Hauptmenü öffnen
Ketuvim (Schriften) des Tanach
Sifrei Emet (poetische Bücher)
חמש מגילותMegillot (Festrollen)
Übrige
  • דָּנִיּאֵלDaniel
  • עֶזְרָאEsra und נְחֶמְיָהNehemia (als ein Buch)
  • דִּבְרֵי הַיָּמִיםErste und Zweite Chronik (als ein Buch)
Lehr- bzw. Weisheitsbücher
des Alten Testaments

Namen nach dem ÖVBE. Pseudepigraphen
der Septuaginta sind kursiv gesetzt.

Schriftrolle das Buch der Sprichwörter

Das Buch der Sprichwörter (Buch der Sprüche oder Sprüche Salomos, hebräisch מִשְלֵי שְׁלֹמֹה, Mischle [Schelomo]) ist ein Buch des Tanach und gehört dort zu den Ketuvim (Schriften), also zum dritten Teil des jüdischen Bibelkanons. Im christlichen Alten Testament gehört es zu den Schriften der Dichtung und Weisheitsliteratur, die hier vor die Prophetenbücher gerückt sind.

Die einleitenden Verse des Buches werden traditionell als Angabe zur Urheberschaft Salomos gedeutet. Diese Annahme geht auch auf 1 Kön 5, 12 zurück, wo es heißt, dass Salomo dreitausend Sprüche aufgeschrieben habe. Das Buch selbst nennt in Kap. 30 und 31 weitere Autoren von Sprüchen (Agur und Lemuel). Ausdrücklich als Verfasser genannt wird Salomo für die Abschnitte 10,1–22,16 und 25,1–29,27.

Nach jüdischer Tradition geht das gesamte Buch auf Hiskija, den König von Juda, zurück (Babylonischer Talmud, Bava Batra 15a).

Die gegenwärtige Forschung nimmt eine längere Entstehungszeit der biblischen Sprichwortsammlung an, die von der Zeit des Königs Hiskia bis in das vierte, eventuell sogar dritte Jahrhundert vor Christus reicht. Die ältesten Teile sind vermutlich die dritte und die vierte Sammlung; die erste Sammlung gilt als die jüngste.

Im Neuen Testament finden sich 35 Zitate oder Bezüge auf das Buch der Sprichwörter.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung des BuchesBearbeiten

  • Spr 1,1–6 EU Überschrift (über das ganze Buch)
  • Spr 1,7 EU Motto
  • Spr 1,8–9,18 EU Erste Sammlung von längeren „Lehrreden“; Einleitung des Buches
  • Spr 10,1–22,16 EU Zweite Sammlung, bestehend aus zwei Teilsammlungen (10,1–15,32; 15,32–22,16). Diese Sammlung zeichnet sich durch kurze Sentenzen (Kunstsprüche) aus, welche jeweils nur einen Vers lang sind.[1]
  • Spr 22,17–24,34 EU Dritte Sammlung, nach der Vorlage des ägyptischen Weisheitsbuches „Amenemope
  • Spr 25,1–29,27 EU Vierte Sammlung, laut Überschrift geht sie auf die „Männer Hiskias“ zurück
  • Spr 30,1–31,30 EU Anhänge: „Worte Agurs“; „Die Worte Lemuels, des Königs von Massa“; „Lob der guten Ehefrau“

ThemenBearbeiten

Die Spruchsammlung behandelt eine Vielzahl von Themen; es geht um allgemeine Lebensweisheit (Gesunder Menschenverstand), gesellschaftliche und familiäre Verbundenheit, sowie um soziale Gerechtigkeit die sich hier ausspricht: „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Öffne deinen Mund, richte gerecht, verschaff dem Bedürftigen und Armen Recht!“ (Spr 31,8–9 EU).

Einiges ist von solcher überzeitlicher Gültigkeit, dass ein vergleichbares Sprichwort auch im Deutschen existiert. „Wer dem andern eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ hat zum Beispiel Ähnlichkeit mit Spr 26,27 EU „Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein, wer einen Stein hochwälzt, auf den rollt er zurück.“ Im Blick auf das Thema Erziehung und die Wirkungsgeschichte der Züchtigung wichtig ist Spr 13,24 EU: „Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn, wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.“

TheologieBearbeiten

Der Tun-Ergehen-Zusammenhang kann als eine Art „Grundgesetz“ der Weisheit gelten. Dabei geht es um die „Verlässlichkeit der Welt“ (Markus Witte), die sich in der Überzeugung ausdrückt, dass gute Taten ein gutes Ergehen zur Folge haben und böse ein schlechtes. Anders als Ijob (Hiob) und Kohelet (Predger) sind die Verfasser des Buchs der Sprichwörter von der Evidenz dieses Zusammenhangs überzeugt: „Siehe, dem Gerechten wird vergolten auf Erden, wieviel mehr dem Gottlosen und Sünder!“ (Spr 11,31) Dabei gilt Gott als Garant dieses Zusammenhanges: „Der HERR lässt den Gerechten nicht Hunger leiden; aber die Gier der Gottlosen stößt er zurück.“ (Spr 10,3)

Einzelne Sprüche jedoch stellen angesichts gegenteiliger Erfahrungen die Unverfügbarkeit des Handelns Gottes heraus: „Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt.“ (Spr 16,9)

In der vorliegenden Fassung des Buches ist die Weisheit theologisch gedeutet, wie das das Buchmotto in 1,7 deutlich macht: „Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis.“ Die personifizierte Weisheit ist Mittlerin zwischen Gott und Mensch (Kapitel 1: Weisheit in der Rolle einer Prophetin; Kapitel 8: Weisheit als Schöpfungsmittlerin).

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Buch der Sprichwörter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Otto Betz, Beate Ego und Werner Grimm (Hrsg.): Calwer Bibellexikon L-Z. Band 2, ISBN 3-7668-3838-5, S. 1263.