Hauptmenü öffnen

Kaluga (russisch Калу́га) ist eine russische Stadt an der Oka, rund 190 km südwestlich von Moskau. Sie hat 324.698 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).[1]

Stadt
Kaluga
Калуга
Kaluga
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Zentralrussland
Oblast Kaluga
Stadtkreis Kaluga
Innere Gliederung 3 Stadtkreise
Bürgermeister Dmitri Rasumowski
Erste Erwähnung 1371
Stadt seit 1371
Fläche 125,5 km²
Bevölkerung 324.698 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 2587 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 190 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 4842
Postleitzahl 2480xx
Kfz-Kennzeichen 40
OKATO 29 401
Website www.kaluga-gov.ru
Geographische Lage
Koordinaten 54° 32′ N, 36° 16′ OKoordinaten: 54° 32′ 0″ N, 36° 16′ 0″ O
Kaluga (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Kaluga (Oblast Kaluga)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaluga
Liste der Städte in Russland
Kaluga
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
39
 
-7
-14
 
 
33
 
-5
-13
 
 
35
 
0
-7
 
 
39
 
10
1
 
 
43
 
19
7
 
 
77
 
22
10
 
 
80
 
23
12
 
 
71
 
22
11
 
 
55
 
16
6
 
 
50
 
9
2
 
 
53
 
1
-5
 
 
55
 
-4
-10
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Kaluga
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −6,6 −5,0 0,4 10,3 18,7 21,5 23,0 21,9 15,7 9,0 0,7 −3,7 Ø 8,9
Min. Temperatur (°C) −13,5 −12,9 −7,4 1,0 6,7 10,1 12,0 10,7 6,1 1,8 −4,5 −9,5 Ø 0,1
Niederschlag (mm) 39 33 35 39 43 77 80 71 55 50 53 55 Σ 630
Regentage (d) 9 8 8 8 8 9 10 9 8 9 12 12 Σ 110
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
−6,6
−13,5
−5,0
−12,9
0,4
−7,4
10,3
1,0
18,7
6,7
21,5
10,1
23,0
12,0
21,9
10,7
15,7
6,1
9,0
1,8
0,7
−4,5
−3,7
−9,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
39
33
35
39
43
77
80
71
55
50
53
55
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Roshydromet

StadtgliederungBearbeiten

Kaluga ist eine rajonfreie administrativ-territoriale Einheit (Stadt). Im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung bildet Kaluga mit 73 umliegenden Dörfern den Stadtkreis Gorod Kaluga (Stadt Kaluga).

Die Fläche der eigentlichen Stadt Kaluga beträgt 168,8 km², die des Stadtkreises 543,0 km². Das Territorium der Stadt ist in drei Bezirke unterteilt:

Stadtbezirk
(gorodskoi rajon)
Russischer
Name
Einwohner
(14. Oktober 2010)[1]
Bemerkung
Leninski Ленинский 114.084 benannt nach Lenin
Moskowski Московский 100.923 benannt nach Moskau
Oktjabrski Октябрьский 109.691 benannt nach Oktober, bezogen auf die Oktoberrevolution

Anmerkung: Volkszählungsdaten[1]

Flagge und WappenBearbeiten

Das Stadtwappen zeigt auf blauem Grund einen weißen Wellenbalken für die Oka, darüber die Zarenkrone. Die Stadtflagge basiert auf dem Wappen, zeigt aber noch in rotem Streifen am Liek einen fliegenden Satelliten vom Typ Sputnik 1, da Kaluga als Wiege der russischen Raumfahrt gilt.

GeschichteBearbeiten

Kaluga wurde 1371 als Festung das erste Mal urkundlich erwähnt, die Stadt entstand als Grenzfestung im Südwesten des Moskauer Reiches. Nach 1500 bildete es kurzzeitig ein eigenes unabhängiges Fürstentum. 1606/07 war Kaluga Zentrum des Bauernaufstandes unter Iwan Bolotnikow.

Vom 17. bis zum 19. Jahrhundert entwickelte sich Kaluga zu einer Handelsstadt, da sie auf der Route zwischen Moskau und der Ukraine lag. 1718 ließ Peter I. hier eine Segel- und 1720 eine Papiermanufaktur errichten. Während des Vaterländischen Krieges machte sich Kaluga einen Namen, als die in der Stadt stationierten Truppen Kutusows ein Ausweichen der napoleonischen Truppen nach Süden verhinderten.

Kaluga war im Kaiserreich seit 1796 Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements, das bis 1929 im Rahmen der RSFSR der Sowjetunion bestand.

Mit der Gründung eines Physik-Institutes 1892 wurde der Grundstein für die Forschungstätigkeit in Kaluga gelegt, sein Gründer Konstantin Ziolkowski gilt als Vater der russischen Raumfahrt, sein ehemaliges Wohnhaus ist heute ein Museum, das zeigt, wie der Erfinder lebte und an seinen Modellen bastelte. Außerdem gibt es in der Stadt ein bedeutendes Raumfahrtmuseum. Dadurch gilt Kaluga als „Wiege der Kosmonautik“.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Kaluga während der Schlacht um Moskau im 12. Oktober 1941 von der Wehrmacht besetzt.
Der amerikanische Historiker Timothy Snyder behauptet: «Nach den Erfahrungen während der Stalinschen Säuberungen begrüßten zahlreiche Einwohner der Stadt die einrückenden Einheiten der Wehrmacht mit Brot und Salz»[2].

Doch schon 30. Dezember 1941 wurde befreit die Stadt von der Roten Armee. Die Bewohner der Stadt heißen die Soldaten der Roten Armee mit Brot und Salz willkommen[3]. In der Folgezeit bestand in der Stadt das Kriegsgefangenenlager 107 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs[4].

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner
1897 49.513
1939 89.396
1959 134.235
1970 210.906
1979 265.013
1989 311.399
2002 334.751
2010 324.698

Anmerkung: Volkszählungsdaten

WirtschaftBearbeiten

Heute ist Kaluga der Verwaltungssitz der Oblast Kaluga und eine bedeutende Forschungs- und Industriestadt.

Am 28. November 2007 eröffnete Volkswagen in Kaluga ein Montagewerk, um die Importzölle in Höhe von damals 25 % durch Montage vor Ort zu sparen. Die Volkswagen Group Rus hat ihren Sitz in Kaluga (Details zum Werk in diesem Artikel).

Renault und Volvo (Renault Trucks ist seit 2001 Teil der Volvo-Gruppe) haben eine LKW-Fabrik in Kaluga errichtet. PSA Peugeot Citroën[5] eröffnete 2010 gemeinsam mit Mitsubishi einen Produktionsstandort in Kaluga[6][7].

Anfang Juni 2014 eröffnete der Automobilzulieferer Continental AG im Industriepark „Kaluga Süd“ eine neue Fertigungsstätte für PKW-Reifen, Motorsteuergeräte und Kraftstoff-Fördereinheiten, nahe den Montagewerken von Volkswagen, Volvo und PSA[8]. Der französische Zulieferer Faurecia produziert in Kaluga Abgasanlagen und Innenraumsysteme für die ansässigen Automobilhersteller[9].

Das „Kalugaer Turbinenwerk“[10] baut Energiemaschinen.

VerkehrBearbeiten

Kaluga ist mit der russischen Hauptstadt Moskau über die Fernstraße M3 Ukraina verbunden. Hier wird sie von der R132 gekreuzt, die über Tula nach Rjasan führt. Ebenfalls hier beginnt die R92, die die Stadt mit Orjol verbindet.

SportBearbeiten

Im Fußball ist die Stadt durch den Verein FK Kaluga vertreten.

Weiterführende BildungseinrichtungenBearbeiten

 
Kalugaer Campus der Staatlichen Technischen Universität Moskau
  • Abteilung der Nordöstlichen Akademie für Staatsdienst Kaluga
  • Filiale der Internationalen Slawischen G.-R.-Derschawin-Universität
  • Filiale der Landwirtschaftlichen Akademie Moskau
  • Filiale der Staatlichen Technischen Universität Moskau
  • Filiale des A.-S.-Gribojedow-Instituts für internationales Recht und Ökonomie
  • Filiale des Allrussischen Ferninstituts für Finanzen und Ökonomie
  • Filiale des Geisteswissenschaftlich-Ökonomischen Instituts Moskau
  • Staatliche K.-E.-Ziolkowski-Universität Kaluga

StädtepartnerschaftenBearbeiten

Die Stadt Kaluga unterhält mit folgenden Städten eine Städtepartnerschaft:

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Bekannte EinwohnerBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Kalugaer Boden. The Kaluga's Land. Semlja Kaluschskaja. Bild-Text-Band. Dreisprachig: russisch, englisch, deutsch. Moskau 1977[21]

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kaluga – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Kaluga – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Timothy Snyder: Black Earth. London 2015, S. 195.
  3. Die Befreiung von Kaluga, Dezember 1941 (Dokumentarische Wochenschau)
  4. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
  5. 29. Januar 2008: Agreement Officially Signed to Build PSA Peugeot Citroën Plant in Kaluga, Russia (Memento des Originals vom 26. Dezember 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.psa-peugeot-citroen.com
  6. PSA und Mitsubishi starten Kaluga-Werk (Memento des Originals vom 23. September 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.automobil-produktion.de (26. April 2010)
  7. Visite virtuelle du site de production de Kaluga (Memento des Originals vom 26. Dezember 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.psa-peugeot-citroen.com (Film)
  8. OCW – Verlag für Außenwirtschaft 11. Juni 2014: Neues Werk: Continental baut in Kaluga aus
  9. [1] 9. Januar 2012: Faurecia to establish two plants in Russia
  10. Pressemitteilung August 2008: die Staatsholding Atomenergoprom erwirbt Anteil am Turbinenwerk
  11. Евлалия Кадмина – забытая гордость Калуги, kp40.ru
  12. Глаголев Василий Васильевич, warheroes.ru
  13. Воронин Павел Андреевич, warheroes.ru
  14. Трофимов Кирилл Николаевич, warheroes.ru
  15. Бабаев Александр Иванович, warheroes.ru
  16. Aleksandr Saprykin in der Datenbank von Sports-Reference (englisch)
  17. Stanislav Lopukhov in der Datenbank von Sports-Reference (englisch)
  18. Dmitry Kovalyov in der Datenbank von Sports-Reference (englisch)
  19. Vladimir Kisenkov, soccerway.com
  20. Vladimir Kisenkov, transfermarkt.it
  21. Ohne ISBN, Großformat, 143 Seiten