Hauptmenü öffnen

Holzhausen (Leipzig)

Stadtteil von Leipzig

Holzhausen ist der Ortsteil 35 im Stadtbezirk Südost sowie ein Stadtteil von Leipzig. Er entstand zum 1. Januar 1999 durch Eingemeindung der bisher selbständigen Gemeinde Holzhausen in die Stadt Leipzig.

Wappen von Leipzig
Holzhausen
Stadtteil von Leipzig
Koordinaten 51° 18′ 50″ N, 12° 28′ 0″ OKoordinaten: 51° 18′ 50″ N, 12° 28′ 0″ O.
Fläche 12,85 km²
Einwohner 6584 (31. Dez. 2018)
Bevölkerungsdichte 512 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Jan. 1999
Postleitzahl 04288
Vorwahl 034297
Stadtbezirk Südost
Verkehrsanbindung
Bus 73, 74, 172
Quelle: statistik.leipzig.de

LageBearbeiten

Holzhausen umfasst die beiden Gemarkungen Holzhausen (mit dem alten Ortskern von Holzhausen) und Zuckelhausen (mit dem alten Ortskern von Zuckelhausen).

GeschichteBearbeiten

GründungBearbeiten

 
Kirche Holzhausen
 
Zuckelhausener Ring mit Gutshöfen

Holzhausen und Zuckelhausen weisen zwei grundverschiedene Dorfkerne auf. Im 6. bis 7. Jahrhundert wurde die Siedlung Zuckelhausen als Sorbisches Rundangerdorf gegründet. Der damalige Ortsname „Zschukolosa“ scheint vom sorbischen „Leute, die roden“ oder vom slawischen „trockendes Gereut“, „dürre Lehde“ abgeleitet zu sein. Bereits im 12. Jahrhundert wurde die noch heute erhaltene Kirche Zuckelhausens als romanischer Saalbau errichtet. Die Gründung der Siedlung Holzhausen als Straßenangerdorf wird zwischen den Jahren 1150 und 1200 vermutet. Etwa 1200 Flamen vom Niederrhein gründeten das Dorf "Holzhausen", damals als „Dorf am Wald“ bezeichnet.

Nach der Säkularisation der Klöster im Zuge der Reformation fiel der Besitz an den Landesherren. Herzog Moritz schenkte 1544 Holzhausen, Zuckelhausen und drei weitere Dörfer der Leipziger Universität. Bis 1844 übte diese die Gerichtsbarkeit aus und empfing Naturalleistungen und Frondienste. Holzhausen lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[1] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig I und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[2]

Während der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) hatten beide Dörfer viele Menschenopfer und große Zerstörung zu beklagen. Nach 1870 setzte eine rasche Bevölkerungszunahme in Holzhausen und Zuckelhausen ein.

Um 1900 wurde die Apfelsorte Edler von Leipzig in Holzhausen gezüchtet.[3]

1934 erfolgte die seit den 20er Jahren angestrebte Vereinigung von Holzhausen und Zuckelhausen. Als gemeinsamer Name wurde Holzhausen gewählt. Das Entstehen vieler attraktiver Siedlungen in den 30er Jahren führte zu einer weiteren Erhöhung der Einwohnerzahl, zeitweise über 7000. Die territoriale Ausdehnung von Holzhausen mit 12,9 Quadratkilometern ist beträchtlich.

Holzhausen in der Völkerschlacht bei LeipzigBearbeiten

 
Holzhausen mit zerstörter Kirche nach der Völkerschlacht, 1815
 
Denkmal auf dem Kolmberg

Am Vorabend der Völkerschlacht bei Leipzig am 14. Oktober 1813 zog Napoleon seine Truppen um Leipzig zusammen. Auch in Holzhausen lagen französische Truppen und lieferten sich erste Schusswechsel mit den österreichischen Truppen General Baumgartens am Pösgraben an der Poststraße nach Grimma. Am 15. Oktober 1813 kam der französische Kaiser und Kriegsherr Napoleon von Liebertwolkwitz über Holzhausen nach Baalsdorf und inspizierte seine Truppen.

Auf Befehl Napoleons eroberte am 16. Oktober 1813 Marschall Macdonald und Divisionsgeneral Sebastiani mit dem 2. Reiterkorps den Kolmberg zwischen Liebertwolkwitz und Holzhausen. Er scheiterte jedoch in Seifertshain, welches von den Österreichern unter Kavallerie-General Klenau gehalten wurde.

Früh am 18. Oktober 1813 begann der Rückzugkampf Napoleons. Die Verbündeten Armeen unter Bennigsen – Russen und Polen, Österreicher, Preußen und Kosaken – standen den Franzosen gegenüber, welche inzwischen den Kolmberg verlassen hatten. Die französische Division Charpentier verteidigte sich in Holzhausen eisern gegen den Angriff der Österreicher. Gegen Mittag gelang es russischen Divisionen von Norden und Osten Holzhausen einzunehmen. Das ganze Dorf brannte, die Kirche und viele Bauerngüter waren zerstört. Es starben viele Bewohner auch an den Seuchen, so dass viele Güter verwaisten.

100 Jahre nach der Völkerschlacht wurde in Leipzig 1913 das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht und in Holzhausen als Beitrag Österreichs zu den Feierlichkeiten ein bronzener kaiserlicher Doppeladler als Denkmal aufgestellt.

OrtsbildBearbeiten

Das Ortsbild prägen vor allem Einfamilienhäuser und kleine Villen aber auch Gutshöfe ehemaliger Großgrundbesitzer.

InfrastrukturBearbeiten

 
Fernmeldeturm Leipzig-Holzhausen

Die Freiwillige Feuerwehr Holzhausen und das Berggut, welches den Heimatverein Holzhausen beherbergt, liegen im Ortskern von Zuckelhausen.

 
Schule

In Leipzig-Holzhausen befindet sich auch eine der sechs Regionalzentralen des Deutschen Wetterdienstes[4].

Außerdem befindet sich in Holzhausen der Fernmeldeturm Leipzig der Deutschen Telekom AG.

KirchenBearbeiten

Die beiden Kirchen in Holzhausen und Zuckelhausen bilden das Zentrum des jeweiligen Ortskerns.

SchuleBearbeiten

Der Ortsteil verfügt über eine Grundschule mit Hort und Ganztagsangebot. Das Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1901.

VerkehrBearbeiten

 
Haltepunkt Leipzig-Holzhausen

Der im Jahr 1900 eröffnete Bahnhof Holzhausen (heute Haltepunkt Leipzig-Holzhausen) liegt auf der Bahnstrecke Leipzig–Geithain. Die Linie MRB 2/70 der Mitteldeutschen Regiobahn verbindet Leipzig-Holzhausen mit Leipzig Hbf und Geithain.

ÖPNVBearbeiten

In Holzhausen verkehren die Buslinien 74 und 172 der Leipziger Verkehrsbetriebe "LVB". Des Weiteren befindet sich die Haltestelle "Meusdorf" der TRAM-Linien 2 und 15 der LVB an der Stadtteilgrenze zwischen Meusdorf und Holzhausen.

OrtschaftsratBearbeiten

Die Ortschaftsräte sind ein Teilorgan der Stadt Leipzig. Zusammen mit der Wahl der Stadträte findet in den Ortschaften die Wahl der Mitglieder der Ortschaftsräte statt. Ortsvorsteher und damit Vorsitzender des Ortschaftsrates in Holzhausen ist Hans-Jürgen Raqué (CDU). Der Vorsitzende wird alle fünf Jahre von den Mitgliedern des Ortschaftsrates gewählt. Der Ortschaftsrat selbst wird von den Wählern in direkter Wahl gewählt, der Vorsitzende in indirekter Wahl. Zurzeit besteht der Ortschaftsrat aus folgenden Mitgliedern:

SportBearbeiten

In Holzhausen ansässige Sportvereine sind:

  • FC Eintracht Holzhausen 1993 e.V. (Fußball; die erste Herrenmannschaft spielt seit 2015/2016 wieder in der Stadtklasse)
  • TTC Holzhausen e.V. (Tischtennis; Die 1. Herrenmannschaft des TTC Holzhausen spielt in der Saison 2012/13 in der Regionalliga Süd)
  • SV Holzhausen e.V. (Gymnastik, Judo, Kegeln)

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Fritz Zalisz (1893–1971), Maler, Grafiker, Bildhauer und Dichter, lebte und arbeitete in Holzhausen
  • Christian Grunert (1900–1975), Gärtner und Autor, leitete in Holzhausen einen Gartenbaubetrieb
  • Manfred Kobuch (1935–2018), Archivar und Historiker, geboren in Holzhausen
  • Fritz Krausch (* 1938), Mathematiker und Politiker, geboren in Holzhausen
  • Hellmuth Costard (1940–2000), Filmregisseur, geboren in Holzhausen

Gedenksteine für Opfer von ZwangsarbeitBearbeiten

Grabstätten mit Gedenksteinen auf dem Ortsfriedhof an der Zuckelhäuser Straße 3 erinnern an drei namentlich bekannte sowjetische Kriegsgefangene, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer von Zwangsarbeit wurden.

PartnergemeindeBearbeiten

Partnergemeinde von Leipzig-Holzhausen ist die Gemeinde March (Breisgau) bei Freiburg im Breisgau in Baden-Württemberg.

BilderBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Ingeburg Manig: Familienbuch Holzhausen mit Zuckelhausen bei Leipzig 1588–1799. Leipzig: AMF 2015 (= Mitteldeutsche Ortsfamilienbücher der AMF 81)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  2. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. Heros Baumschulen
  4. Regionalzentrale Leipzig (abgerufen am 4. Oktober 2010)