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Viechtach

Stadt im niederbayerischen Landkreis Regen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Viechtach
Viechtach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Viechtach hervorgehoben
Koordinaten: 49° 5′ N, 12° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Regen
Höhe: 450 m ü. NHN
Fläche: 62,48 km2
Einwohner: 8278 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 132 Einwohner je km2
Postleitzahl: 94234
Vorwahl: 09942
Kfz-Kennzeichen: REG, VIT
Gemeindeschlüssel: 09 2 76 144
Stadtgliederung: 94 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Mönchshofstraße 31
94234 Viechtach
Webpräsenz: www.viechtach.de
Bürgermeister: Franz Wittmann (CSU)
Lage der Stadt Viechtach im Landkreis Regen
Landkreis ChamLandkreis Straubing-BogenLandkreis DeggendorfLandkreis Freyung-GrafenauZwieselZachenbergViechtachTeisnachRuhmannsfeldenRinchnachRegen (Stadt)PrackenbachPatersdorfLindbergLangdorfKollnburgKirchdorf im WaldKirchberg im WaldGotteszellGeiersthalFrauenauDrachselsriedBöbrachBodenmaisBischofsmaisBayerisch EisensteinArnbruckAchslachTschechienKarte
Über dieses Bild
Blick über die Stadt
Stadtpfarrkirche St. Augustinus
Kneippbecken am Distelberg
Kreutzberger
Stadtplatz Viechtach
Nostalgiemuseum in Viechtach

Viechtach (bairisch Vejda[2]) ist eine Stadt im niederbayerischen Landkreis Regen und ein staatlich anerkannter Luftkurort.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Viechtach liegt in der Region Donau-Wald im Naturpark des Bayerischen Waldes an einer Talschleife des Schwarzen Regens in einem weitläufigen Talbecken am Fuß des Pfahl-Höhenzuges und zeichnet sich durch ein vergleichsweise mildes Klima im Waldland aus. Die Stadt befindet sich an der B 85 etwa 28 km südöstlich von Cham, 13 km südlich von Bad Kötzting, 24 km nordwestlich der Kreisstadt Regen, 32 km nördlich von Deggendorf (A 92), 30 km von Bogen (A 3) sowie ca. 50 km von Straubing entfernt.

GemeindegliederungBearbeiten

Viechtach hat 94 Ortsteile[3]:

Es gibt die Gemarkungen Blossersberg, Neunußberg, Schlatzendorf, Schönau, Pirka, Viechtach und Wiesing.

GeschichteBearbeiten

 
Konrad der Nussberger (Büste am alten Rathaus in Viechtach)

Bis zum 18. JahrhundertBearbeiten

Vidaha wird 1104 erstmals erwähnt, als der Graf von Bogen Friedrich III. dem Kloster Oberalteich hier Ackerland übertrug. 1242 kam der Besitz an die Wittelsbacher, die hier ein herzogliches Pfleggericht für das Vichtreich einrichteten. Wohl Ende des 13. Jahrhunderts erhielt Viechtach das Marktrecht verliehen.

Als Pfleger regierten meist die Degenberger und die Nußberger über Viechtach. Konrad Nußberger von Nußberg stiftete 1350 ein Seelhaus und Spital in Viechtach, und im Bestätigungsbrief von Herzog Albrecht 1360 wird Viechtach bereits ein Markt genannt.

Viechtach war bis 1800 Pflegamt und gehörte zum Rentamt Straubing des Kurfürstentums Bayern. Es besaß ein Marktgericht mit weitgehenden magistratischen Eigenrechten. Darüber hinaus befand sich hier eine offene Hofmark in bürgerlicher Hand.

Im 17. Jahrhundert entstand durch die wirtschaftliche Lage dieses Ortes das „Modell Viechtach“ zur Finanzierung der Einnahmen des Marktes. Herzog Maximilian I. von Bayern konnte das Weißbierbrauen in Viechtach nicht verhindern, da dies „Altes Herkommen war“. Da er aber nach einer Monopolisierung des Weißbierbrauwesens strebte, gestattete er den Bürgern das Weißbiersieden gegen Ablieferung der halben Erträge an die herzogliche Kasse. Auch für andere Orte wurde später dieses Modell der Finanzierung übernommen, z. B. nach einem Stadtbrand.

Viechtach wurde vom Böcklerkrieg, vom Löwlerkrieg, wo es auf der Seite des Herzogs stand, vom Dreißigjährigen Krieg, vom Spanischen Erbfolgekrieg und vom Österreichischen Erbfolgekrieg heimgesucht. 1474, 1658, 1698 und 1729 wüteten Brände, deren letzterer die Pfarrkirche zerstörte. 1757 bis 1765 entstand die heute noch vorhandene Rokokokirche.

Trotz dieser Rückschläge etablierte sich in Viechtach die Weberei, und ab dem 18. Jahrhundert entstanden erfolgreiche Familienunternehmen.

19. JahrhundertBearbeiten

Im 19. Jahrhundert blühte der Leinwandhandel der Firma Schmaus & Co., deren Leinen von allen bayerischen Garnisonen bezogen wurde. 1856 wurde die Lederfabrik Gebrüder Kilger in Viechtach gegründet. Außerdem bildeten Garn-, Schmalz- und Viehhandel die wirtschaftliche Grundlage des Marktes.

Eine besondere Eigentümlichkeit war das seit dem 1. Mai 1828 alljährlich gefeierte Sittenfest, wobei ein Jüngling und eine Jungfrau, die sich durch besondere Vorbildlichkeit ausgezeichnet hatten, mit einem Preis belohnt wurden. Die Stiftung, welche diese Veranstaltung trug, wurde vom Stadtrat nach dem Zweiten Weltkrieg wegen der Geldentwertung aufgelöst.

20. JahrhundertBearbeiten

Im Jahr 1891 wurde die Bahnlinie Gotteszell–Viechtach eröffnet, die 1928 bis Blaibach verlängert wurde. Unter der Leitung des Bürgermeisters und Apothekers Karl Gareis führte man 1935 erstmals das von Gareis verfasste Doktor-Eisenbarth-Festspiel auf. Diese Festspiele zu Ehren des Doktors Eisenbarth waren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sehr erfolgreich. Einer Zerstörung durch die US-amerikanische Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs entging der Markt durch kampflose Übergabe.

1953 wurde der Markt zur Stadt erhoben. 1958 wiederholte man das Doktor-Eisenbarth-Festspiel, doch im selben Jahr wurde anhand von Urkunden im bischöflichen Archiv zu Regensburg nachgewiesen, dass Doktor Eisenbarth aus Oberviechtach und nicht aus Viechtach stammte.

21. JahrhundertBearbeiten

Im Rahmen der 900-Jahr-Feier Viechtachs wurde im Jahr 2004 ein erneuertes Doktor-Eisenbarth-Spiel aufgeführt. Für den Sommer 2014 sind weitere Aufführungen dieses Theaterstücks geplant.[4]

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Juli 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Blossersberg und Schlatzendorf eingegliedert.[5] Am 1. Mai 1978 kam ein Teil der aufgelösten Gemeinde Wettzell hinzu.[6]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Jahr 1840 1871 1900 1925 1939 1959 1961 1970 1987 1991 1995 2002 2005 2010 2015
Einwohner 3897 4052 4787 5654 5952 7750 6988 7321 8015 8225 8573 8627 8547 8254 8060

PolitikBearbeiten

 
Das Rathaus von Viechtach

StadtratBearbeiten

Seit den Kommunalwahlen 2014 setzt sich der Viechtacher Stadtrat wie folgt zusammen (Stimmenanteil in Klammern):

  • CSU: 6 Sitze (31,78 %)
  • Unabhängige Viechtach-Schlatzendorf: 4 Sitze (21,96 %)
  • SPD: 4 Sitze (18,22 %)
  • FW: 3 Sitze (14,57 %)
  • Zukunft Viechtach: 3 Sitze (13,47 %)

BürgermeisterBearbeiten

Erster Bürgermeister ist seit Mai 2014 Franz Wittmann (CSU). Er gewann im März 2014 mit 53,1 % der Stimmen gegen Amtsinhaber Georg Bruckner (SPD). Zweiter Bürgermeister ist Hans Greil (Unabhängige), Dritter Bürgermeister Hans Wühr (Freie Wähler).[7]

SteuereinnahmenBearbeiten

Im Jahr 2011 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 6527 T€, davon waren 2799 T€ Gewerbesteuereinnahmen (netto).

WappenBearbeiten

Blasonierung: In Gold eine grüne Fichte mit braunem stark bewurzeltem Stamm.

Das Wappen wurde 1437 per Wappenbrief durch Herzog Ernst von Bayern-München dem Markt gewährt. Wegen Fehlens einer Wappendarstellung im Brief geht der erste Abbildungsnachweis auf das seit 1514 im Abdruck bekannte älteste Siegel mit dem Fichtenwappen im Halbrundschild zurück. Alle Siegel des 16., 17. und 18. Jahrhunderts zeigen die Fichte mit ausgeprägtem Wurzelwerk. 1721 erhielt die Fichte einen grünen Rasen. Im 19. Jahrhundert wurde, wohl zur Unterscheidung vom Wappen Oberviechtachs („In Silber auf begrastem Schildfuß eine grüne Fichte.“), ein von Silber und Blau gerautetes Schildhaupt (bayrische Wecken) zeitweise beigefügt, später goldene Zapfen. Im 20. Jahrhundert hatte die Fichte Kontakt mit dem Schildfußrand („In Gold aus dem Schildfuß wachsend eine stark bewurzelte grüne Fichte mit sechs goldenen Zapfen.“[8]). Seit April 2000 hat das Stadtwappen nach einem im Auftrag der Stadt Viechtach durch den Künstler Reinhard Schmid erstellten Entwurf wieder die ursprüngliche Form ohne Rasen und Zapfen.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Der Pfahl bei Viechtach

