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Santa Maria Val Müstair

Gemeinde im Schweizer Kanton Graubünden
Santa Maria Val Müstair
Wappen von Santa Maria Val Müstair
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Region: Engiadina Bassa/Val Müstair
Politische Gemeinde: Val Müstairi2
Postleitzahl: 7536
Koordinaten: 828762 / 165541Koordinaten: 46° 36′ 7″ N, 10° 25′ 30″ O; CH1903: 828762 / 165541
Höhe: 1375 m ü. M.
Fläche: 41,60 km²
Einwohner: 346 (31. Dezember 2007)
Einwohnerdichte: 8 Einw. pro km²
Website: www.cdvm.ch
Santa Maria Val Müstair

Santa Maria Val Müstair

Karte
Karte von Santa Maria Val Müstair
w

Santa Maria Val Müstair (Audio-Datei / Hörbeispiel [ˌsantɐˌmariɐ̯ ˌvalmyˈʃtaɪ̯r]?/i; bis 1995 offiziell Santa Maria im Münstertal genannt) war bis zum 31. Dezember 2008 eine politische Gemeinde im Kreis Val Müstair im Bezirk Inn des Schweizer Kantons Graubünden.

Per 1. Januar 2009 hat Santa Maria Val Müstair mit den übrigen Schweizer Gemeinden der Talschaft (Fuldera, , Müstair, Tschierv und Valchava) zur Gemeinde Val Müstair fusioniert.

GeographieBearbeiten

Das Strassendorf liegt im Münstertal auf 1375 m ü. M. am Ausgang des Tales Val Muraunza. Die aus dem Tal kommende Muranzina durchfliesst das Dorf, ehe sie sich in den Rambach ergiesst. Durch Santa Maria verläuft die Hauptstrasse 28, die über den Ofenpass nach Zernez im Unterengadin sowie an die Staatsgrenze bei Taufers im Münstertal führt. Im Dorf zweigt von der Hauptstrasse die Umbrailpassstrasse ab, die nach Bormio im Veltlin führt.

Santa Maria war vor der Fusion die südlichste Gemeinde des mittlerweile aufgelösten Bezirks Inn. Das Gemeindegebiet grenzte im Nordwesten an Valchava und im Nordosten sowie Südwesten an Müstair. An grenzte sie einzig auf dem Piz Terza. Im Norden grenzte sie auf rund 280 Metern an die Südtiroler Gemeinde Taufers und im Süden auf 11,1 Kilometern an Stilfs, ebenfalls Südtirol, sowie Bormio und Valdidentro im Veltlin, an.

Der höchste Punkt des früheren Gemeindegebietes ist der Piz Umbrail mit 3032 m ü. M. Weiter zählten die Fraktionen Sielva, Pizzet, Pütschai, Craistas und Büglios zum früheren Gemeindegebiet.

KlimatabelleBearbeiten

Santa Maria Val Müstair, 1981–2010
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
32
 
1
-6
 
 
28
 
3
-6
 
 
40
 
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-3
 
 
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10
1
 
 
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16
5
 
 
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103
 
20
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16
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3
 
 
72
 
5
-2
 
 
46
 
1
-5
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: [1]
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Santa Maria Val Müstair, 1981–2010
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 0,7 3,0 6,8 10,4 15,6 19,2 21,5 20,4 16,1 11,2 4,6 0,7 Ø 10,9
Min. Temperatur (°C) −6,1 −6,1 -2,9 0,6 5,1 7,9 10,1 9,8 6,7 3,0 -1,9 −5,2 Ø 1,8
Temperatur (°C) −2,8 -2,1 1,3 5,1 10,1 13,5 15,5 14,7 10,8 6,4 0,9 -2,5 Ø 6
Niederschlag (mm) 32 28 40 58 78 90 108 103 76 80 72 46 Σ 811
Regentage (d) 5,4 5,1 6,1 7,8 9,6 10,3 11,1 10,8 7,7 8,1 7,5 6,7 Σ 96,2
Luftfeuchtigkeit (%) 65 63 64 65 66 64 65 71 73 75 71 69 Ø 67,6
T
e
m
p
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a
t
u
r
0,7
−6,1
3,0
−6,1
6,8
-2,9
10,4
0,6
15,6
5,1
19,2
7,9
21,5
10,1
20,4
9,8
16,1
6,7
11,2
3,0
4,6
-1,9
0,7
−5,2
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
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103
76
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72
46
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [1]

Seit Messbeginn (1931) ist im November mit 71 Zentimeter noch nie so viel Schnee in Santa Maria gefallen wie 2019. Der alte Rekord stammte mit 65 Zentimeter aus dem Jahr 1959.[2]

BevölkerungBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1950 2000 2007
Einwohner 437 385 420 327 346

1850 zählte Santa Maria noch 437 Einwohner. Seitdem ist die Zahl der Einwohner mehr oder weniger stetig auf den heutigen Stand von 348 gesunken.

SprachenBearbeiten

Ortssprache ist das Jauer, eine bündnerromanische Mundart. Doch hatte die Gemeinde bereits im späten 19. Jahrhundert eine deutschsprachige Minderheit. Dennoch ist die Gemeinde bis heute überwiegend romanischsprachig geblieben. Die Mehrheitsverhältnisse haben sich allerdings verschoben. Romanisch bezeichneten 1880 81 %, 1910 63 % und 1941 74 % als ihre Muttersprache. Zwischen 1910 und 1970 wuchs der Anteil der Romanischsprachigen ständig an. So gaben 1970 81 % der Bevölkerung Romanisch als ihre Umgangssprache an. Danach wuchs der Anteil der deutschsprachigen Minderheit bis ins Jahr 1990 markant (von 18 % auf 29 %). Seither hat sich die Sprachenlage stabilisiert. Dies zeigt auch folgende Tabelle.

Sprachen in Sta. Maria
Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 78 20,31 % 106 28,73 % 83 25,38 %
Rätoromanisch 295 76,82 % 259 70,19 % 228 69,72 %
Italienisch 5 1,30 % 3 0,81 % 2 0,61 %
Einwohner 384 100 % 369 100 % 327 100 %

Die Gemeindeversammlungen werden in romanischer Sprache abgehalten und amtliche Publikationen erfolgen ebenfalls in romanisch. 1990 konnten sich 83 % und im Jahr 2000 82 % auf Romanisch verständigen.

Religionen – KonfessionenBearbeiten

Mit 54 % bilden die Protestanten eine kleine Mehrheit gegenüber den 41 % der Katholiken. Die Reformation wurde bereits früh, zwischen 1526 und 1530, eingeführt. Doch schloss sich nur ein Teil der Bewohner der neuen Lehre an. Somit entstand eine nahezu paritätische Gemeinde.

Herkunft und NationalitätBearbeiten

Von den Ende 2005 354 Bewohnern waren 330 Schweizer Staatsangehörige.

GesundheitBearbeiten

Die Gesundheitsversorgung im Val Müstair besorgt das Ospidal Val Müstair in Santa Maria. Das Spital ist mit 85 Angestellten und vier Ärzten das zweitkleinste Schweizer Spital (nach dem Spital von Promontogno im Bergell), aber der grösste Arbeitgeber des Tals. Es dient als Akutspital für ambulante Eingriffe, Pflegeheim, Hausarztpraxis und Zentrale des Rettungsdienstes.[3]

WirtschaftBearbeiten

 
Kleinste Bar der Welt

Eine wichtige Einnahmequelle des Orts ist der Tourismus. Seit dem 8. Dezember 2006 befindet sich in Sta. Maria auch die kleinste Bar der Welt (Guinness World Record) mit dem Namen „Smallest Whisky Bar on earth“, sie löste damit eine Bar in Colorado Springs/USA ab. Die Bar bietet auf nur 8,53 m² weit über 200 internationale Whisky-Sorten an, ein Whisky-Museum wurde angebaut. Seit 2007 werden unter eigenem Label Whiskysorten produziert.[4]

Wichtiger Ausbildungsbetrieb und zugleich Kulturträger ist die Handweberei Tessanda.

GeschichteBearbeiten

Nachdem Karl der Grosse mit göttlicher Hilfe einem schrecklichen Unwetter entkommen war, setzte er gemäss der Legende im Jahre 801 mit dem Bau einer Kapelle den Grundstein der Gemeinde.

In Dokumenten wird die Gemeinde Santa Maria erstmals 1167/70 als Capellam sancte Maria in Silvaplana erwähnt. Dabei handelte es sich um eine Kapelle. Nach und nach entstand im Umkreis der Kapelle das Dorf.

Einige Daten:

  • Im Juni 1499 wurde das Dorf durch kaiserlich-habsburgische Truppen zerstört.
  • 1526 und 1530 wurde in der Gemeinde die Reformation eingeführt.
  • Im Jahr 1630 forderte die Pest 460 Tote.
  • Am 27. April 1764 wurde der äussere Teil des Dorfes durch Brandstiftung gänzlich zerstört.
  • 1898–1901 wurde die Umbrailstrasse gebaut. Mit ihrer Fertigstellung setzte der Tourismus ein.
  • Während des Ersten Weltkrieges wurde der Umbrail und seine Umgebung zur Überwachung der österreichisch-italienischen Frontlinie durch die Schweizer Armee genutzt.
  • Im Sommer 2003 wurden bei einem Grossbrand mehrere Häuser des Dorfkerns zerstört.

Kunst, KulturBearbeiten

Auf dem Umbrailpass kann man einen 30 km langen militärhistorischen Wanderweg begehen. Er führt den Besucher zu verschiedenen Stellungen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Zahlreiche Informationstafeln erklären sowohl die militärischen Anlagen als auch die Vorkommnisse an und neben der Front. Mitten im Dorf wurde im Haus der Jugendherberge (Chasa Plaz) ein Museum zur Geschichte der Grenzbesetzung 1914/18 eingerichtet.[5]

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Not Bott (* 14. Mai 1927 in Valchava, † 24. November 1998 in Poschiavo), Holzbildhauer. Kunst am Bau und Platzgestaltung[6]
  • Dario Cologna (* 11. März 1986) Skilangläufer und Olympiasieger

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Die reformierte Dorfkirche steht unter Denkmalschutz.
  • Hotel Ritterhaus Chasa Capol, ursprünglich Propstei des Klosters, heutiges Aussehen nach Erweiterungen und Umbauten des 16. und 17. Jahrhunderts[7]
  • Hotel Crusch Alba, Arventäfer um 1780[8]
  • Wohnhaus Ritter, heutiges Aussehen nach Umbauten des 17. Jahrhunderts[9]

LiteraturBearbeiten

  • Paul Eugen Grimm: Santa Maria Val Müstair. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  • Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625.
  • Anna Tuor-Mall, Gion Anton Tuor: Ja, damals … Das einfache Leben im Münstertal vor 100 Jahren. Familienbiografische Erzählungen. Hrsg. von der Biblioteca Jaura. Valchava 2018.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klimatabelle. In: meteoschweiz.admin.ch. meteoschweiz, abgerufen am 6. Dezember 2018.
  2. Einzug des Winters - Schneerekord im Münstertal. In: srf.ch. 17. November 2019, abgerufen am 18. November 2019.
  3. Rebekka Haefeli: Das Zwergspital im fernen Osten, in: Neue Zürcher Zeitung vom 25. Februar 2012, S. 17
  4. smallestwhiskybaronearth.com: Smallest Whisky Bar on earth, Zugriff am 26. Mai 2011
  5. stelvio-umbrail.ch: Stelvio-Umbrail 14/18-Mit uns in die Geschichte wandern, Zugriff am 26. Mai 2011
  6. Not Bott. In: Sikart
  7. Hotel Ritterhaus Chasa Capol
  8. Hotel Crusch Alba
  9. Wohnhaus Ritter