Berlin-Lichterfelde

Ortsteil von Berlin im Bezirk Steglitz-Zehlendorf

Lichterfelde ist ein Ortsteil im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Er ist geprägt von der Villenkolonie Lichterfelde, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf der Feldflur der alten Dörfer und Rittergüter Lichterfelde und Giesensdorf entstand.

Lichterfelde
Ortsteil von Berlin
BerlinBrandenburgWannseeNikolasseeSchlachtenseeZehlendorfDahlemSteglitzLankwitzLichterfeldeLichterfelde auf der Karte von Steglitz-Zehlendorf
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 26′ 0″ N, 13° 19′ 0″ OKoordinaten: 52° 26′ 0″ N, 13° 19′ 0″ O
Fläche 18,22 km²
Einwohner 85.613 (31. Dez. 2021)
Bevölkerungsdichte 4699 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Okt. 1920
Postleitzahlen 12203, 12205, 12207, 12209, 14167, 14195
Ortsteilnummer 0602
Gliederung
Bezirk Steglitz-Zehlendorf
Ortslagen

In Lichterfelde befinden sich neben der Villenkolonie auch der Botanische Garten Berlin sowie der als „Prominentenfriedhof“ bekannte Parkfriedhof Lichterfelde. Auch Hauptstandorte des Bundesnachrichtendienstes und des Bundesarchivs sowie die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung liegen im Ortsteil.

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Lichterfelde grenzt im Nordwesten an Dahlem, im Nordosten an Steglitz, im Westen an Zehlendorf und im Osten an Lankwitz sowie im Süden an Teltow und Großbeeren im Bundesland Brandenburg.

Struktur und BebauungBearbeiten

 
Übersichtskarte von Lichterfelde

Lichterfelde WestBearbeiten

 
Lage der Villenkolonie in Lichterfelde West

Der größte Teil der Ortslage Lichterfelde West wird von der Villenkolonie Lichterfelde eingenommen. 1865 gründete der Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn die Villenkolonie Lichterfelde und ließ auf eigene Kosten die Bahnhöfe Lichterfelde Ost (1868) und Lichterfelde West (1872) erbauen. Es ist als eines der ältesten Villenviertel Berlins bekannt. Herrschaftliche Villen im Stil des Historismus, große Gärten, kleine Alleen und gepflasterte Straßen prägen das Viertel. Ein Teil der Villenkolonie entstand auch um den Bahnhof Lichterfelde Ost, wo jedoch nur wenige der Villen den Zweiten Weltkrieg überlebten. Die Villen zeichnen sich durch eine große Vielfalt zum Teil phantasievoller Baustile aus, bis hin zu Jugendstil­bauten, die um 1900 entstanden. Nach 1900 entwickelte sich Dahlem als weiteres Villenviertel und schloss Lichterfelde West an den Ortsteil Grunewald an.

Carstenn finanzierte dem preußischen Staat auch den Umzug der Preußischen Hauptkadettenanstalt in großzügige Gebäude an der damaligen Zehlendorfer Straße (seit 1933: Finckensteinallee). In der Zeit des Nationalsozialismus war dort die 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte SS Adolf Hitler untergebracht. Nach 1945 nutzte die US Army unter dem Namen Andrews Barracks die Kasernenanlage. Seit den 1990er Jahren befindet sich dort unter anderem eine Zweigstelle des Bundesarchivs. Von 1880 bis 1920 hatte das Garde-Schützen-Bataillon seinen Standort ebenfalls in Lichterfelde West in der neuen Gardeschützenkaserne, die nunmehr Teile des Bundesnachrichtendienstes beherbergt.

Heute steht der Großteil der historischen Bausubstanz in Lichterfelde West unter Denkmalschutz. Um den Charakter der Gartenstadt zu wahren, ist mittlerweile auch das Bauen von Mehrfamilienhäusern und Mietshäusern in der Villenkolonie untersagt.[1][2]

Lichterfelde West verzeichnete nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin die höchste Steigerungsrate bei Immobilien- und Mietpreisen im ehemaligen West-Berlin und zählt heute zu den wohlhabendsten Wohngegenden der Stadt. Die erhaltene historische Bausubstanz steht inzwischen weiträumig unter Denkmalschutz. Seit dem Mauerfall profitiert die Villenkolonie wieder von der direkten S-Bahn-Verbindung nach Berlin-Mitte (Linie S1).

