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Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn

Formel-2-Rennen

Das Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn am heutigen Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn, Niederösterreich, war eine zwischen 1966 und 1979 ausgetragene Motorsportveranstaltung. Zu den durchgeführten Rennen nahmen Fahrzeuge zahlreicher Rennklassen statt, darunter Interserie, Formel V, Formel Ford, Tourenwagen, Formel 2. Auch Motorradrennen fanden auf dem Kurs statt. Die Formel-2-Rennen ab der Saison 1967 zählten zur Formel-2-Europameisterschaft. Daran nahmen ehemalige Rennsportgrößen wie Niki Lauda, Jack Brabham, Jim Clark, Jochen Rindt, Jacky Ickx oder Ronnie Peterson teil. Nach dem tödlichen Unfall Jochen Rindts beim Großen Preis von Italien 1970 fand das Rennen in Langenlebarn in den Jahren 1970 und 1971 als Jochen-Rindt-Gedächtnis-Rennen statt. Ein drittes Jochen-Rindt-Memorial übersiedelte 1972 auf den Österreichring nach Spielberg. Nach siebenjähriger Unterbrechung fanden in den Jahren 1978 und 1979 weitere Rennen in Langenlebarn statt, jedoch nur noch für Motorräder.[1]

Inhaltsverzeichnis

StreckeBearbeiten

Der Militärflugplatz Tulln-Langenlebarn war unter Motorsportlern im Wiener Raum eine begehrte Lokalität für mögliche Motorsportveranstaltungen. Ähnlich dem Militärflugplatz Zeltweg (Großer Preis von Österreich) wurde eine Rennstrecke in Tulln-Langenlebarn herbeigesehnt. Nach langen Verhandlungen mit dem Bundesheer gab dieses schließlich den Flugplatz für Rundrennen frei und der Z.V. Motorrad des ÖAMTC agierte als Veranstalter des Flugplatzrennens Tulln-Langenlebarn. Eine Runde auf dem Kurs ist 2,7 Kilometer lang, wobei die Betonlandepiste, zugleich Start- und Zielgerade, 1,1 Kilometer misst. Die Mindestbreite der Rennstrecke beträgt 12 Meter. Die Verbindungsstücke vor den Hangars waren mit einem Rauhbelag versehen.

Formel-2-RennenBearbeiten

Saison 1967Bearbeiten

Das Rennen im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1967 fand am 16. Juli statt und war damit erstmals Teil der Formel-2-Europameisterschaft. Aufgrund limitierter finanzieller Ressourcen seitens des Veranstalters wurden nur vier graded drivers eingeladen. Diese hauptsächlich aus der Formel 1 kommenden Fahrer nahmen rein aus finanziellen Gründen an diesen Rennen teil, da sie nicht um Meisterschaftspunkte in der Formel 2 mitfahren durften. Bei diesen vier Fahrern handelte es sich um Graham Hill, Jim Clark, Jack Brabham und Jochen Rindt. Sie reisten erst am Tag des Rennens an und hatten vor dem Rennen noch ein eineinhalb Stunden langes Nachtraining um den mit Strohballen umrandeten Kurs erstmals kennenzulernen.

Jean-Pierre Beltoise erzielte im Training am Samstag jedoch die schnellste Trainingszeit (1'05.30'') und startete am Sonntag aus der Pole-Position. Das Rennen startete um 16 Uhr. Jochen Rindt übernahm in seinem Winkelmann Brabham Rennwagen bald die Führung im Rennen und lieferte sich ein enges Rennen mit Jack Brabham, der ihn früh im Rennen überholte und die Führung übernahm. Diese konnte er aufgrund von Problemen mit der Kraftstoff-Druckleitung an seinem Brabham Fahrzeug allerdings nur für eine Runde lang halten. Dennoch lieferten sich Rindt und Brabham bis zum Schluss ein enges Rennen, das Rindt mit ca. einer Sekunde Vorsprung nach etwas unter einer Stunde Rennzeit gewann. Beltoise mit seinem Matra wurde dritter und sicherte sich seine ersten 9 Punkte für die Formel-2-Meisterschaft. Der vierte Rang war das gesamte Rennen über äußerst umkämpft und ging an Frank Gardner (Brabham) vor Jacky Ickx (Tyrrell) und Graham Hill (Lotus), der Probleme mit der Kupplung hatte. Für das Team Lotus war das Rennen trotz Hills sechstem Platz äußerst enttäuschend verlaufen. Jim Clark konnte das Rennen, mit schnellster Rennrunde (1'04.24"), nach einem Reifenschaden nicht beenden, Jackie Oliver beendete aufgrund von Problemen mit der Kraftstoffeinspritzung das Rennen mit sechs Runden Rückstand nur als 14. und Vorletzter. Von 19 gestarteten Teilnehmern erreichten 15 das Ziel. In der Formel-2-Gesamtwertung übernahm Garndner mit seinem vierten Platz die Führung vom bis dahin führenden Alan Rees, der aufgrund gesundheitlicher Probleme im hinteren Bereich des Klassements landete.[2][3][4]

2. Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1967 // 16. Juli 1967 – 16 Uhr // 50 Runden à 2,7 km (ges. 135 km)
Position Fahrer Nummer Team Fahrzeug Zeit
1 Osterreich  Jochen Rindt 8 Vereinigtes Konigreich  Roy Winkelmann Racing Brabham BT23 54'44.40"
2 Australien  Jack Brabham 1 Vereinigtes Konigreich  Motor Racing Developments Ltd. Brabham BT23 54'45.80"
3 Frankreich  Jean-Pierre Beltoise 17 Frankreich  Matra Sports Matra MS5 55'07.54"
4 Australien  Frank Gardner 2 Vereinigtes Konigreich  Motor Racing Developments Ltd. Brabham BT23 55'21.79"
5 Belgien  Jacky Ickx 16 Vereinigtes Konigreich  Tyrrell Racing Organisation Matra MS7 55'23.61"
6 Vereinigtes Konigreich  Graham Hill 4 Vereinigtes Konigreich  Team Lotus Lotus 48 55'30.65"
7 Vereinigtes Konigreich  Chris Irwin 12 Vereinigtes Konigreich  Lola Cars Lola T100 55'36.86"
8 Frankreich  Johnny Servoz-Gavin 18 Frankreich  Matra Sports Matra MS5 54'54.93" (+1 Runde)
9 Vereinigtes Konigreich  Piers Courage 19 Vereinigtes Konigreich  John Coombs McLaren M4A 55'27.35" (+1 Runde)
10 Vereinigtes Konigreich  Alan Rollinson 10 Vereinigtes Konigreich  Gerard Cooper Racing Cooper T84 55'15.66" (+2 Runden)
11 Vereinigtes Konigreich  Alan Rees 9 Vereinigtes Konigreich  Roy Winkelmann Racing Brabham BT23 55'28.24" (+2 Runden)
12 Schweiz  Walter Habegger 15 Schweiz  Midland Racing Team Lotus 41C 55'12.54" (+5 Runden)
13 Vereinigtes Konigreich  Ian Raby 20 Vereinigtes Konigreich  Ian Raby Brabham BT14 55'15.19" (+5 Runden)
14 Vereinigtes Konigreich  Jackie Oliver 5 Vereinigtes Konigreich  Lotus Racing Lotus 41B 54'58.71" (+6 Runden)
15 Vereinigtes Konigreich  John Cardwell 11 Vereinigtes Konigreich  Gerard Cooper Racing Cooper T82 55'41.07" (+9 Runden)
DNF Schweiz  Paul Blum 14 Schweiz  Midland Racing Team Brabham BT10
DNF Schweiz  Bruno Frey 21 Schweiz  Midland Racing Team Brabham BT18
DNF Vereinigtes Konigreich  Robin Widdows 6 Vereinigtes Konigreich  Witley Racing Syndicate Brabham BT23
DNF Vereinigtes Konigreich  Jim Clark 3 Vereinigtes Konigreich  Team Lotus Lotus 48
DNQ Osterreich  Gerhard Krammer 22 Osterreich  Auto Sport Club Schartner-Bombe Brabham BT9
DNQ Vereinigtes Konigreich  Philip Robinson 7 Vereinigtes Konigreich  William A. Jones Alexis Mk 8

