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Melnikowo (russisch Мельниково, deutsch Rudau, Kreis Fischhausen/Samland, litauisch Rūdava) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Selenogradsk. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Selenogradsk. Zu Melnikowo gehört auch die 1904 nach Rudau eingemeindete Ortsstelle Jaxen.

Siedlung
Melnikowo
Rudau

Мельниково
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Selenogradsk
Gegründet 1258
Frühere Namen Rudowe (bis 1404),
Rudaw (nach 1565),
Rudau (bis 1947)
Bevölkerung 791 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 23 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40150
Postleitzahl 238541
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 215 804 018
Geographische Lage
Koordinaten 54° 52′ N, 20° 28′ OKoordinaten: 54° 52′ 28″ N, 20° 27′ 39″ O
Melnikowo (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Melnikowo (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
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Lage in der Oblast Kaliningrad

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Melnikowo liegt 17 Kilometer nördlich der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) und neun Kilometer südlich der Kreisstadt Selenogradsk (Cranz) am Flüsschen Slawnaja (Kintaubach). Durch den Ort führt eine Nebenstraße, die Kaschtanowka (Mollehnen) an der russischen Fernstraße A 191 (ehemalige deutsche Reichsstraße 128) mit Nisowka (Nadrau) verbindet. Kaschtanowka ist auch die nächste Bahnstation und liegt an der Bahnstrecke Kaliningrad–Selenogradsk–Pionerski (Königsberg–Cranz–Neukuhren).

OrtsnameBearbeiten

Der Name Rudau leitet sich vermutlich vom prußischen rūda für rotbraun ab und dürfte etwa „rostiger oder farbiger Pfuhl“ bedeuten.

Der Name Melnikowo leitet sich vom russischen melniza für Mühle ab und bezog sich auf die Rudauer Mühle und die Laptauer Mühle, die sich beide in dem 1947 eingerichteten Dorfsowjet Melnikowski befanden.

GeschichteBearbeiten

RudauBearbeiten

 
Rudau nordwestlich von Königsberg und südlich des Kurischen Haffs auf einer Landkarte von 1910.
 
Ansicht von Rudau um etwa 1842.

Das alte Kirchdorf Rudau wurde 1258 gegründet und 1274 erstmals urkundlich erwähnt.[2][3] Die Gegend um Rudau war bereits im ersten Jahrtausend vor Christus bewohnt. Auf einer Opferstelle der von Prußen (in ihrer Sprache bedeutet der Ortsname Rudowe/Rudau so viel wie „rostiger bzw. farbiger Pfuhl“) besiedelten Region errichtete 1274 der Deutsche Orden eine Burg. 1291 wurde Rudau mit einem Krug und einer Mühle einem Ulmann verschrieben. Die verlustreiche Schlacht bei Rudau fand am 17. Februar 1370 während der Litauerkriege zwischen dem Orden und dem Großfürstentum Litauen in der nördlichen Gegend von Rudau statt. Ein 1670 erwähnter Amtskrug hieß 1791 „Blauer Krug“. Am 4. September 1797 zerstörte ein Feuer nahezu das gesamte Dorf, wobei innerhalb von wenigen Minuten 23 Gebäude, darunter die mit der Ernte gefüllten Scheunen, abbrannten.

Am 13. Juni 1874 wurde Rudau Sitz und namensgebender Ort eines neu errichteten Amtsbezirks,[4] der zum Landkreis Fischhausen (1939 bis 1945 Landkreis Samland) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1910 lebten in Rudau 577 Einwohner.[5]

Bereits am 27. November 1896 wurde Rudau durch die Eingliederung der Besitzung Heybüchen (heute nicht mehr existent) vergrößert. Es folgte am 25. Juni 1904 die Eingemeindung des Gutes Jaxen, am 26. September 1905 die des Gutes Sandhof (nicht mehr existent) und am 30. September 1928 des Gutsbezirks Backeln (heute russisch: Kudrinka). Die Einwohnerzahl stieg bis 1933 auf 1.010 und betrug 1939 bereits 1.052.[6]

JaxenBearbeiten

Das frühere Gutsdorf Jaxen[7] bestand vor 1945 lediglich aus einem großen Hof. Hier lebten 1895 36 Menschen[8]. Am 13. Juni 1874 kam das Dorf zum neu gebildeten Amtsbezirk Laptau[9] (heute russisch: Muromskoje), der im Landkreis Fischhausen im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen lag. Am 2. Oktober 1903 wurde amtlich festgestellt, dass Jaxen ein Teil des Gutsbezirks Grünhoff (heute russisch: Roschtschino) sei. Nur wenige Monate später – am 25. Juni 1904 – wurde Jaxen in den Amtsbezirk Rudau (Melnikowo) um- und in die Landgemeinde Rudau eingegliedert.

