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Clemens Tönnies

deutscher Unternehmer und Fußballfunktionär
Clemens Tönnies (2017)

Clemens Tönnies (* 27. Mai 1956 in Rheda) ist ein deutscher Unternehmer und Sportfunktionär. Er ist Miteigentümer der Unternehmensgruppe Tönnies Lebensmittel, Alleineigentümer der Zur-Mühlen-Gruppe und seit 2001 Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04.

LebenBearbeiten

Tönnies wurde als Sohn eines Metzgers in Rheda geboren und wuchs mit vier Schwestern und einem Bruder auf. Nach der Schule machte er eine Ausbildung als Fleischtechniker und Kaufmann. Sein Bruder Bernd gründete 1971 einen Fleisch- und Wurstwaren-Großhandel. Gemeinsam bauten sie die B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH & Co. KG[1] (heute Tönnies Lebensmittel GmbH & Co. KG) auf, die zu einem der größten Fleischproduzenten Europas wurde. Bernd Tönnies, der als Präsident ebenfalls Funktionär des FC Schalke 04 war, starb 1994 im Alter von 42 Jahren nach einer Nierentransplantation.[2] Zwischen Clemens Tönnies und seinem Neffen Robert Tönnies ist es zu einer Auseinandersetzung gekommen, die vor Gericht ausgetragen wird. Robert Tönnies fordert unter anderem, dass das Unternehmen von einem Aufsichtsrat kontrolliert wird.[3][4]

Clemens Tönnies ist seit 1994 Mitglied des Aufsichtsrates des FC Schalke 04 und seit 2001 dessen Vorsitzender.[5] Darüber hinaus ist er erster Vorsitzender des Schützenvereins zu Rheda e. V. von 1833. Er lebt in Rheda-Wiedenbrück, ist in zweiter Ehe verheiratet und hat zwei Kinder.[6] Das US-Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf umgerechnet ungefähr 1,4 Milliarden Euro. Damit belegt er Platz 1349 auf der Forbes-Liste der reichsten Personen der Welt und Platz 85 der reichsten Deutschen (Stand April 2019).[7] Im Oktober 2016 gab Spiegel Online ein geschätztes Vermögen von 1,1 Milliarden Euro an.[8]

Im Zuge der langjährigen Verbindung zum halbstaatlichen russischen Schalke-Sponsor Gazprom pflegt Tönnies eine persönliche Verbindung zu Wladimir Putin.[9]

RezeptionBearbeiten

Cum-ExBearbeiten

Laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel und der Wochenzeitung Die ZEIT war Tönnies einer der Prominenten, die mit Cum-Ex-Geschäften Geld vom Finanzamt erlangten, bei denen sie sich Ertragsteuern erstatten ließen, die sie zuvor gar nicht abgeführt hatten.[10][11]

PreisabsprachenBearbeiten

Im Jahr 2016 konnte das Bundeskartellamt eine Geldbuße in Höhe von 128 Millionen Euro wegen erwiesener Preisabsprachen an die Tochterunternehmen Böklunder Plumrose und Könecke Fleischwarenfabrik nicht eintreiben, weil Tönnies die Aktivitäten dieser Firmen auf andere Gesellschaften der Zur-Mühlen-Gruppe übertragen und diese Tochterfirmen anschließend hat liquidieren lassen. Da die Tochterfirmen rechtlich nicht mehr existierten, gab es für die Bußgeldbescheide keinen Adressaten mehr, und die Bußgeldverfahren wurden eingestellt.[12] Als Folge dieser Vorgänge verabschiedete das Bundeskabinett im September 2016 eine Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB), um diese Gesetzeslücke zu schließen.[8]

Rassismus-DebatteBearbeiten

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Im August 2019 sorgte Tönnies mit einer umstrittenen, vielfach als rassistisch kritisierten Aussage beim Tag des Handwerks in Paderborn für einen Eklat. In einem frei gehaltenen Vortrag zum Thema „Unternehmertum mit Verantwortung – Wege in die Zukunft der Lebensmittelerzeugung“ kritisierte er die Idee, bestimmte Steuern für den Kampf gegen den Klimawandel zu erhöhen. Der Bundesentwicklungsminister solle stattdessen Kraftwerke in Afrika finanzieren:

„Der spendiert dann jedes Jahr 20 große Kraftwerke nach Afrika. Dann hören die auf, die Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, wenn wir die nämlich elektrifizieren, Kinder zu produzieren.“[13]

Bald nach dem ersten Aufruhr entschuldigte sich Tönnies für seine Aussage; er „stehe als Unternehmer für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein“.[14] Jedoch kommentierte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht: „Wer dumpfen Rassismus verbreitet, stellt sich gegen Hunderttausende Fußballfans. Die übergroße Mehrheit steht klar für Menschlichkeit und Toleranz.“[15] Dagmar Freitag, Sportausschuss-Vorsitzende des im Bundestag, sah durch Tönnies' Äußerungen einem „gesamtgesellschaftlichen Schaden“[16] und forderte die Ethikkommission des DFB auf, sich mit dem Vorfall zu beschäftigen, worauf dieser für den 15. August einen Termin anberaumte.[17] Auch der DFB-Integrationsbeauftragte Cacau[18] und Schalkes Vereinsbotschafter Gerald Asamoah[18] stuften die Äußerung als rassistisch ein, ebenso Maram Stern vom Jüdischen Weltkongresses.[19][20] Bei Asamoah entschuldigte sich Tönnies persönlich.[21]

