Spergau

Ortsteil von Leuna

Spergau ist ein Ortsteil der Stadt Leuna im Saalekreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland).

Spergau
Stadt Leuna
Wappen von Spergau
Koordinaten: 51° 17′ 38″ N, 12° 1′ 27″ O
Höhe: 88 m
Fläche: 10,8 km²
Einwohner: 1088 (30. Jun. 2017)
Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 2009
Postleitzahl: 06237
Vorwahl: 034446
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Über dieses Bild
Lage von Spergau in Leuna
Spergau
Saale bei Bad Dürrenberg, Blick in Richtung Spergau

GeografieBearbeiten

Spergau liegt zwischen Merseburg und Weißenfels unweit der Saale.

GeschichteBearbeiten

Spergau wurde bereits vor über 1000 Jahren erstmals urkundlich erwähnt - anno domini 973. Im Verlauf der Jahrhunderte entwickelte sich im früheren Grenzgebiet zwischen Germanen und Slawen ein Bauerndorf, das in der Spitze fast 50 Höfe meist mittlerer Größe umfasste. Spergau gehörte bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Merseburg, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.[1] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort im Jahr 1815 zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Merseburg[2] im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde im Ort ein sogenanntes Arbeitserziehungslager errichtet, in dem nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter, unangepasste Jugendliche, jüdische oder „halbjüdische“ Bürger für die Leuna-Werke der IG Farben zu Zwangsarbeit gepresst wurden, die in vielen Fällen zum Tode führte. Das Lager wurde bei einem Luftangriff auf die Leuna-Werke am 29. Juni 1944 total zerstört, wobei 13 Internierte den Tod fanden.

Nachdem das Oberlandesgericht Magdeburg 1995 eine Zwangszuordnung zur Stadt Leuna noch aufhob, wurde Spergau im Rahmen der flächendeckenden Bildung von Einheitsgemeinden und Verbandsgemeinden in Sachsen-Anhalt am 31. Dezember 2009 nach Leuna eingemeindet. Von 1992 bis 2009 gehörte Spergau zur Verwaltungsgemeinschaft Bad Dürrenberg. Letzter Bürgermeister Spergaus war Thomas Scholz.

PolitikBearbeiten

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 19. August 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Blasonierung: „In Rot ein rechter silberner Faden, hinten oben eine schräge silberne Ähre mit Halmblättern, vorn unten eine silberne Kirche mit spitzbedachtem und bekreuztem Turm, darin eine schwarze Tür und zwei Fenster, im Langhaus drei schwarze Fenster.“[3]

Die Farben Spergaus sind Weiß - Rot.

Das Wappen wurde vom Magdeburger Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch gestaltet.

FlaggeBearbeiten

Die Flagge ist rot - weiß - rot (1:4:1) (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit aufgelegtem Wappen.[3]

 
Kostüm eines Lichtmess-Läufers

KulturBearbeiten

LichtmessBearbeiten

Die Spergauer Lichtmess gehört zu den ältesten überlieferten Bräuchen und wird immer am ersten Sonntag des Februars, jedoch nicht vor dem 2. des Monats, gefeiert. Ein erster Hinweis findet sich bereits in der handschriftlichen Ortschronik im Jahre 1688. Der Brauch wurde 2018 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.[4]

BauwerkeBearbeiten

JahrhunderthalleBearbeiten

 
Jahrhunderthalle

Auffälligstes Bauwerk in Spergau ist die Jahrhunderthalle. Diese bietet knapp 2.000 Sitzplätze und fasst somit fast doppelt so viele Menschen wie die Spergauer Einwohnerschaft. Die Mehrzweckhalle wurde im Jahr 2000 eröffnet und wird vor allem für Sport- und Kulturveranstaltungen verwendet. So ist die Halle Heimstätte des Zweitliga-Volleyball-Clubs Chemie Volley Mitteldeutschland.

BockwindmühleBearbeiten

 
Spergauer Bockwindmühle

Am Ortseingang, der Jahrhunderthalle gegenüber, befindet sich die älteste und einzige erhaltene von ursprünglich drei Mühlen. Die originale Bockwindmühle wurde 1837 von Müller Traugott Weiße am westlichen Rand des Dorfes erbaut und wurde zunächst nur mit Windkraft betrieben. Bauern aus der Umgebung ließen hier Getreide zu Mehl oder Schrot vermahlen. Mit dem Bau des Leuna-Werkes verschlechterten sich die Windverhältnisse und der damalige Müller Hirt baute 1919 einen Motor ein. Während der Bombenangriffe auf die Leuna-Werke im Zweiten Weltkrieg wurden auch Gebäude in Spergau getroffen. Die Mühle erlitt schwere Schäden, wurde aber wieder instand gesetzt. Sie lief jetzt nur noch mit Motorkraft. Bis in die 1970er Jahre wurde hier noch Schrot als Tierfutter herstellt. Der letzte Müller war Klaus Wilkerling.

2007 beschloss die Gemeinde, die Überreste der Mühle zu sanieren und an ihren jetzigen Standort umzusetzen. Kurz nach ihrer Wiedereröffnung 2008 wurde die Mühle durch Brandstiftung fast vollständig zerstört. Die Gemeinde entschied sich daraufhin für einen Wiederaufbau.

Evangelische KircheBearbeiten

 
Kirche

Seit 1950 kann die Kirche nach der Beseitigung von Kriegsschäden wieder genutzt werden. 2008 wurden zwei neue Glocken geweiht und die Renovierung der Kirche beendet.

GedenkstättenBearbeiten

  • Auf dem Neuen Friedhof befinden sich Grabstätten für 14 während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppte Personen, die Opfer von Zwangsarbeit wurden. An sie erinnert auch ein Gedenkstein an der Straße der Opfer des Faschismus
  • Denkmal für die Spergauer Opfer des Ersten und Zweiten Weltkrieges

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Gasthof "Zur Linde"

WirtschaftBearbeiten

Spergau galt als eine der reichsten Gemeinden Deutschlands. Dies war insbesondere der Gewerbesteuer der dort ansässigen Total-Raffinerie Mitteldeutschland GmbH zu verdanken, die ca. 650 Mitarbeiter beschäftigt. Die neu gebaute Raffinerie wurde 1997 in Betrieb genommen, nachdem die Elf Aquitaine das VEB Kombinat Minol übernommen hatte. Allein im Jahr 2006 verzeichnete die Gemeinde ein Steueraufkommen von 65 Mio. EUR.

Der Gasthof Zur Linde bietet auch Tagungs- und Übernachtungsmöglichkeiten, der Große Saal kann für bis zu 300 Personen bestuhlt werden.

VerkehrsanbindungBearbeiten

Westlich von Spergau verläuft die Bundesstraße 91 von Halle (Saale) nach Zeitz.

LiteraturBearbeiten

Jürgen Jankofsky: Spergau. Ein mitteldeutscher Ort zwischen tausendjähriger dörflicher Tradition und Industrialisierung. Überarbeitete und erweiterte 2. Auflage, Projekte-Verlag 188, Halle 2006, ISBN 978-3-86634-160-9.

QuellenangabenBearbeiten

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.
  2. Der Landkreis Merseburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. a b Amtsblatt des Landkreis Nr. 25/2009 Seite 2 (PDF; 1,9 MB)
  4. Spergauer Lichtmeß

WeblinksBearbeiten

Commons: Spergau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien