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Grundrisse von Zentralbauten: 1. Rotunde 2. Griechisches Kreuz 3. Oktogon 4. Trikonchos. Zum Vergleich: 5. Längsbau

Ein Zentralbau ist ein Bauwerk, dessen Hauptachsen gleich lang sind oder nur geringfügig differieren, im Unterschied zu einem Längsbau, etwa einer Basilika. Mögliche Grundrisse eines Zentralbaus sind kreisförmig (siehe: Rundkirche), oval, quadratisch, kreuzförmig, oktogonal auch nonagonal oder höher polygonal. Der Abschluss erfolgt, freitragend oder mit Hilfe von einer oder mehreren Stützen, durch eine Decke, ein Gewölbe oder eine Kuppel. Er kann von einem Umgang umschlossen sein und/oder sich zu Kapellen, Nischen und Anräumen öffnen.

Geschichtliche EntwicklungBearbeiten

Die Zentralbauten sind vermutlich aus Grabbauten des Altertums hervorgegangen. Frühe Beispiele sind die zum Teil als Rundbauten errichteten Tempel der Antike, z. B. das Pantheon (Rom) und der spätantike Konchenovalbau aus der Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. von St. Gereon in Köln sowie die Hagia Sophia in Konstantinopel.

In der byzantinischen Architektur sind Zentralbauten in antiker Tradition ebenso verbreitet wie in der islamischen Architektur mit dem Felsendom aus der Umayyadenzeit als erstem bedeutenden Vertreter und besonders in der osmanischen Architektur, wo sie für die Moschee eine der kanonischen Bauformen darstellen.

In der abendländischen Architektur, in der Längsbauten vorherrschen, sind sie dagegen verhältnismäßig selten und zumeist auf kleinere Dimensionen beschränkt. Karl der Große knüpfte mit dem Zentralbau des heutigen Aachener Doms, der Pfalzkapelle seiner Aachener Pfalzanlage, bewusst an spätantike Formen an, nämlich an die der Kirche San Vitale in Ravenna, das im 5. Jahrhundert die letzte Hauptstadt des Weströmischen Reichs war. Dergestalt demonstriert Karl architektonisch die renovatio imperii und seinen Anspruch auf die Kaiserwürde.

Dieser Bau fand in der Romanik einige Nachahmer, ansonsten blieben Zentralbauten beschränkt auf besondere Fälle wie Grabkirchen, Taufkirchen oder Nachbildungen des Heiligen Grabes, etwa die unter Abt Eigil von Fulda errichtete, von Hrabanus Maurus konzipierte Friedhofskirche St. Michael zu Fulda von 822. Über dem Konchenovalbau von St. Gereon in Köln wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts ein Dekagon errichtet, das den größten freitragend überwölbten Zentralbau des Mittelalters nördlich der Alpen darstellt. Insbesondere in Italien haben Taufkirchen eine gewisse Tradition, so in Florenz, Pisa oder Parma. Später in der Gotik war der „unfranzösische“ Zentralbau eine absolute Ausnahmeerscheinung, etwa bei der Liebfrauenkirche in Trier.

In der byzantinischen Architektur spielte der Zentralbau besonders in Gestalt von Kreuzkuppelkirchen mit Trikonchos eine weitaus größere Rolle. Seltener waren die symmetrischen Tetrakonchen, die jedoch in der frühchristlichen armenischen (Etschmiadsin, Mastara) und georgischen Architektur (Dschwari) am Anfang einer Entwicklung verschiedener Zentralbautypen standen. Kompliziertere Anlagen besitzen sechs im Kreis angeordnete Konchen innerhalb eines Hexagons (Gregorkirche von Ani, 10. Jahrhundert) oder bilden mit acht Konchen ein Oktogon (Kathedrale des Gregor von Nazianz im 4. Jahrhundert in Zentralanatolien; Zoravar und Irind im 7. Jahrhundert in Armenien). Eine seltene Form sind die Strebenischenbau genannten Zentralbauten mit vier halbrunden Konchen, die direkt miteinander verbunden sind und im Grundriss einen Vierpass ergeben. Der bedeutendste armenische Strebenischenbau war die Kathedrale von Swartnoz aus dem 7. Jahrhundert, der bedeutendste georgische die Rundkirche von Bana aus dem 10. Jahrhundert.

In der italienischen Renaissance trat mit dem Wiederaufleben des Kuppelbaus auch der Zentralbau stärker in den Vordergrund. Der Architekt Andrea Palladio setzte auch Profanbauten wie die berühmte Villa Rotonda als streng symmetrischen Zentralbau um. Auch im Sakralbau gab es einige neue Kirchenbauten, die als Zentralbau angelegt waren, jedoch förderte die zeitgenössische Liturgie eher die Form des Langbaus. So wurde der Zentralbau meist mit einem Langhaus verbunden, zum Beispiel beim Petersdom (Rom): Der ursprüngliche Entwurf Bramantes von 1506 sah einen Zentralbau in Form eines griechischen Kreuzes vor. Erst nach einer Planänderung Carlo Madernos wurde er in seiner heutigen basilikalen Form fertiggestellt.

Durch die Reformation gewann die Wortverkündigung, die Predigt, an Gewicht gegenüber der Eucharistie. Um eine bessere Hörbarkeit zu erreichen wurde die Kanzel möglichst weit in den Mittelpunkt der Gemeinde gerückt (Predigtkirchen), was am besten in Zentralbauten möglich war.

BeispieleBearbeiten

Weitere bedeutende Zentralbauten sind:

LiteraturBearbeiten

  • Denis Boniver: Der Zentralraum. Studien über Wesen und Geschichte. Stuttgart 1937
  • Wolfgang Götz: Zentralbau und Zentralbautendenz in der gotischen Architektur. Berlin 1968
  • Matthias Untermann: Der Zentralbau im Mittelalter. Darmstadt 1989
  • Matthias Untermann, Lioba Theis: Zentralbau. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 9, LexMA-Verlag, München 1998, ISBN 3-89659-909-7, Sp. 537–541.