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GeografieBearbeiten

 
Ostseite der Herrgottsruh-Kapelle (geweiht 1719)
 
Pfarrkirche St. Nikolaus

Oberndorf a. Lech liegt in der Region Augsburg kurz vor der Mündung des Lech in die Donau.

Die Gemeinde hat fünf amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

Es existieren die Gemarkungen Eggelstetten und Oberndorf a.Lech.

GeschichteBearbeiten

HochmittelalterBearbeiten

Oberndorf wird im Jahr 1093 erstmals in einer Schenkungsurkunde urkundlich erwähnt.

Dabei wird ein Heinrich von Oberndorf als Zeuge aufgeführt.

Es ist anzunehmen, dass es sich bei Heinrich von Oberndorf um den Sohn von Berta und dem Pfalzgrafen von Tübingen handelt. Ob jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt eine Burg oder ein Schloss in Oberndorf stand, ist nicht bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung wurde von Walter Wolf aus Donauwörth übersetzt. Der Wortlaut der Urkunde ist im Buch anlässlich von „900 Jahre Oberndorf * Eggelstetten * Flein 1093–1993 – Bilder aus unserer Heimat“ mit 300 Jahren Häuserchronik von 1992 auf Seite 27 abgedruckt.

Die Marschälle von OberndorfBearbeiten

Pfarrer Heinrich Heldwein schreibt in seinem Buch „Aus vergangenen Tagen der Pfarrei Oberndorf“, dass schon um das Jahr 1000 ein bischöfliches Marschallamt in Oberndorf bestand, weil Mangold von Werth (Donauwörth) das Vogteiamt über die Lehenszugehörungen dieses Marschallamtes innegehabt hat. Adam Horn schreibt, Oberndorf wurde als oberes Dorf von Genderkingen aus besiedelt und benannt. Es erscheint früh als Sitz eines Adelsgeschlechtes, als dessen ältester Vertreter 1127 Marchward von Oberndorf genannt wird, der bald darauf als bischöflicher Ministeriale erscheint.

Bischof Siegfried II. wurde im Jahr 1077 vom König Heinrich zum Bischof von Augsburg erhoben. Im Buch von Friedrich Zoepfel steht, dass es denkbar wäre, dass er jenem Geschlecht zugehörte, aus dem sich die hochstiftischen Truchsessen von Donnersberg und Kühlental und die Reichsmarschalle von Rechberg abzweigten. In der Urkunde 198 des Bistums Augsburg, welche vom Besitz der Kirche in Flein berichtet, wird gleichfalls ein Salmann Siegfried von Donnersberg genannt.

Der Oberndorfer Ortsadel war seit 1150 Marschall der Bischöfe von Augsburg, seit 1386 besaßen sie auch das Truchsessenamt. Bis ins 15. Jahrhundert war Oberndorf im Besitz der Familie, 1533 verkaufte Wolf von Donnersberg Oberndorf mit allem Zubehör an die Fugger. Oberndorf am Lech wurde Obervogtamt der Grafen Fugger-Glött.

 
Gesamtansicht des Schlosses (Bild abfotografiert von Infotafel zum Tillyweg)
 
Schlossallee im Herbst

Herrschaft der FuggerBearbeiten

Mit dem Kauf des Schlosses von Oberndorf im Jahr 1533 durch Anton Fugger kam es mit den umliegenden Orten immer wieder zu Verhandlungen und Streitfällen. Das Patronatsrecht und den Kirchensatz von Eggelstetten erwarb das Haus Fugger im Jahre 1537, den von Oberndorf im Jahre 1539. Im Jahr 1576 wurde ein Vertrag zwischen der Herrschaft Oberndorf und der Stadt Rain geschlossen. Aus einer Originalurkunde ist die Einleitung des Vertrages zu lesen, die Übersetzung in heutiger Schrift folgt nachstehend.

„Zu Wissen und Kund sei allgemein, dass zwischen dem wohlgeborenen Herrn Marx Fugger, früher zu Kirchberg und Weißenhorn, als Inhaber der Herrschaft Oberndorf zum einen und dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt Rain von gemeiner Statt wegen anderteils beiderseits zu selber guter Gelegenheit folgende Verwechslung und gütlicher Vertrag auf ein stets unwiderrufliches Ende errichtet, abgeredet und beschlossen worden.“

In diesem Vertrag beschreibt die Herrschaft Oberndorf die Grenzen des Bayerngrießes und dem Fuggerwald. Als sogenannte Marksteine wird ein „koppelter Felber“, der Mühlbach, ein „zwuzleter Birnbaum, darin ist ein Kreuz gehauen“, drei Eichenmarkstellen, welche eine „Kröde nach über den Lech auf ein koppedes Birnbäumlein“ nennt, angegeben. Neben dem Bayergrieß wird auch von dem sogenannten Zankgrieß berichtet. Die Herrschaft Oberndorf besaß auch die Gerichtsbarkeit. Dies dürfte der Anlass zur Errichtung eines Schnellgalgens gewesen sein. An welcher Stelle dieser Galgen jedoch errichtet wurde, ist aus dem Brief von Kurfürst Ferdinand an Graf Fugger nicht ersichtlich. Aus einem Originaldruck wird die Einleitung des Briefes in der Übersetzung der Chronik von 1992 auf Seite 36 wiedergegeben.

Dreißigjähriger KriegBearbeiten

Bei der Schlacht bei Rain am Lech am 14./15. April 1632 kämpften die Truppen unter König Gustav II. Adolf von Schweden auf Oberndorfer Gemeindegebiet um den Lechübergang, was nach Verwundung und Rückzug der von Generalfeldmarschall Graf von Tilly geführten ligistisch-katholischen Truppen auch gelang. Oberndorf, Eggelstetten und Flein wurden bei den Schwedeneinfällen 1632 bis 1634 und 1645 bis 1648 zum allergrößten Teil zerstört.

Bayerische HerrschaftBearbeiten

Mit der Rheinbundakte 1806 kam der Ort zu Bayern. Diese Linie der Fugger unterwarf sich 1806 freiwillig. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde Oberndorf am Lech, bestehend aus den Ortsteilen Oberndorf am Lech, Eggelstetten und Flein.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Mai 1978 wurde im Rahmen der Gemeindegebietsreform die bis dahin selbständige Gemeinde Eggelstetten eingegliedert.[3]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1961: 1652 Einwohner[3]
  • 1970: 1850 Einwohner[3]
  • 1987: 1907 Einwohner
  • 1991: 2050 Einwohner
  • 1995: 2198 Einwohner
  • 2000: 2312 Einwohner
  • 2005: 2376 Einwohner
  • 2010: 2366 Einwohner
  • 2015: 2442 Einwohner

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeister ist Hubert Eberle. Er wurde im Jahr 2002 Nachfolger des derzeitigen Landrat des Landkreises Donau-Ries, Stefan Rößle (CSU), der von 1996 bis 2002 an der Gemeindespitze stand. Von 1978 bis 1996 war Franz Döschl (1941–2016) Bürgermeister.

GemeinderatBearbeiten

Nach der Wahl im März 2014 hat der Gemeinderat diese Zusammensetzung:

  • Dorfgemeinschaft Eggelstetten: 4 Sitze
  • Bündnis 90/Die Grünen: 3 Sitze
  • Wählergemeinschaft Oberndorf: 7 Sitze

SteuereinnahmenBearbeiten

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen 1.689 T€ (Jahr 2012), davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) 464 T€.

WappenBearbeiten

Die Wappenbeschreibung lautet: In Silber drei oben gezinnte blaue Balken, im Ganzen belegt mit einer heraldischen goldenen Lilie.

GemeindepartnerschaftenBearbeiten

  • Costermano in Italien (seit 1989)
  • Enge freundschaftliche Beziehung besteht mit der Brigade Kainuu im finnischen Kajaani (keine offizielle Partnerschaft).
 
Kirche St. Margareta, Eggelstetten

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Wirtschaft einschließlich Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

Es gab 2013 nach der amtlichen Statistik 426 Beschäftigte am Arbeitsort Oberndorf und 947 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort. Die Zahl der Auspendler überwog um 521 Personen. 2010 bestanden 30 landwirtschaftliche Betriebe. Vom Gemeindegebiet mit 1936 ha waren 1299 ha (67,1 %) landwirtschaftlich genutzt. Die Waldfläche betrug 295 ha (15,2 %), Gebäude- und Freifläche waren 135 ha (7,0 %).

BildungBearbeiten

Es gibt folgende Einrichtungen (Stand 2014):

  • zwei Kindertageseinrichtungen mit 73 Plätzen und 62 betreuten Kindern
  • eine Grundschule mit vier Klassen und 79 Schülern

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Heldwein, Aus vergangenen Tagen der Pfarrei Oberndorf mit Eggelstetten und Flein, 1. Auflage Donauwörth, 1928, 2. erweiterte Auflage Oberndorf, 1980
  • Heimatverein Oberndorf-Eggelstetten-Flein e. V., 900 Jahre Oberndorf Eggelstetten Flein 1093–1993 | Bilder aus unserer Heimat mit 300 Jahren Häuserchronik, 1992
  • Mina Cyrus und Franz Wagner, Der Baurastand in Gottes Hand | Mundartgedichte aus dem Roiner Lechschpitzländle, 1982

WeblinksBearbeiten

  Commons: Oberndorf am Lech – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Oberndorf in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 1. September 2019.
  3. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 794.
  4. Biographie im Österreichischen Biographischen Lexikon