sondern von General Atomics. Draper obliegt das Gesamtmanagement des Projekts.[22][21]

Luna 27 (seit 2019) Bearbeiten

ispace ist an dem Monderkundungsprojekt „Prospect“ der europäischen Weltraumagentur (ESA) beteiligt. Die „Prospect“-Geräte der ESA sollen frühestens 2024Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren mit dem russischen Mondlander Luna 27 zum Südpol-Aitken-Becken gebracht werden und die dort vermuteten Wassereisvorkommen aufspüren.[23][24] Die Bekanntgabe der ESA-Kooperation erfolgte im Juli 2019, kurz nach der Insolvenz der deutschen PTScientists GmbH, die ebenfalls Mondlandungen plante und dabei von der ESA unterstützt wurde.[25]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. About Us auf ispace-inc.com, abgerufen am 23. August 2019.
  2. a b Hakuto-R auf ispace-inc.com, abgerufen am 22. August 2019.
  3. Japanese Startup ispace to Launch Moon Lander Missions on SpaceX Rockets. space.com, 26. September 2018
  4. White Label Space Official Partners Page, 2008-01-01.
  5. Emxys - New Partner for Electronic Systems, 27 November 2009
  6. a b c History (Memento vom 26. August 2014 im Internet Archive), Team Hakuto, 2014
  7. WLS Japanese Office Open for Business, 9. September 2010
  8. White Label Space – About Us (Memento vom 6. Februar 2010 im Internet Archive)
  9. Announcement: New Team Name is „HAKUTO“ (Memento vom 30. Oktober 2013 im Webarchiv archive.today), Google Lunar X PRIZE, 15. Juli 2013
  10. The Japanese Space Bots That Could Build Moon Valley. Sarah Scoles, Wired. 14. Mai 2018
  11. White Label Space Moves Full Operations to Japan team White Label Space
  12. チーム体制変更のお知らせ (Memento vom 26. August 2014 im Internet Archive), Team Hakuto, 30. Januar 2013
  13. Japan's Hakuto was selected for Milestone Prizes finalists! (Memento vom 26. August 2014 im Internet Archive), Google Lunar X PRIZE, 28. Februar 2014
  14. 15 Air and Space Missions We're Excited for In 2018, Popular Mechanics, 6. Januar 2017
  15. a b Japanese team competing in lunar probe contest to delay launch. Japan Times. 8. November 2017
  16. TeamIndus and Isro call off their GLXP launch contract. The Ken, 9. Januar 2018.
  17. Gemeint ist der Hauptpreis.
  18. Mike Wall: Ex-Prize: Google's $30 Million Moon Race Ends with No Winner. space.com, 23. Januar 2018, abgerufen am 20. Februar 2019 (englisch).
  19. Michael Coli: Astrobiotic Ready to Become Delivery Service to the Moon. Spaceflight Insider. 19. März 2018
  20. Hakuto-R. In: ispace-inc.com. Archiviert vom Original am 17. April 2019; abgerufen am 22. August 2019.
  21. a b Mission Timeline Adjustment for the HAKUTO-R Program. iSpace, 22. August 2019, abgerufen am 22. August 2019.
  22. Loren Grush: Japanese startup ispace is tapping Apollo-era expertise to build lunar landers for NASA. 10. Oktober 2018, abgerufen am 23. August 2019.
  23. ispace Selected by European Space Agency to Support Lunar Mission. In: Spacewatch. Juli 2019, abgerufen am 23. August 2019.
  24. Prospecting on the Moon: Russia, Europe to Hunt for Lunar Ice. In: space.com. 29. August 2018, abgerufen am 25. August 2019.
  25. ESA unterstützt Startup bei Mondmission. ESA, 3. April 2019, abgerufen am 25. August 2019.