Maria, Hilfe der Christen (Spandau)

Kirchengebäude in Berlin

Maria, Hilfe der Christen ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im Berliner Ortsteil Spandau. Sie steht in der Flankenschanze 43 an der Ecke Galenstraße und wurde in den Jahren 1908 bis 1910 erbaut. Mit dem Pfarrpatrozinium Maria, Hilfe der Christen (lateinisch: Auxilium Christianorum) wurde ein mittelalterliches Attribut Mariens aufgegriffen, das auch zu den Anrufungen der Lauretanischen Litanei zählt. Das Bauwerk steht heute unter Denkmalschutz.

Marien von Südwesten

GeschichteBearbeiten

 
Pfarrhaus und Kirche, 2011

Bis 1900Bearbeiten

Eine katholische Pfarrgemeinde bestand in Spandau bereits im Mittelalter. 1239 übertrugen die askanischen Markgrafen Johann I. von Brandenburg und Otto III., dem Frommen das Kirchenpatronat über St. Nikolai, das Recht zur Besetzung von Pfarrstellen mit einem Priester, an das von ihnen gegründete Benediktinerinnenkloster St. Marien unmittelbar südlich der Stadt. Infolge der Reformation, die Spandau 1539 erreichte, wurde die Pfarrkirche St. Nikolaus protestantisch, das Kloster erlosch mit dem Tod der letzten Nonne gegen Ende des 16. Jahrhunderts, die Gebäude einschließlich der Kirche wurden 1636 abgerissen.

 
Grabkreuz des letzten Dominikaners, P. Joseph Groß, Pfarrer von 1775 bis 1825, an der Ostseite der Kirche

Die nachreformatorische Geschichte der Pfarrei begann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Katholische Arbeiter der Spandauer Gewehrfabrik – mit Familienangehörigen etwa 200 Personen –, die in der belgischen Stadt Lüttich angeworben wurden, forderten freie Religionsausübung an ihrem neuen Wirkungsort. Diese wurde ihnen durch königlich-preußisches Dekret von 1722 zugesichert, verbunden mit einer Pfarrstelle. Die Forderung, eigenes Bier brauen zu dürfen, hatte der König allerdings abgelehnt.[1] Ein erster einfacher Kirchbau in Fachwerkbauweise entstand 1723 auf dem „Gewehrplan“ außerhalb der Innenstadt, in der Nähe der Zitadelle. Der erste Seelsorger war der Dominikanerpater Ludovicus Belo (Belau) aus dem Konvent in Wesel. Spandau war anfangs eine Missionsstation, ein kleiner Seelsorgeposten in der Diaspora, und unterstand dem Apostolischen Vikariat des Nordens. Bis zur Auflösung der Klöster infolge der Säkularisation um das Jahr 1810 waren die Seelsorger Dominikaner, danach Diözesanpriester. Der letzte Dominikaner, P. Joseph Groß, blieb als Diözesanpriester bis zu seinem Tod 1825 in Spandau; er war insgesamt 50 Jahre hier Pfarrer und wurde auf dem Friedhof neben der Kirche auf dem Gewehrplan beigesetzt. Als der Friedhof 1912 von Industriebauten überbaut wurde, wurde sein eisernes Grabkreuz an der neu erbauten Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen aufgestellt, wo es noch heute außen an der östlichen Seitenwand zu sehen ist.[2] Durch die Bulle De salute animarum nahm Papst Pius VII. 1821 im Rahmen der Neuumschreibung der katholischen Diözesen in Deutschland nach dem Wiener Kongress eine Neuordnung der Diözesen und Kirchenprovinzen in Preußen vor; Spandau ging vom Apostolischen Vikariat des Nordens in die Fürstbischöfliche Delegatur für Brandenburg und Pommern des Bistums Breslau über und wurde Pfarrei; seit den 1820er-Jahren amtierte ein Kirchenvorstand.[3]

Nachdem auch durch die in Spandau ansässige Garnison vermehrt katholische Soldaten zuzogen, wurde 1847/1848 mit St. Marien am Behnitz eine größere Kirche zwischen der Zitadelle und der Altstadt errichtet. Die Gemeinde umfasste damals etwa 1000 Personen. Das Patrozinium dieser Marien-Kirche erinnert an das Benediktinerinnenkloster.[4] Von den 1830er-Jahren bis 1874 war die jährliche Spandauer Prozession ein bedeutendes religiöses Ereignis. An der eucharistischen Prozession am Sonntag nach Fronleichnam beteiligten sich auch zahlreiche Gläubige aus Berlin und Charlottenburg, sodass sie als „wichtigste Feier des Diasporakatholizismus in der preußischen Hauptstadt“ angesehen werden kann. 1875 wurde sie wegen des preußischen Kulturkampfs nicht mehr genehmigt.[5]

Kirchbau und weitere EntwicklungBearbeiten

Um 1900 lebten rund 9000 Katholiken in Spandau, die Gemeinde war vor allem infolge der Auflassung der Festung und der darauf folgenden Industrialisierung erheblich angewachsen, vor allem durch Zuwanderung aus den katholischen preußischen Ostprovinzen. Die Kirche am Behnitz, die mit 350 Sitzplätzen für 750 Gemeindemitglieder zum Zeitpunkt ihrer Erbauung ausreichend war, war nun zu klein geworden. Deshalb wurde eine größere Kirche gebaut – an anderer Stelle, weil denkmalpflegerische Überlegungen und der moorige Untergrund den Abriss und einen größeren Neubau am alten Platz nicht zuließen. 1904 entstand hierzu ein Kirchbauverein, der Spenden für den Kirchbau sammelte. St. Marien am Behnitz wurde 1907 oder 1910 an das Militär verkauft, wodurch weitere Geldmittel für einen Neubau zur Verfügung standen. Man erwarb ein 10.634 m² großes Baugrundstück von den Rachwitzsch’schen Erben am Askanierring Ecke Moltkestraße (heute: Flankenschanze Ecke Galenstraße), damals knapp außerhalb der Bastionen.

 
Ansicht nach der Fertigstellung, 1910
 
Äußeres von Nordwesten, vorn rechts das Pfarrhaus

Am 4. Oktober 1908 begannen die Arbeiten auf dem Kirchbaugrundstück, im Winter ruhten sie. Wegen des schlechten Baugrunds mussten die Bodenfundamente verstärkt werden. Feierliche Grundsteinlegung durch den Fürstbischöflichen Delegaten Prälat Carl Kleineidam war am Fest Christi Himmelfahrt, dem 20. Mai 1909, das Richtfest am 5. Dezember 1909.[6] Bereits am 30. Oktober 1910 konnte der Fürstbischof von Breslau, Georg Kardinal von Kopp, zu dessen Erzbistum Spandau damals gehörte, die Kirchweihe vornehmen. Die Kosten des Gebäudes einschließlich des Grundstücks beliefen sich auf 650.000 Mark.[7]

Im Dezember 1925 wurde die Kirchturmspitze durch Blitzschlag schwer beschädigt. Am 6. Oktober 1944 war die Kirche bei einem Fliegerangriff, bei dem neun Bomben auf das Kirchengrundstück fielen, so stark zerstört worden, dass die englische Militärregierung später die Sprengung anordnete. Diese konnte jedoch abgewendet werden. Die Gottesdienste fanden vorübergehend wieder in St. Marien am Behnitz statt. 1946 wurde das Kirchengrundstück in Eigenleistung von Gemeindemitgliedern enttrümmert, 1948 begannen die Wiederaufbauarbeiten, die sich bis 1952 hinzogen; Richtfest war am 10. Oktober 1950. Treibende Kräfte waren Pfarrer Geistlicher Rat Willy Nawroth und Oberbaurat Felix Lukanek. Am 22. Mai 1952 wurde die Kirche nach der Altarweihe durch den Berliner Bischof Wilhelm Weskamm in ihrer früheren Gesamtgestalt wieder für Gottesdienste in Gebrauch genommen.[8] Die Ausmalung wurde jedoch nicht erneuert, die Wände sind jetzt glatt weiß. Ab 1968 erfolgte eine Umgestaltung der Ausstattung in Folge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils; in dieser Zeit feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste für mehrere Jahre ebenfalls wieder in der Kirche St. Marien am Behnitz.[9]

Mit steigenden Zahlen von Katholiken wurden in den 1920er Jahren weitere Seelsorgestellen eingerichtet und im Laufe der Zeit als selbständige Pfarreien ausgegliedert: in Siemensstadt (1919), Staaken, Döberitz und 1928 in Hakenfelde. Seit 1930 gehört die Pfarrei zu dem in dem Jahr errichteten Bistum Berlin (seit 1994 Erzbistum).

Am 31. Oktober 2003 fusionierte die Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen aus finanziellen Überlegungen auf Seiten des Erzbistums Berlin mit der Nachbarpfarrei St. Lambertus (Hakenfelde). Diese Gemeinde war 1928 als Kuratie St. Elisabeth im Elisabethheim entstanden und 1975 als selbstständige Pfarrei St. Lambertus von Maria, Hilfe der Christen abgetrennt worden. Die fusionierte Pfarrei trägt den Titel Katholische Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen. Seit 2003 finden auch wieder Gottesdienste in der Kirche St. Marien am Behnitz statt, die inzwischen in privater Hand ist.

Seit dem 5. März 2018 bildet die Pfarrei mit den Pfarreien St. Joseph in Siemensstadt, St. Konrad von Parzham in Falkensee sowie St. Johannes der Täufer Dallgow-Döberitz (Pfarrei St. Marien, Brieselang) den Pastoralen Raum „Spandau-Nord/Falkensee“, um eine Fusion zu einer einzigen Pfarrei vorzubereiten, die voraussichtlich zum 1. Januar 2023 vollzogen wird.[10]

ArchitekturBearbeiten

 
Längsschnitt (Christoph Hehl)
 
Grundrisse (Erdgeschoss und in Höhe der Orgelbühne)
 
Inneres mit Ausmalung, 1935
 
Das Innere, 2011
 
Die Orgel im Turm an der Südseite der Kirche

Den Entwurf zur Kirche erstellte der Architekt Christoph Hehl, Professor an der Technischen Hochschule Charlottenburg. Die Vorgaben des Kirchenvorstands verlangten, dass von einer möglichst großen Zahl von Plätzen aus Altar und Kanzel gesehen werden konnten.

In neuromanischer Backsteinbauweise – wie auch das benachbarte Pfarrhaus – entstand ein überkuppelter Zentralbau über einem kreuzförmigen Grundriss in ungefährer Nord-Süd-Ausrichtung. Wegen des Zuschnitts des Baugrundstücks war eine Ostung der Kirche nicht möglich. Insgesamt ist der Baukörper außen und innen vielgestaltig.[16]

Die gewölbte Kuppel des zehneckigen Zentralbaus ruht auf vier Säulen und sechs Pfeilern mit 20 oberen Fenstern. Die Kuppel hat einen Durchmesser von 20,20 m bei einer inneren Höhe von 25 m und einer äußeren Höhe von 33 m. Auf der nördlichen Seite der Kirche sind drei Konchenkapellen oder Apsiden für den Hauptaltar und ursprünglich zwei Nebenaltäre angegliedert, auf der anderen Seite eine etwa 12 m lange zweijochige basilikale Vorhalle mit Orgelempore. Die Vorhalle öffnet sich östlich zu einer rechteckig angebauten Betkapelle und westlich zu einer halbrunden Taufkapelle. Zwei kurze Querschiffe ergänzen die Kreuzform. Durchbrüche von den Querarmen zu den seitlichen Konchen und zur Vorhalle ergeben um den Zentralbau einen Umgang für Prozessionen, da zur Zeit des Kirchbaus die Abhaltung von Prozessionen außerhalb von Kirchen im Preußischen Reich nicht gestattet war.[17] Die Durchdringung von Zentralbau und Kreuzgrundriss und die angegliederte Dreikonchenanlage stellen eine Spezialität des Architekten Christoph Hehl dar, der sich frei historisierend am Formenvokabular mittelalterlicher und antiker Bauten orientierte, das er gut kannte.[18]