Amtsbezirk Rudau (1874–1945)Bearbeiten

Zum Amtsbezirk Rudau gehörten anfangs vier Ortschaften:[4]

Deutscher Name Russischer Name Bemerkungen
Landgemeinde:
Rudau Melnikowo
Gutsbezirke:
Heybüchen 1896 in die Landgemeinde Rudau eingegliedert
Maldaiten Fjodorowo 1926 in die Landgemeinde Rudau eingegliedert
Sandhof
ab 1904: Jaxen Melnikowo bis 1904: Amtsbezirk Laptau,
1904 in die Landgemeinde Rudau eingegliedert
ab 1928: Backeln Kudrinka bis 1928 Amtsbezirk Schugsten,
1928 in die Landgemeinde Rudau eingegliedert

Bedingt durch die verschiedenen Umstrukturierungen gehörte am 1. Januar 1945 nur noch die Gemeinde Rudau zu dem nach ihr benannten Amtsbezirk.

MelnikowoBearbeiten

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Rudau mit dem gesamten nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1947 den Namen Melnikowo.[10] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Primorsk. Nach Auflösung des Dorfsowjets im Jahr 1959 gelangte der Ort in den Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Muromski selski Sowet (okrug). Von 2005 bis 2015 gehörte der Ort zur Landgemeinde Kowrowskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Selenogradsk.

Melnikowski selski Sowet 1947–1959Bearbeiten

Der Dorfsowjet Melnikowski selski Sowet (ru. Мельниковский сельский Совет) wurde im Juni 1947 im Rajon Primorsk eingerichtet.[10] Im Jahr 1959 wurde der Dorfsowjet aufgelöst und weitgehend in den neugebildeten Muromski selski Sowet eingegliedert (Nisowka und Wassilkowo gelangten in den Wischnjowski selski Sowet).[11]

Folgende 19 Orte gehörten zum Dorfsowjet:

Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung
Fjodorowo (Фёдорово) Maldaiten 1950
Iskrowo (Искрово) Ringels 1950
Karassino (Карасино) Wittehnen 1947
Kaschtanowka (Каштановка) Mollehnen 1947
Kortschagino (Корчагино) Tiedtken 1950
Krasnoflotskoje (Краснофлотское) Korben 1947
Kudrinka (Кудринка) Backeln 1947
Melnikowo (Мельниково) Rudau 1947
Motewelowo (Мотевелово) Mogahnen 1947
Nadeschdino (Надеждино) Gersthenen 1950
Nisowka (Низовка) Nadrau 1947
Priosjornoje (Приозёрное) Gidauten 1947
Saschtschitnoje (Защитное) Georgshöhe 1950
Serjoschkino (Серёжкино) Sergitten 1950
Sirenewo (Сиренево) Eisselbitten 1950
Swjaginzewo (Звягинцево) Waschke 1950
Wassilkowo (Васильково) Kirschnehnen 1947
Werschinino (Вершинино) Pluttwinnen 1947
Wetrowo (Ветрово) Ekritten 1947

Burg RudauBearbeiten

Bei Rudau gab es eine Wallburg,[12] zu der eine nahegelegene Opferstelle gehörte. Hier errichtete der Deutsche Orden um 1263[13] ein festes Haus, das zu einer Burganlage erweitert wurde. Es gibt so gut wie keine Nachrichten über diese Burg, auch nicht über ihren Verfall. Im Jahre 1723 fand man nur noch wenige Mauerstücke, die vielleicht auf Fundamentenreste im Erdreich hinweisen.

KircheBearbeiten

KirchengebäudeBearbeiten

Von Kaschtanowka (Moellehnen) kommend, stößt die Straße direkt auf die auf einer kleinen Anhöhe gelegene Ordenskirche aus dem 14. Jahrhundert, umgeben von dem früheren Friedhofsgelände. Bereits 1370 stand hier eine Kapelle. Bei der Kirche handelt es sich um einen verputzten Feldsteinbau. Im Innern befand sich die Rüstung des Ordensmarschalls Henning Schindekopf, der bei der Schlacht bei Rudau fiel. Teile dieser Rüstung sollen später in die Quednauer Kirche verbracht worden sein.

Bis in die 1980er Jahre fand die Rudauer Kirche, die im Zweiten Weltkrieg unzerstört blieb, Nutzung als Getreidelager und -trocknungshalle. Danach wurde das Gebäude aufgegeben. Heute sind nur noch die stark einsturzgefährdeten Außenmauern des Turms und des Kirchenschiffes ohne Überdachung erhalten.

KirchengemeindeBearbeiten

Rudau soll bereits vor 1321 unbestätigten Berichten zufolge ein Kirchdorf gewesen sein. Aus vorreformatorischer Zeit liegen keine Nachrichten vor. Die reformatische Lehre hielt hier recht früh Einzug. Lange Jahre war die Pfarrei dann Teil der Inspektion Schaaken (heute russisch: Schemtschuschnoje). Bis 1945 war sie dann aber in den Kirchenkreis Königsberg-Land II (nördlich des Pregels) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Heute liegt Melnikowo im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Selenogradsk (Cranz), einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[14] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchspielorte (bis 1945)Bearbeiten

Zum Kirchspiel Rudau gehörten bis 1945 30 Orte[15]:

Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name
Adamsheide Michelau Kamenka
Blaublum Mogahnen Motewelowo
Dammwalde Nadrau Nisowka
Dollkeim Kowrowo Nautzau Kowrowo
Eisselbitten Sirenewo Pluttwinnen Werschinino
Ekritten Wetrowo Perkuiken
Friedrichswalde Kolzowo Ringels Iskrowo
Georgshöhe Saschitnoje Rudau Melnikowo
Gersthenen Nadeschdino Sandhof
Grünhoff Roschtschino Saßlauken
Heybüchen Sergitten Serjoschkino
Jaxen Melnikowo Sporwitten
Kirschnehnen Wassilkowo Tiedtken Kortschagino
Kemsie Weischkitten Sokolniki
Maldaiten Fjodorowo Wittehnen Karassino

Pfarrer (bis 1945)Bearbeiten

Von der Reformation bis 1945 amtierten in Rudau 27 evangelische Geistliche[16]:

  • NN., 1525
  • Kilian Torner, 1533–1537
  • Peter Nimptsch, 1541–1542
  • Ambrosius Talau, 1552
  • Peter Sonn, 1563
  • Johann Zimmermann, 1571–1580
  • Johann Marckstein, 1580–1605
  • Paul Biber, 1605–1642
  • Friedrich Vetter, 1642–1660
  • Reinhold Röder, 1660–1674
  • Gerhard Groskopf, 1675–1679
  • Nelchior Günther, 1679–1701
  • Sigismund Pölcke, 1701–1729
  • Ernst Boguslaw Biland, 1729–1736
  • Johann Christian Stürtz, 1736–1742
  • Christian Theophil Geier, 1742–1752
  • Ludwig Christoph Eicke, 1752–1759
  • Friedrich Gerhard Paarmann,
    1759–1806
  • Karl Ludwig Harnack, 1806–1827
  • Johann Brandt, ab 1827
  • Friedrich A. Brausewetter, ab 1845
  • Carl Samuel Heinrich Büttner, 1849–1858
  • Carl Eugen Weiß, 1859–1887
  • Hans Carl Willy Gerlich, 1888–1905
  • Cäsar Hugo E. Otto Korth, 1906–1923
  • Bruno Gohr, 1924–1938
  • Hans Tolkiehn, 1939–1945

KirchenbücherBearbeiten

Von den Kirchenbüchern für das Kirchspiel Rudau haben sich die Dokumente über die Taufen zwischen den Jahren 1833 und 1876 erhalten. Sie werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt.[17]

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

  • Karl Kollwitz (* 13. Juni 1863 in Rudau, † 1940), Berliner Armenarzt, Stadtverordneter (SPD) sowie Ehemann der Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz.

Mit dem Ort verbundenBearbeiten

  • Albert Borowski (1876–1945), deutscher sozialdemokratischer Politiker, lebte nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten in Rudau und kam hier beim Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945 ums Leben.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Rudau
  3. Geschichte von Rudau und hiesige preußische Wallanlagen bei ostpreussen.net
  4. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Rudau
  5. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Samland. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Jaxen
  8. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen
  9. Rolf Jehke, Amtsbezirk Laptau
  10. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  11. Information auf http://www.klgd.ru
  12. Johannes Voigt: Geschichte Preußens, von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Band 5: Die Zeit vom Hochmeister Ludolf König von Weizau 1342 bis zum Tode des Hochmeisters Konrad von Wallenrod 1393. Königsberg 1832, S. 506.
  13. Friedrich August Voßberg: Geschichte der Preußischen Münzen und Siegel von den ältesten Zeiten bis zum Ende der Herrschaft des Deutschen Ordens. Berlin 1843, S. 34..
  14. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info (russisch/deutsch)
  15. Patrick Plew, Die Kirchen im Samland
  16. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 123
  17. Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin, 1992³, Seite 103

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten