Liebertwolkwitz

Stadtteil von Leipzig
Wappen von Liebertwolkwitz
Wappen von Leipzig
Liebertwolkwitz
Ortsteil von Leipzig
Leipzig Ortsteil 34 Liebertwolkwitz.svg
Koordinaten 51° 16′ 58″ N, 12° 27′ 50″ OKoordinaten: 51° 16′ 58″ N, 12° 27′ 50″ O.
Fläche 9,27 km²
Einwohner 5387 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte 581 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Jan. 1999
Postleitzahl 04288
Vorwahl 034297
Stadtbezirk Südost
Verkehrsanbindung
Autobahn A38 A14
Eisenbahn Leipzig–Geithain
Bus 75, 143, 172, 690, S-Pösna-Park,
Nachtbus: N8
Quelle: Ortsteilkatalog 2008 der Stadt Leipzig, statistik.leipzig.de

Liebertwolkwitz ist ein Stadtteil und gemäß der Verwaltungsnomenklatur ein Ortsteil von Leipzig. Der im Stadtbezirk Südost gelegene Ort war bis zur Eingemeindung am 1. Januar 1999 eine eigenständige Gemeinde. Mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1040 ist Liebertwolkwitz eine der ältesten Siedlungen der Region. Der Ortsname wird von den Ortsansässigen oft zu Wolks abgekürzt, die Einwohner entsprechend als Wolkser bezeichnet.[1]

LageBearbeiten

Folgende Orte grenzen an Liebertwolkwitz:

Meusdorf Zuckelhausen, Holzhausen Seifertshain
Wachau   Fuchshain
Auenhain,
Güldengossa
Störmthal Großpösna

Der Ortsteil Liebertwolkwitz ist deckungsgleich mit der Gemarkung Liebertwolkwitz; und bildet den südöstlichsten Teil der Stadt Leipzig. Es ist der höchstgelegene Stadtteil Leipzigs und weist mit dem Galgenberg (168 m ü. NHN)[2][3] und dem historisch bedeutsamen Monarchenhügel (160 m ü. NHN)[4] die beiden höchsten natürlichen Erhebungen der Stadt auf. Im Süden Liebertwolkwitz' entspringt der Schaukelgraben – ein Bach, der den gesamten Ort in nordöstliche Richtung durchfließt und in den Pösgraben mündet. Dieser bildet seinerseits eine natürliche Grenze zwischen Liebertwolkwitz und Holzhausen.

GeschichteBearbeiten

Die Ortschaft wurde im Jahr 1040 erstmals unter dem Namen Niwolkesthorp urkundlich erwähnt und ist vermutlich im 7. oder 8. Jahrhundert von Slawen gegründet worden. Die romanische Kirche fiel 1575 einem Brand zum Opfer. Daraufhin wurde ein rechteckiger Saalbau mit breitem Westturm errichtet. 1702 wurde der Turm erhöht und im Barockstil umgestaltet. Am Ende des 17. Jahrhunderts erwarb der Dichter und Schriftsteller Heinrich Anselm von Ziegler und Kliphausen das Rittergut Liebertwolkwitz und verstarb dort.

Von historischer Bedeutung ist der zu Liebertwolkwitz gehörende Monarchenhügel, von dem aus der Kaiser von Österreich, der Zar von Russland sowie der preußische König im Jahr 1813 während der Völkerschlacht bei Leipzig (16.–18. Oktober 1813) ihre Truppen gegen Napoleon I. befehligten. Im Jahr 1725 hatte Zacharias Hildebrandt eine Kirchenorgel erbaut, die in der Völkerschlacht zerstört wurde. Am 14. Oktober 1813, zwei Tage vor Beginn der eigentlichen „Völkerschlacht“, wurde die Gegend südlich von Markkleeberg, Wachau und Liebertwolkwitz zum Schauplatz des berühmten Reitergefechts bei Liebertwolkwitz. In dem Gefecht fiel der preußische Dragonerleutnant Guido von der Lippe bei der Verfolgung des französischen Marschalls Joachim Murat; die Szene wurde in einem Gemälde von Richard Knötel verewigt.[5] Ein Denkmal auf dem ebenfalls zu Liebertwolkwitz gehörenden Galgenberg erinnert daran, dass dort am 16. Oktober 1813 Napoleon seinen Befehlsstand hatte.

Liebertwolkwitz lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[6] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig I und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[7] Um 1880 begann die Ansiedlung von Industriebetrieben in Liebertwolkwitz, die unter anderem die Tonvorkommen der Umgebung nutzen. So entstanden vor allem Klinker- und Pfannsteinwerke. Dieser Industriezweig ist bis heute im Ort ansässig. 1908 wurde die Badeanstalt errichtet, die jetzt einen Fitness-Club beherbergt.

Im Jahr 1996 unterzeichnete Liebertwolkwitz einen Partnerschaftsvertrag mit der französischen Gemeinde Les Epesses.

1999 wurde Liebertwolkwitz eingemeindet.

