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Museum Europäischer Kulturen

Museum in Berlin

Das Museum Europäischer Kulturen MEK ist ein kultur- und alltagsgeschichtliches Museum in Berlin. Es stellt die Lebenswelten vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart in Deutschland und Europa dar. Seine Ausstellungen sowie die museale Forschungsarbeit gelten den Kulturkontakten über nationale und sprachliche Grenzen hinweg.

Museum Europäischer Kulturen MEK
Museum Europäischer Kulturen, Haupteingang, Juni 2018.jpg
Eingang des Museums Europäischer Kulturen im Juni 2018. Foto: Christian Krug – Museum Europäischer Kulturen, SMB-SPK Berlin.
Daten
Ort Arnimallee 25,
14195 Berlin-Dahlem Welt-IconKoordinaten: 52° 27′ 20,1″ N, 13° 17′ 33,7″ O
Art
Architekt Bruno Paul
Eröffnung 1999
Betreiber
Leitung
Website
ISIL DE-MUS-018719

Mit 280.000 Exponaten gehört das MEK neben dem Nordischen Museum in Stockholm und dem Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers in Marseille zu den größten Einrichtungen seiner Art. Es ist Teil der Staatlichen Museen zu Berlin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das MEK entstand 1999 aus der Zusammenlegung des Museums für Volkskunde mit der Europäischen Sammlung des Museums für Völkerkunde. Es belegt das älteste Gebäude des Museumsquartiers Dahlem.

GeschichteBearbeiten

Vorgeschichte: Erste europäische Ethnographica in den Berliner SammlungenBearbeiten

 
Europa-Schrank, Rekonstruktion 1999

Objekte der europäischen Volkskunde wurden in Berlin erstmals im sogenannten Europäischen Schrank des 1859 eröffneten Neuen Museums, das unter anderem die ethnologische Sammlung beherbergte, gezeigt.[1] In der Folge wurde 1873 das Völkerkundemuseum gegründet, das auch eine rund 250 Objekte umfassende europäische Sammlung umfasste. Im Jahr 1878 bemühte sich Rudolf Virchow mit einer Eingabe beim Kultusministerium darum, eine nationale Abteilung für Trachten und Geräte im Museum zu gegründen. Angeregt war er dabei durch die Sammlung und Ausstellung des 1872 durch Artur Hazelius gegründeten Nordischen Museum in Stockholm, das er 1874 besichtigt hatte, und die erfolgreiche Präsentation dieser Sammlung auf der Pariser Weltausstellung 1878. Virchow ging davon aus, dass die Gegenstände für eine solche Abteilung im Völkerkundemuseum trotz der fortschreitenden Industrialisierung noch in den deutschen Regionen vorhanden gewesen seien. Sein Vorstoß wurde seitens des Ministeriums jedoch nicht aufgegriffen.[2] Die Aufstellung der bereits vorhandenen europäischen Ethnographica im 1886 eröffneten eigenen Gebäude des Völkerkundemuseums kam aufgrund des Platzmangels nicht zustande. Deshalb wurde die Idee entwickelt, die europäischen und außereuropäischen Sammlungen zu trennen: So sollte ein Nationalmuseum entstehen, das der Geschichte der europäischen Völker mit einem Schwerpunkt auf der deutschen Kultur gewidmet werden sollte. Sowohl widerstreitende wissenschaftliche Meinungen und Probleme bei der Finanzierung als auch die politischen Rahmenbedingungen, die nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 ein sich ausdifferenzierendes Interesse zwischen dem nationalen Bezugsrahmen und kolonialpolitischen Interessen unter Vernachlässigung des europäischen Raumes zur Folge hatten, verhinderten die Realisierung eines solchen Projekts.[3]

Virchows Engagement und das Museum für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des HausgewerbesBearbeiten

 
Rudolf Virchow, Porträt, Kaltnadelradierung um 1900

Nachdem Virchows Vorstoß für die Einrichtung einer eigenen Abteilung im Rahmen des Völkerkundemuseums durch das Kultusministerium abgelehnt worden war, unterstützte er in privater Initiative Sammlungsreisen und betrieb zusammen mit weiteren Mitgliedern der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte die Gründung des Museums für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes im Jahr 1889. Ab 1891 wurde dieses Museum, das im Palais Creutz untergebracht war, von einem privaten Museumsverein getragen. 1904, zwei Jahre nach Virchows Tod, wurde das Museum als Königliche Sammlung für deutsche Volkskunde in den Verband der Königlichen Museen aufgenommen. Es wurde der prähistorischen Abteilung des Völkerkundemuseums zugeordnet, die Erweiterung der Sammlung wurde jedoch weiterhin von der Erwerbungskommission des privaten Vereins betrieben. Die weiteren europäischen Sammlungen am Völkerkundemuseum wurden von den Leitern der vorderasiatischen und indischen Abteilung betreut, eine systematische Erweiterung dieser Bestände erfolgte aber nicht. Einige Objekte wurden zudem an die Sammlung für deutsche Volkskunde übertragen. Diese Trennung der europäischen und deutschen Sammlungen sollte sich in der weiteren Geschichte des Museums bis in die jüngste Vergangenheit fortsetzen.[4]

Königliche Sammlung für Deutsche VolkskundeBearbeiten

Das private Museum für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse des Hausgewerbes wurde mit Unterstützung des Mäzens James Simon (1851–1932, ab 1904 Vorsitzender des Museumsvereins), und unter der Leitung von Karl Brunner (1904–1928) 1904 als Königliche Sammlung für Deutsche Volkskunde Teil der Königlich Preußischen Museen zu Berlin. Die Sammlung wurde der Prähistorischen Abteilung des Museums für Völkerkunde administrativ unterstellt und von ihr betreut. Die Sammlung befand sich in der Klosterstraße 36 in Berlin-Mitte. Auch diese Sammlung blieb rund 30 Jahre selbstständig. Die volkskundliche Sammlung spielte jedoch aufgrund der unzweckmäßigen Angliederung an diese Abteilung nur eine marginale Rolle.

Staatliches Museum für deutsche VolkskundeBearbeiten

Erst 1929 erhielt die Sammlung ihre Eigenständigkeit als Staatliches Museum für deutsche Volkskunde im Gefüge der Staatlichen Museen zu Berlin. Insbesondere der Direktor Konrad Hahm (1928–1943) setzte sich mit Werbung, wechselnden Ausstellungen und zielgerichteter Vortragstätigkeit dafür ein, die Museumsbestände einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Darüber hinaus erarbeitete er in zahlreichen Denkschriften und Konzeptionen mögliche Formen volkskundlicher Präsentation in einem zentralen Volkskundemuseum. Damit verabschiedete er sich von dem traditionellen Ansatz einer Objektanordnung nach Kulturlandschaften. Stattdessen entwickelte er eine Konzeption eines neuen nach Sachgruppen geordneten Museumstypus.[5]

Im Zeitraum des Nationalsozialismus (NS) von 1934 bis 1945 erhielt das Museum für Deutsche Volkskunde mit dem Schloss Bellevue ein eigenes Ausstellungsgebäude. Im Jahr 1938 erfolgte jedoch der Umzug der Ausstellungs- und Verwaltungsgebäude ins Prinzessinnenpalais neben der Staatsoper in der Straße Unter den Linden sowie der Sammlungen und Werkstätten in die ehemalige National-Mutterloge der Freimaurer in der Splittgerbergasse 3.

Zeitweilig machte das Museum offene Zugeständnisse an die Herrschaftsideologie des Nationalsozialismus, was sich beispielsweise in Ausstellungen zu national-landsmannschaftlicher Heimat- und Volkstumsarbeit zeigte. Umfangreiche nationalsozialistisch geprägte Ausstellungen und groß angelegte Propagandaschauen kamen jedoch nicht zustande. Konrad Hahm widmete sich der Gründung eines Instituts für Volkskunstforschung, das 1940 unter seiner Leitung der Berliner Universität angeschlossen wurde. Eine dem Museum angegliederte Abteilung Schule und Museum wirkte seit 1939 bereits in museumspädagogischer Perspektive. Bis zu seiner Verhaftung und späteren Hinrichtung im Oktober 1944 übernahm der progressive und humanistisch gesinnte Pädagoge und aktive Widerstandskämpfer im Kreisauer Kreis, Adolf Reichwein, die Leitung.

Mit der Etablierung einer Abteilung Eurasien im Museum für Völkerkunde, deren Einrichtung im Einklang mit der NS-Ideologie stand, musste die volkskundliche Sammlung alle nicht deutschen Objekte an das Museum für Völkerkunde abgeben, während dieses seine deutschen Objekte an das Museum für Deutsche Volkskunde zu überstellen hatte. Damit vollzog sich eine neue institutionelle Trennung der Sammlungsbereiche. Im Zweiten Weltkrieg verloren die Museen zahlreiche Objekte durch Zerstörung, Diebstahl und Verlagerung an andere Orte,[6] darunter auch die Moorleiche des Mannes von Kreepen.

Volkskundliche Parallelmuseen in Ost und West (1945–1989)Bearbeiten

 
Blick in die Dauerausstellung der 1980er Jahre im Museum für Deutsche Volkskunde, Berlin/West (1981)

Obwohl die wertvollsten Museumsbestände in den letzten Kriegsjahren in Kellern, Bunkern und Gutshäusern an neun verschiedenen Orten in Berlin, Brandenburg und Vorpommern ausgelagert worden waren, waren nach Kriegsende rund 80 Prozent der volkskundlichen Museumsbestände vernichtet. Die vom Berliner Flakturm am Zoo in die Kalischächte nach Thüringen verbrachten Objekte wurden nach Kriegsende von US-amerikanischer Besatzung nach Wiesbaden befördert, während die restlichen im Flakturm verbliebenen Teilbestände von der sowjetischen Besatzungsmacht im Sommer 1945 mit anderen hochkarätigen Museumsgütern in die Sowjetunion abtransportiert wurden.[7]

Im Nachkriegsdeutschland hatte die politische Teilung die Entstehung von volkskundlichen Parallelmuseen in Berlin zur Folge: Ein Teil der Sammlung wurde im Ostteil der Stadt im Museum für Volkskunde innerhalb des Pergamonmuseums auf der Museumsinsel untergebracht, wo es sich nach inhaltlich-konzeptuellen Auseinandersetzungen 1957 endgültig mit einer neuen Schausammlung im Untergeschoss etablierte. Der andere Teil wurde in West-Berlin kurzzeitig wieder dem Museum für Völkerkunde angegliedert, gewann aber 1963 im Rahmen der neu gegründeten Stiftung Preußischer Kulturbesitz seine Eigenständigkeit als Museum für Deutsche Volkskunde zurück. Allerdings konnte es erst 1976 im wiedereröffneten Magazinflügel des Geheimen Staatsarchivs in Berlin-Dahlem der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine ministerielle Weisung, die den Mitarbeitern der Staatlichen Museen zu Berlin (Ost) jeglichen Kontakt zu Einrichtungen des Preußischen Kulturbesitzes in Berlin (West) untersagte, trug wesentlich zur Entfremdung beider Einrichtungen bei.[8]

In den 1980er Jahren widmeten sich beide Museen zunehmend dem Kulturwandel im Industriezeitalter bis hin zum Leben der städtischen Bewohner. Mit Sonderausstellungen wie Großstadtproletariat (1980–1987) oder Dienstbare Geister (1981) überwanden sie die Beschränkung auf vorindustrielle bäuerlich-handwerkliche Kultur. Der Anspruch der Sammelpolitik, sich auch auf aktuelle Dynamiken zu richten, wurde jedoch nur bedingt erfüllt.[9] Nachdem im Westteil Berlins bereits Kooperationen zwischen der Abteilung Europa des Museums für Völkerkunde und dem Museum für Deutsche Volkskunde stattgefunden hatten, wurde 1988 erstmals die Idee zur Gründung eines Europa-Museums als Reaktion auf die sozialen und kulturellen Wandlungsprozesse der fortschreitenden politisch-ökonomischen europäischen Integration artikuliert.[8]

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum des seit fast 30 Jahren geteilten Museums für (Deutsche) Volkskunde begann 1989 eine Wiederaufnahme der beiderseits ruhenden Kontakte.

Museum für Volkskunde bei den Staatlichen Museen zu Berlin/Stiftung Preußischer KulturbesitzBearbeiten

Im Anschluss an die Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Sammlungen der Staatlichen Museen 1992 unter der Ägide der Stiftung Preußischer Kulturbesitz bei personeller Kontinuität zusammengeführt. Die Neuorientierung führte die geteilten Museumsbestände zunächst in Dahlem zu einem Museum für Volkskunde bei den Staatlichen Museen zu Berlin/Stiftung Preußischer Kulturbesitz zusammen. Diese komplexe organisatorische Herausforderung löste viele kontroverse inhaltlich-konzeptionelle Diskussionen aus, die Abstimmungen und Kompromisse hinsichtlich der künftigen Gestaltung des Museums nach sich zogen. Ende der 1980er Jahre wurde vom Museum für Völkerkunde die Neukonzeption eines Museums mit europäischer Ausrichtung ausgearbeitet: Die Abteilung Europa sollte mit dem Museum für Volkskunde zu einem neuen Museum zusammengelegt werden.[8]

