Weihnachtskrippe

Darstellung der Geburt Christi aus der Weihnachtsgeschichte

Eine Weihnachtskrippe ist eine Darstellung der Weihnachtsgeschichte mit Menschen- und Tierfiguren in einer Modelllandschaft, die die Gegend von Bethlehem darstellt. Der Mittelpunkt ist die Krippe, in der Jesus Christus als neugeborenes Kind liegt. Im Deutschen steht der Begriff Krippe deshalb als pars pro toto für das ganze dreidimensionale Weihnachtsbild.[1] Viele Weihnachtskrippen verbinden die Bilderwelt der Adventszeit mit jener des Dreikönigsfests. In einem weiteren Sinn können auch andere Modelllandschaften mit Szenen aus dem Leben Jesu als Krippen bezeichnet werden.

Hauskrippe, Deutschland
Ausschnitt aus einer über Jahrzehnte entstandenen privaten Krippenlandschaft, ausgestellt im Stadtmuseum Mülheim-Kärlich

Nach Vorformen im Hoch- und Spätmittelalter war die 1562 von Jesuiten in Prag mit Figuren aufgebaute Weihnachtsszene die erste Krippe im heutigen Sinn. Im Kontext der Gegenreformation wurden Weihnachtskrippen durch die Orden der Jesuiten, Serviten und Franziskaner gefördert.

Biblische GrundlageBearbeiten

Die Evangelisten Matthäus und Lukas stellen ihren Darstellungen des Lebens Jesu jeweils eine Vorgeschichte voraus, in der für ihr Evangelium wichtige Themen erstmals benannt werden. Es gibt also im Neuen Testament zwei verschiedene „Weihnachtsgeschichten“ mit jeweils eigenem Profil. Die meisten Weihnachtskrippen kombinieren Elemente aus beiden Evangelien, wenn sie sowohl das Kind in der Krippe und die Anbetung der Hirten (nach Lukas) als auch die Geschenke bringenden Könige und den Stern von Bethlehem (nach Matthäus) enthalten:

Matthäusevangelium Lukasevangelium Krippenfiguren
Stammbaum Jesu (Mt 1,1–17 EU)
Verkündigung der Geburt von Johannes dem Täufer an Zacharias und Empfängnis durch Elisabeth (Lk 1,5–25 EU)
Verkündigung der Geburt Jesu an Maria (Lk 1,26–38 EU)
Begegnung von Maria und Elisabeth (Mariä Heimsuchung) (Lk 1,39–56 EU)
Geburt, Beschneidung und Aufwachsen Johannes des Täufers (Lk 1,57–80 EU)
Ankündigung der Geburt Jesu an Josef, Geburt Jesu und Namengebung durch Josef (Mt 1,18–25 EU)
Geburt Jesu (Lk 2,1–7 EU) Josef, Maria, Jesus, Krippe; Hirten und Herde, Verkündigungsengel, Engelchor
Verkündigung an die Hirten (Lk 2,8–15 EU)
Anbetung der Hirten (Lk 2,15–20 EU)
Darstellung Jesu im Tempel von Jerusalem, Beschneidung Jesu und Zeugnis von Simeon und Hanna (Lk 2,21–40 EU)
Huldigung der Sterndeuter aus dem Osten (Mt 2,1–12 EU) Könige (mit Reittieren und Geschenken) und Stern
Wallfahrt des zwölfjährigen Jesus mit seinen Eltern zum Jerusalemer Tempel (Lk 2,41–52 EU)
Flucht nach Ägypten (Mt 2,13–15 EU)
Kindermord des Herodes in Betlehem (Mt 2,16–18 EU)
Rückkehr aus Ägypten nach Nazareth (Mt 2,19–23 EU)

Matthäus und Lukas folgen jeweils ab dem dritten Kapitel (Auftreten Johannes des Täufers und Taufe Jesu im Jordan) dem Aufriss des Markusevangeliums.

KrippenfigurenBearbeiten

Hauptsächliche Figuren in Weihnachtskrippen sind:

  • das Jesuskind in einer Krippe;
  • Maria, Mutter Jesu; Darstellung als thronende Madonna möglich;
  • Josef, der Ziehvater Jesu (Mt 1,24–25 EU), meist als älterer Mann dargestellt;
  • Ochs und Esel werden in den biblischen Weihnachtsgeschichten nicht erwähnt, sondern im apokryphen Pseudo-Matthäus-Evangelium;
  • Hirten und Schafe (oft auch mit Hirtenhund);
  • Drei Weise aus dem Morgenland (Caspar, Melchior, Balthasar) mit Geschenken (Gold, Weihrauch und Myrrhe), oft mit Kamelen oder Elefant;
  • Verkündigungsengel (teilweise mit Spruchband in den Händen dargestellt).

Seltener sind Figuren, die den Kindermord in Betlehem darstellen, solche gehören etwa zur Jahreskrippe der Gebrüder Probst.

Maria und Josef, Geburtsort BethlehemBearbeiten

Die Eltern Jesu kommen bei Matthäus und Lukas vor, aber mit einem unterschiedlichen Rollenkonzept. „Dem aktiven Josef im Matthäusevangelium steht ein ausgesprochen passiver im Lukasevangelium gegenüber. Hier ist es Maria, die im Zentrum des Geschehens steht.“[2] Bei beiden Evangelisten wird Jesus in Bethlehem geboren. Aber bei Matthäus ist Bethlehem der Wohnort seiner Eltern, bis sie vor dem kindermordenden Herodes von dort fliehen müssen. Bei Lukas halten sie sich wegen des Zensus nur zeitweilig in einer provisorischen Bleibe dort auf. Um die Darstellung Jesu im Jerusalemer Tempel (nach Lukas) und die Huldigung der Sterndeuter (nach Matthäus) verbinden zu können, nahm ein Teil der altkirchlichen Ausleger an, dass Jesus schon zwei Jahre alt gewesen sei, als die Sterndeuter nach Bethlehem kamen und ihm huldigten.[3]

Die Verehrung des Geburtsstelle Jesu bei Bethlehem geht bis ins 2. Jahrhundert zurück. Erstmals bei Justin dem Märtyrer, dann bei Origenes und Hieronymus und Justinus wird eine Höhle in Bethlehem als christliches Pilgerziel erwähnt. Über dieser Höhle ließ Kaiser Konstantin der Große auf Anregung seiner Mutter Helena die Geburtskirche errichten.

Krippe und HerbergssucheBearbeiten

Nur Lukas erwähnt, dass der neugeborene Jesus in eine Krippe gelegt wurde:

„So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Es geschah, als sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. (Lk 2,4–7 EU)“

Bei Matthäus dagegen ist von einem Ort die Rede, „wo das Kind war“, bzw. einem „Haus“ (Mt 2,9.11 EU).