Julius Posener, der Architekt und langjährige Vorsitzende des Deutschen Werkbundes, der in Lichterfelde West aufwuchs, beschrieb die Villenkolonie so:

„Lichterfelde ist heute noch voll von kauzigen Häusern aller Art: Burgen, Miniatur-Palazzi, Schweizerhäuschen, Backsteinschlössern, in deren hohen, ein wenig düsteren Räumen alte Oberste, Staatssekretäre, Privatgelehrte ihr Wesen trieben, Erinnerung pflegten: Sammlungen, Memoiren […] Die Häuser haben sogar einen Geruch, den der Kenner als ‚lichterfelderisch‘ erinnert.“

Julius Posener

Lichterfelde OstBearbeiten

Lichterfelde Ost, das im Osten an den Steglitz-Zehlendorfer Ortsteil Lankwitz grenzt, war der ältere Teil der Villenkolonie und hat im Zweiten Weltkrieg starke Beschädigungen davongetragen. Insbesondere ursprünglich repräsentativ gestaltete Gartenanlagen um den Bäkefluss und den Teltowkanal fielen später Gewerbegebieten zum Opfer. Heute finden sich hier neben einigen erhaltenen Gründerzeitvillen vor allem Mietshäuser der Nachkriegsmoderne. Die alten Alleen sind weitestgehend intakt.

Die Gegend um den Kranoldplatz am Bahnhof Lichterfelde Ost ist das größte Geschäftszentrum des Ortsteils Lichterfelde. Hier finden sich das Einkaufszentrum LIO, sowie kleinere Geschäfte und ein Wochenmarkt.

Lichterfelde SüdBearbeiten

 
Lilienthal-Gedenkstätte in Lichterfelde Süd

In Lichterfelde Süd befindet sich die von 1968 bis 1974 erbaute Thermometersiedlung. Es handelt sich hierbei um eine Großwohnsiedlung mit Hochhaus-Bebauung in stark reduzierter Formensprache der Nachkriegsmoderne. Das Wohnviertel zwischen Osdorfer Straße und der Bahnstrecke Berlin–Halle unterscheidet sich in seiner Bevölkerungsstruktur von den übrigen Gebieten des Bezirks Steglitz-Zehlendorf und ist durch Haushalte mit deutlich geringeren Einkommen geprägt.

Ab 2022 soll in Lichterfelde Süd auf der ehemaligen Parks Range das Stadtviertel Neulichterfelde entstehen. Geplant sind 2500 Wohnungen sowie Reihenhäuser auf einer Fläche von 39 Hektar.[3]

GewässerBearbeiten

Von den ursprünglichen Wasserläufen und Gewässerflächen sind durch die Bebauung nur einige verblieben.

  • Eichenteich im Botanischen Garten (Lage)
  • Karpfenteich (Lage) am Königsgraben gelegen im Lilienthalpark.
  • Johann-Baptist-Gradl-Grünzug (Lage)
  • Schwatlograben (Lage)
  • Limonenteich (Lage)
  • Schilfluchgraben (Lage)
  • Stangenpfuhl (Wasserrückhaltebecken) und Stangenpfuhlgraben (Lage)
  • Südpfuhl (Lage)

GeschichteBearbeiten

13. Jahrhundert: Erste BesiedelungBearbeiten

Mit der Deutschen Ostsiedlung entstand in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts (etwa um 1230) das Dorf, das vermutlich von flämischen Ansiedlern gegründet wurde. Dies spiegelt sich im Ortsnamen wider, der auf Westflämisch lichtervelde zurückzuführen ist (wie beispielsweise auch Lichtervelde in Flandern).[4]

Lichterfelde wurde als Straßenangerdorf angelegt, mit einer Dorfkirche auf dem Anger, die als Gründung der Templer gilt. Sie bestand vermutlich nur aus Holz, denn die Bearbeitung des Feldsteinmauerwerks der heutigen Dorfkirche deutet auf die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts. Sie wurde in der Folge mehrfach umgestaltet und erweitert. Die letzte große Umgestaltung fand zwischen 1939 und 1941 statt. Die Kirche wurde dabei romanisiert.

Im Jahr 1289 tauchte urkundlich ein Arnoldus de Lichterfeld auf; 1316 wurde Lichtervelde als Dorf genannt. Um 1375 wurden die von Britzkes als Inhaber diverser Rechte (Abgaben, Gerichtsbarkeit) erwähnt; ihr Einfluss endete 1692. Seitdem wechselte die Herrschaft über das Gut mehrfach innerhalb kurzer Zeit. Im Landbuch Karls IV. wurde Lichterfelde 1375 mit 39 Hufen erwähnt, von denen der Pfarrer drei hatte. Es gab einen Schulzen und eine (Wasser-)Mühle, aber der Krug lag wüst. 1450 wurden in Lichterfelde nunmehr 52 Hufe gezählt (vermutlich hat es eine Nachvermessung gegeben). Immer noch hatte der Pfarrer drei Pfarrhufen, und der Krug war inzwischen besetzt. Im Jahr 1536 erwähnte ein Dokument einen Wohnhof derer von Britzke und eine Windmühle.

19. Jahrhundert: Gründung der Villenkolonie und Landgemeinde Groß-LichterfeldeBearbeiten

 
Das 1894 errichtete Rathaus Lichterfelde

Der Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn erwarb 1865 die hoch verschuldeten Rittergüter Giesensdorf und Lichterfelde, um auf diesen Flächen die Villenkolonie Lichterfelde zu gründen, wo sich in der Folgezeit finanzkräftige Bürger, mittlere und höhere Beamte sowie viele Offiziere der Königlich Preußischen Hauptkadettenanstalt ansiedelten.

In den Jahren 1877/1878 vereinigten sich die Gutsbezirke Lichterfelde und Giesensdorf sowie die Gemeindebezirke von Lichterfelde und Giesensdorf zum Gemeindebezirk Groß-Lichterfelde. Die Dorfkirche Giesensdorf stammt wahrscheinlich um das Jahr 1250. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Beim Wiederaufbau wurde der hölzerne Glockenturm nicht wieder neu errichtet, sondern die Glocken wurden in einem Dachreiter untergebracht.

Von 1878 bis 1920 war Lichterfelde Sitz der Preußischen Hauptkadettenanstalt. Dorthin verkehrte ab 1881 die erste elektrische Straßenbahn der Welt, die Werner Siemens als „elektrische Eisenbahn“ bezeichnete. In Lichterfelde Süd liegt der Fliegeberg, von dem der Flugpionier Otto Lilienthal 1894 seine ersten Flugversuche mit selbstgebauten Gleitflugapparaten startete. Seit 1932 befindet sich dort eine Lilienthal-Gedenkstätte.

Durch die deutlich gestiegenen Einwohnerzahlen und um dem neuen Selbstbewusstsein von Groß-Lichterfelde gerecht zu werden, wurde bis 1894 das Rathaus Lichterfelde, das allerdings nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg abgerissen wurde, errichtet. Zudem entstand von 1902 bis 1906 das Amtsgericht Lichterfelde, das heute in seiner Substanz erhalten ist und als Zweigstelle des Amtsgerichts Schöneberg genutzt wird.

Die neugotische Nazareth-Kirche zu Ehren der Heiligen Familie entstand 1901. Die Lichterfelder Dorfaue war Standort eines weit bekannten und im Jahr 1898 enthüllten Standbildes von Kaiser Wilhelm I., gefertigt von Ernst Wenck, das – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg verlagert – heute in der Zitadelle Spandau aufgestellt ist.

1912 wurde Groß-Lichterfelde in ‚Berlin-Lichterfelde‘ umbenannt[5] und ist seit 1920 ein Teil von Groß-Berlin und gehörte als Ortsteil zum damaligen Bezirk Steglitz, der während der Teilung Berlins ein Teil des Amerikanischen Sektors war.

 
Blick vom Platz des 4. Juli auf das ehemalige Telefunkenwerk
 
Gedenktafel KZ-Außenlager Lichterfelde

Ab 1930Bearbeiten

In seinem Forschungslaboratorium für Elektronenphysik in Lichterfelde Ost, Jungfernstieg 19, heutige Villa Folke Bernadotte, gelang 1930 dem Physiker Manfred von Ardenne die weltweit erste elektronische Bildzerlegung und -wiedergabe mit zeilenweiser Abtastung über eine Photozelle und Wiedergabe auf einer Kathodenstrahlröhre. Die „Weltpremiere des elektronischen Fernsehens“ war auf der 8. Großen Deutschen Funkausstellung 1931 zu sehen.[6]

Größtes Bauvorhaben der 1930er Jahre war, anfangs noch auf Zehlendorfer Gebiet westlich des Parkfriedhofs zwischen Osteweg und Goerzallee, das ab 1937 errichtete Telefunkenwerk Zehlendorf. Es war von 1938 bis 1945 Stammwerk und Unternehmenssitz der (ab 1941 alleinigen) AEG-Tochtergesellschaft Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie. Der nach Plänen des Architekten Hans Hertlein bis 1940 errichtete Gebäudekomplex mit zuletzt 90.000 m² Nutzfläche (damalige Postanschrift: Zehlendorf; Vierter Ring/Osteweg) am heutigen Platz des 4. Juli sollte insgesamt 37 Berliner Telefunken-Standorte zusammenfassen. Die nach Kriegsende durch die amerikanische Besatzungsmacht beschlagnahmten Gebäude waren bis 1994 US-Kaserne (McNair Barracks). Das Bauensemble steht unter Denkmalschutz und wurde zu Loftwohnungen umgestaltet.

Die Berliner Gebietsreform mit Wirkung zum 1. April 1938 hatte zahlreiche Begradigungen der Bezirksgrenzen sowie einige größere Gebietsänderungen zur Folge. Der östliche Rand des Bezirks Zehlendorf wurde ab dem Dahlemer Weg zu Lichterfelder Gebiet.

Von Januar 1941 bis 1945 befand sich in Lichterfelde ein Außenlager des KZ Sachsenhausen. Das für 1500 Häftlinge ausgelegte Lager befand sich an der Wismarer Straße in der Nähe des Teltowkanals, unweit der Wohnhäuser von SS-Offizieren der Leibstandarte SS Adolf Hitler, deren Kaserne die ehemalige Kadettenanstalt war. Mindestens 41 Menschen sind in Lichterfelde zu Tode gekommen.[7] Eine Säule des Erinnerns macht auf dieses Lager aufmerksam.

In Lichterfelde-Süd befand sich zwischen 1940 und 1945 auch das Kriegsgefangenenlager Stalag III D; davor war dort, auf dem Gelände südlich von Landweg und Reaumurstraße, ab 1938 ein Lager der Deutschen Reichsbahn für sudetendeutsche Arbeiter.[8] Das Gelände wurde zwischen 1953 und 1994 von der U.S. Army als Truppenübungsplatz Parks Range genutzt.

In dem mit seinem hohen adeligen Bevölkerungsanteil lange deutschnational geprägten Lichterfelde West traf sich während der NS-Zeit der „Grafenclub“ der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis um Peter Graf Yorck von Wartenburg in dessen Wohnung in der Hortensienstraße 50.

ReligionBearbeiten

Lichterfelde ist Verwaltungssitz des protestantischen Johanniterordens (Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens Sankt Johannis vom Spital zu Jerusalem)[9] und Tagungsort der Ordenskommende. Daneben unterhält auch der Malteserorden ausgedehnte Liegenschaften in Lichterfelde. In der Promenadenstraße befindet sich die Berliner Mennoniten-Gemeinde nebst dem Mennonitischen Friedenszentrum.

BevölkerungBearbeiten

Von den Ortsteilen des Bezirks Steglitz-Zehlendorf hat Lichterfelde die höchste Einwohnerzahl.

Jahr Einwohner
2007 78.349
2010 79.588
2011 80.149
2012 81.029
2013 82.096
2014 82.277
2015 82.567
Jahr Einwohner
2016 83.674
2017 84.842
2018 85.465
2019 86.206
2020 85.885
2021 85.613

Quelle: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 31. Dezember. Grunddaten. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)[10]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Lichterfelde weist eine Reihe von Sehenswürdigkeiten überregionaler Bedeutung auf. Zu nennen ist die weitgehend geschlossen erhaltene Gartenstadt mit zahlreichen Baudenkmalen und die Zeugnisse der Industriekultur (Teltowkanal, Lilienthals Fliegeberg, weltweit erste Tram-Haltestelle Bahnhof Lichterfelde Ost, historische Gas-Straßenbeleuchtung, älteste Litfaßsäulen der Welt). Der Botanische Garten zählt zu den größten Europas.

BauwerkeBearbeiten

DenkmälerBearbeiten

Museen und KultureinrichtungenBearbeiten

KirchenBearbeiten

FriedhöfeBearbeiten

ParksBearbeiten

PlätzeBearbeiten

Weiter finden sich in Lichterfelde viele kleine Plätze, die als Teil der Villenkolonien repräsentativ angelegt wurden.

  • Karlplatz
  • Augustaplatz, denkmalgeschützter Schmuckplatz mit Rosengarten in Lichterfelde West
  • Marienplatz
  • Paulinenplatz
  • West-Bazar (Bahnhof Lichterfelde West)
  • Kranoldplatz (Bahnhof Lichterfelde Ost)
  • Dorfaue

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Im südwestlichen Teil des Ortsteils befindet sich ein Gewerbe- und Industriegebiet, wo sich auch das Kraftwerk Berlin-Lichterfelde liegt, welches große Teile des südlichen Berlin mit Fernwärme versorgt.[13] Einzelhandelszentren befinden sich in den Umgebungen der S-Bahnhöfe Botanischer Garten, Lichterfelde West und Lichterfelde Ost. Weiter entsteht in Lichterfelde das FUBIC, ein Wirtschafts- und Wissenschaftszentrum der Freien Universität Berlin. Der Bezirk ist durch eine Vielzahl mittelständischer Betriebe und individueller Geschäfte geprägt.

VerkehrBearbeiten

 
Informationstafel zur ersten elektrischen Bahn der Welt
 
Straßenbahndenkmal

Von der Hauptkadettenanstalt in Lichterfelde West verkehrte ab dem 16. Mai 1881 die erste elektrische Straßenbahn der Welt zum Bahnhof der Anhalter Bahn in Groß Lichterfelde Ost. Die von Werner Siemens und Johann Georg Halske konstruierte ‚Elektrische Eisenbahn‘ fuhr zunächst im Probebetrieb auf der zum Bau der Hauptkadettenanstalt genutzten Strecke, später dann im regulären Betrieb. Der Unternehmer Carstenn unterstützte das Unterfangen, versprach er sich doch durch die revolutionäre Entwicklung Publizität für die Villenkolonien und eine bessere Vermarktung der Grundstücke. Carstenn hatte zuvor die Bahnhöfe Lichterfelde Ost und 1882 Lichterfelde West finanziert, wie oben bereits ausgeführt.

Der öffentliche Nahverkehr wird durch S-Bahnen und Omnibusse bewältigt. Lichterfelde wird von der Wannseebahn sowie der Anhalter Bahn durchschnitten und ist damit an das Berliner Stadtzentrum angeschlossen. Es gibt fünf S-Bahnhöfe: Lichterfelde West (Linie S1), Botanischer Garten (S1), Lichterfelde Ost (S25, S26 und Regionalverkehr), Osdorfer Straße (S25 und S26) sowie Lichterfelde Süd (S25 und S26).

Die geplante Radschnellverbindung Teltowkanal-Route soll unter anderem durch Lichterfelde führen.

BildungBearbeiten

Schulen (Auswahl)

SportBearbeiten

Mehrere Sportvereine sind in Lichterfelde beheimatet, darunter der FC Viktoria 1889 Berlin, der in der Saison 2021/22 in der dritthöchsten deutschen Fußballspielklasse spielt, der TuS Lichterfelde Berlin und der TuS Lichterfelde Basketball.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtsteilsBearbeiten

Mit Lichterfelde verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

  • Johann Albrecht von Bülow (1708–1776), General, Besitzer des Gutes Lichterfelde
  • Nikolaus von Béguelin (auch: Nicolas von Lichterfelde) (1714–1789), Eigentümer des Gutes Lichterfelde
  • Otto Lilienthal (1848–1896), Flugpionier, Flugversuche auf dem Fliegeberg in Lichterfelde
  • Gustav Lilienthal (1849–1933), Architekt von Bauten in der Villenkolonie Lichterfelde
  • Lydia Rabinowitsch-Kempner (1871–1935), Bakteriologin, erste Professorin Berlins, lebte in der Villenkolonie Lichterfelde[14]
  • Otto Morgenstern (1860–1942), Lehrer am Schiller-Gymnasium, Gemeindevertreter, lebte in der Söhtstraße 2 (Stolperstein)[15]
  • Erich Kips (1869–1945), Maler, lebte in Lichterfelde
  • Maximilian Beyer (1872–1937), katholischer Pfarrer in Lichterfelde
  • Arthur Werner (1877–1967), erster Oberbürgermeister Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg, lebte in Lichterfelde
  • Otto Dibelius (1880–1967), Bischof, lebte in Lichterfelde
  • Hedwig Thöne (1887–1962), Pädagogin, lebte in Lichterfelde
  • Max Kaus (1891–1977), Maler und Grafiker, lebte in Lichterfelde
  • Sebastian Haffner (1907–1999), Publizist und Schriftsteller, besuchte in Lichterfelde die Schule
  • Götz George (1938–2016), Schauspieler, besuchte in Lichterfelde die Schule
  • Wolfgang Gern (* 1951), Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, in Lichterfelde aufgewachsen
  • Peter Fox (* 1971), Musiker, in Schönow aufgewachsen
  • Bass Sultan Hengzt (* 1981), Rapper, in Lichterfelde aufgewachsen
  • Fler (* 1982), Rapper, in Lichterfelde aufgewachsen
  • Jalil (* 1987), Rapper, in Lichterfelde aufgewachsen

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Paul Lüders: Groß-Lichterfelde in den ersten fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens. Rob. Rohde, Berlin 1893. Digitalisierung: Berlin, Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2021 Online.
  • Christian Simon: Lichterfelde / Giesensdorf – ein historischer Überblick. Hrsg. von Gabriele Schuster, Heimatverein Steglitz, Berlin 2014.

WeblinksBearbeiten

Commons: Berlin-Lichterfelde – Album mit Bildern
Commons: Berlin-Lichterfelde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. „Schwarze Rose“: 40 Jahre Kampf gegen Abrissbirne. Abgerufen am 8. Februar 2022.
  2. Festgesetzte Bebauungspläne OT Lichterfelde. 5. Juli 2021, abgerufen am 8. Februar 2022.
  3. Neulichterfelde. Abgerufen am 8. Februar 2022.
  4. Elisabeth Berner: Brandenburgische Sprachlandschaft. In: Historisches Lexikon Brandenburgs. 5. April 2019 (brandenburgikon.net): „An die flämischen Siedler erinnern auch die aus Flandern mitgebrachten Ortsnamen Brück, Niemegk und Lichterfelde.“
  5. Das „nominelle“ Groß-Berlin 1909–1912. Abgerufen am 6. Mai 2021.
  6. Endlich Fernsehen! Bei: DRadio Wissen, 14. Dezember 2014, abgerufen am 14. Dezember 2014.
  7. Bezirk erinnert mit Stele an KZ-Außenlager
  8. Initiative für einen historischen Lernort in Lichterfelde Süd
  9. Balley Brandenburg – Mitte des Ordens. Abgerufen am 11. November 2009.
  10. Statistischer Bericht A I 5-hj 2/21. Einwohnerinnen und Einwohner im Land Berlin am 31. Dezember 2021. Grunddaten. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Potsdam 2022, S. 25.
  11. Parkfriedhof Lichterfelde – Wissenswertes. Bei: Berlin.de, abgerufen am 6. Januar 2013.
  12. Schutzgebiete in Steglitz-Zehlendorf. 9. Dezember 2019, abgerufen am 8. Februar 2022.
  13. Gewerbegebiet Goerzallee: Regionalmanagement Berlin SÜDWEST. Abgerufen am 27. März 2022.
  14. Audiowalks – Tourismus Südwest. Abgerufen am 3. Oktober 2022.
  15. Otto Ludwig Martin Morgenstern. In: stolpersteine-berlin.de. Abgerufen am 29. März 2022.