Fett: Fahrer mit graded Status; Fahren in Formel 1 und erhalten keine Punkte für Formel-2-Gesamtwertung

Saison 1968Bearbeiten

Das Rennen im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1968 fand am 14. Juli statt. Im Gegensatz zur Vorjahr, wo das Rennen innerhalb von durchgefahrenen 50 Runden beendet wurde, gab es 1968 eine Änderung: es wurden zwei mal 35 Runden gefahren, wobei die Endzeiten beider Läufe zu einer Gesamtzeit addiert wurden. Der erste Lauf ist um 14:15 gestartet, der zweite um 16 Uhr. In der Formel-2-Gesamtwertung führte vor dem Rennen Beltoise (27 Punkte) klar vor Henri Pescarolo (10 Punkte).

Auch im zweiten Jahr des Formel-2-Flugplatzrennens Tulln-Langenlebarn konnte Jochen Rindt den Sieg davontragen. Er holte tags zuvor mit der schnellsten Trainingslaufzeit (1'03.27'') auch die Pole-Position. Der Sieg war insofern von Bedeutung, da sein siegreicher Winkelmann Racing Brabham BT23C erstmals in der Formel-2-Geschichte Spoiler verwendete. Rindt gewann beide Läufe souverän (auch mit schnellster Rennrunde von 1'03.20''), jeweils vor den beiden Franzosen Beltoise und Pescarolo (beide auf Matra). Kurt Ahrens (Brabham BT23C) wurde jeweils vierter. Die große Überraschung des Rennens war der Sieger der italienischen Formel-3-Meisterschaft Ernesto Brambilla. Er wurde in seinem ersten Rennen mit dem Brabham BT23 gesamt sechster. Beide Ferrari (Derek Bell und Chris Amon) hatten mit Getriebeproblemen zu kämpfen.[5][6][7]

3. Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1968 // 14. Juli 1968 – 14:15 & 16 Uhr // 2×35 Runden à 2,7 km (ges. 189 km)
Position Fahrer Nummer Team Fahrzeug Zeit
1 Osterreich  Jochen Rindt 1 Vereinigtes Konigreich  Roy Winkelmann Racing Brabham BT23C 1:15'24.63"
2 Frankreich  Jean-Pierre Beltoise 3 Frankreich  Matra Sports Matra MS7 1:15'57.15"
3 Frankreich  Henri Pescarolo 4 Frankreich  Matra Sports Matra MS7 1:16'18.01"
4 Deutschland  Kurt Ahrens 10 Deutschland  Caltex Racing Team Brabham BT23C 1:16'31.38"
5 Vereinigtes Konigreich  Jackie Oliver 19 Vereinigtes Konigreich  Team Lotus Lotus 48 1:17'03.22"
6 Italien  Ernesto Brambilla 16 Italien  Scuderia Picchio Rossa Brabham BT23 1:17'22.10"
7 Vereinigtes Konigreich  Derek Bell 6 Italien  Ferrari S.p.A. Ferrari Dino 166F2 1:17'19.49" (+1 Runde)
8 Australien  Frank Gardner 8 Vereinigtes Konigreich  McLaren Racing McLaren M4A 1:16'29.30" (+2 Runden)
9 Osterreich  Günter Huber 11 Schweiz  Squadra Tartaruga Brabham BT23 1:16'48.87" (+2 Runden)
10 Italien  Corrado Manfredini 15 Italien  Scuderia Picchio Rossa Brabham BT23C 1:15'53.24" (+4 Runden)
11 Vereinigtes Konigreich  Mike Beckwith 17 Vereinigtes Konigreich  David Bridges Racing Lola T100 1:16'49.96" (+4 Runden)
NC Neuseeland  Chris Amon 5 Italien  Ferrari S.p.A. Ferrari Dino 166F2 62 Runden
NC Vereinigtes Konigreich  Brian Hart 18 Vereinigtes Konigreich  Church Farm Racing Brabham BT23C 46 Runden
NC Vereinigtes Konigreich  Graham Hill 22 Vereinigtes Konigreich  Team Lotus Lotus 48 42 Runden
NC Vereinigtes Konigreich  Piers Courage 20 Vereinigtes Konigreich  Frank Williams Racing Cars Brabham BT23C 39 Runden
NC Vereinigtes Konigreich  Chris Lambert 21 Vereinigtes Konigreich  London Racing Team Brabham BT23C 33 Runden
NC Vereinigtes Konigreich  Robin Widdows 9 Vereinigtes Konigreich  McLaren Racing McLaren M4A 19 Runden
NC Schweiz  Silvio Moser 14 Schweiz  Charles Vögele Racing Team Tecno 68 1 Runde
NC Vereinigtes Konigreich  Alan Rees 2 Vereinigtes Konigreich  Roy Winkelmann Racing Brabham BT23C 1 Runde
DNS Osterreich  Gerhard Krammer 12 Osterreich  Valvoline RAR Team Brabham BT9
DNA Vereinigtes Konigreich  Jackie Stewart 7 Vereinigtes Konigreich  Tyrrell Racing Organisation Matra MS7
DNA Belgien  Jacky Ickx 5 Italien  Ferrari S.p.A. Ferrari Dino 166F2

Fett: Fahrer mit graded Status; Fahren in Formel 1 und erhalten keine Punkte für Formel-2-Gesamtwertung

Saison 1969Bearbeiten

Das Rennen im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1969 fand am 13. Juli statt. Der Modus aus dem Vorjahr, mit 2×35 Runden, wurde auch in diesem Jahr beibehalten. Die Ausgangslage vor dem Rennen offenbarte ein knappes Duell in der Gesamtwertung zwischen Hubert Hahne (24 Punkte) und Johnny Servoz-Gavin (22 Punkte). Fahrer mit graded Status fuhren erneut nur um Preisgeld, nicht jedoch um Meisterschaftspunkte für die Gesamtwertung in der Formel-2-Europameisterschaft. Servoz-Gavin ging in Tulln-Langenlebarn allerdings nicht an den Start, sondern fuhr seinen Matra bei einem Rennen in den USA. Am Tag vor dem Rennen verunglückte Bill Ivy während des Trainings für den Großen Preis der DDR tödlich.

Das Training fand am Samstag, den 12. Juli 1969 in zwei Läuften statt. Das erste Training startete um 14 Uhr, das zweite um 17 Uhr. Wie im Jahr zuvor holte auch 1969 Jochen Rindt die Pole-Position mit einer Zeit von 1'02.10''. Nachdem das letztjährige Rennen eine überaus deutliche Angelegenheit für Rindt war, war das Rennen 1969 sehr viel knapper. Vor allem Jackie Stewart auf seinem Matra MS7 war in beiden Läufen nur sehr knapp hinter Rindt (der mit 1'02.0'' die schnellste Rennrunde hatte). Rindt, Stewart, Graham Hill und Peter Westbury (auf seinem privaten Brabham) lieferten sich zu Beginn des zweiten Laufs ein sehr spannendes Rennen. Die ersten drei trennten nur 0,3 (Stewart) bzw. 1,2 Sekunden (Hill). Westbury musste kurz vor Rennende aufgrund eines Motorschadens aufgeben. Rindt gewann damit alle bisherigen Rennen in Tulln-Langenlebarn. In der Gesamtwertung baute Hahne auf BMW mit seinem 7. Gesamtrang die Führung aus. Insgesamt kamen 11 Fahrer in das Endklassement.[8][9][10]

4. Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1969 // 13. Juli 1969 – 14:15 & 16 Uhr // 2×35 Runden à 2,86 km (ges. 200,2 km)
Position Fahrer Nummer Team Fahrzeug Zeit
1 Osterreich  Jochen Rindt 2 Vereinigtes Konigreich  Roy Winkelmann Racing Lotus 59B 1:13'22.02"
2 Vereinigtes Konigreich  Jackie Stewart 3 Frankreich  Matra Sports Matra MS7 1:13'24.64"
3 Vereinigtes Konigreich  Graham Hill 1 Vereinigtes Konigreich  Roy Winkelmann Racing Lotus 59B 1:13'42.12"
4 Frankreich  Jean-Pierre Beltoise 4 Frankreich  Matra Sports Matra MS7 1:13'59.74"
5 Frankreich  François Cevert 11 Italien  Tecno Racing Team Tecno 68 1:14'33.40"
6 Italien  Nanni Galli 10 Italien  Tecno Racing Team Tecno 68 1:14'45.39"
7 Deutschland  Hubert Hahne 5 Deutschland  BMW BMW 269 69 Runden
8 Schweiz  Xavier Perrot 19 Schweiz  Squadra Tartaruga Brabham BT23C 69 Runden
9 Vereinigtes Konigreich  Peter Westbury 18 Vereinigtes Konigreich  F.I.R.S.T. Brabham BT30 64 Runden
10 Deutschland  Werner Lindenmann 21 Deutschland  Montan Racing Team Brabham BT23 63 Runden
11 Vereinigtes Konigreich  Jonathan Williams 16 Italien  De Tomaso De Tomaso 103 61 Runden
NC Osterreich  Günter Huber 17 Vereinigtes Konigreich  Paul Watson Racing Tecno 69 49 Runden
NC Vereinigtes Konigreich  Brian Hart 20 Vereinigtes Konigreich  Bob Gerard Brabham BT23C 47 Runden
NC Osterreich  Dieter Quester 6 Deutschland  BMW BMW 269 19 Runden
NC Frankreich  Henri Pescarolo 7 Frankreich  Matra Sports Matra MS7 2 Runden
NC Deutschland  Kurt Ahrens 9 Deutschland  Ahrens Racing Team Brabham BT30 1 Runde
NC Italien  Enzo Corti 12 Italien  Scuderia Picchio Rossa Brabham BT23 0 Runden
DNS Frankreich  Éric Offenstadt 14 Frankreich  Constructions Mécaniques Pygmée Pygmée MDB12
DNA Frankreich  Johnny Servoz-Gavin 4 Frankreich  Matra Sports Matra MS7
DNA Frankreich  Patrick Dal Bo 15 Frankreich  Constructions Mécaniques Pygmée Pygmée MDB12
DNA Vereinigtes Konigreich  Bill Ivy 22 Vereinigtes Konigreich  Paul Watson Racing Brabham BT23C
DNA Vereinigtes Konigreich  Robin Widdows 20 Vereinigtes Konigreich  Bob Gerard Brabham BT23C

Fett: Fahrer mit graded Status; Fahren in Formel 1 und erhalten keine Punkte für Formel-2-Gesamtwertung

Saison 1970Bearbeiten

Überschattet war das Rennwochenende vom plötzlichen Unfalltod Jochen Rindts während des Trainings für den Großen Preis von Italien 1970 am 5. September. Das Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1970 fand nur eine Woche später statt. Ihm zu Ehren wurde das Rennen fortan auch als Jochen-Rindt-Gedächtnis-Rennen geführt.

Das Training fand am Samstag, den 12. September 1970 in zwei Läufen statt (14 und 16:30 Uhr). Pole-Position holte Clay Regazzoni in 1'01.50''. Das Rennen am 13. September 1970 startete um 13:45 mit dem 1. Lauf, der 2. Lauf startete um 15:30. Gefahren wurden 2×35 Runden à 2,86 Kilometer (200,2 Kilometer). Der erste Lauf ging sehr deutlich an Regazzoni, gefolgt von Jack Brabham und Jacky Ickx. Regazzoni profitierte dabei auch vom äußerst leistungsfähigen Tecno Cosworth-FVA-Motor, der 11.000 Rpm erzielte, und damit um 1.000 mehr als herkömmliche FVAs. Im zweiten Lauf schied Regazzoni allerdings in Führung liegend nach nur 4 Runden aufgrund eines Motorschadens aus. François Cevert, der in einem nahezu identen Tecno 70 wie Regazzoni saß, gewann den zweiten Lauf, wurde in der Gesamtwertung allerdings nur dritter (nach einem fünften Rang in Lauf 1). Er erzielte auch die schnellste Rennrunde (1'01.60''). Der Kampf um den Gesamtsieg verlief äußerst spannend. Bis eine Runde vor Schluss sah Brabham wie der sichere Sieger aus, ehe er aufgrund eines Problems mit der Kraftstoffeinspritzung Ickx an sich vorbei ziehen lassen musste und schließlich um vier Sekunden den Gesamtsieg verpasste. Jacky Ickx gewann damit erstmal das Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn.[11][12][13]

I. Jochen-Rindt-Gedächtnis-Rennen // 13. September 1970 – 14:15 & 16 Uhr // 2×35 Runden à 2,86 km (ges. 200,2 km)
Position Fahrer Nummer Team Fahrzeug Zeit
1 Belgien  Jacky Ickx 9 Deutschland  BMW BMW 270 1:13'45.82"
2 Australien  Jack Brabham 7 Vereinigtes Konigreich  John Coombs Brabham BT30 1:13'49.68"
3 Frankreich  François Cevert 4 Italien  Tecno Racing Team Tecno 70 1:14'17.68"
4 Vereinigtes Konigreich  Derek Bell 12 Vereinigtes Konigreich  Wheatcroft Racing Brabham BT30 1:14'39.12"
5 Schweden  Ronnie Peterson 16 Vereinigtes Konigreich  Malcolm Guthrie Racing March 702 1:14'15.50"
6 Italien  Vittorio Brambilla 16 Italien  North Italian Racing Developments Brabham BT23 69 Runden
7 Japan  Tetsu Ikuzawa 13 Japan  Tetsu Ikuzawa Racing Partnership Lotus 69 69 Runden
8 Vereinigtes Konigreich  Alistair Walker 15 Vereinigtes Konigreich  Alistair Walker Racing Brabham BT30 68 Runden
9 Schweiz  Xavier Perrot 20 Schweiz  Squadra Tartaruga March 702 68 Runden
10 Italien  Ernesto Brambilla 23 Italien  North Italian Racing Developments Brabham BT30 67 Runden
11 Schweiz  Jo Siffert 8 Deutschland  BMW BMW 270 57 Runden
12 Vereinigtes Konigreich  Peter Westbury 14 Vereinigtes Konigreich  F.I.R.S.T. Brabham BT30 47 Runden
13 Frankreich  Jean Max 5 Italien  Tecno Racing Team Tecno 69 46 Runden
NC Schweiz  Clay Regazzoni 3 Italien  Tecno Racing Team Tecno 70 39 Runden
NC Deutschland  Rolf Stommelen 19 Deutschland  Team Eifelland Caravans Brabham BT30 38 Runden
NC Frankreich  François Mazet 22 Vereinigtes Konigreich  Sports Motor International Brabham BT30 35 Runden
NC Argentinien  Carlos Reutemann 21 Argentinien  Automovil Club Argentina Brabham BT30 35 Runden
NC Osterreich  Dieter Quester 10 Deutschland  BMW BMW 269 19 Runden
NC Australien  Tim Schenken 17 Vereinigtes Konigreich  Sports Motor International Brabham BT30 5 Runden
DNA Osterreich  Jochen Rindt 1 Vereinigtes Konigreich  Jochen Rindt Racing Lotus 69
DNA Vereinigtes Konigreich  Graham Hill 2 Vereinigtes Konigreich  Jochen Rindt Racing Lotus 69
DNA Schweden  Reine Wisell 6 Schweden  Publicator Racing Chevron B17C
DNA Deutschland  Hubert Hahne 11 Deutschland  BMW BMW 269
DNA Brasilien  Emerson Fittipaldi 18 Vereinigte Staaten  Team Bardahl Lotus 69
DNA Vereinigtes Konigreich  Peter Hanson 25 Schweden  Publicator Racing Chevron B17C