Museum Europäischer KulturenBearbeiten

 
Blick in die neue Sammlungspräsentation: Kulturkontakte – Leben in Europa, Themenbereich: Mobilitäten/Migration, Exponat (rechts): Carrettu sicilianu

Bereits 1988 wurde bei den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz erstmals die Idee artikuliert, ein Europa-Museum zu gründen, in dem die Bestände des Museums für Volkskunde und des Fachreferats Europa im Museum für Völkerkunde zusammengeführt werden sollten. Diese Überlegungen lagen zum einen in den strukturellen Ähnlichkeiten der Sammlungen, veränderten wissenschaftstheoretischen Ansätzen der Volks- und Völkerkunde und den politischen Rahmenbedingungen eines zusammenwachsenden Europas begründet.[10]

Im Ergebnis wurde 1999 das Museum Europäischer Kulturen mit neuer programmatischer Ausrichtung gegründet. Diese Neugründung trägt der gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung in Europa Rechnung. Das Museum Europäischer Kulturen untersucht historische, kulturelle und nationalstaatliche Grenzen zwischen dem Eigenen und dem vermeintlich fremden Anderen, es dokumentiert und sammelt im Rahmen europäischer wie internationaler Austauschprozesse das Alltagsleben europäischer Gesellschaften und begleitet deren Wandel. Gleichzeitig beschäftigt es sich auch mit Fragestellungen der pluralen Gesellschaft in Deutschland, wie Migrationsbewegungen, kulturelle Diversität, deren Ausdrucksformen und gesellschaftliche Auswirkungen, insbesondere in urbanen Lebensräumen.

Nach Umzug der Ausstellungen zum neuen Standort Museen Dahlem präsentiert sich das Museum Europäischer Kulturen im Jahr 2011 im Bruno-Paul-Bau in der Arnimallee 25. In den ehemaligen Ausstellungsräumen des Museums, Im Winkel 6/8, befinden sich seitdem die Werkstätten und Magazine sowie Büros der Mitarbeiter.

SammlungBearbeiten

 
Restauratorin im Textilmagazin

ZielstellungBearbeiten

Die Vorläuferinstitutionen des Museums widmeten sich der Alltagskultur der unteren und mittleren gesellschaftlichen Schichten und betrachteten die Objekte insbesondere als Belege vergangener ländlicher Lebenswelten. Seit den 1970er Jahren stehen Alltag und Lebenswelt des Industriezeitalters bis hin zur Gegenwart im Vordergrund. In diesem Sinne gehört auch das Thema der (transnationalen, postkolonialen bzw. postsozialistischen) Migration und Mobilität für das Museum Europäischer Kulturen zu den Grundbegriffen eines Verständnisses von Kulturzusammenhängen in Europa. Kulturhistorische und ethnografische Kenntnisse werden eingesetzt, um anhand von originalen Sachzeugnissen und deren Deutung gesellschaftliche Zusammenhänge von vergangenen und gegenwärtigen Lebenswelten in Europa verständlich zu machen.

SammlungsbeständeBearbeiten

Mit rund 280.000 Ethnographica und Objekten zur Kulturgeschichte verfügt das Museum Europäischer Kulturen über eine der größten Sammlungen zur Alltagskultur und populären Kunst in Europa. Hierbei handelt es sich um materielles und immaterielles Kulturerbe vornehmlich aus Deutschland und anderen Ländern mit einem Schwerpunkt auf Ost- und Südosteuropa. Einzigartig sind vor allem die historischen Bestände von einigen ethnischen Minderheiten in Europa.

Die Sammlungen sind vorrangig nach ihrer Materialbeschaffenheit (Textilien, Keramik, Glas, Papier, Holz etc.) deponiert und bislang nach 74 Objekt- bzw. Sachgruppen klassifiziert. Sie umfassen nahezu alles, was die eigenen und fremden, vergangenen und gegenwärtigen Lebenswelten betrifft. Hervorzuheben sind dabei besonders die textilen und fotografischen Bestände. Außergewöhnlich sind die thematisch angelegten Sammlungsbereiche zur naiven Kunst, zur Kindheits- und Jugendkultur, zu Ritualen und zu Formen von Religiosität. Dieser letzte umfangreiche Sammlungsbestand umfasst die drei monotheistischen Weltreligionen und wurde von der Berliner Sammlerin Gertrud Weinhold (1899–1992) über Europas Grenzen hinaus kulturvergleichend angelegt.