Sehenswert sind der Große und der Kleine Pfahl (eine Quarzstein-Formation), die Antoniuskapelle am Kleinen Pfahl, die „Gewölbe der Geheimnisse“ im historischen Bürgerspital und die „Gläserne Scheune“ in Rauhbühl. Eine Reise in die Erdgeschichte erwartet die Besucher im Kristallmuseum. Ebenfalls interessant ist das „Nostalgie-Haus“ direkt am Marktplatz, in dem mehrere tausend Ausstellungsstücke aus mehreren Jahrhunderten ausgestellt werden. Zugehörig ist eine große Gartenanlage. Für Wanderer empfehlenswert ist die Aussicht auf Viechtach vom Kronberg aus, dem Hausberg der Stadt. Von dort aus hat man einen schönen Ausblick auf das Regental.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Ab 1892 wurde am Großen Pfahl im Quarzschotterwerk Viechtach Quarzschotter abgebaut. Inzwischen ist der Steinbruch aber stillgelegt. Nach der amtlichen Statistik gab es 20011 im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 26, im produzierenden Gewerbe 2513 und im Bereich Handel und Verkehr 666 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 1655 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2926. Im verarbeitenden Gewerbe gab es sieben Betriebe, im Bauhauptgewerbe 13 Betriebe. Im Jahr 2010 bestanden zudem 110 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 1785 ha, davon waren 1327 ha Dauergrünfläche.

Die größten Arbeitgeber in Viechtach sind die Firmen Linhardt und Rehau.

VerkehrBearbeiten

Viechtach liegt an der B 85 sowie an der privaten Bahnstrecke Gotteszell–Blaibach der Regentalbahn. Die Strecke wurde seit 1991 nicht mehr im Personenverkehr bedient. Seit September 2016 fahren auf der Bahnstrecke im Rahmen eines Probebetriebes wieder im Stundentakt Waldbahn-Züge. Ein weiterer Bahnhalt liegt im Ortsteil Schnitzmühle. Der Streckenabschnitt Blaibach–Viechtach ist mittlerweile demontiert, die Reststrecke nach Gotteszell wird von der Regentalbahn auch als Zufahrtsstrecke zu ihrem Bahnbetriebswerk benutzt. Die Muttergesellschaft Netinera Deutschland GmbH der Regentalbahn hat ihren Sitz in Viechtach. Ab 1. März 2018 wird das Kennzeichen VIT wieder eingeführt.

BildungBearbeiten

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2012 bzw. Schuljahr 2011/12):

  • Zwei Kindergärten mit insgesamt 174 Kindergartenplätzen; dort werden 189 Kinder betreut.
  • zwei Volksschulen mit 41 Lehrern und 530 Schülern
  • eine Realschule mit 47 Lehrern und 377 Schülern
  • ein Gymnasium (Dominicus-von-Linprun Gymnasium) mit 39 Lehrern und 614 Schülern
  • ein Sonderpädagogisches Förderzentrum mit 17 Lehrern und 115 Schülern

BehördenBearbeiten

Viechtach ist der Sitz der Zentralen Bußgeldstelle im Bayerischen Polizeiverwaltungsamt sowie des Amtsgerichts Viechtach.

AuszeichnungenBearbeiten

Der Ortsteil Schönau hat 2007 im Rahmen des Bundeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ die Goldmedaille errungen.

PersönlichkeitenBearbeiten

Siehe auch: Liste der Ehrenbürger von Viechtach

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Personen die mit der Stadt in Verbindung stehenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Stadt Viechtach - Saitensprung in Vejda. Abgerufen am 18. April 2017.
  3. Stadt Viechtach in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 5. Januar 2018
  4. Doc Eisenbarth is back in town – Homepage der Theateraufführung, abgerufen am 19. Februar 2014
  5. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 584.
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 622.
  7. http://www.pnp.de/lokales/landkreis_regen/viechtach/1251347_Bruckner-abgewaehlt-Wittmann-neuer-Buergermeister-von-Viechtach.html
  8. Altes Wappen mit Zapfen

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Letzing: Die Geschichte des Bierbrauwesens der Wittelsbacher: die Gründung des Hofbräuhauses München und die Entstehung des herzoglichen Weißbiermonopoles in der Auseinandersetzung mit den Landständen bis zum Landtag von 1612 sowie die Grundlagen des Bierzwanges; Studien zum Staatshaushalt, zur Verwaltungspraxis, zur Wirtschafts-, Sozial- und Agrargeschichte des alten Bayern, Augsburg, 1995
  • Elisabeth Spitzenberger: Viechtacher Bürger und ihre Häuser, Band 1, Passau 1995; Band 2, Passau 1998

WeblinksBearbeiten

  Commons: Viechtach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikivoyage: Viechtach – Reiseführer