Konrad Vanja

deutscher Volkskundler und Museumsdirektor
Konrad Vanja eröffnet die Wanderausstellung „Frühling im Herbst/Wiosna jesienią/Le printemps en automne. Vom polnischen November zum deutschen Mai. Das Europa der Nationen 1830–1832“, August 2011 in Weimar

Konrad Vanja (* 1. Dezember 1947 in Leipzig) ist ein deutscher Volkskundler und war von 2000 bis 2012 Direktor des Museums Europäischer Kulturen in Berlin.

LebenBearbeiten

Vanja studierte Volkskunde/Europäische Ethnologie, evangelische Theologie und Soziologie an der Philipps-Universität Marburg und promovierte 1977 bei Ingeborg Weber-Kellermann zu einem Thema der Sozialgeschichte Hessens im 19. Jahrhundert. Anschließend sammelte er Erfahrung in der wissenschaftlichen Museumsarbeit am Niedersächsischen Freilichtmuseum Cloppenburg, am Museum der Stadt Rüsselsheim sowie am Deutschen Werkzeugmuseum Remscheid. Am Museum für Deutsche Volkskunde (heute Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu BerlinStiftung Preußischer Kulturbesitz) in Berlin war Vanja seit 1981 tätig: zunächst als wissenschaftlicher Angestellter, später als Kustos und Oberkustos. Seit 2000 leitete er das Museum Europäischer Kulturen bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand im Dezember 2012. Seitdem lebt er in Ansbach. Seine Nachfolgerin im MEK wurde Elisabeth Tietmeyer.

In seiner Forschung beschäftigt sich Konrad Vanja vornehmlich mit Populargrafik und interkulturellen Kontakten, wobei ihm das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen besonders am Herzen liegt. Er konzipiert Ausstellungen und veröffentlicht u. a. zu den Themenbereichen europäische Populargraphik, Luxuspapier, Vivatbänder, Schmuck und Brauch, zum Bilderhandel in Europa sowie zur Geschichte der europäischen Freiheitsbewegungen im 19. Jahrhundert. Neben seiner vielfältigen wissenschaftlichen Gremienarbeit ist Vanja Mitbegründer und Mitherausgeber der Reihe „Arbeitskreis Bild Druck Papier“. Im März 2006 wurde ihm das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen verliehen.

Von 1995 bis 2005 war Vanja 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde. Seit 2008 ist er Vorsitzender des Adolf-Reichwein-Vereins und seit 2010 Vorsitzender des Arbeitskreises Bild Druck Papier.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

  • mit Gerhard Weiduschat: Vom Sieg der guten Sache. Über die deutsche Polenbegeisterung. In: Malgorzata Omilanowska, Tomasz Torbus (Hrsg.): Tür an Tür. Polen – Deutschland. 1000 Jahre Kunst und Geschichte. Dumont, Köln 2011, ISBN 978-3-8321-9399-7, S. 444 ff.
  • Les principaux centres de production d’imagerie populaire imprimée en Europe. In: Marie-Louise Schneider (Hrsg.): Des Mondes de Papier. L’Imagerie populaire de Wissembourg. Musées de la Ville de Strasbourg, Strasbourg 2010, S. 27–31.
  • mit Tilmann Wesolowski, Irene Ziehe: Rudolf Virchow der Volkskundler und Ethnograph: Methoden, Themen und Formen seiner Forschungen und Sammlungen. In: Ingo Wirth (Hrsg.): Neue Beiträge zur Virchow-Forschung. Festschrift zum 70. Geburtstag von Christian Andree. Olms, Hildesheim u. a. 2010, S. 465–484.
  • Bilderhandel in Europa. Ein Bildbericht. In: Alberto Milano (Hrsg.): Commercio delle stampe e diffusione delle immagini nei secoli XVIII e XIX – Trade and circulation of popular prints, XVIII and XIX century – Bilderhandel und Bildverbreitung im 18. und 19. Jahrhundert. ViaDellaTerra, Rovereto 2008 S. 49–59.
  • Polenbegeisterung. Kupfergraben-Verl.-Ges., Berlin 2005. (hrsg. mit Wolfgang Michalka und Erardo Cristoforo Rautenberg)
  • Vivat – Vivat – Vivat! Museum für Dt. Volkskunde, Berlin 1985.
  • Handwerker in Berlin – heute. Verein d. Freunde d. Museums für Dt. Volkskunde, Berlin 1981.
  • Dörflicher Strukturwandel zwischen Überbevölkerung und Auswanderung. Marburger Studienkreis für Europ. Ethnologie e.V., Marburg 1978.

MitgliedschaftenBearbeiten

  • Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Minister für Wissenschaft und Kultur des Freistaates Sachsen für das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden (bis 2014)
  • Wissenschaftlicher Beirat am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm
  • Wissenschaftlicher Beirat am Pommerschen Landesmuseum Greifswald (bis 2014)
  • Conseil Scientifique du Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée in Marseille
  • Mitglied des Stiftungsrates des Schlesischen Museums zu Görlitz
  • Vorstand der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz
  • Beisitzer der Landesgeschichtlichen Vereinigung für die Mark Brandenburg(bis 2014)
  • 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde (1995 bis 2005)
  • Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Volkskunde

AuszeichnungenBearbeiten

  • Verleihung des Dialog-Preises der Deutsch-Polnischen Gesellschaft des Bundesverbands (November 2012)
  • Gedenkmedaille der Universität Wrocław zur 200-Jahrfeier (Juni 2012)
  • Auszeichnung mit der Karl von Holtei-Medaille der Breslauer Sammlung Köln (2007)
  • Verleihung des Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen (März 2006)

LiteraturBearbeiten

  • Neue Vorstandsmitglieder. In: Reichwein-Forum. Nr. 13 (Dezember 2008), S. 2–3 (PDF, 1,3 MB).
  • Wolfgang Brückner: Grußwort für Konrad Vanja, Berlin zum 60. Geburtstag am 1. Dezember 2007. In: Wolfgang Brückner: Volkskunde als historische Kulturwissenschaft. Nachträge II (= Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte. 88,3). Würzburg 2010, S. 464–468.
  • Andrzej Tomaszewski: Laudatio anlässlich der Verleihung des Polnischen Kavalierskreuz an Professor Konrad Vanja am 2. März 2006. In: Wolfgang Brückner, Detlef Lorenz, Sigrid Nagy, Konrad Vanja (Hrsg.) Arbeitskreis Bild Druck Papier. Band 11: Tagungsband Ravenna 2006. Waxmann, Münster u. a. 2007, ISBN 978-3-8309-1816-5, S. 219–221.
  • Personalbibliographie. In: Sigrid Nagy, Christa Pieske, Konrad Vanja (Hrsg.): Arbeitskreis Bild Druck Papier. Band 8: Tagungsband Budapest 2003. Waxmann, Münster u. a. 2004, ISBN 3-8309-1454-7, S. 237–240.

WeblinksBearbeiten

Commons: Konrad Vanja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien