Liebenau (Hessen)

hessische Stadt im Landkreis Kassel

Liebenau (Niederdeutsch: Lebenogge) ist eine Landstadt im nordhessischen Landkreis Kassel.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Liebenau
Liebenau (Hessen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Liebenau hervorgehoben

Koordinaten: 51° 30′ N, 9° 17′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Kassel
Höhe: 144 m ü. NHN
Fläche: 48,87 km2
Einwohner: 3005 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 61 Einwohner je km2
Postleitzahl: 34396
Vorwahl: 05676
Kfz-Kennzeichen: KS, HOG, WOH
Gemeindeschlüssel: 06 6 33 016
Stadtgliederung: 8 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Lacheweg 1
34396 Liebenau
Website: www.stadt-liebenau.de
Bürgermeister: Harald Munser (FWG)
Lage der Stadt Liebenau im Landkreis Kassel
Bad KarlshafenGutsbezirk ReinhardswaldTrendelburgTrendelburgHofgeismarHofgeismarWesertalReinhardshagenLiebenauGrebensteinImmenhausenFuldatalEspenauVellmarCaldenBreunaZierenbergZierenbergAhnatalHabichtswaldWolfhagenNaumburgBad EmstalSchauenburgBaunatalFuldabrückLohfeldenSöhrewaldHelsaKaufungenNiesteNiestetalKasselKarte
Über dieses Bild
Liebenau von oben
Liebenau – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655, links Burg Liebenau

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Liebenau liegt an der nördlichen Grenze zu Nordrhein-Westfalen fast im äußersten Norden des Landkreises Kassel am Südostrand der Warburger Börde. Es befindet sich etwa 25 km (Luftlinie) nordwestlich von Kassel zwischen Warburg im Westen und Hofgeismar im Osten.

Liebenau wird etwa in West-Ost-Richtung von der Diemel durchflossen, in die oberhalb der Ortschaft der Eggel (von Norden kommend), in Liebenau der Vombach (auch von Norden) und unterhalb davon die Warme (von Süden) einmündet.

Jeweils in einigen Kilometern Entfernung befinden sich nordöstlich von Liebenau der Solling, östlich der Reinhardswald, südlich der Habichtswald und nordwestlich das Eggegebirge, die bis auf den Reinhardswald von Naturparks eingerahmt werden.

NachbargemeindenBearbeiten

Liebenau grenzt im Norden an die Stadt Trendelburg, im Osten an die Stadt Hofgeismar, im Südosten an die Stadt Grebenstein, im Süden an die Gemeinden Calden und Breuna (alle im Landkreis Kassel), sowie im Westen und Nordwesten an die Städte Warburg und Borgentreich (beide im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen).

StadtgliederungBearbeiten

Die Stadt besteht neben dem Hauptort Liebenau (687 Einwohner) aus den Ortsteilen Ersen (357 Einwohner), Grimelsheim (60 Einwohner), Haueda (372 Einwohner), Lamerden (426 Einwohner), Niedermeiser (760 Einwohner), Ostheim (387 Einwohner) und Zwergen (373 Einwohner).

GeschichteBearbeiten

In Steinbrüchen bei Lamerden und Haueda befindet sich die größte fossile Fundstelle in Nordhessen. Unter anderem wurden hier im Muschelkalk die Überreste von Nothosauriern und von fossilen Seelilien gefunden. Besitzer dieser Fundstelle ist das Naturkundemuseum Kassel, das dort regelmäßig Ausgrabungen tätigt.

Die Warburger Börde mit ihren sanften Hügeln und fruchtbaren Niederungen ist ein uraltes Siedlungsgebiet. Zahlreiche Bodenfunde belegen eine durchgehende Besiedelung seit der Jungsteinzeit. Auch Grenzland ist hier schon lange. Früher kämpften Chatten, Cherusker und Sachsen, später die Bischöfe von Paderborn und die Landgrafen von Hessen um den Besitz der fruchtbaren Landschaft. Burg und Stadt Liebenau findet sich im Jahre 1293 erstmals urkundlich erwähnt, als Hermann von Desenberg genannt Spiegel die Burg und Stadt Liebenau dem Grafen Otto von Waldeck zu Lehen auftrug.[2] Im Jahr 1465 nahm Landgraf Ludwig II. Liebenau im Zuge der Hessen-Paderbornischen Fehde (1464–1471) gewaltsam in Besitz und zerstörte die dortige Burg. Seither ist der Ort hessisch.

In den Jahren 1945 bis 1949 wurde der Bahnhof Liebenau zum Grenzbahnhof zwischen dem Britischen Sektor (Nordrhein-Westfalen) und dem US-amerikanischen Sektor (Hessen).

GebietsreformBearbeiten

Am 1. Februar 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Grimelsheim, Haueda, Lamerden und Ostheim mit der Stadt Liebenau zur erweiterten Stadt Liebenau.[3] Am 1. April 1972 wurden die Gemeinden Ersen und Niedermeiser auf freiwilliger Basis eingemeindet. Zwergen folgte kraft Landesgesetz am 1. August 1972.[4][5] Für die nach Liebenau eingegliederten ehemals selbständigen Gemeinden und die Kernstadt (Stadtteile) wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerstrukturBearbeiten

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Liebenau 3321 Einwohner. Darunter waren 46 (1,4 %) Ausländer, von denen 30 aus dem EU-Ausland, 10 aus anderen Europäischen Ländern und 6 aus anderen Staaten kamen.[7] Die Einwohner lebten in 1363 Haushalten. Davon waren 24 Singlehaushalte, 362 Paare ohne Kinder und 517 Paare mit Kindern, sowie 138 Alleinerziehende und 22 Wohngemeinschaften.[8]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[9]

  • 1585: 96 Haushalte
  • 1747: 92 Haushalte
Liebenau: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
597
1840
  
653
1846
  
664
1852
  
676
1858
  
622
1864
  
632
1871
  
569
1875
  
581
1885
  
660
1895
  
593
1905
  
559
1910
  
538
1925
  
596
1939
  
506
1946
  
982
1950
  
1.002
1956
  
841
1961
  
784
1967
  
742
1970
  
731
1973
  
3.677
1975
  
3.601
1980
  
3.581
1985
  
3.501
1990
  
3.600
1995
  
3.625
2000
  
3.699
2005
  
3.574
2010
  
3.337
2011
  
3.321
2015
  
3.123
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [9]; Hessisches Statistisches Informationssystem[10]; Zensus 2011[7]
nach 1970 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[9]

• 1961: 619 evangelische (= 78,95 %), 147 katholische (= 18,75 %) Einwohner[9]
• 2011: 2 485 evangelische (= 74,8 %), 413k katholische (= 12,4 %), 423 sonstige (= 12,7 %) Einwohner[11]

PolitikBearbeiten

StadtverordnetenversammlungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 14. März 2021 lieferte folgendes Ergebnis,[12] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[13][14][15]

Stadtverordnetenversammlung – Kommunalwahlen 2021
Stimmenanteil in %
Wahlbeteiligung 57,8 %
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
41,2
(−21,2)
32,4
(+1,7)
14,2
(n. k.)
8,6
(+1,7)
3,7
(n. k.)
2016

2021

Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Wir für Euch
Sitzverteilung
     
Insgesamt 15 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2021
Sitze
2021
%
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
FWG Freie Wählergemeinschaft Liebenau 41,2 6 62,4 14 58,1 13 57,8 13 50,7 12
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 32,4 5 30,7 7 34,1 8 34,3 8 42,2 10
WfE Wir für Euch 14,2 2
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 8,6 1 6,9 2 7,8 2 7,9 2 7,1 1
Linke Die Linke 3,7 1
Gesamt 100,0 15 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 57,8 63,5 63,3 65,2 72,7

BürgermeisterBearbeiten

Seit dem Jahr 1993 werden in Hessen die Bürgermeister direkt gewählt:[16]

Peter Lange der Freien Wähler Gruppe war Vorgänger des im November 2014 Harald Munser, der auch der (FWG) ist. Dieser wurde 2020 bestätigt.[17]

PartnerschaftenBearbeiten

Liebenau unterhält seit 1991 eine Ringpartnerschaft zu den gleichnamigen Orten

VerkehrBearbeiten

Der 1848 fertiggestellte Bahnhof Liebenau (Bz Kassel) an der Bahnstrecke Kassel–Warburg ist seit der Einstellung des Verkehrs im Jahre 2015 nicht mehr in Betrieb.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Maren Siegmann: Bunte Pracht – Die Perlen der frühmittelalterlichen Gräberfelder von Liebenau, Kreis Nienburg/Weser und Dörverden, Kr. Verden/Aller. Chronologie der Gräber, Entwicklung und Trageweise des Perlenschmucks, Technik der Perlen. In: Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas. Band 28; 5 Bände Beier & Beran, Weißbach/Langenweißbach 2002–2006
  • Literatur über Liebenau in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

Commons: Liebenau, Hessen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2019 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)  (Hilfe dazu).
  2. Landgrafen-Regesten online Nr. 354. Regesten der Landgrafen von Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Gemeindegebietsreform: Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 20. Januar 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 6, S. 248, Punkt 328, Abs. 56 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,2 MB]).
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Hofgeismar, Kassel und Wolfhagen (GVBl. II 330-17) vom 11. Juli 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 225, § 11 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 398.
  6. Hauptsatzung. (PDF; 2,8 MB) § 7. In: Webauftritt. Stadt Liebenau, abgerufen im November 2020.
  7. a b Bevölkerung nach Staatsangehörigkeitsgruppen: Stadt Liebenau. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im November 2020.
  8. Haushalte nach Familien: Stadt Liebenau. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im November 2020.
  9. a b c d Liebenau, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  10. Hessisches Statistisches Informationssystem In: Statistik.Hessen.
  11. Religionszugehörigkeit: Stadt Liebenau. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im November 2020.
  12. Ergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2021.
  13. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  14. Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011. In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2011.
  15. Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Webauftritt. Hessisches Statistisches Landesamt, archiviert vom Original; abgerufen im April 2006.
  16. Bürgermeister-Direktwahlen in Liebenau, Stadt. In: Statistik.Hessen. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im Januar 2021.
  17. Bürgermeisterwahlen In: hessenschau.de, abgerufen am 9. Nov. 2020