Im Originaltext des Lukasevangeliums steht der Begriff altgriechisch φάτνη phátnē, meist mit „Krippe“ übersetzt. Das Wort kann einen Futtertrog aus Holz oder Stein, aber auch den Stall oder Futterplatz unter freiem Himmel bedeuten (siehe auch Raufe), jedenfalls den Aufenthaltsort der Tiere im Gegensatz zu der Unterkunft für Menschen (altgriechisch κατάλυμα katályma „Herberge“).[4] In der Vulgata (Lk 2,7 VUL) wird phátnē durch lateinisch praesepium übersetzt „Gehege, Stall“, (im klassischen Latein: praesaepe, von saepio, „umzäunen“, „einfrieden“).

Das „Liegen in einer Krippe“ scheint im Lukastext eine herausgehobene Bedeutung zu haben, weil dies in der Szene der Verkündigung an die Hirten als Zeichen dienen soll.[5] Im Kontext des Lukasevangeliums wird das Motiv von Exegeten unterschiedlich erklärt:

  • Einerseits bildet ein steinerner Futtertrog am Anfang des Evangeliums eine Rahmung (Inclusio) mit dem Motiv des aus Stein ausgehauenen Grabes, in das der Leichnam Jesu im Schlussteil des Evangeliums gelegt wird.
  • Ebenso möglich ist, dass Lukas auf Erwähnungen der Krippe im Alten Testament anspielt, das er in griechischer Übersetzung las. In der Septuaginta begegnet phátnē dreimal: Hi 39,9 EU; Spr 14,4 EU und Jes 1,3 EU. Als Quintessenz aus diesen drei Erwähnungen lässt sich vermuten: das in der Krippe liegende Kind als Zeichen bedeutet im Sinn des Evangelisten Lukas, dass Israel (repräsentiert durch die Hirten) nun seinen Herrn erkannt hat.[6]

In der Mitteilung des Lukas, dass das neugeborene Kind in eine Krippe gelegt werden musste, „weil in der Herberge kein Platz für sie war“, klingt das theologische Motiv der Kenosis („Entäußerung“) an. Im Prolog des Johannesevangeliums, der vom Evangelisten an die Stelle einer Kindheitsgeschichte gesetzt wurde, heißt es: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11 EU); in seinem Brief an die Philipper zitiert der Apostel Paulus einen frühchristlichen Hymnus, in dem es heißt: „Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu“ (Phil 2,6–10 EU). Die Entäußerung und das Dem-Menschen-gleich-werden der johanneischen und paulinischen Theologie sind – genauso wie die Kindheitsgeschichte nach Lukas mit den Herberge suchenden Eltern – nicht Aussagen über den kindlichen Jesus, sondern sie kennzeichnen die gesamte Sendung Jesu Christi als Gottes Heilstat zur Erlösung der Menschen, von seiner Geburt bis zu seinem Tod am Kreuz.

Ochs und EselBearbeiten

Im Lukasevangelium werden Ochs und Esel nicht erwähnt. Diese Tradition ist außerbiblisch und erstmals im apokryphen Pseudo-Matthäus-Evangelium bezeugt, einer wohl im 7. Jahrhundert lateinisch verfassten Schrift:

„Am dritten Tag der Geburt unseres Herrn Jesu Christi ging die allerseligste Jungfrau aus der Höhle heraus, begab sich in den Stall und legte ihren Knaben, den Ochs und Esel anbeteten, in die Krippe.“

Pseudo-Matthäus-Evangelium 14,1

Die Anwesenheit der beiden Tiere bei Jesu Geburt wird von Pseudo-Matthäus mit zwei Prophetenworten aus dem Alten Testament begründet: Jes 1,3  und Hab 3,2 .[7] Der Habakuk-Vers enthält im hebräischen Text keinen Bezug zu Tieren an der Krippe. Hier lag vielmehr die antike griechische Übersetzung (Septuaginta) zugrunde: „Inmitten zweier Lebewesen wirst du erkannt.“[8] Ebenso auch die Vetus Latina als Tochterübersetzung der Septuaginta: In medio duorum animalium cognosceris. Die Besonderheit, dass Ochs und Esel quasi als Vertreter des Tierreichs dem neugeborenen Christus huldigen, ist häufig in Weihnachtskrippen dargestellt worden.

Jesaja stellt Ochs und Esel positiv dar als diejenigen, die wissen, wo Gutes zu finden ist, im Unterschied zum Volk Gottes, welches das vergessen habe[9]: „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht.“ Gerade Jesaja ist das Prophetenbuch, das das endzeitliche Heilshandeln Gottes ankündigt und deswegen von Christen als Vorankündigung des Messias angesehen wird. Die Kirchenväter bezogen sich in Weihnachtspredigten oft auf Jes 1,3 , weil das durch das Stichwort „Krippe“ nahe lag.[10]

StallBearbeiten

Jacobus de Voragine nutzte die Schrift des Pseudo-Matthäus, die er für ein Werk des Hieronymus hielt, als Hauptquelle für die Erzählungen der Geburt Mariens und der Geburt Christi in der Legenda Aurea. Demnach brachte Josef Ochs und Esel bereits mit nach Bethlehem, den Esel als Reittier für Maria, den Ochsen, um ihn zu verkaufen und damit den Zensus zu bezahlen.[11] Wegen ihrer Armut fanden Maria und Josef keine Herberge, da alle Quartiere bereits von Reisenden belegt waren, die ebenfalls wegen des Zensus nach Jerusalem gekommen waren.

„So zogen sie sich zurück in einen öffentlichen Durchgang, der - wie es in der Historia scholastica heißt - zwischen zwei Häusern lag und bedeckt war. […] Hierhin zogen sich die Bürger zurück, um an Tagen der Muße miteinander zu sprechen oder zu essen oder auch nur um bei schlechter Witterung Zuflucht zu finden.“

Jacobus de Voragine: Legenda aurea[12]

Jacobus als Kompilator referierte sodann zwei unterschiedliche Traditionen über die Krippe. Nach der einen fertigte Josef die Krippe für seine mitgebrachten Tiere selbst an; nach der anderen war die Krippe in dem Unterstand bereits vorhanden, weil die Bauern an Markttagen dort ihre Tieren anzubinden pflegten.

Zwar ist im Weihnachtsevangelium nicht von der Armut von Maria und Josef zu lesen, doch die Bibelstelle, nach der das Kind an einen Platz gelegt wurde, der sonst für das Futter der Tiere vorgesehen ist, wurde dementsprechend interpretiert (siehe oben: Legenda aurea). So mutmaßte man, dass Jesus nicht eines gehobenen Standes, sondern einer aus dem einfachen Volk war. Dementsprechend realitätsnah waren bereits hochmittelalterliche Darstellungen von der Geburt Christi, so zu sehen auf einem Fresko in der spätromanischen Burgkapelle Hocheppan bei Bozen (um 1200).

Hirten und EngelBearbeiten

Die Nachtwache der Hirten auf freiem Felde ist eine bukolische Szene, die der Evangelist Lukas mit alttestamentlicher Bedeutung füllte. Könige, religiöse Führer und Gott selbst (Psalm 23) konnten metaphorisch als Hirte bezeichnet werden. Für Lukas waren die Hirten Teil der einfachen, hart arbeitenden Bevölkerung (keine verachteten Außenseiter, wie aus missverstandenen Stellen in der rabbinischen Literatur in der älteren Exegese geschlossen wurde). Ihr Beruf lässt als Signalwort für den Leser das Königtum Jesu anklingen, ebenso wie die Nennung von Bethlehem, dem Geburtsort des Königs David.[13]

Ein himmlischer Engelchor ist neben dem einzeln mit einer Botschaft auftretenden Engel (z. B. Gabriel in der Verkündigungsszene), eine vertraute Vorstellung im Judentum des 1. Jahrhunderts. Der Leser konnte an alttestamentliche Stellen wie Ps 148,2  oder Neh 9,6  denken; das Motiv der jubelnden Engel begegnet aber im Evangelium selbst noch einmal in der Verkündigung Jesu (Lk 15,10 ).[14]

Jacobus de Voragine verband die Nachtwache im Freien mit dem Datum des 25. Dezember und erläuterte, dass die Juden den heidnischen Brauch übernommen hätten, die längste und die kürzeste Nacht des Jahres jeweils im Freien zu verbringen.[15]

Weise aus dem Morgenland (Heilige drei Könige)Bearbeiten

Die Uminterpretation der „Sterndeuter (Magier) aus dem Osten“ des Matthäusevangeliums zu Königen war bereits vollzogen, als die ersten Weihnachtskrippen aufkamen, und wird folglich vorausgesetzt. Johannes von Hildesheim fragte im 14. Jahrhundert umgekehrt: warum sind die Könige Magier? – und antwortete: wegen ihrer wunderbar schnellen Reise. Als Vertreter der nichtjüdischen Welt boten sie dem christlichen Bibelleser Identifikationsmöglichkeiten.[16]

Geschichte der WeihnachtskrippeBearbeiten

SpätmittelalterBearbeiten

 
Spätgotische Krippenfiguren aus San Giovanni a Carbonara (Museo di San Martino, Neapel)
 
Barocke Krippe in Gutenzell (Oberschwaben, 1704)
 
Neapolitanische Krippe (Palazzo Reale, Neapel)

Als Begründer der sinnfälligen Darstellung des Weihnachtsgeschehens galt früher Franz von Assisi, der 1223 in Greccio anstelle einer Predigt das Weihnachtsgeschehen mit Menschen und lebenden Tieren nachstellte. Diese These ist mittlerweile überholt; schließlich stellten die Geschehnisse in Greccio auch eher ein Krippenspiel denn eine figürliche Krippendarstellung dar. Mit der Krippenfeier von Greccio steht möglicherweise das in Frauenklöstern des 13. und 14. Jahrhunderts verbreitete Christkindlwiegen in Verbindung. Im 14. und 15. Jahrhundert entwickeln sich erste statische Krippendarstellungen, vor allem in Italien.[17] Aus dem Jahr 1478 ist eine Liste von Krippenfiguren erhalten, die für die Kirche San Giovanni a Carbonara in Neapel geschnitzt werden sollten: die Heilige Familie, Ochs und Esel, drei Hirten, zwölf Schafe, zwei Hunde, vier Bäume, elf Engel und je zwei Propheten und Sibyllen. Einige dieser Figuren sind erhalten.[18]

GegenreformationBearbeiten

Bestärkt durch das Konzil von Trient (1545–1563) versuchten die Orden der Jesuiten, Serviten und Franziskaner, die Kenntnis des Lebens Jesu durch szenenhafte Darstellungen in der Bevölkerung zu vertiefen. Vor allem die Passion vor dem christlichen Hauptfest Ostern sowie Weihnachten wurden solchermaßen nähergebracht. Kästchen mit biblischen Darstellungen wurden in Kirchen aufgestellt und wurden auch in adligen Kreisen bald populär.

 
Barocke Weihnachtskrippe der Marianischen Kongregation in der Jesuitenkirche in Hall in Tirol

Die 1562 in der Jesuitenkirche St. Klemens (Prag) am Hauptaltar aufgestellte Weihnachtsdarstellung war die erste Krippe nördlich der Alpen. Als Neuheit erregte sie große Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Die erste Beschreibung einer Prager Weihnachtskrippe datiert von 1581, demnach waren anscheinend lebensgroße Figuren der Heiligen Familie in einer mit efeuumrankten Säulen und Bäumen gestalteten Szenerie aufgestellt. Das Zeigen dieser Krippe war verbunden mit dem Vortrag von Weihnachtsliedern.[19] Christoph Daxelmüller ordnet die von Jesuiten „erfundene“ Weihnachtskrippe in eine missionarische Gesamtstrategie des Ordens ein: „Sie begriffen Religion als ein Handlungselement, das den Körper ebenso betraf wie die Sinne und Gefühle.“ Dabei stand die Inszenierung der Passionsgeschichte im Vordergrund, da Ostern das wichtigste christliche Fest und Weihnachten klar übergeordnet war. Der Krippenaufstellung in Prag ging der Aufbau eines Heiligen Grabes dort um drei Jahre voraus, was einem allgemeinen Trend entspricht.[20] Mehrere Autoren des Jesuitenordens erläuterten, was der Zweck von Weihnachtskrippen war:

„Das ganze ist so geschickt arrangiert, dass das Frömmigkeitsgefühl der Beschauer aufs lebhafteste erregt wird. Sie glauben dem wunderbaren Ereignis selbst beizuwohnen, mit eigenen Ohren das Wimmern des Kindes und die himmlische Musik zu hören, mit eigenen Händen die Windeln zu ertasten, und ein Schauer erfasst sie.“

Philippe de Berlaymont (1619)[21]

Nach dem Vorbild der 1607 in München aufgestellten Krippe errichtete man etwa 1608 in Innsbruck und 1609 in Hall eine solche. Die im Jahre 1622 von der Marianischen Kongregation angeschaffte Krippe mit bekleideten Figuren wird noch immer in der Haller Jesuitenkirche aufgestellt. Seit dem Jahr 1615 ist eine Weihnachtskrippe im Benediktinerinnenkloster Nonnberg in Salzburg belegt.

Zu den berühmtesten Krippen zählen bis heute die neapolitanischen Krippen, deren charakterstarke Köpfe an die Masken der italienischen Commedia dell’arte erinnern. Die Szene der Geburt Christi wird dort oft in äußerst aufwendige und detailreiche Straßen- und Marktszenen eingebettet, so dass die Darstellung der Geburt oft nur noch Nebensache scheint. Im Barock wurden auch in Österreich und Süddeutschland (Bayern, Schwaben, Allgäu) viele Krippen nach neapolitanischem Vorbild geschaffen.

Pietismus und AufklärungBearbeiten

Schlesien war im 18. Jahrhundert eine interkonfessionelle Kontaktzone. Die Herrnhuter Brüdergemeine war die einzige Glaubensgemeinschaft außerhalb des römischen Katholizismus, die Krippen gezielt in ihre Weihnachtsgottesdienste einbezog. Die Herrnhuter Manufakturen waren auch selbst im Krippenbau aktiv und brachten ihre Krippen nach Pennsylvania mit (Moravian Christmas putz). Nach Forschungen von Josef Lanz ist die erzgebirgische Weihnachtspyramide durch die Übernahme des Figurenrepertoires katholischer Krippen in das Weihnachtsszepter evangelischer Regionen Schlesiens entstanden.[22]

Unter Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. wurden Weihnachtskrippen durch mehrere Verbote aus den öffentlichen Gebäuden, also vor allem aus den Kirchen, verbannt. Ein ähnliches Verbot erließ Erzbischof Hieronymus Franz Josef von Colloredo-Mannsfeld am 22. November 1784 für das Fürstbistum Salzburg. Dadurch erhielten die Weihnachtskrippen Einzug in den privaten Bereich. Dies blieb, auch nachdem die Verbote aufgehoben wurden.

19. JahrhundertBearbeiten

Bevor im 19. Jahrhundert der Christbaum allgemeine Verbreitung fand, stand die Krippe im Mittelpunkt der katholischen Weihnachtsfeier. Im evangelischen Deutschland wurde die Weihnachtskrippe besonders durch das Wirken von Gustav Jahn verbreitet, der Krippenfiguren durch die Insassen der Züllchower Anstalten herstellen ließ. Durch die Ende des 19. Jahrhunderts beginnende serielle Herstellung von Krippenfiguren aus verhältnismäßig preiswerten Materialien wie Terrakotta und Papiermaché kamen auch weniger wohlhabende Privatpersonen in die Lage, sich eine Krippe für ihre Wohnung anschaffen zu können, für ärmere Kirchengemeinden waren diese Figuren, entsprechend größer ausgeführt, ebenfalls erschwinglich.

In der Zeit seit etwa 1865 bis in die 1970er-Jahre waren Missions-Spardosen Bestandteil vieler Krippen in katholischen Kirchengebäuden.

20./21. JahrhundertBearbeiten

Eine Untersuchung für Westfalen ergab, dass die Hauskrippe in katholischen Familien im 19. Jahrhundert noch selten war, aber sich im frühen 20. Jahrhundert schnell verbreitete. Volksschullehrer leiteten ihre Schüler an, selbst einfache Krippen zu bauen. Der Paderborner Franziskaner Siegfried Schneider (1894–1935) wird wegen seiner Bedeutung für das Krippenapostolat im deutschen Sprachraum als „Krippenpater“ bezeichnet. Er verfasste in den 1920er-/1930er-Jahren neben Krippenspielen und -predigten zahlreiche Publikationen über Krippen und regte Ausstellungen sowie Zusammenschlüsse von Krippenfreunden im deutschen Sprachraum an. Dadurch machte er sich um die Erneuerung und Pflege der religiösen Krippenkunst verdient und formte zugleich maßgeblich die moderne Krippenbewegung. 1924 gründete er die Westfälische Landesgemeinschaft der Krippenfreunde. Neben dem Publikationsorgan Die Weihnachtskrippe (ab 1925), waren es vor allem die stark besuchten Krippenschauen der 1920er Jahre (mit Wettbewerben von Krippenbauern und Verkaufsausstellungen), die Krippen in katholischen Haushalten populär machten.[23] Die Rezeption der Hauskrippen verlief im Protestantismus unterschiedlich. Im evangelisch-reformierten Raum wurden sie als typisch katholisches Brauchobjekt lange abgelehnt. Im pietistisch geprägten Luthertum dagegen verlief die Einführung zeitgleich mit dem Katholizismus, wenn nicht sogar früher. Für das evangelische Westfalen waren die Von Bodelschwinghschen Anstalten Bethel mit der dort kultivierten Krippenfrömmigkeit prägend.[24] Herausgelöst aus dem Kontext des Kirchenraums, wurde die Weihnachtskrippe (typischerweise unter dem Tannenbaum aufgebaut) im Verlauf des 20. Jahrhunderts zu einem mehr dekorativen als religiösen Objekt, ähnlich einer Puppenstube dem Thema Kindheit(serinnerung) zugeordnet und als „weihnachtliches Stimulans“ in den Ablauf der familiären Feier einbezogen.[25]

Krippen sind bis heute fester Bestandteil des kirchlichen und häuslichen Weihnachtsschmucks und werden in allen erdenklichen künstlerischen Stilen und Materialien gefertigt. Krippen im öffentlichen Raum gibt es in vielen Staaten, zum Beispiel vor dem Europäischen Parlament in Brüssel. Ihre Aufstellung wird aber auch aufgrund der Pflicht eines Staates zur weltanschaulichen Neutralität (Laizismus) kritisiert.

  • In den Vereinigten Staaten gibt es zwei Supreme-Court-Entscheidungen zu diesem Thema.[26] Die Quintessenz daraus ist, dass die Aufstellung einer Krippe im öffentlichen Raum in den Vereinigten Staaten umso unproblematischer ist, je mehr sie mit kulturellen Symbolen wie Santa Claus, dem Weihnachtsbaum oder dem Schneemann kombiniert wird.[27]
  • Im Oktober 2015 genehmigte das Verwaltungsgericht im französischen Nantes die Aufstellung einer Krippe als Ausdruck einer populären christlichen Tradition. Wenige Tage später verbot das Berufungsgericht von Melun die Krippenaufstellung. 2015 riet die Vereinigung französischer Bürgermeister (Association des maires de France, AMF) in einem Leitfaden zur guten laikalen Praxis (bonne conduite laique), in öffentlichen Gebäuden Frankreichs keine Weihnachtskrippen aufzustellen. Am 7. April 2019 erklärte Papst Franziskus, ein Krippenverbot sei inakzeptabel.[28] Er würdigte und empfahl den Brauch, Weihnachtskrippen im privaten wie öffentlichen Bereich aufzustellen, mit einem eigenen Apostolischen Schreiben (Admirabile signum).

Zeitraum der Aufstellung der KrippeBearbeiten

Die Krippe wird zum Weihnachtsfest aufgestellt. Mancherorts beginnt die Aufstellung mit einzelnen Figuren und Szenen bereits zu Beginn der Adventszeit. Am 24. Dezember wird das Vollbild mit dem Jesuskind in der Krippe gezeigt, bis zum Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar kommen die Heiligen Drei Könige hinzu. Die Krippe bleibt bis zum Ende der Weihnachtszeit stehen. Diese reicht in der außerordentlichen Form des römischen Ritus bis zum Fest der Darstellung des Herrn am 2. Februar, in der ordentlichen Form bis zum Fest der Taufe des Herrn. An manchen Orten hat sich der Brauch erhalten, die Krippe bis zum Fest der Darstellung des Herrn stehenzulassen. Die Weihnachtszeit endet dann am 2. Februar mit dem Ritus der Krippenschließung. Im Protestantismus endet die weihnachtliche Festzeit drei Wochen vor der Passionszeit mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias; dann ist auch der traditionell letzte Termin, die Krippe abzubauen.

In der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gilt seit dem Kirchenjahr 2018/19 eine neue Perikopenordnung, die das Ende der Epiphaniaszeit am 2. Februar festlegt. "Die Epiphaniaszeit endet nun jeweils mit der Woche, in der der 2. Februar, der Tag der Darstellung Jesu im Tempel (Lichtmess), liegt." (Perikopenbuch, hg. v. der Liturgischen Konferenz für die Evangelische Kirche in Deutschland, Bonn 2018, Einführung, XXV). Die liturgische Farbe ist daher zwischen Heilig Abend und dem 2. Februar weiß, wobei der 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, eine Ausnahme bildet.

Typen von KrippenBearbeiten

Krippen können nach der Art ihres Aufstellungsortes, dem Material, aus dem sie bestehen, und der äußeren Gestalt unterschieden werden:

AufstellungsortBearbeiten

 
Weihnachtskrippe in der Wiener Minoritenkirche (2011)
 
Beispiel einer Freikrippe (Schwimmende Krippe in der Veldener Bucht auf dem Wörthersee)

Je nach dem Ort, an dem die Krippe aufbaut wird, unterscheidet man zwischen Kirchenkrippen, Hauskrippen und Freikrippen.

Gestaltung des ÄußerenBearbeiten

Nach der Szenerie:

  • Höhlenkrippen
  • Landschaftskrippen
  • orientalische Krippen
  • Ruinenkrippen
  • Stallkrippen
  • Tempelkrippen
  • Wurzelkrippen

Nach der Bauweise:

  • Kastenkrippen (die Krippe ist in eine Kiste eingebaut)
  • Bretterkrippen (bühnenartiger Aufbau mit Soffitten)
  • Dreieck-Eckkrippen
  • Rundkrippen
  • Drehkrippen
  • Reliefkrippen
  • mechanische Krippen
  • Miniaturkrippen
  • Großkrippen

SchauplatzBearbeiten

Orientalische Krippen stellen das Geschehen in einem dem Heiligen Land nachempfundenen Umfeld dar. Heimatkrippen stellen das Geschehen in einem Umfeld mit typischen Merkmalen der Heimat des Schaffenden oder auch der Betrachter dar (z. B. alpenländische Schneekrippe mit Winterlandschaft). Milieukrippen zeigen das Geschehen in einem spezifischen Ambiente mit Figuren und Typen des jeweiligen Umfeldes (so etwa mehrfach in Kölner Kirchen).

FigurenherstellungBearbeiten

 
Krippe aus Lechsteinen, Krippenmuseum „Maranatha“, Luttach
  • „Loammandl“-Krippen (aus Lehm, mit Formen gefertigt)
  • Krippenfiguren aus einer Schwarzmehl-Leimwasser-Masse („Teig“) (bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gängiges Material in der Spielzeugfiguren-Herstellung, z. B. in Thüringen, Sachsen und Oberfranken)[29]
  • Santons (provenzalische Krippenfiguren aus Ton oder Terrakotta)
  • Terrakotta-Krippen
  • Geschnitzte Krippen (evtl. auch bekleidet)
  • Wachskrippen
  • Pappmaché-Krippen
  • Krippen mit Biblischen Erzählfiguren
  • Glaskrippen
  • Strohkrippen, Maisstrohkrippen
  • Blechkrippen
  • Metallkrippen (Silber, Bronze, Blei, Zinn)
  • Papierkrippen
  • Eis- und Schneekrippen
  • Steinkrippen

MaterialienBearbeiten

  • Naturmaterialien (z. B. Wurzelholz, Wurzeln, Baumschwamm, Moos, Rinden)
    • 1998 baute Gustel Hertling eine Wurzelholzkrippe, die als „größte Naturwurzelkrippe der Welt“ ins Guinness-Buch der Rekorde dieses Jahrgangs aufgenommen wurde; sie wird alljährlich in der Vorweihnachtszeit im Weihnachtsdorf Waldbreitbach in der katholischen Pfarrkirche errichtet und kann dort bis Anfang Februar besichtigt werden. 2006 schlug der Krippenbauer mit einer noch größeren Krippen-Gebirgslandschaft mit fließendem Wasser (8,50 m hoch auf 130 m² Grundfläche, permanent in der Ausstellungshalle) seinen eigenen Rekord.
    • Die Wurzelkrippe Rheinbrohl in der Kirche St. Suitbertus wurde 1991 von der Krippenvereinigung ArsKrippana in Losheim als größte künstlerisch gestaltete Wurzelkrippe Europas ausgezeichnet.
  • Künstliche Materialien (z. B. Kunstharz, Papier)
 
Diorama des Heiligen Grabes (Philipp Schumacher, 1866–1940)

SzenerieBearbeiten

Die Darstellung von Christi Geburt, oft auch mit der Anbetung durch die drei Weisen aus dem Morgenland, ist die gängigste und bekannteste Krippenform. Andere Krippen zeigen weitere Bilder des Weihnachtsgeschehens (darunter die Verkündigung des Herrn, die Herbergssuche Mariä und Josefs sowie die Flucht nach Ägypten und den Kindermord des Herodes in Betlehem etwa in der Jahreskrippe der Gebrüder Probst; originell auch Maria beim Windelwechseln in der Kölner Kapelle „Madonna in den Trümmern“). Häufige Krippenszenen aus der Jugend Christi sind die Darbringung Christi im Tempel und das Haus in Nazareth mit Maria am Spinnrad und Jesus, der Josef in der Tischlerwerkstatt hilft. Besonders im Barock war die Darstellung der Hochzeit zu Kana, des ersten Wunders Jesu, beliebt, da das Motiv mit einer Hochzeitsgesellschaft in prächtigen Gewändern und einer großen Festtafel besonders vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Seltener sind krippenartige Darstellungen der Passion Jesu Christi, wie der Einzug Christi in Jerusalem, die Kreuzigung oder das Heilige Grab mit dem Auferstandenen.

Anzahl der dargestellten SzenenBearbeiten

Simultankrippen zeigen mehrere Darstellungen gleichzeitig. Bei sogenannten Wechselkrippen ist die Darstellung verschiedener Szenen mit den gleichen Figuren möglich. Mit einer Jahreskrippe können Szenerien der Feste des gesamten Kirchenjahres dargestellt werden.

DarstellungsformenBearbeiten

 
Münchner Stadtkrippe
 
Weihnachtskrippe von Cyrus Overbeck (1999) in der Lichtenplatzer Kapelle Wuppertal-Barmen. Beispiel einer Krippe in der zeitgenössischen Bildenden Kunst.[30]
 
Station des Mettinger Krippenwegs
  • Stadtkrippen werden zum Beispiel vom Bistum oder der Stadtverwaltung als repräsentatives Kunstwerk für die Stadt aufgestellt. In München wird seit 1954 eine altbairische Krippe im Rahmen des Christkindlmarktes aufgestellt. Sie ist im Innenhof des Münchner Rathauses zu besichtigen. Auch Städte wie Köln, Innsbruck oder Bonn verfügen über Stadtkrippen mit teilweise wechselnden Szenen aus dem weihnachtlichen Geschehen.
  • Weihnachtspyramiden; als meistens, durch Kerzenlichtwärme angetriebene, drehende Darstellung von Krippenszenen.
  • Mechanische Krippen, bei denen sich die Figuren bewegen. Schöne mechanische Krippen befinden sich z. B. in den Wallfahrtsorten Altötting, Maria Taferl, Christkindl und Mariazell sowie in Olešnice v Orlických Horách (Gießhübel, Böhmen). Die größte mechanische Krippe der Welt befindet sich in Rajecká Lesná (Freiwald, Slowakei).
  • Weihnachtsberge, bei denen die biblische Weihnachtsgeschichte in eine bergartige Landschaft integriert wird, sind typisch für das Erzgebirge. Die Krippendarstellung wird teilweise um Szenen aus der heimischen Lebens- und Arbeitswelt – insbesondere aus dem Bergbau – ergänzt. Häufig werden die Figuren auf den Weihnachtsbergen durch ausgeklügelte mechanische Antriebe in Bewegung versetzt.[31]
  • Lebende Krippen, etwa die lebende Krippe in den Felshöhlen von Matera in Italien.[32]
  • Avantgardistische Krippen, die zu Diskussionen anregen sollen
  • Weihnachtskrippen als Motiv der zeitgenössischen Bildenden Kunst
  • Krippenwege mit stationsartig aneinandergereihten Weihnachtskrippen in Häusern, an Häusern und/oder im Freien (der Mettinger Krippenweg präsentierte z. B. 2017/2018 insgesamt 72 Stationen)
  • Krippen aus Gebrauchs- oder Abfallstoffen. Die Darstellung von Krippenfiguren aus dem Bereich sozial Benachteiligter ist eine Besonderheit, die in Herne ihren Ursprung hatte und in vielen Kirchen Deutschlands gezeigt und durch aktiv Beteiligte erweitert wurde.
 
Kleinstschwibbogen

In einigen Fällen werden das ganze Jahr über sichtbare Darstellungen der Geburt Christi zum Weihnachtsfest besonders hervorgehoben. So stellt etwa der Trierer Dom keine Weihnachtskrippe auf, sondern es wird ein entsprechendes Stuckrelief in der Marienkapelle geschmückt.

Bekannte KrippenbauerBearbeiten

KrippenforschungBearbeiten

Der deutsche katholische Theologe Adalbert Kuhn sammelte, dokumentierte und präsentierte seit 1984 afrikanische und lateinamerikanische Weihnachtskrippen. Diese stellte er in Kirchengemeinden, in Krippenausstellungen und im KiP-TV (Katholische Kirche im Privatfernsehen) öffentlich vor. Dabei wurden künstlerische, geschichtliche, gesellschaftliche, politische und theologische Hintergründe und Horizonte afrikanischer und südamerikanischer Krippentraditionen erfahrbar. Kuhn dokumentiert in seiner circa 140 Krippen umfassenden Sammlung beispielsweise farbenprächtige peruanische Jahreskrippen in Form eines Berges aus Ton, über eine bolivianische Taschenkrippe aus Holz in Form eines aufklappbaren Altärchens bis zu einer hohen Schnitzkunst bezeugenden, aus einem einzigen Stück Ebenholz gefertigten Lebensbaumkrippe der tansanischen Makonde. Anhand solcher Krippen lässt sich die Inkulturation der „Frohen Botschaft“ von der Geburt Christi in nicht-europäischen Kulturkreisen aufzeigen.[34][35] In afrikanischen Krippen wird Jesus als Afrikaner, in lateinamerikanischen Krippen mit Gesichtszügen dortiger Einheimischer dargestellt. Ähnliche Feststellungen können in Bezug auf die Gewänder der Personen und das Krippenaccessoire getroffen werden. Der „Wunsch, das eigene Leben und die eigene Welt in der Krippe zu zeigen, ist in den Alltagsdarstellungen bei den neapolitanischen und süddeutschen Krippen ebenso zu finden wie zum Beispiel in der reichhaltigen Krippentradition Perus.“ Jede christlich geprägte Kultur legt ihre Erfahrungs- und Lebenswelt in eigenen Bildern und Symbolen aus. Die Freude über die Geburt Christi vereint dabei die Krippentraditionen Europas, Afrikas, Lateinamerikas, ja die der ganzen Welt. Einige der Krippen stehen ganzjährig in Kirchen. Die erstgenannte peruanische Jahreskrippe steht als Zeichen einer Peru-Partnerschaft der Gemeinde in der Kirche Sankt Antonius in Pforzheim-Brötzingen[36]

Krippensammlungen und KrippenmuseenBearbeiten

An vielen Orten bestehen heute Vereine, die sich dem Krippenbau widmen. Dies kann durch gemeinsamen Aufbau einer Krippe, aber auch durch Veranstaltung von Krippenbaukursen oder -ausstellungen geschehen. Manche dieser Vereinigungen unterhalten in ihren Räumen auch ein Krippenmuseum.

Auswahl ganzjähriger Ausstellungen:

In DeutschlandBearbeiten

Weitere Museen verfügen über Abteilungen zum Thema Krippen, wie z. B. das Museumsquartier Tirschenreuth.

In ItalienBearbeiten

In ÖsterreichBearbeiten

In der SchweizBearbeiten

In TschechienBearbeiten

  • Weltweit größte mechanische Weihnachtskrippe, geschaffen von Tomáš Krýza,[38] im Museum der Stadt Jindřichův Hradec
  • Museum Betlém – von Josef Probošt, Josef Kapucián und Josef Friml geschaffene mechanische Weihnachtskrippe[39] in Třebechovice pod Orebem
  • Krippensammlung und -museum am Fuße der Burg Karlštejn, 15 Kilometer westlich von Prag

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Rudolf Berliner: Die Weihnachtskrippe. Prestel, München 1955.
  • Rudolf Berliner (Hrsg.): Denkmäler der Krippenkunst. Filser, Augsburg 1926/1930 (Lfg. 1–21).
  • Gerhard Bogner: Das neue Krippenlexikon. Wissen – Symbolik – Glaube. Ein Handbuch für den Krippenfreund. Fink, Lindenberg 2003, ISBN 3-89870-053-4.
  • Christoph Daxelmüller, Jörg Paczkowski: Krippen aus aller Welt (Sammlung Christoph Daxelmüller) – Ausstellung im Hist. Museum für Stadt u. Grafschaft Wertheim 10.12.1981 – 6.1.1982. Wertheim 1981, ISBN 3-921999-03-0.
  • Christoph Daxelmüller: Krippen in Franken. Echter Verlag, 1978, ISBN 3-429-00572-8.
  • Wilhelm Döderlein: Alte Krippen. Callwey Verlag, München 1960.
  • Erich Egg, Herlinde Menardi: Das Tiroler Krippenbuch. Die Krippe von den Anfängen bis zur Gegenwart. 2. Aufl. Tyrolia, Innsbruck 2004, ISBN 3-7022-2604-4.
  • Nina Gockerell, Walter Haberland: Krippen im Bayerischen Nationalmuseum (= Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums, Neue Folge, Band 1). Hirmer, München 2005, ISBN 3-7774-2855-8.
  • Georg Hager: Die Weihnachtskrippe. Ein Beitrag zur Volkskunde und Kunstgeschichte aus dem Bayerischen Nationalmuseum. München 1902. (online)
  • Erich Lidel: Die schwäbische Krippe (= Beiträge zur Landeskunde von Schwaben, 5). Verlag Konrad, Weißenhorn 1987, ISBN 3-87437-148-4.
  • Franz Grieshofer (Hrsg.): Krippen. Geschichte, Museen, Krippenfreunde. Pinguin-Verlag, Innsbruck 1987, ISBN 3-7016-2270-1.
  • Helena Johnova: Volkstümliche Weihnachtskrippen. Nationalmuseum, Prag 1967.
  • Ute Krebs, Wolfgang Schmidt: Erzgebirgische Weihnachtsberge. Chemnitzer Verlag, 2017, ISBN 3-944509-45-5.
  • Reinhard Linß, Ursula Müller (Hrsg.): Weihnachtskrippen im Sächsischen Erzgebirge (= Schriftenreihe Erzgebirgische Volkskunst; Bd. 10). Husum Verlag, Husum 1998, ISBN 978-3-88042-882-9 (im Auftrag der Berufsfachschule für Tourismus, Chemnitz).
  • Ursula Pfistermeister: Barockkrippen in Bayern. Theiss, Stuttgart 1984, ISBN 3-8062-0398-9.
  • Alfons Rudolph, Josef Anselm Graf Adelmann von Adelmannsfelden: Schwäbische Barockkrippen. Theiss, Stuttgart 1989, ISBN 3-8062-0815-8.
  • Daniela Lucia Saccà, m. Beitr. v. Katharina Bieler, Karl-Heinz Fischer, Christine Riegelmann-Nickolaus, Konrad Vanja: Zum Stern! Weihnachtskrippen aus Europa (= Kleine Schriften der Freunde des Museums Europäischer Kulturen, Heft 1.) 2000.
  • Luciano Zeppegno: Krippen. Entstehung in Italien und Höhepunkt in Neapel. Ein farbenfroher Überblick über die frühe Krippenkunst auf dem Weg zu uns. Südwest-Verlag, München 1970, ISBN 3-517-00187-2.

