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Nieste (Gemeinde)

hessische Gemeinde im Landkreis Kassel
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Nieste
Nieste (Gemeinde)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Nieste hervorgehoben
Koordinaten: 51° 19′ N, 9° 40′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Kassel
Höhe: 260 m ü. NHN
Fläche: 4,19 km2
Einwohner: 1995 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 476 Einwohner je km2
Postleitzahl: 34329
Vorwahl: 05605
Kfz-Kennzeichen: KS, HOG, WOH
Gemeindeschlüssel: 06 6 33 019
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wilhelm-Heitmann-Platz 3
34329 Nieste
Website: www.nieste.de
Bürgermeister: Edgar Paul (SPD)
Lage der Gemeinde Nieste im Landkreis Kassel
Bad KarlshafenGutsbezirk ReinhardswaldTrendelburgTrendelburgHofgeismarHofgeismarOberweserOberweserWahlsburgReinhardshagenLiebenauGrebensteinImmenhausenFuldatalEspenauVellmarCaldenBreunaZierenbergZierenbergAhnatalHabichtswaldWolfhagenNaumburgBad EmstalSchauenburgBaunatalFuldabrückLohfeldenSöhrewaldHelsaKaufungenNiesteNiestetalKasselKarte
Über dieses Bild

Nieste ist eine Gemeinde und ein staatlich anerkannter Erholungsort im nordhessischen Landkreis Kassel.

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Nieste liegt im Tal der Nieste am Westhang des Kaufunger Walds, etwa zwölf Kilometer östlich vom Zentrum Kassels. Seine Gemarkung erstreckt sich entlang der Nieste auf etwa 7,5 km Länge, wobei die Gemarkungsbreite flussaufwärts der Ortslage im Prinzip der Breite der waldfreien Talaue entspricht und somit meist nicht mehr als 100 m beträgt. Westlich von Nieste breitet sich die Gemarkung oberhalb des Niestetals rund um den etwa 355 m ü. NN hohen Gerholdsberg immerhin etwa 1,5 km weit nach Süden aus. Die bebaute Ortslage hingegen liegt brückenkopfartig auf dem einzigen Gemarkungsteil nennenswerter Größe nördlich der Nieste und wird an der weiteren Ausdehnung allseitig durch die niedersächsische Landesgrenze gehindert. Nieste liegt an der Deutschen Märchenstraße, die von Hanau nach Bremen führt.

Nieste umfasst nur die gleichnamige Gemarkung (Gmk.-Nr. 61554) und ist neben Bad Salzschlirf die einzige Gemeinde im Regierungsbezirk Kassel ohne Ortsteile. Sie ist mit 4,05 km² die nach Fläche kleinste Gemeinde Hessens.

NachbargemeindenBearbeiten

Nieste grenzt im Norden an die Gemeinde Staufenberg (im Landkreis Göttingen in Niedersachsen), im Süden an das gemeindefreie Gebiet Gutsbezirk Kaufunger Wald (Werra-Meißner-Kreis) und die Gemeinde Kaufungen, sowie im Westen an die Gemeinde Niestetal (beide im Landkreis Kassel).

GeschichteBearbeiten

Die älteste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als de Nieste weist in das Jahr 1293.[2] In einer anderen Nennung wird Nieste bereits im Jahr 1019 genannt, damals war Bardo von Sichelnstein nach Kaufungen unterwegs, als er an der Grenze seines Besitzes eine Kapelle der heiligen Anna, sowie ein Wirtshaus erbauen ließ.[3] Alle zwei Jahre wurden Wallfahrten dorthin unternommen, 1306 wurden dort durch Landgraf Heinrich von Hessen und Herzog Albrecht von Braunschweig einige Häuser errichtet. Das so entstandene Dorf erhielt den Namen Nyste (neue Stätte). Während des 13. Jahrhunderts ist eine adlige Familie aus Nieste belegt, so werden 1290 die Brüder Engelfried und Heimbert, sowie Hermann und Conrad von Nyste genannt.[4] 1289 und 1301 war Hermann, 1323 Conrad Ratsherr in Münden. Hermann war es zudem, der 1289 in der Kirche zu Gimte den Altar stiftete. Im Vertrag von 1536 gehörte Nieste der Landgrafschaft Hessen und dem braunschweigischen Fürstentum Calenberg zu gleichen Teilen. Nur die Kirche wurde nicht aufgeteilt. 1831 trat das Königreich Hannover seine Hälfte an das Kurfürstentum Hessen ab.

Im Jahr 2010 wurde zwischen Hessen und Niedersachsen ein Staatsvertrag geschlossen über einen Gebietstausch von 51 Flurstücken der Gemarkung Escherode, die an die Ortslage von Nieste grenzen, gegen 6 Flurstücke der Gemeinde Nieste in der Nähe der Ortslage von Dahlheim. Die zu tauschenden Flächen sind jeweils insgesamt 14,48 Hektar groß. Hintergrund dieser Grenzänderung war, dass sowohl die gesamten Sportanlagen als auch die Kreisschulturnhalle und das Regenrückhaltebecken der Gemeinde Nieste auf Grundstücken im Gemeindegebiet von Staufenberg errichtet wurden. Dadurch entstanden Zuständigkeitsprobleme für die Gemeinden. Einwohner waren von der Grenzänderung nicht betroffen. Der Staatsvertrag trat nach Hinterlegung der Ratifikationsurkunden am 1. Juni 2011 in Kraft.[5]

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[6] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[7][8]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
   
Insgesamt 15 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 20,0 3 20,3 3 23,0 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 63,3 9 100 15 79,7 12 77,0 12
UWN Unabhängige Wähler Nieste[9] 16,8 3
Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15
Wahlbeteiligung in % 57,5 54,3 55,8 61,8

BürgermeisterBearbeiten

Paul, Edgar (SPD) wurde 2000 zum Bürgermeister gewählt und 2006 sowie 2012 im Amt bestätigt.[10]

WappenBearbeiten

Das Wappen der Gemeinde Nieste zeigt in einem roten Zinnenschildhaupt zu drei Zinnen, deren äußere aus dem Schildrand hervorgehen, ein silbernes Sensenblatt, unter dem Schildhaupt im wellenschnittartig von silber und grün schräg geteilten Schilde oben und unten in verwechselten Farben je einen aus der Wellenteilung ausgezogenen Buchenzweig zu drei Blättern.

Das Sensenblatt und die Zinnen weisen auf die im Gebiet der heutigen Gemeinde gelegene, einstige Burg Sensenstein hin. Die zwei dreiblättrigen Buchenzweige sind die Symbole für die Lage der Gemeinde zwischen dem Naturpark Kaufunger Wald und dem Naturpark Münden. Der Wellenschnitt steht für den namengebenden Bach „Nieste“.[11]

PartnerschaftenBearbeiten

Die Gemeinde Nieste unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu

ReligionBearbeiten

 
St.-Anna-Kirche

Die Evangelisch-lutherische St.-Anna-Kirchengemeinde wurde zum 1. Januar 2011 mit der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde Escherode in Staufenberg zur neuen Evangelisch-lutherischen Dreieinigkeits-Kirchengemeinde Escherode-Nieste in Staufenberg zusammengelegt. Sie gehört zum Kirchenkreis Münden des Sprengels Hildesheim-Göttingen der hannoverschen Landeskirche.[12]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Wallanlage der einstigen Burg Sensenstein auf dem Gerholdsberg
  • „Niester Riesen“, Mammutbäume am Gerholdsberg
  • Wandergebiet „Gläsnertal“
  • Freizeitanlage „Bleichwiesen“
  • Deutsche Märchenstraße, führt durch das Dorf
  • Eiche bei der Jugendburg Sensenstein mit einem Brusthöhenumfang von 6,15 m (2016).[13]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Nieste ist eine Wohngemeinde ohne Industrie und ist umgeben von ca. 150 km Wander- und Radwanderwegen.

Der Ort hat einen Supermarkt, Drogerie, Getränkehandel, KFZ-Werkstatt, Ärzte, KFZ-Prüfstelle sowie Sparkasse und Restaurants. Auch die Königsalm ist hier beheimatet.

VerkehrBearbeiten

Nieste ist mit der acht Kilometer entfernten Anschlussstelle Kassel-Nord der A 7 an das Fernstraßennetz angebunden. Von Kassel aus ist Nieste durch das Niestetal über die Landesstraßen L 3237/L 563 erreichbar. Über die Landesstraße L563 erreicht man in östlicher Richtung, zunächst durch das Endschlagtal und weiter durch das Wengebachtal und über den Umschwang, die Gemeinde Kleinalmerode, einen Stadtteil von Witzenhausen. Verbindungen zu den Nachbarorten werden durch verschiedene Kreisstraßen hergestellt.

Nieste gehört zum Tarifgebiet KasselPlus des Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) und wird regelmäßige durch die Buslinie 34 bedient. Es bestehen Fahrbeziehungen nach Kaufungen und von dortaus weiter mit der Tram Linie 4 nach Kassel, sowie nach Escherode und von dortaus weiter mit der Buslinie 32, über Staufenberg und Niestetal, nach Kassel.

BildungBearbeiten

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten mit Ganztagesbetreuung und eine Grundschule. Eine Gesamtschule befindet sich in Kaufungen, andere weiterführende Schulen in Kassel.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. „Nieste, Landkreis Kassel“. Historisches Ortslexikon für Hessen (Stand: 25. August 2014). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 3. November 2014.
  3. Wilhelm Lotze: Geschichte der Stadt Münden nebst Umgegend. Eigenverlag, Hann. Münden 1878, S. 319.
  4. Christian Ludwig Scheidt: Historische und diplomatische Nachrichten von dem hohen und niederen Adel in Teutschland. Johann Christoph Richter, Hannover 1754, S. 89.
  5. Hessischer Landtag: LT-Drucksache 18/3727 vom 16. Februar 2011 für einen Gesetzentwurf zur Änderung der Landesgrenze PDF-Datei 2,43 MB
  6. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016 Hessisches Statistisches Landesamt
  7. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  8. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  9. Unabhängige Wähler Nieste
  10. http://www.statistik-hessen.de/themenauswahl/wahlen/daten/direktwahlen/nieste/index.html
  11. Ortskuratorium Nieste: Wappenbeschreibung (Memento vom 12. Januar 2010 im Internet Archive)
  12. Kirchliches Amtsblatt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers 1/2011, S. 69–70
  13. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017