Seit 1999 gehört mit dem mechanischen Weihnachtsberg von Max Vogel der größte Weihnachtsberg außerhalb des Erzgebirges zur Sammlung des Museums Europäischer Kulturen.

SammlungsausrichtungBearbeiten

 
Venezianische Gondel in der Dauerausstellung

Die objektorientierte Arbeit innerhalb verschiedener Sammlungsbereiche legt den Schwerpunkt auf die Disziplinen der Textil-, Bild-, Foto-, Religions- und Sozialwissenschaft. In engem Zusammenhang damit steht das forschende Sammeln der Gegenwart, aber nach wie vor auch der vergangenen Kultur im Sinne der Ergänzung vorhandener Sammlungslinien. Das Museum Europäischer Kulturen sieht eine seiner Hauptaufgaben in einer kontinuierlichen Sammlungsentwicklung als Reflexion vergangener und gegenwärtiger Lebenswelten in Europa und möchte einen grundlegenden Beitrag zum Erhalt und zur kritischen Reflexion des kulturellen Gedächtnisses der Menschheit leisten.

FörderkreisBearbeiten

Seit 1978 fördert der Verein der Freunde des Museums Europäischer Kulturen, der aus Mitgliedern aller Alters- und Berufsgruppen besteht, das Museum mit Ankäufen von wichtigen Objekten. Er unterstützt – vor allem finanziell – Restaurierungen, Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen. So richtete er zum Beispiel rund 20 Jahre lang einen Oster- und Kunsthandwerksmarkt in Berlin aus und beteiligt sich an der vom Museum organisierten Veranstaltungsreihe der Kulturtage im Museum Europäischer Kulturen. Neben der Mitfinanzierung von Veröffentlichungen gibt er eine eigene Publikationsreihe (Schriften der Freunde des Museums Europäischer Kulturen) heraus.

Ausstellungen (Auswahl)Bearbeiten

 
Friesischer Silberschmuck (2017)
  • 2018/19 Sterne – nicht nur zur Weihnachtszeit. Ausstellung vom 2. November 2018 bis 3. Februar 2019. Eine umfassende Ausstellung zur kulturellen Bedeutung der Sterne als Orientierungspunkte am Himmel, im Glauben und im Alltag als Symbol.
  • 2018/19: Hochzeitsträume Wedding dreams, Katalog zur Ausstellung, Schriftenreihe des MEK, Band 22, Hrsg.: Jane Redlin, Judith Schühle, Jana Wittenzellner. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2018, ISBN 978-3-86502-411-4.
 
Hochzeitskleider aus der Ausstellung Hochzeitsträume
  • 2018: Ich habe mich nicht verabschiedet | Frauen im Exil. Fotografien von Heike Steinweg
  • 2017/18: InselWesen.InselAlltag.Fotografien von Mila Teshaieva. Einblicke in friesische Lebenswelten, 25. August 2017 bis 2. April 2018
  • 2016/17: Traumorte in Armenien
  • 2016/17: daHEIM: Einsichten in flüchtige Leben
  • 2015/16: Europas neue Alte
  • 2014: “I’m not afraid of anything!” Porträts junger Europäer
  • 2012: Comicleben_Comiclife, 5. Mai – 28. Oktober 2012
  • 2011: Sammlungspräsentation: Kulturkontakte – Leben in Europa, seit 9. Dezember 2011
  • 2010: Döner, Dienste und Design. Berliner UnternehmerInnen, 21. November 2009 bis 28. Februar 2010
    [im Rahmen des EU-Projekts Entrepreneurial Cultures in European Cities (2008–2010)]
  • 2009: Tuchintarsien in Europa von 1500 bis heute, 19. März – 5. Juli 2009
  • 2009: Europa entdecken!, 18. April 2008 bis 5. Juli 2008
  • 2007/2008: KinderMobil. Kleine Helfer für kleine Helden, 1. April 2007 bis 1. Januar 2008
  • 2005–2008: Die Stunde Null: ÜberLeben – Umbruchzeiten 1945, 8. Mai 2005 bis 6. Januar 2008
  • 2005/2006: Solidarność – Polenbegeisterung. Deutsche und Polen nach dem Novemberaufstand 1830, Königliches Schloss in Warschau, 29. November 2005 bis 31. Januar 2006
  • 2004/2005: Naive Kunst aus Polen: Die Sammlung Orth, 3. Dezember 2004 bis 3. April 2005
  • 2004: Europa an der Grenze. West Oder Ost Odra, 13. März – 16. Mai 2004
  • 2003: „MigrationsGeschichten(n) in Berlin“ [im Rahmen des EU-Projekts Migration, Work and Identity. European History Told in Museums (2000–2003)]

