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Bodenmais

Markt im niederbayerischen Landkreis Regen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Bodenmais
Bodenmais
Deutschlandkarte, Position des Marktes Bodenmais hervorgehoben

Koordinaten: 49° 4′ N, 13° 6′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Regen
Höhe: 689 m ü. NHN
Fläche: 45,26 km2
Einwohner: 3562 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km2
Postleitzahl: 94249
Vorwahl: 09924
Kfz-Kennzeichen: REG, VIT
Gemeindeschlüssel: 09 2 76 117
Marktgliederung: 19 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Markt Bodenmais
Bahnhofstr. 56
94249 Bodenmais
Website: www.bodenmais.de
Bürgermeister: Joachim Haller[2] (CSU)
Lage des Marktes Bodenmais im Landkreis Regen
Landkreis ChamLandkreis Straubing-BogenLandkreis DeggendorfLandkreis Freyung-GrafenauZwieselZachenbergViechtachTeisnachRuhmannsfeldenRinchnachRegen (Stadt)PrackenbachPatersdorfLindbergLangdorfKollnburgKirchdorf im WaldKirchberg im WaldGotteszellGeiersthalFrauenauDrachselsriedBöbrachBodenmaisBischofsmaisBayerisch EisensteinArnbruckAchslachTschechienKarte
Über dieses Bild

Bodenmais ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Regen und Heilklimatischer Kurort. Er ist unter anderem bekannt durch sein Bergwerk und den Silberberg.

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Bodenmais liegt tief im Bayerischen Wald, südwestlich am Fuße des Großen Arbers, dem höchsten Berg in Bayern außerhalb der Alpen.

Panoramablick über Bodenmais im Winter

GemeindegliederungBearbeiten

Bodenmais hat 19 Ortsteile:[3]

GeschichteBearbeiten

 
Doppelgipfel des Silberbergs
 
Blick vom Silberberg auf Bodenmais
 
Lore auf einem Bremsberg am Silberberg

Bis zum 18. JahrhundertBearbeiten

Der Bayerische Wald, inmitten des größten zusammenhängenden Waldgebietes Deutschlands liegend, fand in den Geschichtsbüchern schon früh Erwähnung. Gerodet wurde das Gebiet zuerst von Mönchen, dann von einigen wenigen Siedlern, die sich in dem Urwaldgebiet niederließen. Der erste urkundliche Bericht über Bodenmais befindet sich im Urbar der bayerischen Herzöge um das Jahr 1300, in dem vom „item das Goldwerch ze Pabenmaiz“ berichtet wird. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in den Gruben bei Bodenmais, genannt „des Allmächtigen Gottes Gabe“, nach Silber gegraben, um 1485 erhielt der Ort vom bayerischen Herzog Albrecht IV. besondere Privilegien, durch den großen Freiheitsbrief von 1522 wurde der Ort zur „vollkommen gefreiten Bergstadt“ erhoben.

Nachdem die Gewinnung von Edelmetallen zurückgegangen war, stellte sich das Bergwerk 1542 auf die Erzeugung von Vitriol um, das damals zum Färben von Textilien Verwendung fand. Mit der Umwandlung in eine Hofmark 1580 erloschen die Rechte der freien Bergstadt. Ab 1760 geriet der Absatz von Vitriol ins Stocken.

19. und 20. JahrhundertBearbeiten

Durch ein neues Verfahren, Potée (Polierrot) zu erzeugen, das zum Schleifen der Gläser und Polieren der Spiegel Verwendung fand, hatte das Werk in den Jahren 1870 bis 1914 seine größte Blütezeit. Bodenmaiser Potée ging in die ganze Welt. Aber durch die Entwicklung neuer chemischer Herstellungsverfahren war man bald nicht mehr konkurrenzfähig. Die letzte Schicht wurde am 27. Mai 1962 gefahren.

Nachdem sich ab dem 15. Jahrhundert Glashütten im Bodenmaiser Raum angesiedelt hatten, wurde Bodenmais nach 1945 innerhalb von 30 Jahren zum Glasveredlungszentrum und bietet die größte Bleikristallauswahl Deutschlands. Da sich dort, abseits der großen Verkehrsverbindungen, keine Industrie, außer der Glasindustrie, ansiedeln wollte, hat man frühzeitig den Fremdenverkehr als Erwerbsmöglichkeit erkannt. Der Ursprung geht schon zurück auf das Jahr 1883, als in Bodenmais der Bayerische Wald-Verein gegründet wurde. Nach dem Krieg wurde der Fremdenverkehr weiter ausgebaut und Bodenmais zum bekanntesten und meistbesuchten Kurort des Bayerischen Waldes.

1945 wurde Bodenmais zum Luftkurort erklärt und 1958 zum Markt erhoben. 1962 begann man mit dem Bau eines beheizten Freibades, 1967 erfolgte der Kurhausbau, und 1972 konnte das Hallenbad in Betrieb genommen werden.

Im Juni 1976 kam es im Ort auf Initiative des US-Außenministers Henry Kissinger zu einem Treffen mit Südafrikas Staatspräsidenten Balthazar Vorster. In dessen Begleitung befand sich u. a. der Außenminister Hilgard Muller, Außenstaatssekretär Brand Fourie und der Chef von BOSS, Hendrik Van den Bergh. Während regionale Vertreter das Ereignis positiv bewerteten, befürchtete der damalige Bundeskanzler in der internationalen Wahrnehmung eine Beeinträchtigung der neu ausgerichteten deutschen Afrikapolitik.[4][5][6][7]

1989 erfolgte die Fertigstellung des neuen Rathauses mit Kurverwaltung, der Tiefgarage und des Kurparks. Als Abschluss der Bemühungen des Ortes im touristischen Bereich erhielt er im Dezember 1992 das Prädikat „Heilklimatischer Kurort“.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1961: 3367 Einwohner
  • 1970: 3291 Einwohner
  • 1987: 3331 Einwohner
  • 1991: 3503 Einwohner
  • 1995: 3504 Einwohner
  • 2000: 3466 Einwohner
  • 2005: 3335 Einwohner
  • 2010: 3338 Einwohner
  • 2015: 3397 Einwohner

PolitikBearbeiten

 
Das Kulturzentrum Altes Rathaus
 
Der Marktplatz in Bodenmais

MarktgemeinderatBearbeiten

Nach der Kommunalwahl am 16. März 2014 ergibt sich die folgende Sitzverteilung im Marktgemeinderat:

Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) 7 Sitze ±0 Sitze 45,2 % der Stimmen
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (Unabhängige Bodenmaiser SPD) 4 Sitze −1 Sitz 23,6 % der Stimmen
Freie Wählergemeinschaft Bodenmais 5 Sitze +1 Sitz 31,2 % der Stimmen

BürgermeisterBearbeiten

  • 1919 bis 1933: Josef Weikl
  • 1933 bis 1945: Josef Eberhardt (NSDAP)
  • 1945: Josef Weikl
  • 1946 bis 1948: Johann Gürster (CSU)
  • 1948 bis 1952: Josef Weikl (parteilos, SPD gestützt)
  • 1952 bis 1956: Leopold Fleischmann (parteilos, SPD und Bayernpartei gestützt)[8]
  • 1956 bis 1990: Siegfried Weikl (CSU)
  • 1990 bis 2008: Fritz Wühr (CSU)
  • 2008 bis 2011: Michael Adam (SPD)
  • seit März 2012: Joachim Haller (CSU)

FinanzenBearbeiten

Die Gemeinde hatte im Jahr 2017 insgesamt 6,999 Millionen Euro Schulden. Im Jahr 2014 betrugen die Lohn- und Einkommensteuer der Bürger der Gemeinde 6,830 Millionen Euro und es wurden 127,672 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

WappenBearbeiten

Aufgrund eines entsprechenden Beschlusses des Gemeinderates und Zustimmung des Staatsministeriums des Innern, belegt durch Ministerialentschließung vom 4. Februar 1959, führt die Gemeinde Bodenmais das nachstehend beschriebene Wappen.

Beschreibung: „Geteilt durch den Umriss des Silberbergs in Blau und Silber; oben der goldene Kurhut mit silbernem Hermelinbesatz, unten gekreuzt ein schwarzer Schlägel und ein schwarzer Bergmannshammer.“

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Marktplatzbrunnen
 
evangelische St. Johanneskirche mit eiförmigem Kirchenschiff
  • Katholische Pfarrkirche: Die Bodenmaiser Kirche wurde 1804/05 in der Mitte des Marktplatzes in Richtung des Silberbergs erbaut. 1955/56 wurde sie durch den Anbau eines Oktogons erweitert. Den Altar schmückt eine Nachbildung des Gnadenbildes von Loreto (ein Geschenk des Kurfürsten), das bereits am 16. Juni 1705 (Namenstag des Heiligen Benno) in einer feierlichen Prozession von Maisried (Böbrach) nach Bodenmais getragen wurde. Zur Erinnerung findet jedes Jahr ein „Umgang“ mit fünftägigem Volksfest statt, bei dem das Gnadenbild mitgetragen wird.
  • Historisches Besucherbergwerk am Silberberg: Seit 1962 steht das Silberbergwerk interessierten Besuchern als Schaubergwerk offen. 1998 erwarben sechs ehemals im Bergwerk Beschäftigte das Werk mit den dazugehörenden Liegenschaften und betreiben es seither als Besucherbergwerk.
  • Mehrere Glasbläsereien: Die größte und bekannteste ist die Joska-Glasbläserei, die unter anderem Pokale für den Wintersport herstellt.
  • Altes Rathaus mit Sonderausstellung über die Geschichte des Bergbaus und der Vitriolhütte am Silberberg sowie mit Ausstellung über den Sänger Bernd Weikl.[9]

StatistikBearbeiten

Es gab 2017 insgesamt 1.612 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort, davon im produzierenden Gewerbe 441, Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe 750 sowie bei Unternehmensdienstleistern 85. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 1.284. Damit war die Zahl der Einpendler um 328 höher als die der Auspendler. Im Bauhauptgewerbe gab es im gleichen Jahr vier Betriebe mit 44 Mitarbeitern. 2016 gab es 15 landwirtschaftliche Betriebe (davon acht Tierhalter); landwirtschaftlich genutzt war eine Fläche von 301 ha, davon 279 ha Dauergrünland.

