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Lippisches Wappen
1528–1687
Lippisches Wappen
1687–1798
Lippisches Wappen
1798

Die Lippische Münzgeschichte beschreibt das Münzwesen in Lippe bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Lippe war ein deutscher Staat, die Herrschaft der lippischen Herren wurde im 12. Jahrhundert erstmals beurkundet. 1528 wurde die Herrschaft Lippe zu einer Reichsgrafschaft erhoben, 1789 zum Fürstentum.

Bis 1806 war Lippe ein Territorium im Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis des Heiligen Römischen Reiches, von 1806 bis 1813 Teil des Rheinbundes, von 1816 bis 1866 ein Teil des Deutschen Bundes, ab 1866 Mitglied im Norddeutschen Bund, ab 1871 Teil des Deutschen Kaiserreichs. Nach Ende des Ersten Weltkriegs, 1919, war Lippe ein demokratisch verfasster Freistaat in der Weimarer Republik. 1947/1948 musste das Land Lippe auf Betreiben der britischen Besatzungsmacht seine jahrhundertelange Selbstständigkeit aufgeben und entschied sich für den Beitritt zu dem 1946 gegründeten Land Nordrhein-Westfalen.

Das Gebiet des ehemaligen Landes Lippe in seinem letzten Gebietsstand entspricht weitgehend dem heutigen Kreis Lippe im Regierungsbezirk Detmold, deren beider Verwaltungssitz Detmold ist. Der Kreis Lippe bildet neben Westfalen und dem Rheinland den dritten und weitaus kleinsten Landesteil des Landes Nordrhein-Westfalen.

RegentenBearbeiten

1789 wurden die absolutistisch regierenden Grafen in den Fürstenstand erhoben, wodurch das Land zum Fürstentum wurde. Die vollkommene absolutistische Machtentfaltung blieb den Fürsten aber durch die geringe Größe des Landes und die sich daraus nur eingeschränkt ergebende Souveränität beispielsweise in militärischen Fragen, andererseits durch die starke Stellung der Stände verwehrt. Bereits 1836 wurde ein Landtag einberufen und die Macht der Fürsten durch eine Verfassung eingeschränkt. Die Fürsten stammten aus dem hochadligen Haus Lippe, dessen erstes Oberhaupt 1123 erwähnt wurde. Die meisten Fürsten stammten aus der Linie Lippe-Detmold. Nach heftigen Erbstreitigkeiten ging die Regentschaft zunächst auf die Linie Schaumburg-Lippe über (die Länder Schaumburg-Lippe und Lippe waren aber nur verbunden und nicht vereinigt), zuletzt auf die Linie Lippe-Biesterfeld, die bis dahin kein eigenes Territorium besaß. Der letzte Fürst dankte in der Novemberrevolution 1918 ab, durfte aber weiterhin im Detmolder Schloss wohnen. Die Nachfahren des letzten Fürsten nennen sich Prinzen zur Lippe. Sie leben bis heute im Schloss zu Detmold. Derzeitiges Oberhaupt der Familie ist seit 1987 Armin Prinz zur Lippe-Detmold.

Bernhard VII. Simon V. Bernhard VIII. Simon VI. Simon VII. Johann Bernhard Hermann Adolf Simon Heinrich Friedrich Adolf
                 
Simon H. Adolf Simon August Leopold I. Leopold II. Pauline Leopold III. Woldemar Leopold IV.
               

Übergang zu nationalen EinheitswährungenBearbeiten

Im Hochmittelalter war das Münzprägerecht ein Privileg, das jeder Adlige anstrebte, denn das Münzregal war ein profitables Hoheitsrecht. Dies führte dazu, dass es viele nicht vergleichbare Währungen gab, da der Feingehalt der einzelnen Münzenarten stark schwanken konnte. Denn im Mittelalter waren Kurantmünzen üblich, der Kurswert einer fremden Münze wurde anhand des Edelmetallgehaltes ermittelt. Dies wiederum hinderte den überregionalen Handel. Aus diesen zwei Gründen – Handelserleichterung und Machtkonzentration – verstärkte sich die Tendenz zu nationalen Einheitswährungen.

In der frühen Zeit des Kurantgeldes entsprach der Metallgehalt der Münzen ihrem Nominalwert. Da sich die Münzherren jedoch öfter zu Münzverschlechterung verleiten ließen, um ihren Geldbedarf zu decken, kam es in der Frühen Neuzeit mehrfach zur Inflation. So beruhte beispielsweise die sogenannte Kipper- und Wipperzeit zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges auf einer Münzverschlechterung.

Treibend in Europa war Frankreich, das mit seiner Zentralregierung die Münzrechte früh sammelte und dem König unterstellte. Die erste wichtige Währungsreform war die große Münzreform unter Ludwig XIII. in den Jahren 1640 und 1641, als der Louis d’or eingeführt wurde. Mit der Einführung des Französischen Franc 1795 wurde die erste Dezimalwährung etabliert. Durch Napoleons Feldzüge wurde diese Währung und vor allem deren dezimale Stückelung in Europa verbreitet. Dadurch entstanden in und um Frankreich einige Münzsysteme, die ähnlich aufgebaut waren und wegen der Kurantmünzen hohen Reinheitsgrades feste Wechselkurse bildeten. Dies führte dazu, dass am 23. Dezember 1865 die Lateinische Münzunion gegründet wurde; sie war eine Währungsunion, die aus Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz und Griechenland bestand und klare Vorgaben für die Münzenherstellung gab.[1] Der Nachteil der Lateinischen Münzunion war der Bimetallismus, also der feste Umtauschsatz zwischen den Gold- und Silbermünzen.

Münzstätten, Münzmeister und WardeineBearbeiten

Der verantwortliche Betriebsleiter einer Münzstätte war der Münzmeister. Er stand entweder im Lohn des Münzherrn oder leitete als Pächter die Münzstätte eigenverantwortlich. Die Kontrolle der Qualität der Münzen und des Prägeguts einer Münzstätte oblag einem Beamten, dem Wardein.

MünzstättenBearbeiten

Münzstätte BlombergBearbeiten

In Blomberg war die Münzstätte der Edelherren zur Lippe unter Bernhard III. (1229 bis 1265) und Simon I. (1275 bis 1344). Erhalten sind Pfennige (Sterlinge), geprägt nach englischem Vorbild unter Simon VII. zwischen 1610 und 1618 (Taler und Groschen mit lippischem Wappen) und unter Paul Alexander Leopold 1821 sowie 1827 bis 1840 (Kupfergeld mit lippischem Wappen und Wertzahl).

Münzstätten DetmoldBearbeiten

Die Detmolder Münzstätten im Schloss, in der Oberen Mühle und in der Bokemühle[2] waren von 1598 bis 1811, mit Ausnahme der Jahre 1610 bis 1618, die gräflich-lippische Münzstätte. Geprägt wurden Gold-, Silber- und Kupfermünzen in zahlreichen Werten.

Münzstätte HornBearbeiten

Horn war die Münzstätte der Herren zur Lippe unter Simon I. (1275–1344): Hier wurden Pfennige auf Wiedenbrücker Schlag und ferner solche nach dem Vorbild der englischen Eduard-Sterlinge hergestellt.

Münzstätte LemgoBearbeiten

In Lemgo war die Münzstätte der Edelherren zur Lippe vom Anfang des 13. bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Dazu gehörte die wichtige, sogenannte Wessele (= Wechselbank). Zunächst wurden Pfennige auf Soester und Paderborner (Brakeler) Schlag, dann nach englischem Vorbild (Sterlinge) geprägt. Weiter entstanden unter Bernhard VII. (1431 bis 1511) in Lemgo Stüber und kleinere Werte mit dem lippischen Wappen. Auch die Ausmünzung 1528 unter Simon V. erfolgte wohl in Lemgo (ältester lippischer Taler mit Bildnis und Wappen des Grafen; Hohlpfennige). Schließlich wurde hier von 1812 bis 1825 das lippische Kupfergeld hergestellt.

Münzstätte BerlinBearbeiten

In der Münze Berlin (Münzstättenzeichen = „A“) wurden von 1843 bis 1913 die Reichsmünzen, die auch in Lippe Gültigkeit besaßen, geprägt, unter anderem die 1875 im ganzen Kaiserreich eingeführte Goldmark. Die Vorderseite, das Avers, konnte von den Gliedstaaten des Reiches gestaltet werden. In Lippe zeigten sie das Porträt des regierenden Fürsten.

MünzmeisterBearbeiten

 
Münzmeisterzeichen
Peter Busch und Caspar Huxer
 
Münzmeisterzeichen
Christoph Dyß und Jakob Pfahler
Zeitraum Name Sonstiges
um 1295 Hermannus filius Heinrici monetarit
um 1306 Johannes monetarius
um 1324 Heynricus dictus monetarius
um 1497 ? Dietrich Münzmeister von Neuss[3][4]
1528 Gerhard Loyß auch Lohaus
1595 bis 1601 Peter Busch zuvor Münzmeister zu Bielefeld
1601 bis 1602 Caspar Huxer aus Münden, 1590 bis 1596 für die Münzprägung der Grafschaft Waldeck verantwortlich, † 1628
1602 bis 1605 Henning Hansen aus Osterode am Harz, zuvor im Dienst der Stadt Hildesheim, nach 1605 in Norddeutschland tätig
1605 bis 1608 Engelhard Hausmann auch Engelbert; zuvor im Dienst des Landgrafen zu Kassel, ab 1608 Münzmeister der Münzstätte Werl
1608 bis 1610 Christoph Dyß
der Jüngere
in der Münzstätte Blomberg tätig, zuvor in Diensten der Grafen zu Regenstein und der Stadt Hameln (1606–1608); ab 1611 Münzmeister in der Münzstätte Peine, † Dezember 1611
1610 bis 1616 Caspar Kohl   aus Wien; in der Münzstätte Blomberg tätig; 1620–1621 und ab 1635 Münzmeister der Grafschaft Holstein-Schauenburg
1616 bis 1618 Melchior Kohl  
1618 bis 1619 Jakob Pfahler * 1568 in Saalfeld
1619 Melchior Kuttner stammte vermutlich aus der Nähe von Schwäbisch Hall
1620 bis 1621 Ipo Rizema bis 1616 Münzmeister in Bremen
1621 bis 1623 Melchior Kuttner
1636 bis 1639
1644 bis 1658 Michael Kuttner
1658 bis 1660 Christoph Henning Schlüter zuvor in Braunschweig-Lüneburg, Goslar und Zellerfeld
1671 bis 1695 Johann Hoffmann aus Rinteln
1710 bis 1716 Hans Lüders zuvor Münzmeister in Hildesheim, Mmz. „HL“, † 1716, beerdigt am 4. Mai 1716
1717 bis 1727 Ludolph Henrich Lüders Sohn des Hans Lüders
1763 bis 1768 Johann Conrad Bandel * um 1703 in Kassel, † im Dezember 1768; Initialen: I.C.B.
1769 bis 1787 Henrich Daniel Stümer † 12. August 1787
1789 bis 1811 Johann Balthasar Reinhard * ~1730 in Kassel, † 11. August 1816 in Detmold
1791, 1792, 1796 Theodor Stockmar Münzmeister in Gotha
1812 bis 1825 ? Trebbe Kupferschmied in Lemgo, Mmz. „T.“
1821 bis 1840 ? Strickling Mechanikus in Blomberg, Mmz. „ST.“

Anmerkung: 1) Einige Quellen gehen von nur einer Person, Caspar Melchior Kohl, aus.[5]

WardeineBearbeiten

Zeitraum Name Sonstiges
1595 bis 1598 Christoph Draubel
1600 bis 1602 Alexander Wackerwald
1604 bis 1605 Ernst Schröder
1605 bis 1608 Burckhardt Lachtorp
1608 bis 1619 Henning Brauns
1619 bis 1623 Jobst Brauns
1711 bis 1713 Johann Heinrich Siegel
1715 bis 1717 Ludolph Heinrich Lüders von 1717 bis 1727 Münzmeister (siehe oben)
1763 bis 1769 Heinrich Daniel Stümer von 1769 bis 1787 Münzmeister (siehe oben)
1789 bis 1811 Johann Balthasar Reinhard[6] von 1789 bis 1811 Münzmeister (siehe oben)

Gewichte, Münzfüße und ZählweiseBearbeiten

Gewichte nach Kölner MarkBearbeiten

  • Bis Juli 1838: 1 Kölner Mark ~ 233,9 g
  • Juli 1838 bis 1857: 1 Kölner Mark = 233,855 g
  • 1 Kölner Mark in deutscher Teilung = 16 Lot = 288 Grän
  • 1 Kölner Mark in französischer Teilung = 12 Pfennig = 288 Grän
  • 1 Kölner Mark als Goldgewicht = 24 Karat = 288 Grän

MünzfüßeBearbeiten

Ein Münzfuß ist eine offizielle Bestimmung eines Münzherrn, wie viele Münzen einer Sorte aus einer Gewichtseinheit Edelmetall geschlagen werden sollen; er legt damit fest, welche Menge eines Edelmetalls (Feingehalt) in einer bestimmten Münze enthalten sein soll.

Goldmünzen
Bei einem Raugewicht von 3,25 g und einem Feingewicht von 2,50 g entsprach der Feingehaltsanteil = 77,1 %
Bei einem Raugewicht von 3,49 g und einem Feingewicht von 3,44 g entsprach der Feingehaltsanteil = 98,6 %
Bei einem Raugewicht von 6,751 g und einem Feingewicht von 6,191 g entsprach der Feingehaltsanteil = 91,7 %
  • Münzfuß des abgeglichenen Louis d'or nach den Wiener Verträgen 1753
1 Louis d'or = 5 Reichstaler
Bei einem Raugewicht von 11,111 g und einem Feingewicht von 10,000 g entsprach der Feingehaltsanteil = 90,0 %
Silbermünzen
  • Münzfuß nach der Reichsmünzordnung von 1524
Feingehaltsanteil eines Reichsguldiners (27,4 g) und ein Reichstaler (29,2 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 93,7 %
  • Münzfuß nach der Reichsmünzordnung von 1566
Feingehaltsanteil eines Reichstalers aus der Feinen Kölner Mark (25,984 g) und ein Reichstaler aus der Rauen Mark (29,232 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 88,9 %
Feingehaltsanteil eines Rechnungstalers aus der Feinen Kölner Mark (22,272 g), 2/3-Taler (14,848 g) und gewogene Raugewichte (18,5 bis 19,5 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 75,0 %
  • Münzfuß nach den Verträgen von Leipzig und Torgau 1690
Feingehaltsanteil eines Rechnungstalers aus der Feinen Kölner Mark (19,488 g), Feingehalt des geprägten 2/3-Talers (12,992 g) sowie Raugewicht des 2/3-Talers (17,322 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 75,0 %
  • Münzfuß nach den Wiener Verträgen von 1753:
Feingehaltsanteil eines Rechnungstalers aus der Feinen Kölner Mark (17,539 g), Konventionstaler aus der Feinen Kölner Mark (23,386 g) sowie Raugewicht des Konventionstalers (28,062 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 83,3 %
  • Münzfuß der Vereinsmünzen nach der Dresdner Konvention vom 30. Juli 1838
Feingehaltsanteil eines Talers aus der Feinen Kölner Mark (16,704 g), Vereinsmünze aus der Feinen Kölner Mark (33,408 g) sowie Raugewicht der Vereinsmünze (37,120 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 90,0 %
  • Münzfuß der Silbergroschen nach der Lippischen Landesverordnung vom 1. September 1846
Feingehaltsanteil eines Talers aus der Feinen Kölner Mark (14,616 g), Silbergroschen à 6 Lot aus der Feinen Kölner Mark (1,218 g), Silbergroschen à 5 Lot aus der Feinen Kölner Mark (0,487 g) sowie Silbergrosche á 4 Lot aus der Feinen Kölner Mark
  • Münzfuß der Vereinstaler nach dem Wiener Münzvertrag vom 24. Januar 1857
Feingahaltsanteil des Vereinstalers aus einem Pfund Feinsilber (16,667 g) sowie Raugewicht des Vereinstalers (18,518 g) entsprach einem Feingehaltsanteil von 90 %
  • Münzfuß der Silbergroschen nach der Lippischen Landesverordnung vom 3. April 1858
Feingehaltsanteil des 1/2 Talers aus einem Pfund Feinsilber (14,492 g), des 1/2 Silbergroschens (1,208 g) sowie eines Silbergroschens (0,483 g)

Zählweise nach dem lippischen MünfußBearbeiten

↓ Zeitraum 00000000Einheit → Taler Mark Mag Kör Pfg Gos Sig Reg aMg aRg SwG Füg Sch Mat Hel
1555 1 = 36 108 432
1598 bis 1620 1 = 36 288 432 24
20. Aug. bis 7. Sep. 1620 1 = 336 672 42 63
7. Sep. 1620 bis 1. Nov. 1622 1 = 42 252 504 36 63
1620 bis 1621 1 = 252 21
1. Nov. 1622 bis 1640 1 = 36 252
1640 bis 1765 1 = 36 216 72 12
1. März 1765 bis 31. Dez. 1846 1 = 6
1. Jan. 1847 bis 24. Juni 1857 1 = 360 30
24. Juni 1857 bis 4. Dez. 1871 1 = 360 30
ab 4. Dez. 1871 1 = 100

Anmerkung: Mag = Mariengroschen, Kör = Körtlinge („Kurzgroschen“), Pfg = Pfennige, Gos = Gosler, Sig = Silbergroschen, Reg = Reichsgroschen, aMg = alter Mariengroschen, aRg = alter Reichsgroschen, SwG = Schwerer Groschen, Füg = Fürstengroschen, Sch = Schillinge, Mat = Matthier, Hel = Heller[7]

ZeittafelBearbeiten

HERRSCHAFT UND GRAFSCHAFT LIPPE

Hermann (bis 1123)Bearbeiten

Der Edelherr Hermann zur Lippe (* 11. Jahrhundert; † vor 1123) war Herr der Herrschaft Lippe und ist der erste greifbare Vorfahr der lippischen Fürsten und der späteren Königin Beatrix der Niederlande.

Bernhard I. (1123 bis um 1158)Bearbeiten

Bernhard I. († um 1158[8]), Sohn des Hermann, ist einer der frühesten Vertreter der edlen „Herren zur Lippe“. Die erste urkundliche Erwähnung dieser Familie ist auf 1123 datiert, in der „Bernhardus de Lippe“ namentlich erwähnt wird.[9] Da nach seinem Tode um 1158 die Herrschaft von seinem Bruder Hermann übernommen wurde, ist anzunehmen, dass Bernhard keine Nachkommen hatte.

Hermann I. (um 1158 bis um 1160)Bearbeiten

Hermann I. († um 1160[10]) gründete mit seinem Bruder Bernhard um 1139 ein Prämonstratenserinnenkloster in Cappel. Nach dem Tode Bernhards übernahm er 1158 dessen um die spätere Stadt Lippstadt gelegenes Herrschaftsgebiet. Er war ein treuer Gefolgsmann Heinrichs des Löwen. Ihm verdankte er auch seinen Aufstieg: Hermann wurde Vogt seines gegründeten Klosters Cappel und war auch Vogt von Busdorf und Schötmar.[10]

Bernhard II. (~ 1168 bis 1196)Bearbeiten

Bernhard II. zur Lippe (* um 1140 auf Burg Lipperode; † 1224 in Mesothen) war der Begründer der Landesherrschaft Lippe und der Planstädte Lippstadt (1185, anderen Quellen zufolge schon 1184) und Lemgo (1190). Er entwickelte sich im Laufe seines Lebens zu einer der wichtigsten und einflussreichsten westfälischen Persönlichkeiten der Stauferzeit. Ihm sind wahrscheinlich sämtliche Hoheits- und Sonderrechte der „Herren zur Lippe“ zu verdanken.

Hermann II. (1196 bis 1229)Bearbeiten

Hermann II. (* 1175 in Lippe, heute Lippstadt; † 25. April 1229) war Mitregent seines Vaters und folgte ihm 1196 als Regent des Hauses Lippe. Weniger kriegerisch als sein Vater und Bruder versuchte er in seiner Gegend oft als Vermittler tätig zu werden. Im deutschen Thronkrieg 1198 stand Hermann auf welfischer Seite und ging erst 1214 zu Kaiser Friedrich II. über.