Veranstaltungsreihe: Kulturtage im Museum Europäischer KulturenBearbeiten

 
Kroatische Kulturtage, 2006
  • 2017: Friesische Kulturtage: InselWesen.InselAlltag (mit gleichnamiger Ausstellung), 25. August – 25. September 2017[11]
  • 2016: Traumorte – Armenische Kulturtage im Museum Europäischer Kulturen (mit gleichnamiger Ausstellung), 20. August – 6. November 2016
  • 2015: Småländische Kulturtage: Exportschlager aus Schweden (mit Fotografien von Christina Glanz), 31. Juli – 29. August 2015[12]
  • 2014: Georgische Kulturtage: Wein-Kultur in Georgien, 1. August – 5. Oktober 2014[13]
  • 2013: Slowakische Kulturtage: Reichtum in der Vielfalt (mit gleichnamiger Ausstellung), 31. August – 29. September 2013[14]
  • 2012: Apulische Kulturtage: La Puglia a Berlino (mit Kooperationsausstellung Erkundungen), 5. – 26. August 2012[15]
  • 2008: Sardische Kulturtage: La Sardegna a Berlino (mit Kooperationsausstellung La Sardegna. Der Blick von drinnen und draußen), 1. – 30. August 2008[16]
  • 2007: Rumänische Kulturtage: Rumänien – Blickwechsel (mit gleichnamiger Ausstellung), 1. November – 5. Dezember 2007[17]
  • 2006: Kroatische Kulturtage: Musik und Identitäten (mit gleichnamiger Gastausstellung), 26. August – 24. September 2006
  • 2004: Estnische Kulturtage: Bilder – Dinge – Klänge (Gastausstellung Johannes Pääsuke (1892–1917): Mann mit zwei Kameras), 6. März – 18. April 2004
  • 2003: Tatarische Kulturtage: Erinnerung als Inspiration (mit gleichnamiger Ausstellung), 30. August – 14. September 2003
  • 2002: Carnevale di Venezia – Venezianische Kulturtage im Museum Europäischer Kulturen, 1. – 13. Februar 2002
  • 2001: Polnische Kulturtage: Das Museum: eine Brücke zwischen den Kulturen (Gastausstellung Polnische Bildungszentren der Künstler-Konservatoren), 5. – 20. Mai 2001
  • 2000: Sámische Kulturtage: Vergangenheit für die Gegenwart. Handwerkstraditionen der Sami in Nordeuropa (mit gleichnamiger Ausstellung), 21. – 29. Oktober 2000

PublikationenBearbeiten

Schriftenreihe Museum Europäischer Kulturen (Auswahl)Bearbeiten

  • Band 22: Hochzeitsträume Wedding dreams, Hrsg.: Jane Redlin, Judith Schühle, Jana Wittenzellner, E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2018, ISBN 978-3-86502-411-4.
  • Band 20: Anna webt Reformation – Ein Bildteppich und seine Geschichten. Hrsg.: Dagmar Neuland-Kitzerow, Christine Binroth und Salwa Joram, Verlag der Kunst Dresden Ingwert Paulsen jr., Husum 2017, ISBN 978-3-86530-230-4
  • Band 11: Comicleben_Comiclife (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung). Hrsg. von Jane Redlin und Judith Schühle. Bielefeld u. a. 2012.
  • Band 10: Kulturkontakte – Leben in Europa / Cultural Contacts – Living in Europe (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, deutsche und englische Ausgabe). Hrsg. von Elisabeth Tietmeyer und Irene Ziehe. Leipzig 2011.
  • Band 9: Die Sprache der Dinge. Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf die materielle Kultur. Hrsg. von Elisabeth Tietmeyer, Claudia Hirschberger, Karoline Noack, Jane Redlin. Münster u. a. 2010.
  • Band 7: Adventskalender. Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren. Hrsg. von Tina Peschel. (Mit Beiträgen von Gretel Bouchette u. a., Zusammenfassungen in Englisch). Dresden 2009.
  • Band 6: Tuchintarsien in Europa von 1500 bis heute. Inlaid Patchwork in Europe from 1500 to the Present. Hrsg. von Dagmar Neuland-Kitzerow, Salwa Joram, Erika Karasek. Regensburg 2009.
  • Band 3: Ort. Arbeit. Körper. Ethnografie Europäischer Modernen. 34. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde. Hrsg. von Beate Binder, Silke Göttsch, Wolfgang Kaschuba, Konrad Vanja. Münster u. a. 2005.
  • Band 1: Faszination Bild. Kultur Kontakte Europa. Ausstellungskatalog zum Pilotprojekt. Autoren: Erika Karasek, Katharina Bieler, Uwe Claassen, Gisela Dombrowski, Annemarie Gronover, Robert Mettke, Dagmar Neuland-Kitzerow, Tina Peschel, Jane Redlin, Christine Riegelmann, Gesine Schulz-Berlekamp, Elisabeth Tietmeyer, Konrad Vanja, Irene Ziehe. Berlin 1999.

