Schönau (Leipzig)

Stadtteil von Leipzig

Schönau ist nach der Kommunalen Gebietsgliederung von 1992 ein Ortsteil von Leipzig im Stadtbezirk West. Bis zur Eingemeindung 1930 war Schönau eine eigenständige sächsische Gemeinde.

Wappen von Leipzig
Schönau
Stadtteil von Leipzig
Koordinaten 51° 19′ 40″ N, 12° 17′ 35″ OKoordinaten: 51° 19′ 40″ N, 12° 17′ 35″ O.
Fläche 3,07 km²
Einwohner 4638 (31. Dez. 2017)
Bevölkerungsdichte 1511 Einwohner/km²
Postleitzahl 04205
Vorwahl 0341
Stadtbezirk West
Verkehrsanbindung
Straßenbahn 8, 15
Bus 61, 65, 66, 161
Quelle: statistik.leipzig.de
Schönauer Kirche
im November 2006

LageBearbeiten

Der Ortsteil umfasst nur den nordöstlichen Teil der Gemarkung Schönau, der aus dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde gleichen Namens hervorgegangen ist. Daneben umfasst er auch einen Teil der Gemarkung Lindenau (mit dem Lindenauer Hafen) und einen kleinen Zipfel der Leutzscher Flur. Im Norden entspricht die Grenze des Ortsteils zugleich der historischen Gemarkungsgrenze zu Großmiltitz und Rückmarsdorf (diese verläuft nordwestlich des Schönauer Wiesenlachens und der Gartensiedlung an der Horburgerstraße). Im Osten wurde die Plautstraße als administrative Grenze zum Ortsteil Neulindenau, im Süden die Lützner Straße zu Grünau-Ost und -Mitte sowie im Westen die Kiewer Straße als Grenze zu Grünau-Nord festgelegt.

Zum Ortsteil Schönau gehören unter anderem der Wohnkomplex 5.1 des Neubaugebietes Grünau, die Reste des alten Dorfkernes von Schönau, das „Schönauer Viertel“ auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne Schönau und der Schönauer Park.[1]

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1254 wurde der Ortsname erstmals urkundlich erwähnt, im Zusammenhang mit dem Grundherrn Heidenricus de Schonenowe. Der Ortsname ist deutschen Ursprungs und setzt sich aus mittelhochdeutsch schœn(e) (‚schön, anmutig‘) und dem Grundwort -au(e) zusammen.[1] Das Dorf Schönau gehörte bis 1815 zum hochstift-merseburgischen Amt Schkeuditz, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.[2] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde der Westteil des Amts Schkeuditz im Jahr 1815 an Preußen abgetreten. Schönau verblieb mit dem Ostteil beim Königreich Sachsen und wurde dem Kreisamt Leipzig angegliedert. Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Leipzig II und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Leipzig.[3]

1930 wurde Schönau nach Leipzig eingemeindet. Hauptmotiv für die Eingemeindung war der Bau des Lindenauer Hafens, der vollständig auf Leipziger Stadtgebiet liegen sollte. Die Stadt Leipzig kaufte 1937 auch das Rittergut Schönau. Im Rahmen der Aufrüstung der Wehrmacht wurde 1933–36 in Schönau eine Kaserne für die Luftwaffe erbaut. Sie wurde nach 1945 von der Sowjetarmee weitergenutzt, die 1991 abzog.[1] 1982 kam es dort zu einem Explosionsunglück.[4] Auf einem Großteil der Gemarkung Schönau wurde in den 1970er- und 80er-Jahren die Großwohnsiedlung Grünau errichtet.[5] Das barocke Gutshaus wurde 1979 abgerissen, vom alten Gut und Dorf blieben nur der Schönauer Park und die denkmalgeschützte gotische Dorfkirche erhalten.[1]

 
Spuren des Waldbrandes im April 2020

Der 1992 zu statistischen und administrativen Zwecken gebildete Leipziger Ortsteil Schönau im Stadtbezirk West umfasst nur einen Teil der Gemarkung Schönau. Weitere Teile wurden den Ortsteilen Grünau-Mitte, -Nord, -Ost, -Siedlung sowie Grünau-West (seit 1995 Lausen-Grünau) zugeordnet. Zwischen 1991 und 2003 verlor Schönau rund ein Drittel seiner Bevölkerung. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen und der Beräumung von militärischen Altlasten entwickelte die städtische Entwicklungsgesellschaft LESG das ehemalige Kasernengelände ab 2003 zum Wohngebiet mit Einfamilien- und Reihenhäusern.[1] Seither gab es wieder eine leichte Bevölkerungszunahme. Im sehr trockenen April 2020 kam es nördlich der Lützner Straße zu einem Waldbrand.[6]

OrtstypikBearbeiten

 
Lindenauer Hafen (2019)

Der zentrale und der südwestliche Teil des Ortsteils sind größtenteils als Wohngebiete gewidmet, mit Ausnahme des Fachmarktzentrums an der Kiewer Straße (Kaufland Leipzig-Schönau) und eines überwiegend gewerblich genutzten Mischgebiets an der Kiewer/Lützner Straße. Der Norden und Osten von Schönau sind weitgehend als Grünflächen belassen, dazu gehören u. a. der Schönauer Park und das 8,33 Hektar große Sumpfgebiet Schönauer Lachen (seit 1985 als Flächennaturdenkmal ausgewiesen[1]). Das Gebiet östlich des Lindenauer Hafens ist teils als Gewerbegebiet (Norden), teils als Mischgebiet (Süden) ausgewiesen.[7]

An Altbauten sind lediglich geringe Überreste des ehemaligen Dorfkerns erhalten. Der zentrale Bereich des Ortsteils ist mit 6-geschossigen Wohnblöcken in Plattenbauweise (WBS 70) bebaut. Im westlichen Teil finden sich Ein- und Mehrfamilienhäuser aus den 2000er-Jahren. Östlich des Lindenauer Hafens entsteht seit Ende der 2010er-Jahre ein neues Wohnviertel.

In Schönau gibt es einen Kindergarten, eine Grundschule sowie einen Lebensmittelmarkt in der Nähe des Parks. Jedes Jahr finden ein Park- und ein Feuerwehrfest statt.

Bevölkerung und StatistikBearbeiten

Das Durchschnittsalter liegt mit 47,3 Jahren für Leipziger Verhältnisse recht hoch. Besonders stark sind die Altersgruppen der 50- bis 75-Jährigen vertreten, die insgesamt 38,8 Prozent der Bevölkerung stellen. Die 20- bis 40-Jährigen sind hingegen auffällig unterrepräsentiert. Die Arbeitslosenquote ist mit 9,4 Prozent recht hoch. Die durchschnittliche Warmmiete beträgt 7,09 € pro Quadratmeter, damit gehört Schönau zu den Ortsteilen mit dem günstigsten Wohnraum in Leipzig. 23 Prozent der Schönauer haben Wohneigentum. Die Kriminalitätsrate liegt mit 104 Straftaten je 1000 Einwohner unter dem Leipziger Mittel, bei der Mehrheit der Taten handelt es sich um Diebstähle. Die Wahlbeteiligung der Schönauer ist geringer als die der Leipziger insgesamt (Bundestagswahl 2017: 68,3 %). Die AfD schneidet hier überdurchschnittlich ab (2017: 26,6 %), die Grünen hingegen auffällig schwach (3,5 %).[8]

VerkehrBearbeiten

Durch das Viertel verkehrt die Buslinie 66 im Stundentakt. Die Endhaltestelle Grünau-Nord der Straßenbahnlinie 8 befindet sich – trotz des Namens – mitten im Ortsteil Schönau. Sie stellt werktags im 10-Minuten-Takt eine Verbindung in die Innenstadt her. An den Rändern des Ortsteils verkehren die Straßenbahnlinie 15 sowie die Buslinien 60, 61, 62 und 65.

Hauptachsen des motorisierten Individualverkehrs sind die Kiewer Straße im Westen, Lyoner Straße im Norden (Bundesstraße 87) und Lützner Straße im Süden.

PersönlichkeitenBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Cornelius Gurlitt: Schönau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 111.

WeblinksBearbeiten

Commons: Schönau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Schönau. In: Vera Denzer, Andreas Dix, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Leipzig. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2015, S. 370.
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f.
  3. Die Amtshauptmannschaft Leipzig im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. Die Kaserne Schönau von Dr. Dieter Kürschner, in Grün-As, Ausgabe 2000/3
  5. Stadtbezirk West. In: Vera Denzer, Andreas Dix, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Leipzig. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Leipzig. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2015, S. 366.
  6. Feuer im Schönauer Park von Leipzig, MDR vom 22. April 2020
  7. Flächennutzungsplan der Stadt Leipzig, Stand April 2020.
  8. Ortsteilkatalog 2018. Strukturdaten der Ortsteile und Stadtbezirke. Stadt Leipzig – Amt für Statistik und Wahlen, S. 197–200, abgerufen am 16. Januar 2021.