Lindberg

Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Regen

Lindberg ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Regen direkt am Nationalpark Bayerischer Wald. Das gleichnamige Pfarrdorf ist Sitz der Gemeindeverwaltung.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Lindberg
Lindberg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Lindberg hervorgehoben

Koordinaten: 49° 2′ N, 13° 15′ O

Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Regen
Höhe: 665 m ü. NHN
Fläche: 108,85 km2
Einwohner: 2294 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 21 Einwohner je km2
Postleitzahl: 94227
Vorwahl: 09922
Kfz-Kennzeichen: REG, VIT
Gemeindeschlüssel: 09 2 76 130
Gemeindegliederung: 22 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Zwieselauer Str. 1
94227 Lindberg
Website: www.gemeinde-lindberg.de
Erster Bürgermeister: Gerd Lorenz[2] (CSU)
Lage der Gemeinde Lindberg im Landkreis Regen
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Über dieses Bild

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Lindberg liegt in der Region Donau-Wald inmitten des Bayerischen Waldes an der Glasstraße am Fuß des 1315 m hohen Falkensteins nur vier Kilometer von Zwiesel entfernt sowie 14 km nordöstlich der Kreisstadt Regen, 30 km nordwestlich von Grafenau und 14 km vom Grenzübergang zu Tschechien in Bayerisch Eisenstein entfernt.

Im östlichen Teil des Gemeindegebiets – nahe der tschechischen Grenze – liegt das Hochmoor Schluttergasse mit dem Latschensee.

GemeindegliederungBearbeiten

Es gibt 22 Ortsteile:[3]

Es gibt die Gemarkungen Lindberg und Zwieslerwaldhaus.

GeschichteBearbeiten

 
Die Pfarrkirche von Lindberg

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Lindberg gehörte zum Rentamt Straubing und zum Landgericht Zwiesel im Kurfürstentum Bayern.

Die Edelfreien Ebenhoch (Ebenhöch) erhielten von Mitte des 10. bis Ende des 11. Jahrhunderts als Lehen der Babonen ein Herrschaftsgebiet bei Lindberg im Landkreis Regen im Bayerischen Wald[4] und waren auch in Regensburg ansässig.[5]

Die Gründung der Ortschaft geht ins Jahr 1345 zurück, wobei man schon 1356 von 19 Bauernhöfen in Lindberg gesprochen hat. Nach und nach kamen 21 Ortsteile hinzu, welche zusammen die heutige Gemeinde (besteht seit 1821) bilden, darunter auch Buchenau.

20. JahrhundertBearbeiten

Im Jahr 1997 wurden etwa zwei Drittel der Gemeindefläche zum Erweiterungsgebiet des Nationalparks Bayerischer Wald erklärt und somit unter strengen Schutz gestellt.

Große Tradition hat die Glaskunst vor allem im Ortsteil Ludwigsthal.

Glashütte LudwigsthalBearbeiten

Die im Gemeindegebiet liegende Ortschaft Ludwigsthal ging aus einer sehr bedeutenden Glashütte samt eigener Hüttensiedlung hervor. Diese wurde 1826 durch den Glashüttenmeister Georg Christoph Abele aus Hurkenthal im Böhmerwald gegründet und nach König Ludwig I. benannt. Der Betrieb gehörte, zusammen mit Schwarzenthal bei Philippsreut, zu den ersten bedeutenden Spiegelglasfabriken im damaligen Bayern. 1833 starb der Hüttengründer, worauf sein Bruder Ferdinand die Leitung des Betriebes übernahm. Die Frau von G. Ch. Abeles Sohn Wilhelm, eine geborene Hafenbrädl, leitete die Hütte von 1844 bis zum Konkurs im Jahre 1861. Der Metzgermeister Josef Pauli aus Zwiesel ersteigerte den Besitz und stellte die Produktion nach zwei Bränden (1871 und 1873) auf Hohlglas um. 1901 pachtete Anton Röck aus Zwiesel den Betrieb und gründete zusammen mit der nahe gelegenen Regenhütte und der Hütte in Schliersee in Oberbayern eine Aktiengesellschaft. In der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde die AG aufgelöst und 1928 die Produktion eingestellt. 1948 nahm die Hütte wieder ihren Betrieb auf und wurde 1955 an Rudolf Angerer verpachtet. In dieser Zeit waren an die 200 Menschen bei der Glashütte Ludwigsthal beschäftigt. 1981 wurde die Hütte geschlossen.

Heute erinnern noch das Schloss des Hüttenherren, die Wohnhäuser der Glasmacher und die Ruine der Hütte an Ludwigsthals Glanzzeit. Eine Schauglashütte in Ludwigsthal knüpft an die "gläserne" Tradition des Ortes an der Glasstraße an.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Zwischen 1988 und 2018 stagnierte bzw. wuchs die Einwohnerzahl minimal von 2.274 auf 2.279 um 5 Einwohner bzw. um 0,2 %.