Südlich ist dem Gebäude ein fünfgeschossiger Kirchturm auf quadratischem Grundriss von 10 m × 10 m mit einer Höhe von 52,5 m[19] angebaut, der von einem achteckigen kurzen Helm gekrönt wird, dessen Unterbau von runden Ecktürmchen und Ziergiebeln flankiert wird. Beidseitig sind dem Turm Anbauten mit den Nebeneingängen angegliedert, deren Schrägdächer mit dem zweiten Geschoss des Turmes abschließen. Die Fassade ist durch weiße Putzflächen als Blenden, durch Giebelrosetten und Formsteine im Anklang an märkische Ziegelbauten gegliedert. Kirche und Turm wurden als Ziegelmauerwerk aus Hintermauerungssteinen im Klosterformat erstellt und mit Handstrichsteinen verblendet.[17]

Das Kuppelgewölbe des zentralen Hauptbaus unter einem stählernen Zeltdach war ursprünglich gemauert. Beim Wiederaufbau nach der Kriegszerstörung wurde es als aus zehn 10 m langen Rippen konstruiert, die als Stahlbetonfertigteile, genau wie der obere Druckring, an Ort und Stelle im Innern des Kirchenraums hergestellt wurden. Am Fußende der Rippen verläuft ein Stahlbetonband als Ringanker, der den Gewölbeschub aufhebt und die Lasten senkrecht ins Mauerwerk leitet. Das Verfahren der Herstellung der Kuppelrippen wurde erstmals in Berlin angewendet.[20] Im Inneren werden Gewölberippen nachempfundene schmale, aus Ziegeln gemauerte Säulen in den Winkeln des Zehnecks bis auf die Kapitelle der Säulen und Pfeiler des Kirchenraumes herabgeführt.

Die vier Säulen im Zentralbau und die sechs Säulen in der Vorhalle sind mit roten Ziegeln verblendet, die Pfeiler gehen in das Wandmauerwerk über und sind glatt hell verputzt.

AusstattungBearbeiten

Die Innenausstattung ist durch Kriegseinwirkung weitgehend zerstört. Sie folgte dem Konzept des Baumeisters Hehl. Die farbige Wandgestaltung durch den Maler Theodor Nüttgens erfolgte von März bis Oktober 1921. Die Ausmalung war in Blau und Gelb gehalten, in der Altarapsis in leuchtendem Rot. Dargestellt waren im Altarraum das Lamm Gottes, unter den oberen Fenstern im Zentralbau das irdische Marienleben von der Geburt Mariens bis zu ihrer Aufnahme in den Himmel. Die einzelnen Szenen sind in historisierender Darstellung in eine märkische Umgebung versetzt. Darunter verlief ein Spruchband, der deutsche Text war der Beginn des Magnificat: „Hochpreise meine Seele den Herrn und mein Geist frohlocke in Gott meinem Heilande. Denn er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd. Denn siehe von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter.“ Lukas 1,46-48 EU. Die Kuppel mit den Fenstern war als Himmel ausgemalt, musizierende Engel umrahmten die Darstellung die Himmelfahrt und Krönung Mariens, Heilige sind auf die Szene hin ausgerichtet. Die geplante Darstellung eines Kreuzwegs im Querschiff und im Langhaus musste wegen der Inflation unterbleiben.[16]

Nach dem Wiederaufbau blieb die Innenausstattung zunächst provisorisch. Ab 1968 erfolgte die Neugestaltung nach den Vorgaben der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils durch den Berliner Architekten Georg Schönfeld. Der neue blockhafte Altar aus Anröchter Dolomit wurde zum Zentralbau vorgezogen; er wurde gestaltet von Paul Brandenburg und am 17. Mai 1969 geweiht. Ambo und Priestersitz wurden gleichzeitig in entsprechender Gestaltung hinzugefügt und durch einen siebenarmigen Leuchter in Bronze ergänzt. Die bronzene Kreuzigungsgruppe in der Mittelapsis ist ein Neuguss der im Krieg zerstörten Figuren von Josef Limburg, die zum früheren Hochaltar gehörten. Da die Gussformen noch existierten, konnten sie neu gegossen und in die Gestaltung einbezogen werden. Die linke Seitenapsis nahm einen neuen Tabernakel mit vergoldeter Kupferverkleidung, gestaltet von Georg Schlüter, auf, der in seiner Form der Kuppelgestalt der Kirche nachempfunden ist. In der rechten Seitenapsis wurde der alte Taufstein von 1910 mit der Widmung Stiftung Stadt Spandau 1910 aufgestellt. Hinter Tabernakel und Taufstein füllen zwei abstrakte „Meditationsbilder“ die ansonsten monochromen weißen Wände. Diese Bilder stammen von dem Künstler Gerhard Köhler (* 5. September 1923; † 23. Januar 1974) und sind in Seccomalerei ausgeführt. Das Bild hinter dem Tabernakel trägt den Titel Cherubim, das auf der Rückwand des Taufsteins Durchzug durch das Rote Meer Exodus 14,21-31 EU.

Von 2000 bis 2006 wurden abstrakte farbige Glasfenster von Johannes Beeck aus Nettetal eingesetzt; die Fenster in den Seitenwänden haben rote Ornamentik, die in der Kuppel blaue. 51 dieser Fenster finanzierte der Verein der Freunde der St. Marien-Kirche e. V. aus Spenden, zwölf weitere wurden privat gestiftet. Zwei Galvanoplastiken der heiligen Maria und des heiligen Josef aus der Anfangszeit der Kirche, 1910 geschaffen vom Bildhauer Heinrich Pohlmann, die die Kriegszerstörung überstanden haben, wurden restauriert und sind wieder in der Kirche aufgestellt.[21]

OrgelBearbeiten

Die erste Orgel von 1910 wurde erbaut von der Orgelbaufirma Anton Feith in Paderborn. Nach der Zerstörung wurde 1959 eine neue Orgel durch denselben Orgelbauer erstellt. Sie verfügt über 30 Register auf drei Manualen und Pedal, elektropneumatische Kegelladen und eine Crescendo-Walze.

GlockenBearbeiten

Im Turm hängen heute zwei Bronzeglocken.[22] Ursprünglich bestand das Geläut aus vier Glocken, gestimmt auf die Töne b, des, es, f (Präfationsmotiv). Die Glocken waren im Jahr 1910 von Glockenmeister Otto aus Hemelingen gegossen worden und wurden zu Weihnachten, am 25. Dezember 1910, zum ersten Mal geläutet. Im Ersten Weltkrieg musste die Gemeinde die drei größeren Glocken abgeben, die im Februar 1918 eingeschmolzen wurden. Sie wurden nach dem Krieg im Jahr 1927 durch drei neue Glocken ersetzt, wiederum von der Firma Otto in derselben Stimmung und annähernd gleich schwer gegossen. Erstmals geläutet wurden sie am 13. Juni 1927[23][24] Im Zweiten Weltkrieg mussten diese 1942 erneut abgeliefert werden und wurden eingeschmolzen. Nur eine der ursprünglichen Glocken, die dem heiligen Karl Borromäus geweihte kleinste, kehrte nach Spandau zurück. 1960 wurde eine zweite Glocke der Gießerei Rudolf Perner in Passau angekauft.[25][26]

Pfarrgemeinde Maria, Hilfe der ChristenBearbeiten

Die Pfarrgemeinde gehört heute zum Dekanat Spandau des Erzbistums Berlin und bildet mit den Pfarrgemeinden St. Joseph (Berlin-Siemensstadt) und St. Konrad von Parzham (Falkensee) den Pastoralen Raum Spandau-Nord/Falkensee, die Fusion zu einer einzigen Pfarrei ist für 2022 vorgesehen.[29]

Zur Gemeinde gehört das Gemeindezentrum St. Lambertus in Hakenfelde. Ferner liegt im Gemeindegebiet die private Kirche St. Marien am Behnitz, in der ebenfalls Gottesdienste stattfinden. Die Pfarrgemeinde ist Trägerin einer viergruppigen Kindertagesstätte neben der Pfarrkirche und des St.-Elisabeth-Seniorenheims in der Waldsiedlung Hakenfelde. Im Pfarrheim in der Galenstraße gibt an drei Tagen in der Woche die Suppenküche von St. Marien ein Mittagessen an jeweils 50–80 Bedürftige aus. Die Katholische Schule Bernhard Lichtenberg am Hohenzollernring besteht seit 1967 in Trägerschaft des Erzbistums Berlin und nimmt die Tradition einer katholischen Schule in Spandau auf, die 1848 gegründet und 1938 von den Nationalsozialisten geschlossen worden war.

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Förster: 250 Jahre Katholische Kirche in Spandau. Berlin 1973.
  • Christine Goetz: Souveräner Umgang mit Baugeschichte. Maria, Hilfe der Christen, Berlin-Spandau. In: Christine Goetz, Constantin Beyer: Stadt. Land. Kirchen. Sakralbauten im Erzbistum Berlin. Kunstverlag Josef Fink, Berlin 2018, ISBN 978-3-95976-101-7, S. 58 f.
  • Gunther Jahn: Sakralbauten. St. Marien–Kirche. In: ders.: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1971, S. 181–185.
  • Kath. Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Maria, Hilfe der Christen Berlin-Spandau 1910–2010, Oranienburg (WMK-Druck) o. J. [2010], darin Beiträge von Martin Recker. (Geschichte), Felix Lukanek (Zerstörung und Wiederaufbau) und Christine Goetz (Architektur und Kunst); verantwortlich: Pfr. Matthias Mücke; Konzept und Redaktion: Lilo Heusler.
  • Franz Kohstall: Geschichte der Katholischen Pfarrgemeinde zu Spandau. Ein Beitrag zur 50 jährigen Jubelfeier der Pfarrkirche St. Maria am 13. November 1898. Commissions-Verlag der Germania, Berlin o. J. [1898] (112 S.)
  • Franz Kohstall: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Sankt Marien zu Spandau. Verlag von August Malinowski, Spandau o. J. [1924] (238 S.)
  • Gertrud Kohstall: Führer durch die Pfarrkirche St. Marien Berlin-Spandau. Jubiläumsschrift 1910/35. o. O., o. J. [1935] (Im Auftrage des Pfarramtes verfaßt von Gertrud Kohstall; 16 S.)
  • Gebhard Streicher, Erika Drave: Berlin Stadt und Kirche. Morus Verlag, Berlin 1980, ISBN 3-87554-189-8, S. 240 f.

WeblinksBearbeiten

Commons: Maria, Hilfe der Christen (Berlin-Spandau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. König Friedrich Wilhelm I., 2. September 1722, zitiert bei: Franz Kohstall: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Spandau. Spandau 1924, S. 28f.
  2. Gunther Jahn: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Berlin 1971, S. 142–145.
  3. a b Franz Kohstall: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Spandau. Spandau 1924, S. 46.
  4. Gebhard Streicher, Erika Drave: Berlin Stadt und Kirche. Morus-Verlag, Berlin 1980, ISBN 3-87554-189-8, S. 240.
  5. Lena Krull: Prozessionen in Preußen. Katholisches Leben in Berlin, Breslau, Essen und Münster im 19. Jahrhundert. Würzburg 2013, S. 303.
  6. Monika Saskowski: Anno Domini 1909… in: Kath. Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen, Berlin-Spandau (Hrsg.): Pfarrbrief Dezember 2009/Januar 2010. S. 10.
  7. Gunther Jahn: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1971, S. 181.
  8. Rainer Fliegner: Spandau. Geschichte und Geschichten.Sutton Verlag,Erfurt 2007, ISBN 978-3-86680-122-6, S. 44 (Blitzschlag, Richtfest).
  9. Martin Recker: Die Geschichte der Gemeinde St. Marien und ihrer Gotteshäuser. In: Kath. Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Maria, Hilfe der Christen Berlin-Spandau 1910–2010. Oranienburg (WMK-Druck) o. J. [2010], S. 11–14, hier S. 13.
  10. Aktuelles aus dem pastoralen Raum: Klausurtag des Pastoralausschuss 26.09.20, st.marien-spandau-de, abgerufen am 13. März 2021.
  11. Gunther Jahn: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1971, S. 143.
  12. Laut Grabkreuz an der Ostseite der Kirche Joseph Groß, auf einer Urkunde im Turmknopf der Kirche am Behnitz vom 21. Juni 1848 Franz Groß (abgedruckt bei: Helmut Kißner, Cordia Schlegelmilch: Die Kirche St. Marien am Behnitz in Spandau. Ein vergessenes Werk August Sollers. Berlin 2004, S. 318); Dominikaner und nach der Säkularisation Diözesanpriester; Franz bzw. Joseph sind vermutlich Taufname bzw. Ordensname.
  13. Wohlau, Niederschlesien?; Welau bei Franz Kohstall: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Spandau. Spandau 1924, S. 46.
  14. Nach Franz Kohstall: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Spandau. Spandau 1924, S. 61 amtierte Pfarrer Teuber bereits 1841.
  15. Quelle von Pfr. Teuber bis Ginella: Franz Kohstall: Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Spandau. Spandau 1924, S. 69–73.
  16. a b Gunther Jahn: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1971, S. 181 ff.
  17. a b Gunther Jahn: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Berlin 1971, S. 182 f.
  18. Christine Goetz: Souveräner Umgang mit Baugeschichte. Maria, Hilfe der Christen, Berlin-Spandau. In: Christine Goetz, Constantin Beyer: Stadt. Land. Kirchen. Sakralbauten im Erzbistum Berlin. Kunstverlag Josef Fink, Berlin 2018, ISBN 978-3-95976-101-7, S. 58 f.
  19. Kirchtürme im Bezirk „Spandau“, Ortsteil „Spandau“ (abgerufen: 7. November 2012).
  20. Felix Lukanek: Zerstörung und Wiederaufbau der Marienkirche. In: Kath. Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Maria, Hilfe der Christen Berlin-Spandau 1910–2010. Oranienburg (WMK-Druck) o. J. [2010], S. 21 f.
  21. Christine Goetz: Kunst und Kirche. In: Kath. Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Maria, Hilfe der Christen Berlin-Spandau 1910–2010, Oranienburg (WMK-Druck) o. J. [2010], S. 15–19, hier: S. 19.
  22. Klaus-Dieter Wille: Die Glocken von Berlin (West). Geschichte und Inventar. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-7861-1443-9, S. 143 f.
  23. Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, insbesondere Seiten 517, 527.
  24. Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, insbesondere S. 482, 489, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).
  25. Gunther Jahn: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Berlin 1971, S. 185.
  26. Martin Recker: Die Geschichte der Gemeinde St. Marien und ihrer Gotteshäuser. In: Kath. Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen (Hrsg.): Festschrift 100 Jahre Maria, Hilfe der Christen Berlin-Spandau 1910–2010. Oranienburg (WMK-Druck) o. J. [2010], S. 11–14, hier S. 13.
  27. Gunther Jahn: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin. Stadt und Bezirk Spandau. Berlin 1971, S. 185 (vertauschte Angaben zu den Gewichten der Glocken 1–3 korrigiert).
  28. Text wie Wille S. 143; Versuch einer Korrektur: IN HON(orem) SancTi CAROLI [ PUF? (Abkürzung Name?) QUE? UXOR BARBARA – Anno 1910 +] BORROMAEI DEDICAVERUNT / + ST. CAROLUS BORRomaeus ET IN DEI AMORE NOS REDDAT FL(EV)ENTES. NOS CONTINUA PrOTECTIONE CUSTODES – Zur Ehre des heiligen Carl Borromäus haben [NN und Ehefrau Barbara] im Jahr 1910 (diese Glocke) gestiftet. / Der heilige Carl Borromäus gewähre uns Weinenden in der Liebe Gottes Wächter mit immerwährendem Schutz.
  29. st-marien-spandau.de: Pastoraler Raum – Gremien und Personalia, abgerufen am 23. April 2020.

Koordinaten: 52° 32′ 25,3″ N, 13° 11′ 54,4″ O