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Ernst (Bayern)

Herzog von Bayern-München
Herzog Ernst im Kreis seiner Räte (Zeichnung von R. A. Jaumann, entstanden 1899)

Ernst von Bayern-München (* 1373; † 2. Juli 1438 in München) aus dem Haus Wittelsbach war von 1397 bis 1438 Herzog von Bayern-München. Der Nachwelt bekannt ist er vor allem durch seine Rolle beim Tod der Agnes Bernauer.

LebenBearbeiten

Herkunft und RegierungsbeginnBearbeiten

 
Die vier bayerischen Teilherzogtümer nach der Landesteilung von 1392

Ernst war der älteste Sohn von Herzog Johann II., genannt der Gottselige, und dessen zweiter Frau Katharina von Görz, der Tochter von Graf Meinhard VI., und somit ein Urenkel Kaiser Ludwigs des Bayern. Ab 1394 half Ernst seinem Vater im Bayerischen Hauskrieg gegen Bayern-Ingolstadt.

Ernst regierte dann nach seines Vaters Tod von 1397 bis 1438 zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Wilhelm III. und seinem Onkel Stephan III. dem Kneißel von Bayern-Ingolstadt, nach dem Verzicht der Linie Bayern-Ingolstadt 1402 nur noch mit seinem Bruder und nach dessen Tod 1435 allein im Herzogtum Bayern-München.

Schon zu Anfang der gemeinsamen Regierungszeit mit seinem Bruder musste Ernst sich gegen den Führungsanspruch seines Onkels Stephan III. aus der Linie Bayern-Ingolstadt zur Wehr setzen. Dieser hatte beim Aufstand der Münchner Zünfte 1396 gegen ihn Partei genommen. Er führte daher einen Erbkrieg gegen die Stadt München und die Ingolstädter Linie und erzwang 1402 deren Verzicht auf alle Ansprüche in München, das unterworfen wurde. Der sechs Jahre dauernde Konflikt endete mit der Auflösung der kurzen Wiedervereinigung Oberbayerns und der Kapitulation der Münchner Zünfte, die gemeinsame Sache mit Stephan dem Kneißel gemacht hatten. 1410 war Ernst dann jedoch im Bund mit Stephan bei dem Versuch der Rückgewinnung Tirols durch Unterstützung der dortigen Adelsopposition, was letztlich scheiterte.

Im Jahr 1400 wandte Ernst sich auch gegen seinen kurpfälzischen Vetter König Ruprecht, er hielt beim Konflikt um den Thron des Heiligen Römischen Reiches zu seinem abgesetzten Schwager Wenzel und war 1411 dessen Gesandter in Frankfurt am Main, wo er die Wahl von dessen Bruder Sigismund von Ungarn zum Rex Romanorum mitentschied. Als sich die Königswahl Ruprechts angebahnt hatte, war der auf luxemburgischer Seite verbliebene Ernst zudem schon 1399/1400 mit der Landvogtei Schwaben belohnt worden, die zuvor schon sein Onkel Stephan besessen hatte, der anfangs auf Seiten Ruprechts stand.

Hussitenkrieg und Bayerischer KriegBearbeiten

 
Die Aufteilung von Bayern-Straubing 1429

Ernst unterstützte Sigismund in der Folge auch im ab 1419 ausbrechendem Kampf gegen die Hussiten, infolge dieses Konfliktes kam es bis 1434 auch in Bayern, vor allem nördlich der Donau, zu Verwüstungen durch marodierende Kampfverbände.

Ernst und Wilhelm III. traten auf Initiative ihres Vetters Herzog Heinrichs XVI. von Bayern-Landshut dessen Bündnissen gegen Stephans Sohn Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt bei, 1414 der Kelheimer Sittichgesellschaft und 1415 der auf dem Konzil von Konstanz geschmiedeten Konstanzer Liga. Ernst unterstützte Landshut auch im Bürgerkrieg gegen Ingolstadt, seine wiederholten Vermittlungsversuche scheiterten aber.

