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Provenienz (von lateinisch provenire „herkommen“) bezeichnet allgemein die Herkunft einer Person oder Sache.[1] Besondere Bedeutung hat der Begriff als Bezeichnung der Herkunft von Kunstwerken und Kulturgütern, ihrer Erforschung widmet sich die Provenienzforschung. Der Begriff ist auch als Herkunftsangabe von Waren geläufig, meist im Sinne einer Qualitätsangabe.

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Kunstwerke und KulturgüterBearbeiten

Rückseite eines Diptychons von Theo van Doesburg mit mehreren Ausstellungs- und Transportzetteln; Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande
Rückseite einer Daguerreotypie mit Inventarnummer und Ausstellungsmarkierungen; Nordisches Museum, Stockholm, Schweden


Heute wird der Begriff vor allem für die Besitzverhältnisse von Gegenständen und deren Geschichte im Bereich des Kunstmarkts[2] sowie bei Archivgut, privaten Sammlungen und bei Bibliotheks- oder Museumsbeständen gebraucht.

Je nach Art des Werkes kann die Herkunft unterschiedlich dokumentiert sein. Kaufverträge, Sammlungs-, Ausstellungs- oder Versteigerungskataloge kommen in Frage. Aber auch Markierungen am Werk selbst wie Stempel einer Bibliothek oder ein Exlibris sowie handschriftliche Eigentumsvermerke sind bei Büchern häufig. Auch der Bucheinband kann Hinweise auf Vorbesitzer geben, so zum Beispiel bei einheitlich gebundenen Bibliotheken. Gemälde und Plastiken können rückseitig Zettel mit Angaben zu Ausstellungen und Leihgaben aufweisen.

Die Provenienz eines Werkes ist von Bedeutung, um die Echtheit des Werkes zu dokumentieren und um Fälschungen aufzudecken. Auf dem Kunstmarkt können Werke aus einer berühmten Sammlung einen höheren Wert haben als ein vergleichbares Werk ohne diesen Vorbesitzer. Daher kommt es bei Kunstfälschungen mitunter vor, dass auch ein Beleg für die Herkunft aus einer bekannten Sammlung gleich mitgefälscht wird, einerseits um den Wert zu steigern, andererseits auch um Zweifel an der Echtheit zu zerstreuen. Bekanntestes Beispiel ist die angebliche Sammlung Werner Jägers, die als Herkunftsbeleg für zahlreiche gefälschte Kunstwerke diente, in Wirklichkeit aber nie existiert hatte.

Sie kann aber auch über bestehende Eigentumsansprüche Auskunft geben. Die Provenienzforschung soll untersuchen, ob ein Werk einem Vorbesitzer gestohlen wurde oder Teil der NS-Raubkunst ist. Bei Werken grenzüberschreitender Herkunft kann auch das UNESCO-Übereinkommen zum Verbot und zur Verhütung der rechtswidrigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut von 1970 (BGBl. 2007 II S. 626, 627) Ansprüche vermitteln. In diesen und ähnlichen Fällen müssen Restitutionsansprüche geprüft werden.

Insbesondere bei Archiven und Bibliotheken kann die Provenienz auch Ordnungskriterium sein. Vor allem bei Nachlässen, geschlossenen Altbeständen oder wertvollen Schenkungen kommt eine geschlossene Aufstellung der Bestände nach dem Provenienzprinzip in Betracht: Die einzelnen Objekte werden dann nicht thematisch oder chronologisch in den Bestand eingearbeitet und Dubletten werden nicht ausgesondert. Bei weniger herausgehobener Herkunft wird das Pertinenzprinzip angewendet.

Weitere VerwendungBearbeiten

In der Forstwirtschaft wird mit Provenienz das Herkunftsgebiet einer Baumart bezeichnet.[3]

Bei Handelsware können damit unter anderem der Herstellungsort, der Haupthandelsplatz oder der Fundort, aber auch bestimmte Qualitäten bezeichnet werden.[4]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Provenienz. Duden.de, abgerufen am 16. Juli 2014.
  2. Auktionshaus Sotheby’s, Glossar:Provenance. An important part of the authentication process, provenance establishes the chain of ownership back (if possible) to the date an item was created. Provenance can significantly impact the value of an object.” Abgerufen am 8. Juli 2014.
  3. Provenienz. Lexikon der Biologie, Spectrum.de, abgerufen am 16. Juli 2014.
  4. Provenienz. Teppich-Lexikon, Kibek.de, abgerufen am 16. Juli 2014.