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Geographische LageBearbeiten

Das Straßendorf Aufenau befindet sich rund einen Kilometer südöstlich der Kernstadt Wächtersbach auf der linken südlichen Seite des Kinzigtals am Rande einer ausgedehnten Kinzigaue und am Fuße des südlich angrenzenden Spessart, dem Unteren Vogelsberg gegenüber.

GeschichteBearbeiten

OrtsnameBearbeiten

Erste Erwähnung 886 als hovwenowa, gegen 1167 erstmals nachweisbar urkundlich als vuenowe in einer Aufzählung von Besitztümern des Klosters Schlüchtern in einer Urkunde Herolds von Hochheim, dem Bischof von Würzburg (1165–1171). Eine weitere urkundliche Erwähnung erfolgt 1376 in einem Lehensrepetitorium des Klosters Schlüchtern als latinisiertes „ubena“.

1534 erfolgt die Nennung in einer Lehensurkunde als Auffenaw. Ab Anfang des 17. Jahrhunderts dann fast ausschließlich in der heutigen Form Aufenau.

Der Name Aufenau bezeichnete wahrscheinlich ursprünglich einen auf einer Au gelegenen Bauernhof. Zur Namensbildung gibt es verschiedene Deutungen, höchstwahrscheinlich bedeutet der althochdeutsche Name Hov-wenowa, dass es sich um einen Hof in den Auwiesen der Kinzig handelte, anderen Quellen zufolge soll Uffenuffa die Kurzform für „Hof des Uffo“ sein. Da die deutsche Landschaft bis ins 16. Jahrhundert stark bewaldet war und Siedlungen entlang von Flüssen und auf natürlichen Plateaus in der Nähe der Flüsse üblich waren, kann diese Annahme, dass es sich um eine Ansammlung von Höfen in einer Flussaue handelt, durchaus zutreffen.

Mittelalter bis NeuzeitBearbeiten

Aufenau war 1365 als Lehen im Besitz der Forstmeister von Gelnhausen im Ritterkanton Mittelrhein, wurde 1781 an Kurmainz verkauft und 1787 mit dem Kurstaat vereinigt.

Die Forstmeister von Gelnhausen waren Ministeriale, die als Unfreie im Dienst des Kaisers bzw. des Klerus in der Reichsstadt Gelnhausen standen. Ihr Sitz war Schloss Kinzighausen auf einer Insel in der Kinzig unweit von Aufenau, meist Blaues Wunder genannt. Offensichtlich hatten es die Herren von Kinzighausen zu recht ansehnlichem Wohlstand gebracht, da sie den Bau der Marienkirche unterstützten und sie als eigene Grablege nutzten. Im 16. Jahrhundert kam es immer wieder zu Zwistigkeiten mit den benachbarten Grafen bzw. später Fürsten von Ysenburg in Wächtersbach, denen die reichen Ministerialen südlich der Kinzig ein Dorn im Auge waren – zumal Wächtersbach nicht über eine eigene katholische Kirche verfügte, sondern die von Aufenau mitbenutzten musste. Wächtersbach zwar eine der ersten protestantischen Gemeinden war, aber sehr spät eine eigene katholische Kirche besaß. Als Hauptgrund wird in historischen Quellen angeführt, dass der Weg nach Aufenau von Herbst bis zum Frühjahr durch die Kinzighochwasser nicht mit Kutschen oder Pferden zu benutzen war.

Aufenau lag an der ehemaligen Reichsstraße von Frankfurt nach Leipzig, der im Mittelalter wichtigsten Verbindung nach Mitteldeutschland. Reste dieser Straße sind nur noch mit ortskundiger Führung auszumachen.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Aufenau mehrfach Opfer von Plünderungen und Besetzungen. Im Jahr 1646 versuchten die Bewohner Aufenaus sich der ständigen Überfälle zu erwehren, über den Erfolg ist nichts bekannt.

Zwischen 1680 und 1683 kam es zu einem Kirchenstreit in Aufenau, der zwar bis in die Reichsstände ausgefochten wurde, jedoch ohne Folgen blieb. Aus dieser Zeit ist die strenge konfessionelle Trennung des Dorfes zu verstehen, die bis ins 20. Jahrhundert anhielt.

Ab 1764 wurde die Landstraße von Frankfurt nach Fulda, die durch Aufenau führte, als eine der ersten Straßen in Hessen zu einer Chaussee ausgebaut. In Aufenau wurde hierzu die Straßenführung um die Kirche geändert und eigens eine entsprechende, heute noch sehr gut erhaltene Stützwand gebaut, um die noch heute geltende Straßenführung zu ermöglichen. Hierzu wurde der damalige Friedhof entfernt, der Hügel hinter der Kirche angeschnitten und eine aus Mauerwerk erstellte Stützwand errichtet. Die Straße wurde statt durch die heutige Marienstraße nun direkt an der Kirche vorbeigeführt. Die enorme Breite der Straße galt damals als Sensation. So trug die Landstraße auch zu einer merklichen Entwicklung von Aufenau bei.

1807 wurde Aufenau durch den Frieden von Tilsit dem Königreich Westphalen zugeschrieben. Auf dem Rückzug von der Völkerschlacht bei Leipzig Ende Oktober 1813 durchfluteten französische Verbände Aufenau, schleppten Fleckfieber ein und plünderten die Kirche und diverse Höfe.

Seit 1814 gehörte Aufenau mit dem benachbarten Bad Orb zum Königreich Bayern. 1866 wurde Aufenau nach dem Deutschen Krieg vom Königreich Preußen annektiert und in die Provinz Hessen-Nassau und den Kreis Gelnhausen eingegliedert.

Erster und Zweiter WeltkriegBearbeiten

Der Erste Weltkrieg ging nicht spurlos an Aufenau vorüber. So wurde durch die Rohstoffknappheit im Reich das Glockengeläut der Kirche abgeholt, lediglich eine kleine Glocke ließ man für Gottesdienste etc. zurück. Im Herbst 1918 forderte die Spanische Grippe in Aufenau sehr viele Todesopfer.

Zwischen den Weltkriegen wurde die Hauptstraße (heutige Frankfurter und Leipziger Straße) Teil der Reichsstraße 40 und war damit für über 50 Jahre wichtigste Straße zwischen Fulda und Frankfurt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs geriet Aufenau durch die Nähe zur Kinzigtalbahn und die Nähe zu militärischen Anlagen wie die Kaserne der Panzerabwehrabteilung 9 in Gelnhausen und dem Fliegerhorst Rothenbergen immer mehr ins Visier alliierter Jagdbomberangriffe. Dabei wurden trotz Verbot gemäß der Haager Landkriegsordnung auch Bauern bei der Ernte unter Bordwaffenfeuer genommen. Am 27. März 1945 schossen amerikanische Tiefflieger ein Wohnhaus und eine Scheune in Brand, wobei das Wohnhaus schwer beschädigt und die Scheune zerstört wurde. Die vorrückende Westfront erreichte an Ostern 1945 Aufenau. Die 3. US-Armee unter General Patton rückte von Hanau mit Hauptstoßrichtung Vogelsberg vor und traf auf die Reste der 7. Armee unter General Hans von Obstfelder, die sich mit den Amerikanern im Raum Main-Kinzig und Vogelsberg im März und April schwere Abwehrkämpfe lieferte. Nach der letzten Panzerschlacht auf der Spielberger Platte griff am Karsamstag die amerikanische Artillerie Aufenau an und beschädigte den Ort schwer. Vorrückende gepanzerte Spähfahrzeuge wurden am Morgen des Ostersonntag von verschanzten deutschen Soldaten beschossen, daraufhin wurde schweres Artilleriefeuer auf Aufenau gelegt. Einigen Dorfbewohnern ist es durch ihren beherzten Einsatz zu verdanken, dass die verbliebenen deutschen Soldaten sich, ohne weiter Widerstand zu leisten, über Nacht absetzten und der Ort daraufhin von den Amerikanern kampflos besetzt werden konnte.

Nach der Besetzung wurden Soldaten der U.S. Air Force, die die Fliegerhorste in Rothenbergen und Gelnhausen inspizierten, in Aufenau einquartiert.

Entwicklung seit dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 316 Heimatvertriebene in Aufenau untergebracht, von denen 252 in Aufenau eine dauerhafte Heimat fanden. Mit dem Wirtschaftswunder der 50er Jahre wurden die Strecke von Fulda nach Frankfurt immer wichtiger und somit die Straßenführung immer weiter ausgebaut. Bis zum Bau der A 66 wurde die B 40 durch Aufenau wichtigste Verbindung aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Osthessen.

Anlässlich der Gebietsreform in Hessen schloss sich die Gemeinde Aufenau am 1. April 1971 der Stadt Wächtersbach an.[1]

ReligionenBearbeiten

Aufenau verfügt über eine römisch-katholische Kirche und eine evangelisch-lutherische Kirche. Mitglieder anderer Glaubensgemeinschaften insbesondere Protestanten, Muslime, Zeugen Jehovas und Anhänger christlicher Sekten (Nazarener) müssen die Einrichtungen in Wächtersbach oder Bad Soden-Salmünster aufsuchen.

PolitikBearbeiten

Aufenau hat eine Mehrheit der CDU im Ortsbeirat. Der derzeitige Ortsvorsteher ist Hans Mitzinger (CDU), sein Stellvertreter ist Benno Waigand (CDU).

WappenBearbeiten

Am 16. November 1965 wurde der Gemeinde Aufenau im damaligen Landkreis Gelnhausen, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Blau ein goldener Doppelhaken, überhöht durch einen goldenen Adlerkopf, beseitet von goldenen Schindeln und rechts oben ein goldenes Kreuz.[2]

Bedeutung

Es handelt sich um das Wappen der Forstmeister von Gelnhausen, das mit Beschluss vom 10. Oktober 1964 als Gemeindewappen übernommen werden sollte, um die enge Verbundenheit der Gemeinde mit der Familie Forstmeister auszudrücken.

Der Adlerkopf ist zum einen eine Anspielung auf die Vorkommen von Seeadlern, die bis in die frühe Neuzeit in der Kinzigaue zu finden waren, zum anderen ist der Adler ein Symbol der adeligen Macht. Der Doppelhaken oder die Wolfsangel war bis ins 19. Jahrhundert bei der Fallenjagd auf Wölfe in den dichten Wäldern üblich. Das Ordenskreuz soll wahrscheinlich auf die Teilnahme an einem Kreuzzug hindeuten, was aber bisher unbestätigt ist, da es hierüber kaum Informationen gibt. Die acht Schindeln stehen höchstwahrscheinlich für die einzelnen Besitztümer der Forstmeister bis 1503, anderen Quellen zufolge für die Nachkommenschaft.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MuseenBearbeiten

Ludwig-Nüdling-MuseumBearbeiten

Ludwig Nüdling, ein Heimatdichter aus der Rhön (Herausgeber u. a. der Erstkommunionsschrift "Kommunionsglöcklein"), war in Aufenau zwischen 1907 und 1919 katholischer Gemeindevorsteher. In dieser Zeit verfasste er eine Anzahl von Gedichten und eucharistischen Texten, die in ganz Deutschland publiziert wurden. Pfarrer i. R. Monsignore Franz Koska baute die Sammlung über Jahre hinweg auf und begründete damit das Nüdling-Museum, das im alten Pfarrhaus der katholischen Gemeinde neben der Kirche seine Heimat gefunden hat.

Bauwerke und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Kirche zur „Schmerzhaften Mutter Gottes“ (Marienkirche)Bearbeiten

Die katholische Pfarrkirche zur Schmerzhaften Mutter Gottes[3] gilt als eine der ältesten Simultankirchen Deutschlands bis zum Bau des evangelisch-lutherischen Kirchenzentrums in der Martin-Luther-Straße. Sie ist im spätgotischen Stil errichtet worden und umfasst folgende wichtige Sehenswürdigkeiten:

  • Marienaltar mit Triptychon
  • Ratzmann-Orgel[4]
  • Epitaphen der Forstmeister von Kinzighausen (auf der Rückseite der Kirche)

Weitere BauwerkeBearbeiten

  • Grundschule Aufenau - Dabei handelt es sich um ein Schulhaus mit konfessioneller Trennung aus dem Jahr 1910. Noch heute sind die beiden Eingänge je nach Konfession und die entsprechenden Dorflehrerwohnungen gut sichtbar. Der hochmoderne Anbau entstand auf dem Grundriss der Ställe der Dorflehrer. Zu damaliger Zeit war es üblich, dass die Lehrer sich zusätzlich mit eigener Viehhaltung ernährten. Gleichzeitig dienten die Ställe auch als Toiletten für die Schüler. Die Schule befindet sich am Ausgangspunkt der alten "Fuhrmannshohle", die über den Hügelkamm Richtung Südwesten führt. Dieser Hohlweg ist mit aller Wahrscheinlichkeit Bestandteil der alten Handelsstraße Frankfurt-Leipzig.
  • öffentliche Kneippanlage des Kneipp-Vereins Eberborn e. V. für hydrotherapeutische Anwendungen
  • Kreuzweg um Aufenau mit Marienbildnissen (Informationen im katholischen Pfarramt)
  • Jüdischer Friedhof in der Münchener Straße.
  • Villa Blumenau - ehemaliges Gericht der Forstmeister von Gelnhausen, am Geländeeinschnitt oberhalb der katholischen Kirche gelegen. Dort befand sich zwischen Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahre 1955 die Käserei Prinz, die mehrfache Auszeichnungen für die Herstellung eines deutschen Edelschimmelkäses erhielt.

VereineBearbeiten

Aufenau verfügt über verschiedene Vereine, Clubs und Gruppen, die sich regelmäßig treffen. Bis vor einigen Jahren wurde zudem eine Kerb ausgerichtet, der Höhepunkt der Veranstaltungen im Sommer.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Aufenauer KerbBearbeiten

Jedes Jahr am zweiten Augustwochenende findet die Aufenauer Kerb statt, eines der beliebtesten Volksfeste im Umkreis mit mehr als 10.000 Besuchern. Traditionell findet die Kerb im Festzelt auf dem Festplatz neben der Kinzig statt. Zum Auftakt am Freitagabend spielen bekannte Bands der Region. Am Kerbsamstag wird der von den Bewohnern Aufenaus geschmückte Kerbbaum auf einem Festzug durchs Dorf gefahren und durch die Kerbburschen auf dem Festplatz aufgestellt. Das Losmachen der Aufrichteseile ist die Aufgabe des in die Burschenschaft neu aufgenommenen Mitglieds (Jungkerbbursch). Am Montagvormittag ruht in Aufenau im Allgemeinen die Arbeit in den ansässigen Unternehmen, die Belegschaften treffen sich dann auf der Kerb zum traditionellen Wellfleischessen. Der Abschluss bildet am Kerbmontag das "Begraben" der Kerb an einem durch die Kerbburschen ausgesuchten Ort, wo sie im darauffolgenden Jahr wieder ausgegraben werden muss.

Kinzigtal totalBearbeiten

Jährlich werden von den Vereinen bei Kinzigtal total eine Vielzahl von kleineren Festen, Versorgungs- und Unterhaltungsständen entlang der durch den Ort laufenden Strecke ausgerichtet. Aufenau verwandelt sich dabei auf einer Strecke von 2,5 km in eine Partymeile. Besonders beliebt hierbei sind die Feststände der Freiwilligen Feuerwehr am Feuerwehrhaus sowie des Kneippvereins Eberborn e. V. in Ortsmitte.

MotocrossBearbeiten

Nach Weltmeisterschaftsläufen 1998 und 2004 finden regelmäßig internationale Motocross-Rennen zur Deutschen Meisterschaft und zum Motocross Hessencup in verschiedener Kategorien auf dem beliebten Gelände des MSC-Aufenau 1964 e. V. im DMV statt. Hierzu wurde das Gelände, das sich abseits der Autobahn befindet, aufwändig umgestaltet und bietet neben zwei Zufahrten zum Fahrerlager Stellplätze für Teamfahrzeuge und Campingmobile an. Die Strecke gilt unter den Motoristi als ausgesprochen anspruchsvoll.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