Der Bayerische Krieg von 1420 wurde durch den Sieg Ernsts über Ludwig bei Alling im Jahr 1422 beendet.

Nach dem Erlöschen der wittelsbachischen Linie Bayern-Straubing 1425 führte er erneut einen Erbkrieg und erhielt durch den Preßburger Schiedsspruch von 1429 mit seinem Bruder Wilhelm den größten Teil des bereits zuvor okkupierten Straubinger Erbes zugesprochen; zu den gewonnenen Gebieten gehörten neben Straubing auch Bogen, Mitterfels und andere Orte.

Der von Ernst im Auftrag Sigismunds 1430 zum Zwecke der Inauguration des litauischen Herzogs Vytautas begonnene Feldzug wurde durch dessen Tod vereitelt.

Konflikt um Agnes BernauerBearbeiten

 
Ernst, dargestellt bei den Agnes-Bernauer-Festspielen 2019

Im Oktober 1435 ging Ernst kurz nach dem Tode seines Bruders Wilhelm gegen Agnes Bernauer, die nichtadlige Geliebte seines Sohnes Albrecht vor. Ernst wollte die Gefährdung der Erbfolge durch die unstandesgemäße Verbindung seines einzigen Sohnes Albrecht nicht akzeptieren. Während Albrecht auf einer Jagdveranstaltung seines Verwandten Heinrich von Bayern-Landshut weilte, ließ der alte Herzog Agnes verhaften und am 12. Oktober 1435 bei Straubing in der Donau ertränken.[1]

Gemeinsam mit Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt plante Albrecht daraufhin militärische Schritte gegen seinen Vater. Ernsts offizielle Begründung für die Hinrichtung der Bernauerin ist den Anweisungen zu entnehmen, mit denen er seinen Vertrauten Friedrich Aichstetter am 28. Oktober 1435 zu Kaiser Sigismund schickte mit der Bitte um Vermittlung. Nach der Aussöhnung mit seinem Vater heiratete Albrecht allerdings schon 1436 Herzogin Anna von Braunschweig-Grubenhagen, mit der er zehn Kinder hatte. Gemeinsamer Beichtvater von Vater und Sohn war der Klosterreformer und geistliche Schriftsteller Johannes Rothuet aus Indersdorf, der wohl auch zur Besänftigung des durch die Hinrichtung von Agnes Bernauer gestörten Verhältnisses von Sohn und Vater und damit zu einer Verhinderung eines Bürgerkrieges im Herzogtum beigetragen hatte.[2]

Zwei Jahre später starb Ernst in München, sein Grab befindet sich mit dem seiner Gattin in der Münchner Frauenkirche.

NachkommenBearbeiten

Am 24. Februar 1396 heiratete Herzog Ernst in Pfaffenhofen an der Ilm Elisabetta Visconti (1374–1432).

Aus dieser Ehe gingen folgende Kinder hervor:

  1. ⚭ (?) Agnes Bernauer (um 1410–1435),
  2. ⚭ 1437 Anna von Braunschweig-Grubenhagen (1420–1474);
  1. ⚭ 1424 Graf Hermann III. von Cilli (1380–1426),
  2. ⚭ 1426 Pfalzgraf Johann von Pfalz-Neumarkt (1383–1443);
  1. ⚭ 1430 Graf Adolf von Jülich-Berg († 1437),
  2. ⚭ 1440 Graf Hesso von Leiningen († 1467);
  • Amalie (1408–1432), Nonne in München.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Andreas von Regensburg: Chronica de principibus terrae Bavarorum. In: Georg Leidinger (Hrsg.): Sämtliche Werke. Rieger, München 1903, S. 583–584 (verfasst vor 1444; nach Alfons Huber, Agnes Bernauer im Spiegel der Quellen, S. 55).
  2. Bernhard Dietrich Haage: Ein bislang unveröffentlichter Brief des Johannes von Indersdorf. Schulischer Alltag im Mittelalter. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 10, 2014, S. 81–88, hier: S. 82.
VorgängerAmtNachfolger
Johann II.Herzog von Bayern-München
1397–1438
Albrecht III.