Bernhard III. (1229 bis 1265)Bearbeiten

Bernhard III. (* um 1194; † um 1265) folgte 1229 dem gefallenen Vater als Regent des Hauses Lippe nach und nannte sich seitdem „Statutum in favorem principum“, dann 1232 „von Gottes Gnaden“ und zeitweise auch „Graf“. Durch häufige Fehden wurde das Haus Lippe unter seiner Führung (finanziell) stark geschwächt.

Bernhard IV. (1265 bis 1273)Bearbeiten

Bernhard IV. (* um 1230 in Brake, heute Bielefeld; † Juni 1275) beerbte seinen Bruder Hermann III. zur Lippe um die Stadt Lippstadt und nahm, zusammen mit seinem Onkel, Bischof Simon I. von Paderborn, an der Schlacht bei Zülpich gegen das Haus Jülich teil, bei der sein Onkel gefangen genommen wurde. Bernhard löste ihn 1269 aus und begründete so die Verschuldung des Hauses Lippe.

Münzen
Nominal: 1 Pfennig (Sterling)
  Münzstätte: ?
Ausgabe: 1268
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: ?
Rückseite: ?

Simon I. (1273 bis 1344)Bearbeiten

Unter der Regentschaft Simons I. (* um 1261; † 10. August 1344) erlangte die Herrschaft Lippe, unter anderem erwarb er die Burg Varenholz und das Gogericht Langenholzhausen, ihre größte territoriale Ausdehnung.

Münzen
Nominal: 1 Pfennig
  Münzstätte: ?
Ausgabe: von 1275 bis 1344
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: Brustbild mit erhobener Rechten und mit Rose von vorn unter Dreibogen, darauf ein hoher Turm zwischen zwei kleineren Türmen und zwei Fahnen
Rückseite: fünfblättrige Rosette in Dreieck, in den Winkeln je ein Kreuz

Otto (1344 bis 1360)Bearbeiten

Otto war von 1344 bis 1360 Herr von Lippe. Nach dem Tod seines Vaters wurde die Herrschaft Lippe dahingehend aufgeteilt, dass Otto das Gebiet um Lemgo bekam und sein Bruder Bernhard V. das Gebiet um Rheda. Otto residierte in Lemgo, das damals noch aus zwei Städten (Altstadt und Neustadt) bestand, die sich erst fünf Jahre nach seinem Tod vereinigten.

Simon III. (1360 bis 1410)Bearbeiten

Simon III. (* um 1340; † 1410) brachte um 1400 durch Verpfändung zunächst die Städte Barntrup und Salzuflen sowie das Schloss Sternberg unter seine Herrschaft, 1405 folgte schließlich die gesamte Grafschaft Sternberg.

Simon war verheiratet mit Ermengard von Hoya und hatte sieben Kinder. Bernhard, ihr ältester Sohn, wurde Simons Nachfolger.

Bernhard VI. (1410 bis 1415)Bearbeiten

Bernhard VI. (* um 1370; † 1415) heiratete 1371 Margarethe von Waldeck-Landau. Um 1380 heiratete Bernhard in zweiter Ehe Margarethe von Mörs. Sein Sohn aus zweiter Ehe, Simon, wurde sein Nachfolger.

Simon IV. (1415 bis 1429)Bearbeiten

Der um 1404 geborene Simon IV. zur Lippe († 11. August 1429) behauptete 1424 in einer Fehde mit Graf Adolf IX. von Schaumburg die Grafschaft Sternberg und ließ sich später in Osterholz ein Jagdschloss mit Wassergraben bauen.

Bernhard VII. (1429 bis 1511)Bearbeiten

Bernhard VII. (* 1429; † 2. April 1511) war Landesherr der Herrschaft Lippe. Wegen vieler blutiger Fehden, in die er verwickelt war, wurde er auch „Bellicosus“ genannt.

Bis 1446 stand er unter vormundschaftlicher Regierung seines Onkels Otto, dann des Kölner Erzbischof Dietrich II. von Moers. Dieser schloss 1444 mit dem Herzog Adolf von Kleve-Mark einen Vertrag, wonach er diesem die bis dahin verpfändete Stadt Lippstadt zur Hälfte abtrat. Zugleich wurde zwischen beiden Häusern ein Bündnis errichtet, das Bernhard in die sogenannte Soester Fehde mit dem Kölner Erzbischof Dietrich verwickelte. Letzterer rief 1447 ein böhmisches Heer zu Hilfe, das die lippeschen Lande verwüstete, die Städte Lippstadt und Soest jedoch vergebens belagerte.

Nachdem 1449 erfolgten Beilegung des Streites wohnte Bernhard zunächst auf der Burg Blomberg. 1468 wählte er Detmold, damals mit etwa 350 Einwohnern die kleinste unter den lippischen Städten, zu seiner ständigen Residenz. An den anschließenden Wiederaufbau des Schlosses erinnert unter anderem eine Inschrift im alten Schlossturm des Detmolder Schlosses mit der Jahreszahl 1470.

Bernhard focht seine Fehden mit wechselnden Gegnern und Verbündeten. So leistete er 1469 dem Landgrafen Ludwig II. von Hessen Beistand gegen dessen Bruder Heinrich III., war aber andererseits eine der wichtigsten Stützen seines Bruders Simon, des Fürstbischofs von Paderborn, gegen Landgraf Ludwig II. während der 1464 wegen der Burg Calenberg ausgebrochenen und bis 1471 dauernden Hessen-Paderbornischen Fehde.

Münzen
Nominal: 1 Kreuzgroschen
  Münzstätte: ?
Ausgabe: 1505
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: ?
Rückseite: ?

Simon V. (1511 bis 1536)Bearbeiten

Simon V. zur Lippe (* 1471; † 1536) war seit 1511 Edelherr und seit 1528 Graf zur Lippe. Während seiner Regierungszeit bis 1536 wurde in Lippe die Reformation eingeführt.

Der Guldengroschen zeigt zum ersten Mal das neue gräfliche Wappen mit dem gevierten Schild: Neben dem Stammwappen der Rose erscheint nun auch das Wappen der Grafschaft Schwalenberg.[11]

 Übersicht der Prägungen  1528 o. J.
1 Guldengroschen (= 1 Taler) S
1 Schlüsselpfennig S S
Dreischildheller S

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, S = Silber

Münzen
Nominal: 1 Guldengroschen (= 1 Taler)
  Münzstätte: Lippstadt; Münzmeister: Gerhard Loys
Ausgabe: 1528
Material: Silber; Durchmesser: 41,6 mm; Gewicht: 28,71 g
Vorderseite: „SIMON • COM[ES] : ET • NOBIL[IS] : DO[MINUS] : DE . LIPP[IA] :“ (Simon, Graf und Edelherr zur Lippe) um nach links schauenden Kopf (Simon mit goldener Drahthaube, einem kleinen gekröselten Halskragen und einer Pelzhaube[12]).
Rückseite: „MONETA . NOVA . ARGENTE[A] : 1528 .“ (Neues Silbergeld) um ein vierfeldiges Wappen unter einem Fürstenhut
Nominal: 1 Schlüsselpfennig
  Münzstätte: Lippstadt; Münzmeister: Gerhard Loys
Ausgabe: 1528 und/oder später
Material: Silber; Durchmesser: 13,5 mm; Gewicht: 0,21 g
Vorderseite: gespaltener Wappenschild unter „S“; umlaufend 20 Punkte
Rückseite: leer

Bernhard VIII. (1536 bis 1563)Bearbeiten

Bernhard VIII. (* 6. Dezember 1527 in Detmold; † 15. April 1563 ebenda) war acht Jahre alt, als sein Vater 1536 starb. Da er in diesem Alter die Regierung noch nicht übernehmen konnte, führten Landgraf Philipp von Hessen, Graf Adolph von Schaumburg und Jobst II. von Hoya die Vormundschaft und erzogen Bernhard im evangelischen Glauben. 1546 trat er dann die Regierung der Grafschaft Lippe an und versuchte während seiner Amtszeit vor allem, den evangelischen Glauben in seiner Grafschaft zu festigen. Dies stieß auf Missfallen des Kaisers Karl V., dessen Truppen im Verlauf des Schmalkaldischen Kriegs (1546–1547) das Land des Grafen besetzten und nach der Niederlage der evangelischen Seite 1548 das Augsburger Interim durchsetzten. In der Folge wurde Lippe zum direkten Reichslehen. 1555 besuchte Bernhard selbst den Reichstag in Augsburg und 1556 berief er eine Versammlung der evangelischen Geistlichkeit in seiner Grafschaft ein. Bernhard starb 1563.

Simon VI. (1563 bis 1613)Bearbeiten

Simon VI. zur Lippe (* 15. April 1554 in Detmold; † 7. Dezember 1613 in Brake) war von 1563 bis 1613 Reichsgraf und Landesherr der Grafschaft Lippe-Detmold. Simon war ein kluger, den neuen Wissenschaften gegenüber aufgeschlossener Renaissancefürst, der mit vielen Größen der Zeit, wie etwa mit Tycho Brahe oder Jost Bürgi, korrespondierte. Für Kaiser Rudolf II., dessen Hofrat und Kammerherr er war, übernahm er diplomatische Missionen wie die Schlichtung fürstlicher Erbstreitigkeiten. Er fungierte zudem als Vermittler und Agent vor allem von Gemälden aus den Niederlanden. 1584–1589 wurde die Burg Brake, die 1562 bis 1570 an Christoph von Donop verpfändet war, zum Schloss in den Formen der Weserrenaissance ausgebaut. Sie blieb bis zum Tode des Grafen Regierungssitz. Unter Simon VI. wurde die Grafschaft Lippe 1605 reformiert. Das führte zu großen Unstimmigkeiten mit der Freien und Hansestadt Lemgo, die seit 1522 lutherisch war. Lemgo widersetzte sich dem Edikt, den reformierten Glauben anzunehmen, und es kam zur „Lemgoer Revolte“. Der Glaubensstreit wurde erst 1617 mit dem Röhrentruper Rezess beendet.

Jahresgehälter laut Lippischer Kammerordnung von 1610[13]
Beruf Entgelt
Lippischer Kanzler 450 Taler
Hofrat 250 Taler
Bürgerlicher Rat 100 Taler
Lippischer Amtmann 050 Taler
Kutscher, Hofschneider 020 Taler
Küchenjunge 006 Taler

Simons Bibliothek diente der höfischen Repräsentation, war aber auch die Sammlung eines Berufspolitikers und Diplomaten mit theologischen und historischen Werken sowie philosophisch-staatstheoretischer und rechtswissenschaftlicher Literatur, die später den Grundstock der Lippischen Landesbibliothek Detmold bildete, wo sie noch heute aufbewahrt wird.

 Übersicht der Prägungen  1595 1598 1601 1602 1604 1605 1606 1607 1608 1609 1610 1611 1612 1613 o. J.
Doppelter Reichstaler S
1 Taler S S S S
1/24 Taler S S S S S S S S S
1/36 Taler S S S S S S S
1/96 Taler S S S S S S S
1 Gosler S
1 Schlüsselheller S

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, S = Silber

Münzen
Nominal: 1 Mariengroschen
  Münzstätte: ?
Ausgabe: 1605; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: Marienbild mit Jesuskind, umlaufend „T DOM 1605 MARIA MIA“ (vollständige Jahreszahl)
Rückseite: lippisches Wappen, vierfeldig; umlaufend „SIMON CO ET NO DOMI LIP“
Nominal: 1 Mariengroschen
  Münzstätte: ?
Ausgabe: 1605; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: Marienbild mit Jesuskind, umlaufend „T DOM 605 MARIA MIA“ (unvollständige Jahreszahl)
Rückseite: lippisches Wappen, vierfeldig; umlaufend „SIMON CO ET NO DOMI LIP“
Nominal: 1/24 Taler
  Münzstätte: ?
Ausgabe: 1608; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „1608“ über und „24“ in Reichsapfel; umlaufend „RUDOLIIDGRIS?“
Rückseite:

Simon VII. (1613 bis 1627)Bearbeiten

Simon VII. (* 30. Dezember 1587 auf Schloss Brake bei Lemgo; † 26. März 1627 in Detmold) wurde zusammen mit seinem älteren Bruder Bernhard an der Hofschule zu Kassel unterrichtet. Nach Bernhards frühem Tod (1602) wurde er nach Brake heimgeholt und von seinem Vater systematisch in die Regierungsgeschäfte eingeführt. 1617 beendete Simon VII. den erbitterten Streit, die „Lemgoer Revolte“, seines verstorbenen Vaters Simon VI. mit der Stadt Lemgo im Röhrentruper Rezess.

Kaufkraft des Lippischen Geldes im Jahr 1620[13]
Artikel Preis
Ein Paar Schuhe 14…16 Groschen
Ein Paar Kinderschuhe 6 Groschen
1 Pfund Butter aus Friesland 4½ Groschen
1 Pfund Lippische Butter 3½ Groschen
1 Pfund Käse 2 Groschen
Drei Heringe 1 Groschen

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) war Simon bemüht, sein kleines Land so weit wie möglich aus den Wirren des Krieges herauszuhalten, indem er sich neutral verhielt. Zu einer großen Belastung der Bevölkerung kam es allerdings in den Kriegszeiten durch die Einquartierungen und die damit verbundenen Verpflichtungen.

 Übersicht der Prägungen  1614 1615 1616 1617 1618 1619 1620 1621 1622 1623 o. J.
1 Goldgulden G G G
0Abschlag davon G
1 Taler S S S S S S S
Doppeltaler und Abschläge S S S(g) S
12 Kreuzer S S
1/21 Taler S S S
1 Guter Schilling“ zu 12 Pfennig S
12 Pfennig S
1/24 Taler (= 1 Reichsgroschen) S S S S S S S S
3 Kreuzer S S S
1/36 Taler (= 1 Mariengroschen) S
3 Pfennig K K
2 Pfennig K K
1 Pfennig K K K
1/2 Pfennig K

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, G = Gold, g = vergoldet, S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: 1/24 Taler
  Münzstätte: Blomberg; Münzmeister: Caspar oder Melchior Kohl
Ausgabe: 1616
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „1616“ über und „24“ in Reichsapfel; umlaufend „MATI * D * G * P * I * S * A“
Rückseite: heraldische Rose über und lippisches Wappen unter Helm; umlaufend „SIM ?? ???“
Nominal: 1/2 Pfennig
  Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Melchior Kuttner
Ausgabe: 1622 oder 1623
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: heraldische Rose, umgeben von je fünf Sternen und Punkten
Rückseite: Wertzahl („1“ / „-“ / „2“) zwischen zwei Kronen und zwei Lilien

Simon Ludwig (1627 bis 1636)Bearbeiten

Noch nicht mündig war Simon Ludwig (* 14. März 1610 in Brake; † 8. August 1636 in Detmold an Pocken), als sein Vater 1627 starb, so dass sein Stiefgroßvater Graf Christian von Waldeck zu seinem Vormund bestimmt wurde. 1627 trat der junge Graf die standesübliche Kavalierstour an, die ihn nach Prag, Frankreich, England und in die Niederlande führte. Nach seiner Rückkehr 1631 wurde die vorzeitige Volljährigkeitserklärung beim Kaiser Ferdinand II. beantragt.

Unter den Einfluss seines Kanzlers Christoph Deichmann gab Simon Ludwig allmählich die vorsichtige neutrale Politik seines verstorbenen Vaters auf und näherte sich Schweden an. Das brachte ihn in Misskredit bei den Kaiserlichen. Aber auch von der Gegenpartei blieb die Grafschaft Lippe nicht verschont; die Schweden verlangten Proviantlieferungen wie die Kaiserlichen Kontributionen. Die gräfliche Familie bekam die Härte der Kriegslasten noch deutlicher und direkter zu spüren als nur durch unbequeme dienstliche Verpflichtungen, so wurden 1634 die Burg Schwalenberg und 1636 Schloss Varenholz überfallen und geplündert.

Simon Philipp (1636 bis 1650)Bearbeiten

Simon Philipp war, wie seine Brüder, noch im Kleinkindesalter, als sein Vater starb. Seine Mutter, Gräfin Katharina, strebte die Vormundschaft über ihre Söhne an, aber da sie mit 24 Jahren selbst noch nicht volljährig war,[14] sollte ihr Vater, Graf Christian von Waldeck, als Vormund herangezogen werden. Doch da meldete Johann Bernhard, Bruder des verstorbenen Grafen, die Vormundschaft seiner Neffen und die Regentschaft im Lande an.

Aus Angst um das Leben ihrer Söhne setzte sich Gräfin Katharina mit den hessen-darmstädtischen Truppen, die zu der Zeit gerade in Lemgo und Rinteln lagen, in Verbindung, und 1638 entführte ein hessischer Hauptmann die jungen Prinzen und brachten sie nach Lemgo und Hameln („Prinzenraub“). Später wurden sie in die Obhut des Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt nach Marburg gegeben.

Zum Schutz vor dem Kriegsgeschehen wurden die Prinzen 1645 nach Gießen in Sicherheit gebracht. Dort gingen aber die Pocken um, woran 1646 die jüngeren Brüder von Simon Philipp starben. Darauf ließ seine Mutter Katharina ihren Sohn 1647 ein zweites Mal „entführen“. Über Umwege kehrte Graf Simon Philipp nach Detmold zurück. Ab 1649 reiste Simon Philipp nach Paris, Grenoble, Rom, Mailand und Florenz. In Florenz erkrankte er an den Pocken und verstarb 1650 daran. Da er ohne Nachkommen starb, wurde sein Onkel, Johann Bernhard, rechtmäßiger Landesherr der Grafschaft Lippe.

 Übersicht der Prägungen  o. J.
≤1638
1638 1639 o. J.
≥1644
ano-
nym
1 Goldgulden G
2 Mariengroschen S
1/24 Taler (= 1 Reichsgroschen) S S
6 Pfennig K K
3 Pfennig K K K
2 Pfennig K K K
1 1/2 Pfennig K
1 Pfennig K K K
1/2 Pfennig K K

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: 1 1/2 Pfennig
  Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Michael Kuttner oder Münzdirektor Hans Georg Mörser
Ausgabe: 1636 bis 1650; Auflage: ?
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: abwechselnd fünf große und fünf kleine Rosetten um „1 1/2“
Rückseite: abwechselnd fünf große und fünf kleine Rosetten um heraldische Rose

Johann Bernhard (1650 bis 1652)Bearbeiten

Johann Bernhard (* 1613; † 1652) war der zweitälteste Sohn von Graf Simon VII. zu Lippe und der Gräfin Anna Katharina von Nassau-Wiesbaden-Idstein. Nach dem Tode seines Neffen Graf Simon Philipp zur Lippe war er von 1650 bis 1652 Landesherr von Lippe-Detmold. Er starb kinderlos.

Hermann Adolf (1652 bis 1666)Bearbeiten

Hermann Adolf (* 1616; † 1666) vollendete 1659 die Erweiterung der Burg zu Horn mit einem prächtigen Barockportal, über dem die Wappen seiner Familie und der seiner Frau angebracht sind. Durch Entsendung einer Kompanie Landsknechte beteiligte er sich 1663/1664 am vierten Österreichischen Türkenkrieg.

 Übersicht der Prägungen  1658
3 Dukaten G
1 Taler S
1/2 Taler S
1/4 Taler S
4 Mariengroschen S
2 Mariengroschen S

Erklärung: G = Gold, S = Silber

Münzen
Nominal: 1 Guldengroschen (= 1 Taler)
  Münzstätte: Detmold; Münzmeister: Christoph Henning Schlüter
Ausgabe: 1658; Auflage: ?
Material: Silber; Durchmesser: 46,9 mm; Gewicht: 28,82 g
Vorderseite: Brustbild im Harnisch, umlaufend „HERMAN ADOLF GRAF V E HERR Z LIPP AO 1658“
Rückseite: Gekrönter Wappenschild der Grafschaft Lippe, umlaufend (in zwei Versionen belegt) „SPES CONFISA DEO NVNQVAM CONFVSA RECEDIT“

Simon Heinrich (1666 bis 1697)Bearbeiten

Simon Heinrich zur Lippe-Detmold (* 13. März 1649 in Sternberg; † 2. Mai 1697 in Detmold) ließ in den Jahren 1683–1685 bei dem heutigen Augustdorf das dort durch seinen Vater 1657 erbaute Jagdhaus Lopshorn durch ein repräsentatives Jagdschloss mit symmetrisch um einen Ehrenhof angeordneten Nebengebäuden ersetzen.