Schriften der Freunde des Museums Europäischer Kulturen (Auswahl)Bearbeiten

  • Heft 10: Klages, Rita/ Neuland-Kitzerow, Dagmar/ Tietmeyer, Elisabeth: Döner, Dienste und Design – Berliner UnternehmerInnen. Dokumentation einer Werkstattausstellung 2009–2010/Doner, Delivery and Design – Entrepreneurs in Berlin. Documentation of a 2009–2010 workshop exhibition, Berlin 2010.
  • Heft 9: Bernasconi, Gianenrico/ Dilger, Julia / Lohmann, Carsten: ‘Pictures in our head’. Fremd- und Eigenbilder in Europa. Hrsg. von. Zusammenfassungen in Englisch, Berlin 2010.
  • Heft 8: Puddu, Gino/ Ziehe, Irene/ Borsato, Sonia: La Sardegna. Der Blick von Drinnen und von Draussen.Vista da dentro vista da fuori. Fotografien von Mario Arca, Luca Gabino, Salvatore Ligios und Massimo Mastrorillo. Zusammenfassungen in Englisch, Berlin 2008.
  • Heft 7: Tietmeyer, Elisabeth/ Ziehe, Irene: Europa entdecken! Discover Europe!, Berlin 2008.
  • Heft 6: Dilger, Julia/ Redlin, Jane: KinderMobil – Kleine Helfer für Kleine Helden, Berlin 2007.
  • Heft 5: Franke, Julia: Ein europäischer Freiheitskämpfer – Ludwik Mierosławski 1814–1878, Berlin 2006.

Visuelle Kultur – Studien und Materialien (Auswahl)Bearbeiten

  • Irene Ziehe, Ulrich Hägele (Hrsg.): Visuelle Medien und Forschung. Über den wissenschaftlich-methodischen Umgang mit Fotografie und Film. Münster u. a. 2009.