PolitikBearbeiten

Durch die Eingemeindung besitzt Liebertwolkwitz direkt keinen Bürgermeister. Es wird durch einen Ortschaftsrat vertreten, welcher sich um allgemeine Belange wie der Pflege des Ortbildes und der Förderung lokaler Projekte kümmert. Die letzte Wahl fand am 26. Mai 2019[8] statt. Ortsvorsteher ist Roland Geistert (Wählervereinigung Liebertwolkwitz Unabhängige Vertreter LUV).[9]

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter des OrtesBearbeiten

Mit dem Ort verbundenBearbeiten

  • Heinrich Anselm von Ziegler und Kliphausen (1663–1697), Romanschriftsteller und Historiograph, lebte und starb in Liebertwolkwitz
  • Gustav Köllmann (1874–1966), Maschinenbauer und Industrieller, gründete 1935 in Liebertwolkwitz das Zweigwerk Köllmann-Getriebebau GmbH
  • Hans Marschall (1893–1970), Politiker (DDP, LDPD) und Publizist, lebte und starb in Liebertwolkwitz
  • Günter Busch (1930–2006), Fußballspieler und -trainer, spielte von 1942 bis 1948 beim MTV 1858 Liebertwolkwitz

GedenkstättenBearbeiten

  • Ein Gedenkstein ist im Josef-Sliwanski-Hain den Opfern des Faschismus gewidmet.
  • Auf dem Kirchhof befindet sich ein Denkmal zum Gedenken an die Opfer der zwei Weltkriege sowie ein Gedenkstein für die hohen Verluste in einem Reitergefecht der Völkerschlacht

VerkehrBearbeiten

Der Bahnhof Leipzig-Liebertwolkwitz liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Geithain.

Liebertwolkwitz ist an mehrere Buslinien wie die 690 (Leipzig Hauptbahnhof-Grimma) oder die 172 (Wachau-Sommerfeld/Borsdorf) angeschlossen. Nachts verkehrt hier die N8.

Verlässt man Liebertwolkwitz über die Muldentalstraße nach Norden, gelangt man auf die Prager Straße, welche bis nach Reudnitz führt. Nach Süden hin kommt man auf der Muldentalstraße nach Großpösna. Die Alte Tauchaer Straße und die Händelstraße führen nach Holzhausen. Die Naunhofer Landstraße im Osten führt Richtung Fuchshain und Seifertshain. Richtung Westen führt die Bornaer Straße/Liebertwolkwitzer Straße nach Wachau.

EinrichtungenBearbeiten

Liebertwolkwitz verfügt über ein Seniorenheim, einen Kindergarten, eine Grund- sowie Oberschule und ein Rathaus, in welchem das Bürgeramt sitzt. Außerdem verfügt der Ort über eine Freiwillige Feuerwehr mit 28 aktiven Freiwilligen und 10 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr.[10]

Die Polizei hat ebenso wie das Ordnungsamt im Rathaus eine Außenstelle.

Die Fahrbibliothek ist montags aller zwei Wochen auf dem Markt anzutreffen.

Jeden Freitag findet ein Wochenmarkt auf dem Marktplatz statt.

LokalzeitschriftBearbeiten

Monatlich erscheint seit 1999 die Lokalzeitschift "Wolkser Wasserturmbote", welche ortsrelevante Themen behandelt. Sie kann bei einigen Läden im Ort erworben werden. Vor der Eingemeindung erschien der "Liebertwolkwitzer Wasserturmbote : Amtsblatt der Gemeinde" (1990–1998).[11]

Sport und KulturBearbeiten

Der größte Sportverein ist der SV Liebertwolkwitz, der mit 10 Abteilungen, unter anderem Kegeln, Badminton, Volleyball, Ski und Reiten, ein breites Sportangebot bietet. Am bekanntesten dürfte aber wohl die Fußballabteilung sein, die in der Saison 2019/20 in der sächsischen Landesklasse Nord antritt. Ein weiterer Vertreter ist der Tischtennisverein TTV Grüne Linde Liebertwolkwitz. Neben dem Vereinssport gibt es auch mehrere private Anbieter. Die Abteilung Skiroller gibt es seit 1928 (damals auf normalen Skiern).

Das Orchester Liebertwolkwitz spielt bei örtlichen Festen und hat laut eigenen Angaben schon in mehreren Ländern gespielt.[12]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Der alte Wasserturm ist das Wahrzeichen von Liebertwolkwitz und schon von weitem gut sichtbar. Seit 2017/18 wurde er für Wohnungen umgestaltet.[13]

Der historische Ortskern wurde vor der Eingemeindung saniert und befindet sich inzwischen in einem guten Zustand.

NaherholungBearbeiten

In Liebertwolkwitz gibt es mehrere Spielplätze. Bei den beiden Schulen befindet sich ein kleiner Park mit dem sogenannten "Angerteich".

An der Muldentalstraße liegt die sogenannte "Kuhweide" mit dem Park an der alten Badeanstalt.

Der Markkleeberger sowie Störmthaler See sind nur wenige Kilometer entfernt.

Lokale VeranstaltungenBearbeiten

Liebertwolkwitz-ein Dorf im Jahre 1813Bearbeiten

Alljährlich organisiert die "Hofgenossenschaft Stiftsgut Liebertwolkwitz eG" im Oktober das Fest "Ein Dorf im Jahre 1813" in Gedenken an das Leben zur Zeit der Völkerschlacht. Hierbei wird im 19. Jahrhundert übliches Handwerk und Leben für ein Wochenende nachgestellt. Die Darsteller welche überwiegend Einwohner des Ortes und der Nachbargemeinden sind, kleiden sich hierfür ähnlich der Bevölkerung zur damaligen Zeit. Hierbei erhält jeder Stand/Darsteller die "Rolle" eines ehemaligen Bewohners Liebertwolkwitz, welcher zur damaligen Zeit gelebt hat. Zusätzlich dazu reist eine Vielzahl an "Soldaten" (Reeanactor) aus verschiedenen Ländern Europas an, welche sich an der Schlachtnachstellung beteiligen und während des Wochenendes in Biwaks einquartiert werden. Geführt wird durch das Wochenende mit einem Programm. Der Eintritt ist Freitags und am späten Abend frei. Im Jahr 2020 entfiel die Veranstaltung aufgrund der COVID-19-Pandemie.[14]

2013Bearbeiten

Zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht begann das Event schon am Mittwoch, den 16. Oktober 2013 anstatt, wie üblich, freitags. In diesem Jahr waren in Liebertwolkwitz 900 Soldaten einquartiert[15]. Zusätzlich fand eine Vielzahl an Veranstaltungen auch außerhalb des historischen Ortskerns und in Nachbargemeinden statt.

HeimatfestBearbeiten

Jährlich findet im Sommer das Heimatfest auf der "Kuhweide" statt. Diese verwandelt sich für ein Wochenende in einen kleinen Rummel. Am Samstag findet ein Festumzug durch den Ort statt, bei dem sich lokale Vereine und Unternehmen präsentieren können.

LiteraturBearbeiten

  • Christoph Kühn: Liebertwolkwitz. Eine historische und städtebauliche Studie, hrsg. v. Pro Leipzig e.V., Leipzig 2000, 60 S.
  • Cornelius Gurlitt: Liebertwolkwitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 76.

WeblinksBearbeiten

Commons: Liebertwolkwitz (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

AnmerkungenBearbeiten

  1. vgl. „1. Wolkser Aulaabend – Swing im 'Presse Café'“ und andere Artikel auf der Orts-Webpage
  2. https://geoportal.sachsen.de/cps/index.html?lang=de&map=db30e446-7a28-448a-bda3-7508b92e9d4c Geoportal Sachsenatlas
  3. https://geodienste.sachsen.de/wms_geosn_hoehe/guest?SERVICE=WMS&REQUEST=GetFeatureInfo&FORMAT=image/png&TRANSPARENT=TRUE&STYLES=default,default,default,default&VERSION=1.3.0&LAYERS=hangneigung,relief_standard,gelaendehoehe,hoehenlinien_2_5m&WIDTH=687&HEIGHT=503&CRS=EPSG:25833&BBOX=321936.1625448447,5684133.926156067,322038.7255105531,5684209.01956473&INFO_FORMAT=text%2Fhtml&QUERY_LAYERS=gelaendehoehe&FEATURE_COUNT=10&XSL_TEMPLATE=&I=394&J=203 Sachdatenabfrage Geoportal Sachsenatlas
  4. https://geodienste.sachsen.de/wms_geosn_hoehe/guest?SERVICE=WMS&REQUEST=GetFeatureInfo&FORMAT=image/png&TRANSPARENT=TRUE&STYLES=default,default,default,default&VERSION=1.3.0&LAYERS=hangneigung,relief_standard,gelaendehoehe,hoehenlinien_2_5m&WIDTH=2543&HEIGHT=1043&CRS=EPSG:25833&BBOX=321459.6319113271,5685232.176573453,322218.9262976732,5685543.597747247&INFO_FORMAT=text%2Fhtml&QUERY_LAYERS=gelaendehoehe&FEATURE_COUNT=10&XSL_TEMPLATE=&I=1158&J=499 Sachdatenabfrage Geoportal Sachsenatlas
  5. http://www.zinnfigur-strassburg.de/Marschall%20Murat%20bei%20Liebertwolkwitz%201813.htm
  6. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  7. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  8. Der Ortschaftsrat Liebertwolkwitz. Abgerufen am 19. November 2020.
  9. Ihr Ortschaftsrat Liebertwolkwitz stellt sich vor. Abgerufen am 19. November 2020.
  10. FF Liebertwolkwitz Über uns. Abgerufen am 19. November 2020.
  11. Liebertwolkwitzer Wasserturmbote : Amtsblatt der Gemeinde. Abgerufen am 19. November 2020.
  12. Orchester Liebertwolkwitz e.V. Abgerufen am 19. November 2020.
  13. Wasserturm Liebertwolkwitz wird Wohnturm. Abgerufen am 19. November 2020.
  14. Absage 1813 2020. Abgerufen am 19. November 2020.
  15. 200 Jahre Völkerschlacht bei Leipzig Liebertwolkwitz 2013 Programm. Abgerufen am 19. November 2020.