 Übersicht der Prägungen  1671 1672 1673 1674 1681 1683 1685 1689 1692 o. J.
12 Dukaten S
10 Dukaten G G
9 Dukaten S
8 Dukaten G
6 Dukaten G
4 Dukaten G
3 Dukaten G G
1 1/2 Dukaten G
1 Dukat G G
1 Doppeltaler S S
1 Taler S S S S
24 Mariengroschen S
1/3 Taler S S
1/4 Taler und Klippe S S
6 Mariengroschen = 1/6 Taler S S
4 Mariengroschen S S
2 Mariengroschen S
1 Mariengroschen S S S
1/24 Taler S S
1 Matthier S S S
1 1/2 Pfennig B
1 Pfennig = 1/6 Mariengroschen B
1/2 Pfennig = 1/12 Mariengroschen B
1/2 Pfennig K

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, G = Gold, S = Silber, K = Kupfer, B = Billon

Münzen
  Nominal: 1 Pfennig (= 1/6 Mariengroschen)
Ausgabe: 1666
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „6“ in Reichsapfel, umlaufend „LANDT * MUNTZE“
Rückseite: heraldische Rose, umlaufend „* GREFLIGE * LIPP *“
  Nominal: 1 Taler
Ausgabe: 1672
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „SIMON HEINRICH: C: & NOB: DOM: IN LIP.: *“ um nach rechts blickenden Kopf
Rückseite: heraldische Rose über, „1672“ und „H“ neben sowie lippisches Wappen unter Helm, umlaufend „CLEMENTE DEO ET BONA CONSCIENTIA:“
  Nominal: 1/3 Taler
Ausgabe: 1672
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „III“ / „EINEN“ / „REICHS“ / „THAL“ / zwischen zwei Rosetten ein „‘X‘ “, umlaufend „* GR : LIPP : SILBER : MUNTZ * 1672“
Rückseite: Rosette über und lippisches Wappen, vierfeldig, unter Helm; umlaufend „SIMON HEN. G. U. EDLER H. Z. LIPPE“
  Nominal: 4 Mariengroschen
Ausgabe: 1672
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite:
Rückseite:
  Nominal: 1 Mariengroschen
Ausgabe: 1672
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „1“ / „MARI“ / „GROS“ / „1672“; umlaufend „* GR LIPP LANDT MUNTZ“
Rückseite: von Zweigen umrandete heraldische Rose, darunter „36“

Friedrich Adolf (1697 bis 1718)Bearbeiten

Friedrich Adolf (* 2. September 1667; † 18. Juli 1718) brach mit der Tradition seiner Vorgänger, seinen militärischen Verpflichtungen dem Reich gegenüber durch Zahlung von Subsidiengeldern nachzukommen und stellte eine eigene lippische Kompanie auf. Diese wurde zwischenzeitlich über das vom Reich geforderte Maß hinaus auf Bataillonsstärke ausgebaut. Während seiner Regierungszeit kam die Truppe jedoch nicht zum Einsatz.

 Übersicht der Prägungen  1710 1711 1712 1713 1714 1715 1716 1717 o. J.
Medaille zu 10 Dukaten G
10 Dukaten G
5 Dukaten G G G
0Silber-Abschlag davon S
1 Dukat G G G G G G
0Silber-Abschlag davon zu 1 1/2 Dukaten S
0Silber-Abschlag davon zu 2/3 Taler S
0Silber-Abschlag davon S
0Kupfer-Abschlag davon K
Medaille zu 1 Dukaten G G
0Silber-Abschlag davon S
0Gold-Abschlag von 1/48 Taler G G
1/4 Dukat G G
0Klippe zu 1/4 Dukat S
1 Taler S S S S
2/3 Taler S S S S S S S S
0Kupfer-Abschlag davon K
1/3 Taler S S S S S S
Klippe zu 1/4 Taler S
0Kupfer-Abschlag davon K
1/6 Taler S S S S
1/12 Taler S S S S S S S S
1 Mariengroschen S S S S S S B
1/48 Taler S S S S S S S
Matthier S S S S S S
3 Pfennig K
2 Pfennig K
1 1/2 Pfennig K
1 Pfennig = 1/6 Mariengroschen ver.
1/2 Pfennig K

Erklärung: o. J. = ohne Jahreszahl, G = Gold, S = Silber, K = Kupfer, B = Billon; ver. = verschiedene Metalle verwendet

Münzen
  Nominal: 2 Pfennig
Ausgabe: 1715 bis 1717; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans oder Ludolf Heinrich Lüders
Material: Kupfer; Durchmesser: 18,7 mm; Gewicht: 1,45 g
Vorderseite: Wertzeichen „II“ in Kreis, umlaufend je vier Rosetten und Helme (?)
Rückseite: Rose mit Kelchblättern, umlaufend „G LIPP L MVNTZ *“
  Nominal: 1 1/2 Pfennig
Ausgabe: 1716 bis 1717; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans oder Ludolf Heinrich Lüders
Material: Kupfer; Durchmesser: 16,9 mm; Gewicht: 0,92 g
Vorderseite: Wertzeichen „1 ½“ von abwechselnd sechs großen und sechs kleinen Rosen umrandet
Rückseite: heraldische Rose von abwechselnd fünf großen und fünf kleinen Rosen umrandet
Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1716 bis 1717; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans oder Ludolf Heinrich Lüders
Material: ?; Durchmesser: 15,3 mm; Gewicht: 0,78 g
Vorderseite:
Rückseite:
Nominal: 1/2 Pfennig
Ausgabe: 1715 bis 1716; Münzstätte Detmold; Münzmeister: Hans oder Ludolf Heinrich Lüders
Material: Kupfer; Durchmesser: 15,7 mm; Gewicht: 0,89 g
Vorderseite:
Rückseite:

Simon Heinrich Adolf (1718 bis 1734)Bearbeiten

Simon Heinrich Adolf (* 25. Januar 1694; † 12. Oktober 1734) ist dadurch bekannt geworden, dass er im Jahre 1720 von Kaiser Karl VI. in den Reichsfürstenstand erhoben werden sollte, dies aber nicht ausgeführt werden konnte, weil es ihm nicht möglich war, die dazu nötigen Kosten von 4400 Reichstalern zu beschaffen. Eine chronische Geldnot nötigte ihn 1725, die verschuldeten holländischen Herrschaft Vianen und Ameide zu verkaufen und die Burg Sternberg 1733 an Hannover zu verpfänden. Außerdem verwandt Simon Heinrich Adolf ungemeine Sorgfalt auf die Wohlfahrt seines Landes, förderte kräftig Religion, Sitte, Gerechtigkeit und den Wohlstand aller seiner Untertanen.

 Übersicht der Prägungen  1718 1719 1720 1722 1724 1726 1727
1 Dukat G G
1 Taler S
2/3 Taler S S S
0Kupferabschlag davon K
1/2 Taler-Klippe S
0Goldabschlag davon G
0Kupferabschlag davon K
1/3 Taler S
1/6 Taler S
1/12 Taler S S
1 Mariengroschen S
1 Matthier S
1 Pfennig K
1/2 Pfennig K

Erklärung: G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Münzen
  Nominal: 2/3 Taler
Ausgabe: 1719
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „2/3“ und „1719“ unter sowie fünf Helme über lippischen Wappen; umlaufend „SUPR * D * TIAN * ET * A * MEID * BURG * H * ULTR *“
Rückseite: nach rechts blickender Kopf, umlaufend „SIMON * HENRICH * ADOLF * M * C * ET * M * D * LIPP“
  Nominal: 1/6 Taler
Ausgabe: 1720
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischenzwei Rosetten eine „VI“ / „EINEN REICHS“ / „THALER“ / Rosette / „L H L“, umlaufend „NACH DEM LEIPZIGER FVS 1720“
Rückseite: nach rechts blickender Kopf, umlaufend ‚Rosette‘ „SIM: HENR: ADOLPH COM. & N D LIPP S D V & AM:“
  Nominal: 1/2 Taler
Ausgabe: 1727, zum 33. Geburtstag des Simon Heinrich Adolf
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: 15,33 g
Vorderseite: „SIM HENR ADOLP COM & NOBDOM LIPP“ um nach rechts blickenden Kopf des Simon Heinrich Adolf; darunter die Jahreszahl „XXXIII A.D. ANNO“ / „COMPLETO“
Rückseite: „ZU DREY“ / „UNDDREYSSIG“ / „IAHRN. GIB GOTT“ / „NOCH VIELE ZU.“ / „DEM HERREN GLUCK“ / „UND HEYL DEM LANDE“ / „FRIED UND RUH.“ / „ANNO 1727 4 FEB“ / „DIENATALI.“; darum umlaufend „* GOTT ERHALTE DAS HOCHGRAEFLICHE LIPPISCHE HAUS“

Simon August (1734 bis 1782)Bearbeiten

Bis 1747 regierte Simon August (Lippe) unter Vormundschaft seiner Mutter Johanna Wilhelmine, Tochter des Fürsten Georg August von Nassau-Idstein. Unter dem Einfluss der Aufklärung erließ er eine neue Haushalt-, Sozial- und Rechtsordnung und führte 1749 in Lippe zusammen mit Adolf von Hillensberg den Haushaltsplan ein, um nicht mehr auszugeben, als an Einnahmen zur Verfügung steht. Die Sparkasse Detmold und die Landesbrandversicherungsanstalt führen sich auf erste Gründungen von ihm zurück. Er erwarb die Saline Salzuflen und baute Meinberg zum Heilbad aus.

In die Regierungszeit Simon Augusts fiel 1753 die Einführung des Konventionsfußes. Danach hatte das Fürstentum Lippe als Währung den Taler: 1 Taler = 36  Mariengroschen = 288 Pfennig = 576  Heller. Den Batzen und den Kreuzer gab es im Gegensatz zu anderen Gebieten als Währung im Fürstentum Lippe nicht.

 Übersicht der Prägungen  1763 1764 1765 1766 1767 1768 1769 1770 1772
1 Dukat G G G
1 Taler S
2/3 Taler S S
1/3 Taler S
1/6 Taler S S S
4 Mariengroschen S
1/12 Taler S S S S S
1/24 Taler S
1 Mariengroschen S S S S S
1/48 Taler S
1 Matthier S S S S
2 Pfennig K S S
1 Pfennig S / K K K
1/2 Pfennig K
1 Heller K K
0Silberabschlag davon S

Erklärung: G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Münzen
  Nominal: 1 Matthier
Ausgabe: 1766
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „MATT.“ / „1766“ / „B 3“ (?)
Rückseite: heraldische Rose, umlaufend acht Rosetten
  Nominal: 1 Konventionstaler
Ausgabe: 1767, zum 41. Geburtstag des Simon August am 12. Juni 1767
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: nach rechts blickender Kopf; umlaufend „SIMON AUGUST COM. * OB. D. LIPP. S. D.V. & ??HVLTR.“
Rückseite: „QUEM“ / „QUADRAGESIES ET“ / „SEMEL PATRIAE“ / „NATUM ESSE“ / „GP ATULAMUR“ / „d: XII Jun.“ / „MDCCLXVII“
Anmerkung: Dieser lippische Taler ist der einzige jemals nach dem Konventionsfuß geprägte lippische Taler; da aber die Wertangabe fehlt, entspricht er nicht ganz den Vorschriften!
  Nominal: 1 Heller
Ausgabe: 1767
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „HELLER“ / „GR. LIPP.“ / „SCHEIDE“ / „MUNTZ“ / „1767“
Rückseite: heraldische Rose
  Nominal: 1 Heller
Ausgabe: 1768
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „HELLER“ / „GR. LIPP.“ / „SCHEIDE“ / „MUNTZ“ / „1768“
Rückseite: heraldische Rose
  Nominal: 1 Matthier
Ausgabe: 1769
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „MATT.“ / „1769“ / „B 3“ (?); umlaufend „* GR: LIPP: LAND MUNTZ“
Rückseite: „AS“ in heraldischer Rose, umlaufend „* COM & N D LIPP S: D: V & A“
  Nominal: 1/3 Taler
Ausgabe: 1772
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: 7,73 g
Vorderseite: „3“ / „EINEN“ / „THALER“ / „1772“ / „--------“ / „H D S“ / „IUSTIRE“, umlaufend „40 : ST ** KINK REINE MARCK“ und Rosette
Rückseite: lippisches Wappen, vierfeldig, unter Krone; umlaufend „SIM. AUG. COM. & N. D. LIPP. S. D. V. & A.“
  Nominal: 4 Pfennig
Ausgabe: 1784
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischenzwei Rosetten eine „4“ / „PFEN“ / „NING“ / „1784“ / „D + S“
Rückseite: „L M * G L“ um heraldische Rose

Ludwig Heinrich Adolph (1782 bis 1789), Regent für Leopold I.Bearbeiten

Am 13. März 1786 errichtete Graf Henrich Adolph zur Lippe für die Gräflich-Lippische Leihekasse zu Detmold die erste Leihekasse-Verordnung. Damit war der Grundstein gelegt. Ab dem 1. Mai waren die Kassen geöffnet, um Spargroschen sicher zu verwahren und den Bürgern kleinere Darlehen zu geben. Aus den alten Rechnungsbüchern geht hervor, dass Ende des Jahres 1786 bereits Spareinlagen in Höhe von 26.432 Reichstalern angesammelt und fast in gleicher Höhe Kredite ausgelegt worden waren.[15]

 Übersicht der Prägungen  1783 1784 1785 1786 1789
1 Mariengroschen S S S
4 Pfennig S
1 Matthier S S
2 Pfennig S
1 Heller K

Erklärung: S = Silber, K = Kupfer

FÜRSTENTUM LIPPE

Leopold I. (1789 bis 1802)Bearbeiten

Wilhelm Leopold I. (* 2. Dezember 1767 in Detmold; † 4. April 1802 in Detmold) war der erste Fürst von Lippe. Am 5. November 1789 übernahm er die Regierung und löste als erstes den noch von seinem Großvater Simon Heinrich 1720 beantragten Fürstenbrief ein. 1790 kam eine bereits in früheren Jahren diagnostizierte Geistesstörung zum Ausbruch und es folgte seine Entmündigung durch das Reichskammergericht; 1795 wurde dann nach Eintritt einer Besserung die Vormundschaft bedingt aufgehoben. Am 2. Januar 1796 heiratete er Pauline von Anhalt-Bernburg. In dieser Ehe gesundete der Fürst und wurde Vater von zwei Söhnen. Pauline wurde seine Beraterin und Mitarbeiterin, wobei sie es klug einrichtete, meist im Hintergrund blieb und alles vermied was als Überschreitung ihrer Pflichten gedeutet werden konnte. Nach kaum sechsjähriger Ehe starb der Fürst 1802 an Darmtuberkulose, unter deren Einfluss sich zuletzt noch einmal Geistesstörung und Gedächtnisverlust einstellten. Pauline übernahm in der Folgezeit die Regentschaft für den noch unmündigen Erbprinzen, den späteren Fürsten Leopold II. und galt als treffliche Landesmutter.

 Übersicht der Prägungen  1789 1790 1791 1792 1793 1794 1795 1796 1798
1 Jeton (= 1 1/2 Dukaten) G
0Silber-Abschlag davon S
0Kupfer-Abschlag davon K
1 Prämientaler S
0Kupfer-Abschlag davon K
Prämienmünze (zu 1 Gulden Courant) S
1/12 Taler S S
1 Mariengroschen S S S S S
1 Matthier S S S S S
1 Pfennig K
1 Heller K K

Erklärung: G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Pauline (1802 bis 1820)Bearbeiten

Pauline (* 23. Februar 1769 in Ballenstedt als Prinzessin von Anhalt-Bernburg; † 29. Dezember 1820 in Detmold) gilt bis in die heutige Zeit als eine der bedeutendsten Herrscherinnen in Lippe: Sie hob am 1. Januar 1809 durch fürstliche Verordnung die bis dahin bestehende Leibeigenschaft der Bauern auf, bewahrte die Selbstständigkeit Lippes und bemühte sich um eine Verfassung, mit der die ständische Ordnung aufgebrochen wurde. Im kollektiven geschichtlichen Bewusstsein der lippischen Bevölkerung rangiert jedoch ihr soziales Engagement an erster Stelle.[16] Sie gründete die erste Kinderbewahranstalt in Deutschland, eine Erwerbsschule für verwahrloste Kinder, ein freiwilliges Arbeitshaus für erwachsene Almosenempfänger und eine Pflegeanstalt mit Krankenstube.

Am 4. April 1802 starb Leopold I., und Pauline übernahm am 18. Mai für ihren unmündigen Sohn, den späteren Fürsten Leopold II., die Regentschaft.

Kornpreise von 1810 in Taler und Groschen für einen Lippischen Scheffel (= 36,25 Liter)[17]
Artikel 00Lemgo 000Horn Blomberg 0Salzuflen 0Detmold
Weizen 1 T 253/4 G 1 T 252/3 G 1 T 23 G 1 T 281/2 G 1 T 281/4 G
Roggen 1 T 81/6 G 1 T 41/4 G 1 T 51/2 G 1 T 81/2 G 1 T 83/4 G
Gerste 351/2 G 353/4 G 351/4 G 1 T 23/4 G 1 T 23/4 G
Hafer 602/5 G 601/6 G 501/4 G 801/4 G 693/5 G

Die "Leihekasse von 1786" ist jedoch nicht der einzige Vorläufer der heutigen Sparkasse Detmold. 1804 wurde unter der Regierung der Fürstin Pauline zur Lippe die "Leihbank" gegründet. Die beiden Institute schlossen sich 1909 zur "Fürstlich-Lippischen Landesspar- und Leihekasse in Detmold" zusammen. Zum Kreis der Vorgänger zählen weiterhin auch die "Sparkasse Horn-Bad Meinberg" von 1841, die "Stadtsparkasse Lage" von 1860, die "Städtische Sparkasse Barntrup" von 1883, die "Städtische Sparkasse Detmold" von 1904, die "Amtssparkasse/Kreissparkasse Lage (Lippe)" von 1906, die "Städtische Sparkasse Schwalenberg" von 1914, die "Gemeindesparkasse Elbrinxen" von 1919 und die Amtssparkasse/Kreissparkasse Detmold" von 1920.[15]

 Übersicht der Prägungen  1802 1803 1804 1809 1812 1814 1816 1818
1 Mariengroschen S S S
0Gold-Abschlag davon zu 1/2 Dukaten G
2 Pfennig K
1 Pfennig K S
1 Heller K K K K K
0Silber-Abschlag davon S

Erklärung: G = Gold, S = Silber, K = Kupfer

Münzen
  Nominal: 1 Heller
Ausgabe: 1802, Auflage = 166.369 Stück (Wert = 166.369 Heller); 1809; Auflage = 108.288 Stück (Wert = 108.288 Heller); 1812, 1814, 1816
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „HELLER“ (Variante: mit „.“ (1809)) / „1802“ / Rosette (Variante: Münzmeisterzeichen „T“ (1812))
Rückseite: heraldische Rose
  Nominal: 2 Pfennig
Ausgabe: 1802, Auflage = 127.008 Stück (Wert = 254.016 Pfennig)
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „II“; „PFEN=“ / „NING“ (Variante mit „.“) / „1802“ / Rosette
Rückseite: heraldische Rose
  Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1802, Auflage = 119.832 Stück (Wert = 119.832 Pfennig)
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“; „PFEN=“ / „NING“ / „1802“ / Rosette
Rückseite: heraldische Rose
  Nominal: 1 Mariengroschen
Ausgabe: 1804
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „LIPP.MAR“ / „GROS:“ / „1804“ / „--------“
Rückseite:
  Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1818
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „PFEN=“ / „NING“ / „1818“ / Münzmeisterzeichen „T“ (Variante: ohne „T“)
Rückseite: heraldische Rose

Leopold II. (1820 bis 1851)Bearbeiten

Paul Alexander Leopold II. (* 6. November 1796 in Detmold; † 1. Januar 1851 ebenda) war beim Tod seines Vaters Leopold I. erst sechs Jahre alt. Deshalb übernahm zu Beginn seiner Regentschaft im Jahr 1820 seine äußerst fähige Mutter Pauline bis zu ihrem Tod die Regierungsgeschäfte.