WeblinksBearbeiten

Commons: Weihnachtskrippe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Weihnachtskrippe – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl-Heinrich Bieritz: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart. Überarbeitete Auflage. Beck, München 1998, S. 199.
  2. Markus Lau: „Mit der Geburt Jesu aber war es so …“. In: Welt und Umwelt der Bibel 4 (2007), S. 16–21, hier S. 19.
  3. Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus. Mt 1–7 (= Evangelisch-Katholischer Kommentar. Band 1). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, 4. Auflage 1997, S. 87 und Anm. 6.
  4. Bauer/Aland, Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der frühchristlichen Literatur. De Gruyter, 6. völlig neu bearbeitete Auflage Berlin / New York 1988, Sp. 1703. Vgl. Jody Vaccaro Lewis: The Inn, the Manger, the Swaddling Cloths, the Shepherds, and the Animals. In: Timothy Larsen (Hrsg.): The Oxford Handbook of Christmas. Oxford University Press, New York 2020, S. 224–238, hier S. 227.
  5. Wilfried Eckey: Das Lukasevangelium. Unter Berücksichtigung seiner Parallelen, Bd. 1: Lk 1,1–10,42. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2004, S. 138–140.
  6. Jody Vaccaro Lewis: The Inn, the Manger, the Swaddling Cloths, the Shepherds, and the Animals. In: Timothy Larsen (Hrsg.): The Oxford Handbook of Christmas. Oxford University Press, New York 2020, S. 224–238, hier S. 228.
  7. Jens Schröter: Die apokryphen Evangelien: Jesusüberlieferungen außerhalb der Bibel. Beck, München 2020, S. 38.
  8. Wolfgang Kraus, Martin Karrer (Hrsg.): Septuaginta Deutsch. Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung. Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2009, S. 1205.
  9. Willem A. M. Beuken: Jesaja 1–12 (Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament). Herder, Freiburg/Basel/Wien 2003, zu Jes 1,3.
  10. Joseph Ziegler: Ochs und Esel an der Krippe. Biblisch-patristische Erwähnungen zu Is 1,3 und Hab 3,2 (LXX). In: Münchener Theologische Zeitschrift 3/4 (1952), S. 385-402.(online)
  11. Jacobus de Voragine: Legenda aurea. Ausgewählt und aus dem Lateinischen übersetzt von Jacques Laager. Manesse, Zürich 1982, S. 439.
  12. Jacobus de Voragine: Legenda aurea. Ausgewählt und aus dem Lateinischen übersetzt von Jacques Laager. Manesse, Zürich 1982, S. 434 f.
  13. Jody Vaccaro Lewis: The Inn, the Manger, the Swaddling Cloths, the Shepherds, and the Animals. In: Timothy Larsen (Hrsg.): The Oxford Handbook of Christmas. Oxford University Press, New York 2020, S. 224–238, hier S. 232f.
  14. David Lyle Jeffrey: Gabriel and the Angels. In: Timothy Larsen (Hrsg.): The Oxford Handbook of Christmas. Oxford University Press, New York 2020, S. 192–202, hier S. 194.
  15. Jacobus de Voragine: Legenda aurea. Ausgewählt und aus dem Lateinischen übersetzt von Jacques Laager. Manesse, Zürich 1982, S. 439.
  16. Ulrich Luz: Das Evangelium nach Matthäus. Mt 1–7 (= Evangelisch-Katholischer Kommentar. Band 1). Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn, 4. Auflage 1997, S. 123f. und Anm. 71.
  17. Stephan Wahle: Die stillste Nacht. Das Fest der Geburt Jesu von den Anfängen bis heute. Herder, Freiburg i.Br. 2018, S. 121.
  18. Georg Hager: Die Weihnachtskrippe. Ein Beitrag zur Volkskunde und Kunstgeschichte aus dem Bayerischen Nationalmuseum. München 1902, S. 23. Vgl. Nina Gockerell, Walter Haberland: Krippen im Bayerischen Nationalmuseum, München 2005, S. 11.
  19. Augustinus Kurt Huber: Italienische Kultmotive im Barock der böhmischen Länder. In: Ders., Katholische Kirche und Kultur in Böhmen. LIT, Münster 2005, S. S. 415-452, hier S. 423f..
  20. Christoph Daxelmüller: Illusionen, Ängste, Affekte. Das jesuitische Spiel mit der Wahrnehmung in der Gegenreformation. In: Michael Prosser-Schell (Hrsg.): Szenische Gestaltungen christlicher Feste. Beiträge aus dem Karpatenbecken und aus Deutschland. Waxmann, Münster 2011, S. 125–156, hier S. 135f., Zitat S. 135.
  21. Hier zitiert nach: Marie Škarpová: Kirchenlieder als „verborgene Kontroverstheologie“? In: Svorad Zavarský, Lucy R. Nicholas, Andrea Riedl (Hrsg.): Themes of Polemical Theology Across Early Modern Literary Genres. Cambridge Scholars Publishing 2016, S. 277-288, hier S. 284.
  22. Christoph Daxelmüller: Rezension von: Josef Lanz: Krippenkunst in Schlesien. Elwert, Marburg 1981. In: Zeitschrift für Volkskunde 79 (1983), S. 148–150.
  23. Dietmar Sauermann: Weihnachten in Westfalen um 1900 (= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland. Heft 6). Coppenrath, Münster 1979, S. 35f.
  24. Dietmar Sauermann: Weihnachten in Westfalen um 1900 (= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland. Heft 6). Coppenrath, Münster 1979, S. 36.
  25. Dietmar Sauermann: Weihnachten in Westfalen um 1900 (= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland. Heft 6). Coppenrath, Münster 1979, S. 37.
  26. Lynch v. Donnelly, 465 U.S. 668 (1984); Cty. of Allegheny v. Am. Civil Liberties Union, 492 U.S. 573 (1989).
  27. Richard W. Garnett, Jackson C. Blais: Public Holidays and the Law. In: Timothy Larsen (Hrsg.): The Oxford Handbook of Christmas. Oxford University Press, New York 2020, S. 537–548, hier S. 545f.
  28. Nadine Cretin: Catholic Europe. In: Timothy Larsen (Hrsg.): The Oxford Handbook of Christmas. Oxford University Press, New York 2020, S. 433-444, hier S. 442. Vgl. Süddeutsche Zeitung Nr. 274, 27. November 2015, S. 1.
  29. z. B. Hermann Löscher: Weihnachtskrippen und -Pyramiden im Sächsischen Erzgebirge, in Max Wenzel (Hrsg.): Frohe Weihnacht! Ein Festbüchlein. Verein für Sächsische Volkskunde, Chemnitz 1915, S. 8.
  30. Markus Zink (Hrsg.): Weihnachten ist Ansichtssache. Bildpredigten von Advent bis Epiphanias. Frankfurt am Main 2020.
  31. www.komm-zur-krippe.de. Abgerufen am 16. Januar 2018.
  32. www.enit-italia.de (Memento des Originals vom 25. Dezember 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.enit-italia.de
  33. Krippe erhitzt Heidelberger Gemüter. In: Main-Post. 26. Dezember 2013, abgerufen am 9. Dezember 2014. (Seite nicht frei zugänglich)
  34. Vgl. Giancarlo Collet, Andreas Feldkeller, Klaus Schatz, Robert J. Schreiter, Thomas H. Groome: Inkulturation. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 5. Herder, Freiburg im Breisgau 1996, Sp. 504–510. Schreiter stellt hier Inkulturation christologisch in Inkarnation, Leben, Tod und Auferstehung Jesu von Nazareths dar. Groome beschreibt im gleichen Artikel Inkulturation praktisch-theologisch als „lebhaften Austausch“ und Dialog von Evangelium und der jeweiligen Kultur. Das Konzept der Inkulturation findet sich nach Giancarlo Collet seit 1974/1975 zunächst in Dokumenten der 32. General-Kongregation der Jesuiten und in der Folge in offiziellen Kirchendokumenten wie Ad populum Dei nuntius Art. 5 (Römische Bischofssynode 1977, Abschlussdokument)
  35. Christoffer H. Grundmann, Edmund Arens, Mark R. Francis, Bert Hoedemaker: Inkulturation. In: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 4. Auflage. Band 4, Mohr-Siebeck, Tübingen 2001, Sp. 144–149.
  36. Abschnitt nach: Adalbert Kuhn: Gott kommt an. Weihnachtskrippen aus Afrika und Lateinamerika. Norderstedt 2020. ISBN 978-3-7519-7000-6. Seite 15–18
  37. https://www.volksstimme.de/nachrichten/sachsen_anhalt/1396778_Die-Krippen-von-Luedelsen.html
  38. Krýzas Weihnachtskrippe. In: mjh.cz. Abgerufen am 19. Dezember 2016.
  39. Krippenmuseum Třebechovice. In: betlem.cz. Abgerufen am 19. Dezember 2016.