Huub Stevens, Sigmar Gabriel und Wolfgang Kubicki hingegen traten dem Rassismus-Vorwurf bald nach Bekanntwerden entgegen.[22][23] Günter Nooke, Persönlicher Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin, betonte, dass über die von Tönnies angesprochenen „realen Probleme“ wie das Verschwinden des Regenwaldes und die Bevölkerungsentwicklung in Afrika gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden müsse. Leider erschwerten Sätze wie die von Tönnies die konstruktive Diskussion: „Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen.“[24]

Am 6. August 2019 befasste sich der Ehrenrat des FC Schalke 04 mit Tönnies’ Äußerungen.[25] Er stufte die Rassismusvorwürfe als „unbegründet“ ein, warf Tönnies in der offiziellen Mitteilung allerdings vor, „gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot verstoßen zu haben.“[26] Tönnies hatte seine Pflichtverletzung in der vorausgegangenen Anhörung eingeräumt und ein weiteres Mal sein Bedauern zum Ausdruck gebracht. Er selbst hatte auch die eine dreimonatige Amtsniederlegung vorgeschlagen, die der Ehrenrate als zweithöchste mögliche Sanktion der Vereinssatzung verhängte.[27] Dies löste teils heftige Kritik und Unverständnis aus.[28][29][30][31]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Amtsgericht Wiedenbrück, HRA 5243, 19. Dezember 2007.
  2. Gestorben – Bernd Tönnies. Nachruf. In: Der Spiegel, Nr. 27/1994. 4. Juli 1994, S. 176, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  3. Mario Brück, Peter Steinkirchner: Die Schlacht beim Metzger. In: Wirtschaftswoche. 13. März 2012, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  4. Barbara Schmid: Wurf mit dem Knochen. In: Der Spiegel, Nr. 50/2013. 9. Dezember 2013, S. 48, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  5. Lars Wallrodt: Toennies will die Schale für seinen toten Bruder. In: Die Welt. 20. August 2009, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  6. Bernd Weber: Der Kotelett-Kaiser von Schalke. In: Bild.de. 29. Oktober 2006, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  7. #847 Clemens Toennies. In: ForbesThe World's Billionaires datum=2019-04-09. Abgerufen am 4. August 2019.
  8. a b Fleischfabrikant trickst Kartellamt aus – 128 Millionen Euro weg. In: Spiegel Online. 19. Oktober 2016, abgerufen am 5. August 2019.
  9. "Mag Eisbeine gerne gepökelt": Tönnies verrät Putins kulinarische Vorlieben. In: Focus. 27. April 2015, abgerufen am 10. August 2019.
  10. Martin Hesse, Gerald Traufetter: Ex und hopp. In: Der Spiegel, Nr. 39/2014. 22. September 2014, S. 66–68, abgerufen am 18. Oktober 2015.
  11. Der größte Steuerraub in der deutschen Geschichte, Lutz Ackermann, Benedikt Becker, Manuel Daubenberger, Philip Faigle, Karsten Polke-Majewski, Felix Rohrbeck, Christian Salewski, Oliver Schröm, Die Zeit, 8. Juni 2017
  12. Michael Gassmann: Tönnies schreibt mit der „Wurst-Lücke“ Rechtsgeschichte. In: Welt Online. 19. Oktober 2016, abgerufen am 4. August 2019.
  13. Tönnies, Wurst und Wahn. Abgerufen am 16. August 2019.
  14. Marc Schröder: Empörung über Tönnies rassistischen Spruch – Schalke-Ehrenrat prüft Aussagen. In: nw.de. 3. August 2019, abgerufen am 5. August 2019.
  15. Zitat. Pressestelle. BMJ, 4. August 2019, abgerufen am 14. August 2019.
  16. Daniel Theweleit: Tönnies und das „Weltbild eines Großwildjägers“. faz.net, 5. August 2019, abgerufen am 6. August 2019.
  17. DFB-Ethikkommission wird sich mit Tönnies beschäftigen. In: Spiegel Online, 4. August 2019
  18. a b "Mich haben die verächtlichen Worte von Tönnies schockiert". In: Spiegel Online. 5. August 2019, abgerufen am 5. August 2019.
  19. Jüdischer Weltkongress fordert Rücktritt von Tönnies, Jüdische Allgemeine vom 4. August 2019
  20. Tönnies' Aussagen für viele unentschuldbar. In: tagesschau.de. 5. August 2019, abgerufen am 5. August 2019.
  21. Rassismus-Eklat, Westfälische Anzeiger
  22. Kim Böß: Reaktionen auf Tönnies' Äußerungen über Afrika Weser-Kurier vom 6. August 2019
  23. Albert Funk: „Auch eklige Meinungen ertragen“ Tagesspiegel vom 5. August 2019
  24. Merkels Afrikabeauftragter fordert Debatte über Tönnies‘ Äußerungen. Die Welt, 7. Aug. 2019, abgerufen am 7. August 2019.
  25. Tönnies: Ganz Deutschland blickt auf den Schalker Ehrenrat. wdr.de, abgerufen am 6. August 2019.
  26. Schalker Ehrenrat hält Rassismus-Vorwurf gegen Tönnies für "unbegründet". Focus Online, abgerufen am 6. August 2019.
  27. So ist das Schalker Leitbild nichts wert, Westfälische Anzeiger, 7. Aug. 2019
  28. Reaktionen auf Tönnies-Entscheidung: Fans kritisieren „Strafmaß“, NOZ, 7. Aug. 2019
  29. Schalker Ehrenrat weist Vorwürfe zurück, RP online, 9. August 2019
  30. Dass Tönnies sein eigenes Urteil fällt, ist peinlich, Kicker, 7. Aug. 2019
  31. Die Gelbe Karte, Fanzine Schalke Unser, 4. Sep. 2019