Fast Fashion

kritisch zu betrachtendes Geschäftsmodell der Textilbranche

Fast Fashion bezeichnet ein Geschäftsmodell des Textilhandels, bei dem die Kollektion laufend geändert und die Zeit von den neuesten Designs der Modeschöpfer zur Massenware in den Filialen stark verkürzt wird. Die stetige Veränderung des Sortiments und eine verkürzte Haltbarkeitsdauer der verwendeten Materialien soll die Kunden dazu bewegen, die Verkaufsflächen immer wieder aufzusuchen. Durch Auswerten von Abverkaufsdaten und schneller Reaktion auf diese (Quick Response) kann der Umsatz weiter erhöht werden. Dies stellt Warenwirtschaftssysteme vor Herausforderungen, die von größeren Unternehmen wie Inditex oder H&M jedoch bereits gemeistert werden.[1] Zu den bekanntesten Anbietern von „Fast Fashion“ werden oft Textil-Discounter wie beispielsweise H&M, Primark und KiK gezählt.

KritikBearbeiten

Der Begriff „Fast Fashion“ soll neben den verkürzten Lieferzeiten auch auf die mangelnde Qualität und der damit verbundenen kurzen Haltbarkeitsdauer der zumeist billig hergestellten Kleidungsstücke hinweisen.

Laut Greenpeace verursacht die Fast Fashion Bewegung einen hohen Ressourcenverbrauch, schwierige Arbeitsbedingungen sowie erhöhte Umweltverschmutzung aufgrund der Produktion in Niedriglohnländern hin.[2]

Neben einer Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer hat auch die Verwendung von Polyester als günstige synthetische Chemiefaser einen erheblichen Beitrag dazu geleistet, um die Herstellungskosten von Kleidungsstücken drastisch zu senken.[3] Für das Jahr 2018 wurde ein Faseranteil für die deutsche Textilindustrie von 71 % Chemiefaser sowie 29 % Naturfaser prognostiziert.[4]

Eine Überproduktion von Textilien, die Auswirkungen auf die Umwelt sowie sozialverträgliche Aspekte mit Blick auf die textile Wertschöpfungskette sind demnach als Kritik an Fast Fashion zu äußern.

Zusammengefasst können diese Aspekte in die folgenden Bereiche unterteilt werden: [5]

Ökologische Faktoren:Bearbeiten

Zahlreiche Studien warnen vor den Folgen von „Fast Fashion“. Einer Untersuchung der britischen Ellen-MacArthur-Stiftung ist die gesamte Textilindustrie für einen Großteil des CO2-Ausstoßes verantwortlich.[6] Laut Greenpeace verursache die Herstellung von Kleidung derzeit mehr Emissionen wie beispielsweise CO2 als die Seeschifffahrt und die weltweite Luftfahrt zusammen.

Darüber hinaus kann laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ein weltweiter Anteil von Mikroplastik in den Meeren in Höhe von 35 % auf Fast Fashion zurückgeführt werden. Grund hierfür ist die Verwendung von Polyester als günstige Faser bei der Produktion von Textilien. Beim Waschen löst sich das Mikroplastik und gelangt durch häusliches und industrielles Abwasser in die Gewässer.[7]

Aber auch der konventionelle Anbau von Naturfaser sorgt für eine erhebliche Umweltbelastung. Der Anbau von konventioneller Baumwolle etwa erfordert einen signifikanten Einsatz von Insektizide sowie Pestizide.[8]

Sozialkritische Faktoren:Bearbeiten

Mit dem Einsturz des Rana Plaza im Jahr 2013 wurden die Missstände in der textilen Wertschöpfungskette großer Fast Fashion Unternehmen aufgedeckt. Trotz zahlreicher Verpflichtungen von Staat und Wirtschaft finden sich auch heute noch in Niedriglohnländern erhebliche Unterschiede zwischen sogenannten existenzsichernden Löhnen und tatsächlich bezahlten Löhnen.[9] Zudem ist der Arbeitsalltag von Arbeiter:innen in Asien geprägt von Unterdrückung und ungleicher Behandlung. Aktuell wird ferner unterstellt, dass die Corona-Pandemie als Vorwand genommen wird, um Gewerkschaftsmitarbeiter aus den Firmen zu verbannen.[10]

Ökonomische Faktoren:Bearbeiten

Laut einem Bericht aus 2012 kaufe jeder deutsche Bundesbürger im Schnitt 60 Kleidungsstücke pro Jahr mit einer deutlich kürzeren Verwendungsdauer. Demnach tragen die Deutschen ein Kleidungsstück im Schnitt viermal, bevor es durch ein Neues ersetzt wird.[11]

Laut Ulrich Müller, dem Geschäftsführer der deutschen Kleiderstiftung, sei aufgrund der Verwendung von minderwertigen Materialien mittlerweile nur noch knapp ein Fünftel aus der Altkleidersammlung wiederverwendbar.[12]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gerrit Heinemann, Kathrin Haug, Mathias Gehrckens und dgroup (Hrsg.): Digitalisierung des Handels mit ePace: Innovative E-Commerce-Geschäftsmodelle und digitale Zeitvorteile. Springer Gabler, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-01299-1, doi:10.1007/978-3-658-01300-4.
  2. Fast Fashion vs. Grüne Mode Greenpeace.de
  3. Konsumkollaps Fast Fashion. Abgerufen am 18. September 2020.
  4. Jahresprognose weltweite Faserproduktion 2018. Abgerufen am 18. September 2020 (deutsch).
  5. Julian: Der ultimative Fast Fashion Check: 57 Fakten über die Folgen der Textilindustrie. In: Fairlier. 7. September 2020, abgerufen am 18. September 2020 (deutsch).
  6. Nachhaltigkeit: Was blenden wir aus?Schlimmer als Kreuzfahrten: Mode-Wahnsinn zerstört Umwelt – wie wir das ändern focus.de
  7. Mikroplastik aus Textilien. Abgerufen am 18. September 2020.
  8. Systemadmin_Umwelt: Textilindustrie. 29. Januar 2013, abgerufen am 18. September 2020.
  9. Dhaka_Living_Wage_Benchmark_Report. Abgerufen am 18. September 2020.
  10. Live-blog: How the Coronavirus affects garment workers in supply chains. Abgerufen am 18. September 2020 (englisch).
  11. Christliche Initiative Romero e.V: Faltblatt: #Modesünde Fast Fashion. In: Christliche Initiative Romero e.V. (CIR). Abgerufen am 18. September 2020 (deutsch).
  12. Fast Fashion – Wegwerfprodukte für wenig Geld daserste.de