 
Der Riesbach nahe Bodenmais

Zur Förderung der Tourismus wurde Mitte 2007 von der Marktgemeinde Bodenmais und dem Verein Wirtschaft und Tourismus die Bodenmais Tourismus und Marketing GmbH (BTM) gegründet. 60 % der Geschäftsanteile liegen bei der Gemeinde, 40 % beim Verein. Geschäftsführer der BTM wurde Andreas Lambeck. Das Geschäftsvolumen der Tourismus & Marketing GmbH lag im Jahr 2009 bei 2,6 Millionen Euro. Im Jahr 2010 lagen die Einnahmen der BTM bei rund 3,4 Millionen Euro.

ÜbernachtungszahlenBearbeiten

Im Juni 2017 waren 126 Übernachtungsbetriebe mit 4.427 Gästebetten geöffnet. Die Zahl der Gästeankünfte betrug 152.657 und es wurden 728.320 Übernachtungen registriert; die durchschnittliche Verweildauer waren 4,8 Tage. Bodenmais ist damit der führende Tourismusort im Landkreis Regen mit einem Anteil von 30,5 % an den Gästeankünften und 34,3 % an den Übernachtungen.[10]

Jahr Gästeankünfte Übernachtungszahlen Übernachtungen/Gast
1995 108.921 995.505 9,1
2000 110.282 854.880 7,8
2005 101.057 708.672 7,0
2010 147.895 865.120 5,9
2011 145.138 839.449 5,8
2012 147.468 839.825 5,7
2013 150.561 824.031 5,5
2014 143.104 752.871 5,3

VerkehrBearbeiten

Bodenmais ist mit den Staatsstraßen 2132 Bad Kötzting–Zwiesel und 2136 Patersdorf–Bayerisch Eisenstein an das überörtliche Straßennetz angebunden.

Seit 1928 ist Bodenmais Endpunkt der Bahnstrecke aus Zwiesel. Sie wird im Stundentakt von der Länderbahn unter dem Namen Waldbahn befahren. Auf dem Gemeindegebiet befinden sich mit Bodenmais und Böhmhof zwei Haltestellen. Eine durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft und der DB Station&Service vorgeschlagene Haltestelle Bodenmais Süd wurde vom Marktrat abgelehnt.

Außerdem verkehren hier Buslinien der Unternehmen RBO und Wenzel.

Neben den Haustarifen der Verkehrsbetriebe gilt auf oben genannten Bus- und Bahnlinien das Bayerwald-Ticket als Tagesticket für die Landkreise Regen, Freyung-Grafenau und Teile des Landkreises Cham. Seit dem 1. Dezember 2015 werden Kurkarten der Gemeinde als Gästeservice-Umweltticket (GUTi) in den Bus- und Bahnlinien obiger Landkreise anerkannt.

BildungBearbeiten

In Bodenmais gibt es zwei Kindertageseinrichtungen mit 224 genehmigten Plätzen und 216 betreuten Kindern (Stand März 2018) sowie zwei öffentliche Schulen mit 17 Lehrkräften und 197 Schülern (Schuljahr 2017/18).

EinzelnachweiseBearbeiten

 
Bahnhof Bodenmais im Kurpark
  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Der Bayerwald-Bote: Bodenmais: Joachim Haller (CSU) ist neuer Bürgermeister
  3. Bayerische Landesbibliothek Online
  4. The Withe House: Memorandum of Conversation. online auf www.fordlibrarymuseum.gov (englisch)
  5. Wolfgang Becker: Südafrika: „Die Buren haben Angst“. Spiegel-Artikel vom 28. Juni 1976, online auf www.spiegel.de
  6. Anonymus: Türen öffnen. Spiegel-Artikel vom 14. Juni 1976, online auf www.spiegel.de
  7. SAIRR: A Survey of Race Relations in South Africa 1976. Johannesburg 1977, S. 406–407
  8. Siegfried Weikl – Bodenmais Vom Bergbaudorf zum Luftkurort
  9. Bernd Weikl, Ehrenbürger des Markt Bodenmais. In: buerger.bodenmais.de. Abgerufen am 21. Juli 2018.
  10. Statistisches Landesamt Bayern: „Monatserhebung im Tourismus“

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bodenmais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Bodenmais – Reiseführer