TourismusBearbeiten

Aufenau ist staatlich anerkannter Erholungsort[5]. Der Ort verfügt neben einem Hotel und mehreren Pensionen über eine Anzahl von privat angebotenen Fremdenzimmern und bietet damit dem anspruchsvollen wie auch dem preisbewußten Gast angenehme Unterkunftsmöglichkeiten. Die Unterbringung in Aufenau ist aufgrund der Nähe zu den Kurstädten Bad Orb und Bad Soden-Salmünster mit ihren Kuranlagen für Kurgäste und Wellness-Gäste sehr beliebt. Aufenau verfügt außerdem über eine eigene Kneippanlage für Kaltwasseranwendungen und liegt in günstiger Lage für ausgedehnte Wanderungen und verfügt über Nordic Walking-Strecken verschiedener Schwierigkeitsgrade. Von Aufenau aus ist der überregionale Fernradweg R3 nur wenige hundert Meter entfernt, auf ihm kann das gesamte Kinzigtal bereist werden. Der Vogelsberger Südbahnradweg führt an Aufenau ebenso vorbei. Weiterhin sind Rundwanderwege im Naturpark Spessart sowie der bei Mountainbike-Fahrern sehr beliebte Eselsweg leicht zu erreichen. Der untere Vogelsberg lädt ebenfalls zur Touren mit dem Rad ein. Während der Veranstaltung Kinzigtal total verwandelt sich Aufenau in eine Partymeile, auf der von den verschiedenen Vereinen Veranstaltungen angeboten werden. Jährlich besuchen etwa 250.000 Besucher dieses größte Straßenfest Hessens. Durch die zentrale Lage zwischen dem Streckenbeginn an der Kinzigquelle in Sterbfritz und der Kinzigmündung in Hanau bietet Aufenau die optimale Ausgangsposition für Touren in beide Richtungen. Links zu der jährlichen Veranstaltung weiter unten im Linkbereich.

Aufenau verfügt außerdem über sechs Gaststätten sowie einen Imbissbetrieb.

Gewerbe und IndustrieBearbeiten

Fachhandel, leichte Industrie, Handwerk und Dienstleister sind in Aufenau angesiedelt. Besonders stark vertreten ist der Handel mit Kraftfahrzeugen. Durch die Sogwirkung der benachbarten Gemeinde Wächtersbach konnte sich der Einzelhandel nur schwer etablieren, Aufenau ist aber dennoch bekannt für die gute Ausstattung an Fachhandelsunternehmen vom Gartenbedarf bis zur Industrietechnik.

Seit 1995 verfügt Aufenau über ein attraktives Gewerbegebiet am Ortsrand, das kleinere Unternehmen anzieht. Hier stellte die Stadt Wächtersbach attraktives Gelände zur Verfügung, wo Gewerbe und Leichtindustrie sich ansiedeln kann.

Aufenau verfügt mit dem Kaufhaus Zöller über einen der letzten klassischen Kolonial- und Gemischtwarenhändler des frühen 20. Jahrhunderts, der noch heute in fast unveränderter Form noch in Betrieb ist. Der Einzelhändler mit Familientradition hat dabei eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

LandwirtschaftBearbeiten

Die bis in die 1960er Jahre den Ort prägende Landwirtschaft erlebte nach der Gebietsreform einen radikalen Umbruch. Heute bedienen einige wenige Vollerwerbsbetriebe im Bereich Schweinemast, Mutterkuhhaltung und Milcherzeugung den regionalen Markt. Der überwiegende Anteil der stark vertretenen Landwirtschaft sind Subsistenzbetriebe sowie Hobbyisten. Durch die schwierigen topologischen Verhältnisse, die Stückelung der Erwerbsflächen und die geringe Größe ist eine kostendeckende Bewirtschaftung der Flächen schwierig, vor allem Ölsaaten und Getreidesorten von hoher Qualität sind nur schwer anzubauen. Insbesondere die Böden der Hanglagen des Spessarts sind durch die verwitterten Buntsandsteine schwierig zu bewirtschaften. Die Bewirtschaftung von Kurzumtriebsplantagen auf Retentionsflächen und der Anbau von Miscanthus und die Aufforstung zur Gewinnung von Bioenergie könnte zukünftig die derzeit überwiegende Gewinnung von Grünfutter ergänzen. Hierzu wird in nächster Zukunft von einer privatwirtschaftlichen Betreibergesellschaft ein entsprechendes Biomasse-Heizkraftwerk in Wächtersbach errichtet.

VerkehrBearbeiten

Aufenau liegt an der ehemaligen Bundesstraße 40 (heute L 3216) und verbindet über eine Landesstraße auf direktem Weg Bad Orb mit dem Kinzigtal. Zwischen zwei Anschlussstellen gelegen, kann die nahegelegene A 66 sehr schnell erreicht werden. Die A 66 verbindet Fulda und Frankfurt und stellt mit der Anbindung an die A 7 die wichtigste Verkehrsverbindung des Rhein-Main-Gebiets mit Ost- und Nordosthessen sowie Thüringen dar. Aufenau liegt außerdem am Hessischen Radfernweg R3, der durch ganz Hessen führt.