Fett: Fahrer mit graded Status; Fahren in Formel 1 und erhalten keine Punkte für Formel-2-Gesamtwertung.

Saison 1971Bearbeiten

Das II. Jochen-Rindt-Gedächtnis-Rennen im Rahmen der Formel-2-Europameisterschaft 1971 fand am 12. September 1971 statt. Das Training erfolgte am Vortag bei Sonnenschein während dreier Läufe (10:30, 14:00 und 16:30 Uhr). Ronnie Peterson, der für March fuhr, holte in 1'00.48" die Pole-Position für das Rennen, das am Nachmittag des Folgetages bei starkem Regen startete. Gefahren wurden 2×35 Runden à 2,86 Kilometer (200,2 Kilometer). Der erste Lauf ging mit 11 Sekunden Vorsprung an Peterson, hinter ihm landete sein größter Konkurrent für die Gesamtwertung Tim Schenken sowie der Österreicher Dieter Quester. Der Argentinier Carlos Reutemann, der ebenfalls noch um die Gesamtwertung fuhr, schied mit einem Kupplungsdeffekt früh aus. Das zweite Rennen verlief sehr spannend: Schenken, der mit 1'10.79" die schnellste Rennrunde verzeichnete, vermochte es Peterson zu überholen und führte in einem aggressiv geführten Duell bis zur letzten Rennkurve. Dort geriet Schenken zu weit nach außen und touchierte einen Strohballen der als Abgrenzung diente und geriet ins Schleudern. Er konnte das Rennen jedoch fortsetzen und gelangte noch als zweiter ins Ziel. Mit diesem Sieg konnte Peterson seine Führung in der Formel-2-Gesamtwertung ausbauen und lag vor den verbleibenden Rennen in Albi und Vallelunga fast uneinholbar in Front.[14][15][16]

II. Jochen-Rindt-Gedächtnis-Rennen // 12. September 1971 – zw. 13 u. 18 Uhr // 2×35 Runden à 2,86 km (ges. 200,2 km)
Position Fahrer Nummer Team Fahrzeug Zeit
1 Schweden  Ronnie Peterson 8 Vereinigtes Konigreich  Smog March Racing Division March 712M 1:24'32.26"
2 Australien  Tim Schenken 9 Vereinigtes Konigreich  Rondel Racing Brabham BT 1:24'59.91"
3 Osterreich  Dieter Quester 7 Deutschland  Team Eifelland Caravans March 712M 1:25'12.94"
4 Brasilien  Wilson Fittipaldi 19 Vereinigte Staaten  Team Bardahl March 712M 1:25'44.29"
5 Vereinigtes Konigreich  John Watson 24 privat Brabham BT30 69 Runden
6 Frankreich  Bob Wollek 17 Vereinigtes Konigreich  Rondel Racing Brabham BT36 69 Runden
7 Japan  Tetsu Ikuzawa 14 privat Lotus 69 69 Runden
8 Vereinigtes Konigreich  Peter Westbury 25 Vereinigtes Konigreich  F.I.R.S.T. Brabham BT36 68 Runden
9 Frankreich  Patrick Depailler 4 Italien  Equipe Elf Tecno Tecno TF71 69 Runden
10 Frankreich  Jean-Pierre Jaussaud 20 Frankreich  Shell Arnold March 712M 68 Runden
11 Frankreich  François Cevert 3 Italien  Equipe Elf Tecno Tecno TF71 68 Runden
12 Argentinien  Carlos Ruesch 26 Argentinien  Automóvil Club Argentino Brabham BT36 68 Runden
13 Brasilien  Carlos Pace 5 Vereinigtes Konigreich  Frank Williams Racing Cars March 712M 68 Runden
NC Italien  Ernesto Brambilla 22 privat March 712M 65 Runden
NC Italien  Claudio Francisci 6 Italien  Racing Team IRIS Ceramiche Tecno TF70 46 Runden
NC Osterreich  Niki Lauda 11 Osterreich  Bosch Racing Team March 712M 40 Runden
NC Italien  Giovanni Salvati 18 Italien  Scuderia Ala d'Oro March 712M 36 Runden
NC Italien  Nanni Galli 1 Italien  Racing Team IRIS Ceramiche Tecno TF70 23 Runden
NC Argentinien  Carlos Reutemann 12 Argentinien  Automóvil Club Argentino Brabham BT36 9 Runden
NC Frankreich  Henri Pescarolo 2 Vereinigtes Konigreich  Frank Williams Racing Cars March 712M 0 Runden
DNA Osterreich  Helmut Marko 10 Schweden  Ecurie Bonnier March 712M
DNA Schweden  Reine Wisell 15 Vereinigtes Konigreich  LIRA Team Lotus Lotus 69
DNA Schweiz  Silvio Moser 16 Italien  Jolly Club Brabham BT30/36
DNA Italien  Giancarlo Naddeo 21 Italien  Scuderia Ala d'Oro March 712M
DNA Deutschland  Bernd Terbeck 23 privat Brabham BT36