Gesetzliche Ausbringung der wichtigsten Sorten vor Einführung der Reichswährung
Nennwert Prägezeit Metall Gewicht Feingewicht Feingehalt
Doppeltaler 1843 Silber 37,120 g 33,408 g 900,0
Vereinstaler 1860, 1866 Silber 18,519 g 16,667 g 900,0 ‰
2 1/2 Silbergroschen 1847 Billon 3,248 g 1,218 g 375,0 ‰
2 1/2 Silbergroschen 1860 Billon 3,221 g 1,208 g 375,0 ‰
1 Silbergroschen 1847 Billon 1,559 g 0,487 g 312,5 ‰
1 Silbergroschen 1860 Billon 2,196 g 0,483 g 220,0 ‰
1/2 Silbergroschen 1847 Billon 0,974 g 0,244 g 250,0 ‰

Zur Regierung gelangt, führte Leopold ein wahres Einsiedlerleben. Seine Gemahlin, Prinzessin Emilie von Schwarzburg-Sondershausen (* 23. April 1800), war eine gute, sanfte Frau, die sich der strengen Lebensweise ihres Gatten unterwarf. Das Ehepaar hatte neun Kinder und führte ein musterhaftes Familienleben. Leopold II. hatte zwei Leidenschaften, die Jagd und das Theater, das zu den besten Deutschlands gehörte, dessen Kosten aber, im Vergleich zu den Einnahmen des Staates, unverhältnismäßig hoch waren. Albert Lortzing war 1826–1833 am Detmolder Theater engagiert.

1838 trat das Land Lippe der Dresdner Münzkonvention und 1857 dem Wiener Vertrag bei. Die Münzung erfolgte – gemäß diesen Verträgen – in Berlin.

 Übersicht der Prägungen  1821 1822 1823 1824 1825 1826 1828 1829 1830 1835 1836 1840 1843 1847
2 Taler S
2 1/2 Silbergroschen S
1 Silbergroschen S
1/2 Silbergroschen S
0Kupfer-Abschlag davon K
3 Pfennig K
0Silber-Abschlag davon S
1 1/2 Pfennig K K K K
1 Pfennig K K K K K K K K K K
1 Heller K K K K K

Erklärung: S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: 1 Pfennig
  Münzstätte: Blomberg; Beauftragter für Kupferprägungen: Strickling
Ausgabe: 1821
Material: Kupfer; Durchmesser: 18,6 mm; Gewicht: 2,02 g
Vorderseite: heraldische Rose, als Butzen kleine (Variante: große) Punkte
Rückseite: zwischen zwei Rosetten „I“ / „PFEN=“ / „NING.“ / „1821“ / Münzmeisterzeichen „ST“
Nominal: 1 1/2 Pfennig
  Münzstätte: Lemgo; Beauftragter für Kupferprägungen: Trebbe
Ausgabe: 1825
Material: Kupfer; Durchmesser: 20,9 mm; Gewicht: 2,90 g
Vorderseite: heraldische Rose
Rückseite: zwischen zwei Rosetten „I I/2“ / „PFEN=“ / „NING.“ / Jahreszahl / Münzmeisterzeichen „T“
Nominal: 1 Heller
  Münzstätte: Blomberg; Beauftragter für Kupferprägungen: Strickling
Ausgabe: 1840
Material: Kupfer; Durchmesser: 16,5 mm; Gewicht: 1,08 g
Vorderseite: heraldische Rose
Rückseite: zwischen zwei (Variante: große oder kleine) Rosetten eine „I“ / „HELLER“ (Variante: „HELLER.“) / Jahreszahl (Variante: Jahreszahl mit „.“) / Münzmeisterzeichen „ST.“ (Variante: „ST“)
  Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1821, 1824
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „PFENNING“ / Jahreszahl / Münzmeisterzeichen „ST.“
Rückseite: heraldische Rose
  Nominal: 1 Guter Pfennig
Ausgabe: 1825
Material: ?; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei Rosetten eine „I“ / „GUTER“ / „PFENNIG“ / „1826“
Rückseite: Wappen unter Krone
  Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1828, 1829, 1830, 1836, 1840
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: zwischen zwei (Variante 1836: große und kleine) Rosetten eine „I“ / „PFENNIG“ / Jahreszahl / Münzmeisterzeichen „ST.“ (Variante 1929: ohne „.“; Variante 1840: ohne Münzmeisterzeichen)
Rückseite: heraldische Rose
  Nominal: Doppeltaler
Ausgabe: 1843, Auflage = 16.800 Stück (Wert = 33.600 Taler)
Material: Silber; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „* 2 THALER VII EINE F. MARK 3 1/2 GULDEN *“ / „VEREINS 1843 MÜNZE“ um neunfeldiges Wappen auf Hermelinmantel unter Fürstenhut
Rückseite: „PAUL ALEXANDER LEOPOLD FÜRST ZUR LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf; Münzstättenzeichen „A“
Randschrift: „CONVENTION VOM 30 JULY 1838 *“
  Nominal: 2 1/2 Silbergroschen
Ausgabe: 1847, Auflage = 363.264 Stück (Wert = 908.160 Silbergroschen)
Material: Billon; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „12 EINEN THALER“ über und „SCHEIDEMÜNZE“ unter „2 1/2“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1847“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „PAUL ALEX. LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rand: glatt
  Nominal: 1 Silbergroschen
Ausgabe: 1847, Auflage = 750.000 Stück (Wert = 750.000 Silbergroschen)
Material: Billon; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „30 EINEN THALER“ über und „SCHEIDE MÜNZE“ unter „1“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1847“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „PAUL ALEX. LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rand: glatt
  Nominal: 1/2 Silbergroschen
Ausgabe: 1847, Auflage = 320.580 Stück (Wert = 160.290 Silbergroschen)
Material: Billon; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „60 EINEN THALER“ über und „SCHEIDE MÜNZE“ unter „1/2“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1847“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „PAUL ALEX. LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rand: glatt
  Nominal: 3 Pfennig
Ausgabe: 1847, Auflage = 1.019.600 Stück (Wert = 3.050.700 Pfennig)
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „SCHEIDE MÜNZE“ über „3“ / „PFENNINGE“ / „1847“ / „--------“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „4 EINEN SILB. GROSCHEN“ um Schild mit heraldischer Rose unter Fürstenhut
Rand: glatt
  Nominal: 1 Pfennig
Ausgabe: 1847, Auflage = 972.000 Stück (Wert = 972.000 Pfennig)
Material: Kupfer; Durchmesser: ?; Gewicht: ?
Vorderseite: „SCHEIDE MÜNZE“ über „1“ / „PFENNING“ / „1847“ / „--------“ / Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „12 EINEN SILBERGROSCHEN“ um Schild mit heraldischer Rose unter Fürstenhut
Rand: glatt

Leopold III. (1851 bis 1875)Bearbeiten

Paul Friedrich Emil Leopold III. (* 1. September 1821 in Detmold; † 8. Dezember 1875 ebenda) regierte vom 1. Januar 1851 bis zum 8. Dezember 1875. Als streng Konservativer war Leopold ein Gegner der Märzrevolution. Er löste deshalb den Landtag bald auf und hob durch Verordnung vom 15. März 1853 die Verfassung von 1849 auf und führte die Verfassung von 1836 wieder ein, obwohl man ihm davon abriet. Die liberale Partei schäumte über diesen Staatsstreich, während sich der Fürst auf den Standpunkt stellte, dass er die durch die Revolution erzwungene Verfassung weder veranlasst noch gebilligt, geschweige denn beschworen habe. Seine Kabinettsräte ersetzte er darauf durch den unrühmlich bekannten Dr. Hannibal Fischer, den hochkonservativen „Flotten-Fischer“, der sich und die Regierung weiterhin äußerst unbeliebt machte. Seinem Nachfolger, dem konservativen Minister Alexander von Oheimb, gelang trotzdem ein großer Erfolg in der Verhandlung mit den Ständen, indem er die Trennung von Landes- und Domanialhaushalt im Sinne des Fürsten durchführte und die Anerkennung der Stände erlangte, dass das Domanium als Privatbesitz der fürstlichen Familie anerkannt wurde. Im Allgemeinen dauerte aber der Verfassungsstreit an, und die liberale Opposition erregte sich über von Oheimbs Erfolg nur noch mehr, machte dem Fürsten das Leben sauer und verbitterte ihn, während sich der Riss zwischen Konservativen und Liberalen, zwischen Stadt und Land vertiefte. Dies schmerzte den Fürsten durchaus, denn er galt als leutselig und freundlich: Zu seinen wöchentlichen Audienzen hatte jedermann Zutritt.

1875 wurde die im ganzen Kaiserreich eingeführte Goldmark auch Zahlungsmittel im Fürstentum. Die Vorderseite, das Avers, konnte von den Gliedstaaten des Reiches gestaltet werden. In Lippe zeigten sie teils das Porträt des regierenden Fürsten.