Öffentliche EinrichtungenBearbeiten

Zwischen 1995 und 2005 wurde die Infrastruktur im Ort umfangreich saniert. Hierbei wurde von den Stadtplanern versucht, durch verkehrsleitende Maßnahmen im Bereich der Grundschule und des Kindergartens dem Ort einen 'Kern' hinzuzufügen.

Das später auf dem Grundstück des ehemaligen Raiffeisenmarktes in der Marienstraße errichtete Kulturhaus von Aufenau wurde aufgrund der sehr beschränkten Kapazitäten des alten Gemeindezentrums notwendig. Die Architektur, die vom Planungsbüro Erich Korn erarbeitet wurde, passt den Neubau ideal in die vorhandene Bausubstanz ein und ergibt mit dem alten Bürgermeisterhaus von Aufenau (heutiges Vereinshaus) eine sehr ansprechende Gesamtkomposition moderner regional angepasster Architektur. Die Innenaufteilung ermöglicht eine sehr vielfältige Nutzung, die Inneneinrichtung ist behinderten- und besonders seniorengerecht und durch verfahrbare Trennwände an verschiedene Anforderungen anpassbar. Obwohl in einer innerörtlichen Lage mit Randbebauung gelegen, sind dennoch ausreichende Parkplätze in unmittelbarer Nähe zu erreichen. Das Kulturhaus Aufenau stellt ein Musterbeispiel für den Bau von modernen Gemeindehäusern dar und wird in der gesamten Bevölkerung in Aufenau sehr gerne angenommen.

Seit einigen Jahren verfügt Aufenau mit einer öffentlich zugänglichen Kneippanlage über die Möglichkeit, dass hydrotherapeutische Anwendungen genutzt werden können. Die Anlage erfreut sich von Frühling bis in die Frostperiode größter Beliebtheit und zieht auch Besucher von außerhalb an. Zur Wasserversorgung der Anlage wird natürlich vorhandenes Quellwasser verwendet, das dort zutage tritt. Die Pflege der Anlage hat die Stadt Wächtersbach an den Kneippverein Eberborn e. V. übertragen.

TriviaBearbeiten

  • Die Hauptstraße unterteilt sich in zwei Abschnitte: Die Leipziger Straße beginnt hinter der Kirche und verläuft nach Osten, während die Frankfurter Straße Richtung Westen verläuft. Durch diesen Umstand spricht man auch im Ort vom sogenannten "Unterdorf" (dem Bereich der Frankfurter Straße) und dem "Oberdorf" (dem Bereich der Leipziger Straße). Zwischen beiden Ortshälften gab es in der Vergangenheit immer kleinere Sticheleien.
  • Bei der Gebietsreform musste Aufenau seinen Status als eigenständige Gemeinde aufgeben. Man versuchte damals, Stadtteil von Bad Orb zu werden, dies wurde jedoch vom Orber Bürgermeister schnippisch abgelehnt. Nur sehr widerwillig ließ man sich nach Wächtersbach eingemeinden und noch heute steht Aufenau gegenüber den übrigen Stadtteilen nach. Trotz der hohen Einwohnerzahl verfügt Aufenau z. B. weder über einen allgemeinpraktizierenden Arzt noch über eine Apotheke.
  • Auf dem Aufenauer Berg, über den auch die A66 läuft, kann im Wald zu Bad Orb die historische Grenze zu Kurmainz in Form von Grenzsteinen ausgemacht werden. Hier verlief bis 1866 die nordwestliche Grenze des Königreichs Bayern.
  • Die vorgenannte Villa Blumenau verfügte über einen ausgedehnten Park hinter dem Haus. In diesem wurde die spätere evangelische Kirche errichtet. Die Käserei war auch Namensgeber für das Gelände, so heißt die Martin-Luther-Str. heute noch umgangssprachlich „Käsberg“.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 362.
  2. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Bickenbach, Landkreis Darmstadt vom 16. November 1965. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1965 Nr. 49, S. 1415, Punkt 1165 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  3. Schmerzhafte Mutter Gottes - Aufenau. Abgerufen am 12. Mai 2013.
  4. Bericht über ein Konzert auf der restaurierten Ratzmann-Orgel in Aufenau vom 4. August 2007 (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  5. 77. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 17. November 2011. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 2012, ISSN 0724-7885, S. 221.

WeblinksBearbeiten