Während der Formel-2-Europameisterschaft 1971 traten weniger Fahrer aus der Formel 1 an als in den Jahren davor. Beim Flugplatzrennen in Tulln-Langenlebarn waren gar keine Fahrer mit graded-Status am Start (diese haben bereits Punkte in der Formel 1 geholt und erhalten daher keine Punkte für die Formel-2-Gesamtwertung. In der laufenden Saison wären dies z. B. Emerson Fittipaldi oder Graham Hill, die aber beide nicht am Start waren).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Motorsport in Österreich: Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 15. Mai 2015.
  2. Three formula two races: Langenlebarn (July 16th) In: Motor Sport, Aug. 1967, S. 10. Abgerufen am: 15. Mai 2015
  3. Offizielle Ergebnisliste Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1967 Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 15. Mai 2015.
  4. II Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1967 (Memento vom 30. April 2005 im Internet Archive) formula2.net. Abgerufen am: 15. Mai 2015.
  5. Recent Formula Two Results – Tulln-Langenlebarn (July 14th) In: Motor Sport, Sept. 1968, S. 14. Abgerufen am: 15. Mai 2015.
  6. Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn, 14 Jul 1968 oldracingcars.com. Abgerufen am: 16. Mai 2015.
  7. Motorsport in Österreich: Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1968 Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 16. Mai 2015.
  8. Motorsport in Österreich: Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1969 Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 16. Mai 2015.
  9. Formula two review: Langenlebarn (July 12th) In: Motor Sport, Aug. 1969, S. 18. Abgerufen am: 16. Mai 2015
  10. IV Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1969 formula2.net. Abgerufen am: 16. Mai 2015.
  11. V Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1970 formula2.net. Abgerufen am: 16. Mai 2015.
  12. Formula Two Review In: Motor Sport, Oct. 1970, S. 29. Abterufen am: 16. Mai 2015.
  13. Motorsport in Österreich: Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1970 Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 16. Mai 2015.
  14. VI Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1971 formula2.net. Abgerufen am: 27. Dezember 2015.
  15. Formula Two Review In: Motor Sport, Oct. 1971, S. 26. Abterufen am: 27. Dezember 2015.
  16. Motorsport in Österreich: Internationales Flugplatzrennen Tulln-Langenlebarn 1971 Technisches Museum Wien – Sammlung & Forschung: Motorsport in Österreich. Abgerufen am: 27. Dezember 2015.

Koordinaten: 48° 19′ 16″ N, 16° 6′ 43″ O