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Landestheater Detmold

Theater in Deutschland
Lippisches Landestheater
Hoftheater vor dem Bau der Logenaufgänge in den 1890er Jahren
Das Hoftheater nach dem Brand von 1912
Zuschauerraum
Blick zur Bühne

Das Landestheater Detmold ist ein Dreispartentheater mit fünf Spielstätten in Detmold. Mit seinen Gastspielen in mehr als hundert Orten in Deutschland und dem benachbarten Ausland gilt das Theater als die größte Reisebühne Europas.

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

1820 entschloss sich Fürst Leopold II., unterstützt von seiner Mutter Fürstin Pauline, in Detmold ein Hoftheater errichten zu lassen, und beauftragte damit den Landesbaumeister von Natorp. Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. April 1825.[1]

Nach nur siebenmonatiger Bauzeit hob sich am 8. November 1825 erstmals der Vorhang des Hochfürstlich Lippischen Hoftheaters zur Oper Titus, der Gütige von Wolfgang Amadeus Mozart. Zum Direktor des neuen Theaters wurde August Pichler ernannt. Die angesehene Pichlersche Truppe war schon im alten Detmolder Komödienhaus zu Gast gewesen. Auf dem Spielplan standen sowohl Musiktheater als auch Schauspiel. Am Theater wirkten so berühmte Künstler wie Christian Dietrich Grabbe als Autor und gefürchteter Kritiker sowie Albert Lortzing als Sänger, Schauspieler und Kapellmeister.[1]

Am 5. Februar 1912 brannte das Theater während der Aufführung des Stückes Der Bettler von Syrakus von Hermann Sudermann wegen eines schadhaften Schornsteins bis auf die Grundmauern nieder.[2] Es wurde aber schon während des Ersten Weltkrieges 1914–1915 nach Plänen des Berliner Architekten Bodo Ebhardt neu errichtet. Die Finanzierung des Neubaus erfolgte mit Spenden der Detmolder Bürger und Geldern des Fürstenhauses. Die laufende Spielzeit konnte im Detmolder Sommertheater provisorisch zu Ende gebracht werden. Vor der Wiedereröffnung ging das Gebäude des Theaters in die Hände des Freistaates Lippe über und wurde am 28. September 1919 mit Lortzings Oper Undine wieder eröffnet.[1]

Wie alle deutschen Bühnen musste das Theater im Verlauf des Zweiten Weltkriegs, am 1. September 1944, seine Pforten schließen. Nach Kriegsende richtete die englische Besatzungsmacht hier ihr Offizierskasino ein. Der Spielbetrieb wurde daher ins Detmolder Sommertheater verlegt. Am 5. Juli 1952 erfolgte die Freigabe und der Spielbetrieb normalisierte sich wieder. Von 1926 bis 1969 war Otto Will-Rasing Intendant des Theaters. Generalmusikdirektor wurde Paul Sixt, der 1938 mitverantwortlich für die Ausstellung Entartete Musik in Düsseldorf gewesen war.[1]

Das Orchester des Landestheaters DetmoldBearbeiten

Die 1843 gegründete Fürstlich-Lippische-Hofkapelle gilt als Vorläufer des Orchesters des Landestheaters. Das Schloss in Detmold war der Sitz des seinerzeit kleinsten deutschen Fürstentums Lippe. Die Regenten gründeten und förderten das Musiktheater derart, dass so namhafte Komponisten wie Albert Lortzing und Johannes Brahms ihren Wohnsitz in Detmold nahmen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Musikensemble die Aufgaben eines Theaterorchesters im Landestheater Detmold mit den Schwerpunkten Oper, Operette, Musical und Ballett. Zum Programm des Musiktheaters gehören so anspruchsvolle Inszenierungen wie Georg Friedrich Händels Alcina oder Purcells King Arthur. Daneben kommen Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, Giacomo Puccini, Giuseppe Verdi und Richard Wagner zur Aufführung, sowie zeitgenössische Opern von Giselher Klebe, Hans Werner Henze und Udo Zimmermann. Die leichte Muse ist mit Operetten von Franz Lehár, Johann Strauß und Karl Millöcker und zunehmend mit Musicals vertreten.

Unter der Leitung des Generaldirektors Erich Wächter verlagerte sich in der Spielzeit 2001/02 ein Teil der Inszenierungen in den sinfonischen Bereich. Darüber hinaus beteiligte sich das Orchester an Festivals und großen Chorkonzerten und stellte damit seine Vielseitigkeit unter Beweis. 2002 kam Richard Wagners Lohengrin zur Aufführung und in den folgenden Jahren auch Tannhäuser, Parsifal und Der Ring des Nibelungen.[3][4] Wagner-Inszenierungen haben in Detmold eine lange Tradition, so wurde Tannhäuser schon in der Spielzeit 1952/53, Die Meistersinger von Nürnberg 1953/54, Der fliegende Holländer 54/55, Lohengrin 55/56, Parsifal 57/58 und Die Walküre in der Spielzeit 1958/59 aufgeführt.[5]

Heutiger SpielbetriebBearbeiten

Das Landestheater Detmold hat an seinem Stammsitz Detmold fünf Spielstätten: das Landestheater selbst mit 650 Plätzen, die Kleine Bühne im Grabbe-Haus mit 80 Plätzen, das Hoftheater im Innenhof mit 250 Plätzen, das Detmolder Sommertheater mit 350 Plätzen, sowie seit März 2009 die Kinder- und Jugendbühne des Landestheaters Detmold unter dem Namen „Junges Theater KASCHLUPP!“. Das Kunstwort erstellten Mitglieder des damaligen Theaterjugendclubs aus willkürlichen Silben.[6] Seit der Saison 2018/19 heißt diese Spielstätte „Das Junge Theater“.[7]

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Das Landestheater Detmold ist die größte Reisebühne Europas. Die Hälfte der rund 300 Vorstellungen in der Spielzeit wird außerhalb von Detmold absolviert.[8] Damit versorgt das Landestheater Detmold Städte und Gemeinden ohne eigenes Ensemble mit Theaterkultur und zählt somit zu den sogenannten Landesbühnen. Das Spielgebiet umfasst das gesamte Land Nordrhein-Westfalen und geht auch über die Landesgrenzen hinaus, in der Vergangenheit bis nach Hasselt in Belgien,[9] Luxemburg und seit 2014 einmal in der Spielzeit nach Winterthur in der Schweiz.[10][1]

Das Landestheater Detmold versieht seinen Betrieb als Dreispartentheater mit Oper, Ballett und Schauspiel. Derzeitiger Intendant ist Georg Heckel,[11] zu seinen Vorgängern zählten Kay Metzger, Ulf Reiher, Franz Wirtz und Gerd Nienstedt.

LiteraturBearbeiten

  • Gesetzliche Ordnungen für das Hochfürstl. Lippesche Hoftheater. Detmold 1828 – LLB Detmold
  • Gesetzliche Ordnungen für das Hochfürstl. Lippesche Hoftheater. Anhang : Nachtrag zu den bestehenden Theatergesetzen. Detmold 1842 – LLB Detmold
  • Ralph Bollmann: Walküre in Detmold. Eine Entdeckungsreise durch die deutsche Provinz, Klett-Cotta, 240 S. (2011)

WeblinksBearbeiten

  Commons: Landestheater Detmold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Landestheater Detmold: Landestheater Detmold - Geschichte. (Nicht mehr online verfügbar.) In: landestheater-detmold.de. 7. April 2017, archiviert vom Original am 17. April 2017; abgerufen am 31. Januar 2019 (deutsch).
  2. Joachim Eberhardt: „Ein schaurig schöner Anblick“. Ausstellung zum Brand des Hoftheaters vor 100 Jahren, Ankündigung im Internetangebot der Lippischen Landesbibliothek vom 19. Dezember 2012, abgerufen am 4. Januar 2013
  3. Landestheater Detmold: Landestheater Detmold - Orchester. (Nicht mehr online verfügbar.) In: landestheater-detmold.de. 15. Juni 2015, archiviert vom Original am 15. Juni 2015; abgerufen am 31. Januar 2019.
  4. Lippische Landesbibliothek: Landestheater Detmold: Spielplan 2000-2009. Abgerufen am 10. Februar 2019.
  5. Lippische Landesbibliothek: Landestheater Detmold: Spielplan 1950-1959. Abgerufen am 10. Februar 2019.
  6. Jungen Theater KASCHLUPP! | Theater für junges Publikum NRW. Abgerufen am 10. Februar 2019 (deutsch).
  7. Landestheater Detmold: Über das junge Theater - Landestheater Detmold. (Nicht mehr online verfügbar.) 29. Juni 2018, archiviert vom Original am 29. Juni 2018; abgerufen am 31. Januar 2019.
  8. Landestheater Detmold hofft auf mehr Geld. In: wdr.de. 20. Juni 2018, archiviert vom Original am 20. Juni 2018; abgerufen am 20. Februar 2019.
  9. Jana Beckmann: Städtepartnerschaft zwischen Detmold und Hasselt feiert 40-Jähriges. In: lz.de. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  10. Barbara Luetgebrune: 100-köpfige Delegation des Landestheaters bricht in die Schweiz auf. In: lz.de. Abgerufen am 20. Februar 2019.
  11. Barbara Luetgebrune: Neuer Intendant des Landestheaters Detmold steht fest | Kultur. In: Kultur. (lz.de [abgerufen am 17. Oktober 2018]).

Koordinaten: 51° 56′ 15″ N, 8° 52′ 45″ O