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GeographieBearbeiten

 
Luftbild von Südwest, 1983

Geographische LageBearbeiten

Die Gemeinde Gärtringen liegt zwischen Hecken- oder Schlehengäu und Schönbuch. In südlicher Richtung erstreckt sich eine kleine Ebene, die durch den in der Nachbargemarkung Nufringen entspringenden Krebsbach gebildet wird, der in die Würm mündet. Unmittelbar südlich von Rohrau beginnt das ausgedehnte Waldgebiet des Schönbuches. In nördlicher und westlicher Richtung steigt das Gelände gleichmäßig zum Schwarzwald hin an. Das Gebiet der Gemeinde Gärtringen ist relativ arm an eigenen Quellen, so dass es nur wenige ständig wasserführende Gräben und Bäche (Krebsbach, Keltergraben, Brühl-/Hungergraben) gibt und die Wasserversorgung teilweise durch Bodenseewasser gesichert wird.

GemeindegliederungBearbeiten

Gärtringen besteht aus den beiden Ortsteilen Gärtringen und Rohrau. Die offizielle Bezeichnung des Ortsteils Rohrau lautet Gärtringen-Rohrau. Die beiden Ortsteile bilden Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Der Ortsteil Rohrau bildet zudem eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit direkt gewählten Ortschaftsrat und ehrenamtlich tätigen Ortsvorsteher[2] (seit dem 4. November 2014 Torsten Widmann). Zum Ortsteil Gärtringen gehören Gärtringen und die aus Aussiedlerhöfen bestehende Siedlung Waldhöfe sowie die abgegangenen Ortschaften (Wüstungen) Edelburg, Hartheim und Wislingen. Zum Ortsteil Rohrau gehört ausschließlich das Dorf Rohrau.[3]

NeubaugebieteBearbeiten

Im mittlerweile zum Großteil besiedelten Wohngebiet Kayertäle entstehen auf 27 Hektar Fläche insgesamt 800 Wohneinheiten, 2.000 Bürger sollen einmal hier ihr Zuhause haben. Bis Herbst 2017 wird ein weiteres 8 ha großes Wohngebiet im Nordwesten von Gärtringen (Lammtal) erschlossen.

Das Gewerbegebiet Am S-Bahnhof bietet ansiedlungswilligen Betrieben Gewerbeflächen mit direkter Anbindung an S-Bahn und Autobahn. In den letzten fünf Jahren konnten so in den Gärtringer Gewerbegebieten bereits 800 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Bewusst hat die Gemeinde neue Wohnbauflächen und das neue Gewerbegebiet unter dem Motto „Wohnen und Arbeiten in Gärtringen“ miteinander kombiniert. Im Mai 2009 wurde die Erschließung des Gewerbegebietes Riedbrunnen am östlichen Ortsrand beschlossen.[4] Dort wurde 2011 auf 4,6 ha Fläche eine ausgedehnte Niederlassung des Tiefkühllogistikunternehmens Nordfrost errichtet.

GeschichteBearbeiten

 
Gärtringen 1681, Forstlagerbuch von Andreas Kieser
 
Schloss Gärtringen

Älteste Siedlungsspuren auf der Gemarkung stammen aus der Hallstattzeit. Alte, möglicherweise römische, Siedlungsreste sind am Hardtheimer Brünnele zu finden. Der Ortsname „Gärtringen“ ist alemannischen Ursprungs, wobei die Siedlung wohl nach einem Gartheri benannt ist. Gärtringen wird erstmals 1140 urkundlich erwähnt. Ursprünglich der Grafschaft Calw, dann den Pfalzgrafen von Tübingen unterstehend, kam die Gemeinde 1382 an Württemberg.

Eigener Adel am Ort lässt sich vom 12. Jahrhundert bis 1559 nachweisen. Zuletzt belegt sind die 1559 mit Hans von Gärtringen ausgestorbenen Herren von Gärtringen genannt Harder.[5] Ab dem 17. Jahrhundert waren Vertreter der württembergischen Ehrbarkeit im Besitz der vormals adligen Güter, darunter ab 1610 der württembergische Rat und Kammersekretär Johann Sattler und ab 1640 bis heute die Familie Hiller, deren Wurzeln in Pöttmes bei Augsburg liegen und die 1703 zu Freiherren Hiller von Gärtringen erhoben wurden.[6]

Bei der Neugliederung des jungen Königreichs Württemberg am Anfang des 19. Jahrhunderts blieb das altwürttembergische Gärtringen dem seit Jahrhunderten zugehörigen Amt bzw. seit 1758 Oberamt Herrenberg weiterhin unterstellt.

1879 wurde der Bahnhof Gärtringen der Württembergischen Eisenbahn eröffnet. Er liegt einige hundert Meter vom damaligen Siedlungsgebiet entfernt.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Gärtringen 1938 zum Landkreis Böblingen. 1945 geriet Gärtringen in die Amerikanische Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Einwohnerzahl durch die Nähe zu den Industriestandorten Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart und aufgrund der vorhandenen Eisenbahnanbindung vervielfacht. Dieser Zuwachs hält nicht zuletzt durch den Anschluss an die Autobahn A 81 ab Ende der 1970er Jahre und dem seit 1992 bestehenden S-Bahn-Anschluss im Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart bis heute an.

2500 Meter nordwestlich von Gärtringen, an der westlichen Talkante des Gärtringer Tals, befindet sich der Burgstall Edelburg.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg[7] (nur Hauptwohnsitze).

Jahr Einwohner
1. Dezember 1871 ¹ 1.773
1. Dezember 1880 ¹ 1.940
1. Dezember 1890 ¹ 1.952
1. Dezember 1900 ¹ 1.875
1. Dezember 1910 ¹ 1.932
16. Juni 1925 ¹ 2.039
16. Juni 1933 ¹ 2.071
17. Mai 1939 ¹ 2.194
13. September 1950 ¹ 3.238
Jahr Einwohner
6. Juni 1961 ¹ 4.129
27. Mai 1970 ¹ 6.355
31. Dezember 1980 9.491
27. Mai 1987 ¹ 10.147
31. Dezember 1990 10.731
31. Dezember 1995 11.038
31. Dezember 2000 11.341
31. Dezember 2005 11.949
31. Dezember 2010 12.116
31. Dezember 2015 11.882

ReligionenBearbeiten

Gärtringen ist traditionell überwiegend evangelisch geprägt (evangelische Pfarrämter Gärtringen-Ost und -West sowie Rohrau), wenngleich die katholische Gemeinde St. Michael mittlerweile 2.600 Mitglieder hat. Durch den Zuzug von Bürgern ausländischer Herkunft in den letzten Jahrzehnten sind auch andere Religionen vertreten, hierzu sind allerdings keine Zahlen bekannt.

EingemeindungenBearbeiten

Rohrau

Der am 1. September 1971 eingemeindete Ort Rohrau[8] mit rund 1600 Einwohnern am Fuße des Schönbuchs ist historisch durch den bis ins 20. Jahrhundert betriebenen Abbau von Rhätsandstein und durch die Sandmühle bekannt. Im späten Mittelalter wurde Rohrau durch eine Burg im Schönbuch und eine Wasserburg am heutigen Kirchplatz geprägt. Die alte Rohrauer Kirche am Kirchplatz musste 1974 aufgrund von Bauschäden infolge von Geländesenkungen abgerissen werden und wurde durch die Christuskirche am Eisenbergle ersetzt.

In Rohrau gibt es wenig Gewerbe, der einzige Industriebetrieb ist ein Mineralwasser-Abfüller. Durch Rohrau fließt der Krebsbach (Würm).

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Gemeinderat in Gärtringen hat 22 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem amtliche Endergebnis.[9] Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2019
Sitze
2019
%
2014
Sitze
2014
Kommunalwahl 2019
 %
40
30
20
10
0
34,14 %
26,20 %
22,49 %
9,48 %
7,28 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-0,60 %p
-2,54 %p
+6,59 %p
-5,26 %p
+1,40 %p
FW Freie Wähler in Gärtringen e. V. 34,14 7 34,74 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 26,20 6 28,74 6
GRÜNE Grüne Liste 22,49 5 15,90 4
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 9,88 2 14,74 3
FDP Freie Demokratische Partei 7,28 2 5,88 1
gesamt 100,0 22 100,0 22
Wahlbeteiligung 66,2 % 55,4 %

BürgermeisterBearbeiten

  • 1899–1932 Heinrich Gärttner
  • 1932–1933 Eugen König
  • 1933–1938 Merz
  • 1938–1945 Gustav Reule
  • Juni–Sep. 1945 Heinrich Schäfer
  • Sep. 1945–1946 Franz Xaver Frey
  • 1946–1947 Gottlieb Eppler
  • 1947–1948 Walter Bauer (komm.)
  • 1948–1953 Walter Mayle
  • 1953–1983 Herbert Holder
  • 1983–1999 Hans Drexler
  • 1999–2015: Michael Weinstein
  • Seit 1. April 2015: Thomas Riesch[10]

WappenBearbeiten

Blasonierung: In gespaltenem Schild vorne in Rot ein nach links gekehrter goldener Adlerfang, hinten in Gold ein roter Kelch.