LiteraturBearbeiten

  • Wolfgang Jacobeit: The genesis of Volkskunde in the German Democratic Republic. In: Studying peoples in the people’s democracies. Münster 2005. S. 183–190.
  • Sigrid Jacobeit, Wolfgang Jacobeit: Illustrierte Alltags- und Sozialgeschichte Deutschlands: 1900–1945. Münster 1995.
  • Erika Karasek, Elisabeth Tietmeyer: Das Museum Europäischer Kulturen: Entstehung – Realität – Zukunft. In: Karasek u. a. (Hrsg.): Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa. Potsdam 1999. S. 7–19.
  • Erika Karasek: Einhundert Jahre Engagement für die Volkskunde 1889–1989. In: Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.): Kleidung zwischen Tracht und Mode. Aus der Geschichte des Museums 1889–1989. Berlin 1989. S. 5–26.
  • Wolfgang Kaschuba, Thomas Scholze, Leonore Scholze-Irrlitz: Alltagskultur im Umbruch. [Festschrift für Wolfgang Jacobeit zu seinem 75. Geburtstag], Köln u. a. 1996.
  • Theodor Kohlmann: Wegweiser durch das Museum für Deutsche Volkskunde. Berlin 1977.
  • Irene Kühnel-Kunze: Bergung – Evakuierung – Rückführung. Die Berliner Museen in den Jahren 1939–1959. Sonderband Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 1983, Berlin 1984.
  • Heide Nixdorff, Thomas Hauschild (Hrsg.): Europäische Ethnologie – Theorie- und Methodendiskussion aus ethnologischer und volkskundlicher Sicht. Tagungsband zum Workshop Europäische Ethnologie vom 28. März bis 2. April 1982 in Berlin. Berlin 1983.
  • Ulrich Steinmann: Die Entwicklung des Museums für Volkskunde von 1889–1964. In: Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.): 75 Jahre Museum für Volkskunde 1889–1964. Festschrift, Berlin 1964. S. 7–47.
  • Elisabeth Tietmeyer, Konrad Vanja: The Staatliche Museen zu Berlin’s Museum of European Cultures as a Platform of intercultural Dialogue. The Centenary of the Estonian National Museum, Tartu, 13. April 2009. In: Journal of Ethnology and Folkloristics. 3, 2009, S. 129–133.
  • Elisabeth Tietmeyer: Wie gegenwartsorientiert können ethnologische Museen Kulturen der Welt darstellen? In: Martina Krause, Dagmar Neuland-Kitzerow, Karoline Noack (Hrsg.): Ethnografisches Arbeiten in Berlin. Wissenschaftsgeschichtliche Annäherungen (Berliner Blätter. Ethnographische und ethnologische Beiträge, Heft 31), Münster u. a. 2003. S. 75–83.
  • Konrad Vanja: Europa vice versa und auf Augenhöhe. Netzwerke europäischer Museen. In: Heidrun Alzheimer (Hrsg.): Europa. Kulturelle Netzwerke – lokal, regional, global. Festschrift zum 70. Geburtstag von Bärbel Kerkhoff-Hader, Würzburg 2012. S. 204–217.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Erika Karasek, Elisabeth Tietmeyer, Das Museum Europäischer Kulturen. Entstehung - Realität - Zukunft, in: Museum Europäischer Kulturen (Hrsg.), Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa. Ausstellungskatalog zum Pilotprojekt, UNZE, Berlin 1999, ISBN 3-9806239-2-0, S. 13-25, 14f.
  2. Heidi Müller, Die Sammlungskonzeption des Museums für Deutsche Volkskunde von der Gründung 1889 bis zum Ersten Weltkrieg, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Band 34 (1992), S. 185-194, 185.
  3. Erika Karasek, Elisabeth Tietmeyer, Das Museum Europäischer Kulturen. Entstehung - Realität - Zukunft, in: Museum Europäischer Kulturen (Hrsg.), Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa. Ausstellungskatalog zum Pilotprojekt, UNZE, Berlin 1999, S. 13-25, 14-16.
  4. Erika Karasek, Elisabeth Tietmeyer, Das Museum Europäischer Kulturen. Entstehung - Realität - Zukunft, in: Museum Europäischer Kulturen (Hrsg.), Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa. Ausstellungskatalog zum Pilotprojekt, UNZE, Berlin 1999, S. 13-25, 16.
  5. Erika Karasek: Einhundert Jahre Engagement für die Volkskunde 1889–1989. In: Staatliche Museen zu Berlin (Hrsg.): Kleidung zwischen Tracht und Mode. Aus der Geschichte des Museums 1889–1989. Berlin 1989, S. 5–26, S. 10.
  6. Elisabeth Tietmeyer: Tarnung oder Opportunismus? Der Berliner Museumsethnologe Kunz Dittmer im Nationalsozialismus. In: Berliner Blätter, Ethnographische und ethnologische Beiträge. 22, 2001, S. 31–41.
  7. Erika Karasek: Vom Museum für Deutsche Volkskunde zum Museum Europäischer Kulturen. In: Akteure, Praxen, Theorien. Der Ethnografin Ute Mohrmann zum siebzigsten Geburtstag. Berliner Blätter, Heft 52, 2010, S. 38–46, S. 38f.
  8. a b c Karasek 1989, S. 45.
  9. Elisabeth Tietmeyer 2003, S. 81
  10. Erika Karasek, Elisabeth Tietmeyer, Das Museum Europäischer Kulturen. Entstehung - Realität - Zukunft, in: Museum Europäischer Kulturen (Hrsg.), Faszination Bild. Kulturkontakte in Europa. Ausstellungskatalog zum Pilotprojekt, UNZE, Berlin 1999, ISBN 3-9806239-2-0, S. 13-25, 13.
  11. InselWesen. InselAlltag. Staatliche Museen zu Berlin, abgerufen am 26. November 2017.
  12. Museum Europäischer Kulturen: Detail – SMB Ausstellung: Exportschlager aus Schweden. In: smb.museum. Abgerufen am 26. November 2017.
  13. Wein-Kultur in Georgien. In: smb.museum. Abgerufen am 26. November 2017.
  14. Reichtum in der Vielfalt. In: smb.museum. Abgerufen am 26. November 2017.
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