 Übersicht der Prägungen  1851 1858 1860 1866
1 Vereinsthaler S S
2 1/2 Silbergroschen S
1 Silbergroschen S
3 Pfennig K
1 Pfennig K

Erklärung: S = Silber, K = Kupfer

Münzen
Nominal: 1 Pfennig
  Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1851, Auflage = 1.080.000 Stück; 1858, Auflage = 900.000 Stück
Material: Kupfer; Durchmesser: 17,6 mm; Gewicht: 1,5 g
Vorderseite: „12 EINEN SILB. GROSCHEN“ um Schild mit heraldischer Rose unter einem Fürstenhut
Rückseite: „SCHEIDE MÜNZE“ über „1“ / „PFENNING“ / Jahreszahl / „--------“ / Münzstättenzeichen „A“
Rand: glatt
Nominal: 3 Pfennig
  Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1858, Auflage = 60.000 Stück
Material: Kupfer; Durchmesser: 24,0 mm; Gewicht: 4,5 g
Vorderseite: „4 EINEN SILB. GROSCHEN“ um Schild mit heraldischer Rose unter Fürstenhut
Rückseite: „SCHEIDE MÜNZE“ über „3“ / „PFENNINGE“ / „1858“ / „--------“ / Münzstättenzeichen „A“
Rand: glatt
Nominal: 1 Vereinsthaler
  Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1860, Auflage = 25.600 Stück; 1866, Auflage = 17.500 Stück
Material: Silber; Durchmesser: 33,1; Gewicht: 18,5 g
Vorderseite: „PAUL FRIEDRICH EMIL LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf, am Halsabschnitt „C. P.“, darunter das Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „EIN VEREINSTHALER XXX EIN PFUND FEIN“ und Jahreszahl um ein neunfeldiges Wappen auf Hermelinmantel unter einem Fürstenhut
Randschrift: „MÜNZVERTRAG VOM 24. JANUAR 1857“
Nominal: 2 1/2 Silbergroschen
  Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1860, Auflage = 120.000 Stück
Material: Silber; Durchmesser: 21,1 mm; Gewicht: 3,2 g
Vorderseite: „PAUL FRIEDR. EMIL LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rückseite: „12 EINEN THALER“ über und „SCHEIDE MÜNZE“ unter „2 1/2“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1860“ / Münzstättenzeichen „A“
Rand: glatt
Nominal: 1 Silbergroschen
  Münzstätte: Berlin; Medailleur: Christoph Carl Pfeuffer (Vorderseite)
Ausgabe: 1860, Auflage = 432.000 Stück
Material: Silber; Durchmesser: 18,5 mm; Gewicht: 2,2 g
Vorderseite: „PAUL FRIEDR. EMIL LEOPOLD FÜRST Z. LIPPE“ um nach rechts blickenden Kopf
Rückseite: „30 EINENTHALER“ über und „SCHEIDE MÜNZE“ unter „1“ / „SILBER“ / „GROSCHEN“ / „1860“ / Münzstättenzeichen „A“
Rand: glatt

Woldemar (1875 bis 1895)Bearbeiten

Günther Friedrich Woldemar (* 18. April 1824 in Detmold; † 20. März 1895 ebenda) war bei seinem Regierungsantritt am 8. Dezember 1875 schon 51 Jahre alt.

Angesichts der eigenen Kinderlosigkeit, dem entmündigten Bruder Karl Alexander zur Lippe und die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten für die Erbfolge versuchte er die Ereignisse zu präjudizieren. Aufgrund persönlicher Abneigung und beseelt von dem Wunsch, sein Land einem Mitglied eines regierenden Fürstenhauses zu vererben, bestimmte in seinem Testament den Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe, einen Schwager Kaiser Wilhelms II., zu seinem Nachfolger und entfachte dadurch den lippischen Thronstreit, der in dem folgenden Jahrzehnt in Lippe die Geister trennte und das Interesse der Weltöffentlichkeit erregte.

Während der Regierungszeit Woldemars bis zum 20. März 1895 sind keine lippischen Münzen geprägt worden.

Alexander (1895 bis 1905)Bearbeiten

Fürst Karl Alexander (* 16. Januar 1831 in Detmold; † 13. Januar 1905 in St. Gilgenberg bei Donndorf) war vom 20. März 1895 bis zum 13. Januar 1905 nominell regierender Fürst zur Lippe, aber als geisteskrank entmündigt. Bis 1897 führte Schaumburg-Lippe die Regentschaft, ab 1897 Lippe-Biesterfeld, ab 1905 endgültig Lippe-Biesterfeld. Die wechselnde Regentschaft ist auch als lippischer Erbfolgestreit bekannt. Mit Alexanders Tod am 13. Januar 1905 starb die Detmolder Linie des Lippischen Fürstenhauses aus.

Auch während seiner Regierungszeit sind keine lippischen Münzen geprägt worden.

Leopold IV. (1905 bis 1918)Bearbeiten

Leopold IV. Julius Bernhard Adalbert Otto Karl Fritz Georg Gustav zur Lippe (* 30. Mai 1871 in Oberkassel bei Bonn; † 30. Dezember 1949 in Detmold) war der letzte regierende Fürst von Lippe (1905 bis 1918). Leopolds Regierung stand im Zeichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufstiegs, er war aufgeschlossen für Technik und Industrie. Um den Bewohnern Erwerbsmöglichkeiten zu bieten, ließ er die Staatswerkstätten einrichten und eine größere Anzahl bedeutender Bauvorhaben ausführen. Die Prachtbauten des Regierungs- und Landtagsgebäudes, der Sparkassen und Banken, des Gymnasiums, des Lehrerseminars, die Christuskirche mit Fürstengruft auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz, das evangelische Pfarramt, die Kasernen, der Ausbau des Schlosses usw. dienten dieser Maßnahme. In Bad Salzuflen unterstützte er mit Zuschüssen aus der eigenen Kasse die Erbohrung der Leopoldsquelle. Seine bedeutendste Schöpfung ist die Fürst-Leopold-Verwaltungsakademie: eine Fachhochschule, in der kriegsversehrte Offiziere zu Kommunalbeamten umgeschult wurden.

Seine große Liebe galt der Jagd und dem Theater, so ließ er mitten im Ersten Weltkrieg das abgebrannte Hoftheater wieder aufbauen. Auch der Volksbildung wandte er seine Fürsorge zu. Das Landesschulgesetz von 1914 schuf die staatliche Oberschulbehörde und beseitigte die Schulaufsicht der Kirche. Die Akademie stellte die Lehrer besser, den preußischen gleich. Die neuen Steuergesetze brachten eine gerechte Verteilung der Lasten und eine wesentliche Erhöhung des Steueraufkommens. Die Erschließung des Landes durch Straßen und Bahnen förderte Handel und Verkehr. Besonders die Industrialisierung machte starke Fortschritte. Im Zuge der Novemberrevolution wurde Leopold IV. durch den lippischen Volks- und Soldatenrat am 12. November 1918 zum Thronverzicht gedrängt.

 Übersicht der Prägungen  1906 1913
2 Reichsmark S
3 Reichsmark S

Erklärung: S = Silber

Münzen
Nominal: 2 Mark
  Münzstätte: Berlin; Medailleur: Otto Schultz (Vorderseite)
Ausgabe: 1906, Auflage = 20.000 Stück
Material: 900er Silber; Durchmesser: 28,0 mm; Gewicht: 11,111 g
Vorderseite: „LEOPOLD IV FÜRST ZUR LIPPE“ um nach links blickenden Kopf, darunter das Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „DEUTSCHES REICH 1906“ und „ZWEI MARK“ um gekrönten Reichsadler mit Brustschild
Rand: geriffelt
Nominal: 3 Mark
  Münzstätte: Berlin; Medailleur: Otto Schultz (Vorderseite)
Ausgabe: 1913, Auflage = 15.000 Stück
Material: 900er Silber; Durchmesser: 33,0 mm; Gewicht: 16,667 g
Vorderseite: „LEOPOLD IV FÜRST ZUR LIPPE“ um nach links blickenden Kopf, darunter das Münzstättenzeichen „A“
Rückseite: „DEUTSCHES REICH 1913“ und „DREI MARK“ um gekrönten Reichsadler mit Brustschild
Randschrift: „GOTT – MIT – UNS“

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Coins of Lippe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Die Geschichte der Lateinischen Münzunion. Olten 2004.
  2. Die Münzstätten. In: Heinrich Ihl, Arnold Schwede: Das Münzwesen der Grafen und Fürsten zur Lippe 1528–1923. Band 1, S. 32f.
  3. Währungsgrenzen des westfälischen Oberwesergebietes im Spätmittelalter. In: Walter Häverick (Hrsg.): Numismatische Studien. Heft 1, 1951, S. 24/25.
  4. Vertrag des Edelherrn Bernhard VII. und der Stadt Lemgo mit dem Münzmeister Dietrich von Neuß, abgerufen am 10. Januar 2014.
  5. Hermann Grote, Ludwig Hölzermann: Lippische Geld- und Münzgeschichte. Leipzig 1867.
  6. Wardeine in Lippe. In: Heinrich Ihl, Arnold Schwede: Das Münzwesen der Grafen und Fürsten zur Lippe 1528–1923. Band 1, S. 36f.
  7. Die Zählweise des Geldes, Münzfüße, Gewichte. In: Heinrich Ihl, Arnold Schwede: Das Münzwesen der Grafen und Fürsten zur Lippe 1528–1923. Band 1, S. 38ff.
  8. Bernhard I. bei genealogie-mittelalter.de (Memento vom 2. Mai 2003 im Internet Archive)
  9. August Falkmann, Otto Preuß: Lippische Regesten. Band 1, S. 74, Nr. 42.
  10. a b Hermann I. bei genealogie-mittelalter.de (Memento vom 2. Mai 2003 im Internet Archive)
  11. Heinrich Ihl: Das Münzwesen der Grafen und Fürsten zur Lippe 1528–1913. Band 2: Die Münzen. Bonifatius-Verlag, Paderborn 2016, ISBN 978-3-89710-641-3, Kapitel Münzen des Grafen Simon V. (1511–1536), Graf ab 1528. S. 7.
  12. Johann David Köhler: Historische Münzbelustigungen. Band 22, S. 81.
  13. a b Sabine Schierholz: „Plattdeutsche Ecke“ - „Daler un Grössens“. In: Lippische Landes-Zeitung. Nr. 44, 22. Februar 2011.
  14. Nach damaliger Rechtslage wurde die Volljährigkeit erst mit Vollendung des 25. Lebensjahres erreicht.
  15. a b Sparkasse Detmold: Chronik. (Memento vom 18. Dezember 2012 im Webarchiv archive.is)
  16. Begründerin des ersten Kindergartens: Pauline Fürstin zur Lippe. (Memento vom 3. Februar 2010 im Internet Archive)
  17. Kornpreise im Fürstlich-Lippischen Intelligenzblatt, 51. Stück, Sonnabends, den 22. December 1810.

Koordinaten: 51° 56′ 9,9″ N, 8° 52′ 38,3″ O