PartnergemeindeBearbeiten

 
Gärtringer Kirche

Gärtringen unterhält seit 1976 partnerschaftliche Beziehungen zu Rohrau in Niederösterreich.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

  • Schloss der Freiherren Hiller von Gaertringen, am Schlossweg, erbaut 1728
  • Spätgotische Dorfkirche St. Veit, Kirchstraße/Ecke Schlossweg, erstmals 1275 erwähnt
  • Park um die Villa Schwalbenhof (Kiefer-Park)
  • Friedrich-Sieburg-Gedenkstätte in der Villa Schwalbenhof
  • Historische Sandmühle mit Schmiede in Rohrau, Hildrizhauser Straße/Hanfweg
  • Naturdenkmal Friedenslinde, am Aidlinger Weg nördlich Gärtringen

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

WirtschaftBearbeiten

Viele Gewerbebetriebe vom Handwerksbetrieb bis zum großen Logistikzentrum bieten eine Vielzahl von Arbeitsplätzen am Ort.

VerkehrBearbeiten

Gärtringen ist über die Bundesautobahn 81 (StuttgartSingen) zu erreichen. Eine Besonderheit ist, dass, von Süden kommend, die Abfahrt über die linke Spur erfolgt. Sie kam dadurch zustande, dass dem Kreuzungsbauwerk beim Bau in den 1970er Jahren die Funktion eines Autobahnkreuzes (A 81 /A 831) zugedacht war, die vorgesehenen Rampen jedoch als Anschlussstelle benutzt wurden.

Die Gäubahn verbindet Gärtringen mit dem überregionalen Schienennetz in Richtung Stuttgart, Singen und Freudenstadt. Dabei bedient die Linie S1 (Kirchheim (Teck)–Stuttgart–Herrenberg) der S-Bahn Stuttgart den Gärtringer Bahnhof, meist halbstündig in beide Richtungen.

Bildungseinrichtungen/KinderbetreuungBearbeiten

Mit der Theodor-Heuss-Realschule, der Ludwig-Uhland-Schule (Grund- und Gemeinschaftsschule) und den beiden Grundschulen Peter-Rosegger-Schule und Joseph-Haydn-Schule Rohrau gibt es vier Schulen im Ort. Zur Betreuung von Kindern stehen 9 ausschließlich kommunale Kindertageseinrichtungen (auch mit Krippen- und Ganztagsgruppen) bereit.

FreizeitBearbeiten

Über 50 Vereine und Organisationen sowie die Kirchen bieten vielfältige Freizeitmöglichkeiten und betreiben Jugendarbeit. In Gärtringen bestehen fünf Turn- und Sporthallen, eine Tennishalle, ein Freibad, eine Bibliothek, sowie die Villa Schwalbenhof, ein Kulturzentrum mit Kleinkunstbühne. Naherholungsmöglichkeiten bestehen im direkt anschließenden Naturpark Schönbuch und im Schwarzwald.

Ärztliche VersorgungBearbeiten

Die ärztliche Versorgung ist durch vier Allgemeinärzte, einen Schmerztherapeuten, eine Frauenärztin, zwei Fachärzte für Innere Medizin, einen Kinderarzt und fünf Zahnärzte gewährleistet.

PflegeBearbeiten

Im Ortszentrum liegt das Seniorenheim Samariterstift. Dort bestehen 72 Pflegeplätze und 20 betreute altengerechte Wohnungen. Dort und über die Gemeinde werden eine vielfältige offene Seniorenarbeit angeboten mit Mittagstisch, Kaffeetafel und verschiedenen kulturellen Veranstaltungen.

PersönlichkeitenBearbeiten

EhrenbürgerBearbeiten

  • 1983: Herbert Holder (* 1922; † 8. August 2013), Bürgermeister von Gärtringen (1953–1983)
  • 2000: Erich Gutmann (* 2. Januar 1920; † 24. April 2005), Bürgermeister der damals selbstständigen Gemeinde Rohrau (1945–1971)

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

  • Wilhelm Gmelin (1573–1635), Pfarrer
  • Wilhelm Hofacker (1805–1848), Evangelischer Theologe
  • Wolfgang Brehm (1944–2017), Rechtswissenschaftler und Hochschullehrer
  • Wolfgang Theis (* 1948), Filmwissenschaftler und Ausstellungsmacher, Träger des Verdienstkreuzes am Bande 2011

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Gärtringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Gärtringen vom 31. Oktober 1995
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 88–89.
  4. 4,5 Hektar warten auf Investor, Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung online, Artikel vom 22. Mai 2009, abgerufen 6. Oktober 2009
  5. Beschreibung der Oberamts Herrenberg Kapitel B 7
  6. Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 239.
  7. Bevölkerungsentwicklung in Baden-Württemberg von 1871 bis 2012@1@2Vorlage:Toter Link/www.statistik.baden-wuerttemberg.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 447.
  9. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums
  10. Neuer Bürgermeister für Gärtringen: Riesch fährt Erdrutschsieg ein, Stuttgarter Zeitung online, Artikel vom 25. Januar 2015, abgerufen 26. Januar 2015
  11. Friedrich-Sieburg-Gedenkstätte, Literaturland Baden-Württemberg, abgerufen am 26. April 2008
  12. Erich Kiefer GmbH, Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg, abgerufen 9. Juli 2010