  • 1970: 2481 Einwohner
  • 1987: 2296 Einwohner
  • 1991: 2399 Einwohner
  • 1995: 2390 Einwohner
  • 2000: 2392 Einwohner
  • 2005: 2416 Einwohner
  • 2010: 2394 Einwohner
  • 2015: 2362 Einwohner

PolitikBearbeiten

 
Das Rathaus von Lindberg

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl vom 15. März 2020 wie folgt zusammen:[6]

  • CSU: 6 Sitze (43,51 % der Stimmen)
  • SPD: 4 Sitze (24,17 % der Stimmen)
  • FWG: 2 Sitze (17,21 % der Stimmen)
  • Bürgerliste Lindberg: 2 Sitze (15,11 % der Stimmen)

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist Gerd Lorenz (CSU). Dieser wurde im Jahr 2020 als Nachfolger von Gerti Menigat (Bürgerliste Lindberg) mit 87,10 % der Stimmen (bei einer Gegenkandidatin) gewählt.[6] Gerti Menigat (Bürgerliste Lindberg) wurde im Jahr 2002 Nachfolgerin von Karl Liebl (SPD). Der 2. Bürgermeister ist Eugen Stadler (CSU).

PartnergemeindeBearbeiten

Lindberg pflegt seit 1987 eine Partnerschaft mit der in Oberösterreich liegenden Gemeinde Puchenau. Anlass für die Partnerschaft war die Assoziation des Namens Puchenau mit dem zu Lindberg gehörenden Ortsteil Buchenau.[7]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „In Gold aus schwarzem Dreiberg wachsend ein grüner Lindenzweig mit drei Blättern.“[8]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Das Bauernhausmuseum
  • Die Pfarrkirche St. Josef der Arbeiter in Lindberg ist ein schlichter moderner Bau von A. Hornsteiner aus dem Jahr 1958
  • Die Pfarrkirche Hl. Herz Jesu in Ludwigsthal gehört zu den künstlerisch bedeutendsten Sakralbauten aus der Jahrhundertwende. Sie wurde 1893/94 von Johann Baptist Schott erbaut und im Inneren von dem renommierten Jugendstilkünstler Franz Hofstötter mit Glasmosaiken und gemalten Fenstern, sowie mit Fresken im byzantinischen Stil ausgestattet.
  • Schauglashütte in Ludwigsthal
  • Bauernhausmuseum Lindberg: 1975 wurde ein alter, in Blockbauweise errichteter Bauernhof in Lindberg von Franz Handlos und seiner Frau Helga als Museum zugänglich gemacht. Zum Museum gehören außer dem Bauernhaus das Austragshaus, welches als Wirtshaus genutzt wird, sowie eine 1885 erbaute Holzkapelle. Das Museum ist von Ostern bis Oktober geöffnet.
  • Höllbachgspreng: ist eine vom Höllbach geformte steile Schlucht, die in mehreren Wasserfällen und einem kleinen See vom Höllbach durchflossen wird. Ein Weg für geübte Wanderer führt durch die Höllbachgspreng zum Gipfel des Großen Falkensteins. Die Höllenbachspreng liegt zwischen Lindberg und dem Großen Falkenstein.

StatistikBearbeiten

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 91 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 131 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 747. Im verarbeitenden Gewerbe gab es neun Betriebe, im Bauhauptgewerbe einen Betrieb. Zudem bestanden im Jahr 1999 37 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 441 ha.

InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Im Ortsteil Ludwigsthal befindet sich ein Haltepunkt an der Bayerischen Waldbahn. Von Lindberg aus ist der Bahnhof Zwiesel der nächstgelegene Bahnhof.

BildungBearbeiten

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2008):

  • Kindergärten mit 50 Kindergartenplätzen und 53 Kindern
  • Grundschule mit vier Klassen, sechs Lehrkräften und 98 Schülern

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Seyfert, Ingeborg: Lindberg – Aus der Geschichte eines Dorfes im Zwieseler Winkel. August Dreesbach Verlag: München 2006.

SonstigesBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Lindberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Tabellenblatt "Daten 2", Statistischer Bericht A1200C 202041 Einwohnerzahlen der Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke 1. Vierteljahr 2020 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeindeverwaltung. Gemeinde Lindberg, abgerufen am 8. September 2020.
  3. Gemeinde Lindberg in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 22. November 2017.
  4. Helene Bruscha: Die Familien der Ebenhoch in Vorarlberg und im Allgäu. Mit einem Beitrag zur Etymologie des Namens. Archiv für Familienforschung (AfF), C.A. Starke Verlag, Limburg, 2006, S. 49.
  5. HStA München, Bestand Regensburger Testamente, Cart. 10, Fascikel 30.
  6. a b https://www.wahl.info/kandidaten/ort/gemeinde-lindberg_71.html
  7. Homepage Gemeinde Lindberg (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gemeinde-lindberg.de
  8. Eintrag zum Wappen von Lindberg in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte