Frank Arnesen

dänischer Fußballspieler, -trainer und -funktionär

Frank Arnesen (* 30. September 1956 in Kopenhagen) ist ein dänischer Fußballfunktionär und ehemaliger Fußballspieler.

Frank Arnesen
Persdag Ajax nr 2, 3 Frank Arnesen (kop), nr 4 Rob Tervoort (kop), Bestanddeelnr 929-8308.jpg
Frank Arnesen im Trikot von Ajax Amsterdam (1978)
Personalia
Geburtstag 30. September 1956
Geburtsort KopenhagenDänemark
Position Mittelfeldspieler
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1974–1975 Fremad Amager (19)
1975–1981 Ajax Amsterdam 159 (52)
1981–1983 FC Valencia 32 (10)
1983–1985 RSC Anderlecht 50 (15)
1985–1988 PSV Eindhoven 54 (11)
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1973 Dänemark U-17 1 0(1)
1973–1975 Dänemark U-19 13 0(4)
1975–1976 Dänemark U-21 4 0(0)
1977–1987 Dänemark 52 (14)
Stationen als Trainer
Jahre Station
1991–1994 PSV Eindhoven (Co-Trainer)
20110 Hamburger SV (interim)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Karriere als SpielerBearbeiten

VereinBearbeiten

Arnesen begann seine Karriere während seiner Schulzeit bei Fremad Amager. Nach seinem Schulabschluss im Jahr 1975 wechselte er in die Niederlande zu Ajax Amsterdam. Nach einem zweiten Tabellenplatz in der Saison 1975/76 gewann er in der Saison 1976/77 die niederländische Meisterschaft; dieser Erfolg wurde 1979 und 1980 wiederholt. 1979 gewann er mit Ajax neben der Meisterschaft auch den niederländischen Pokal.

Zur Saison 1981/82 wechselte Arnesen zum FC Valencia in die Primera División. Nach zwei Jahren in Valencia unterschrieb er einen Vertrag beim belgischen Erstligisten und damaligen UEFA-Pokalsieger RSC Anderlecht, bei dem mit Morten Olsen, Kenneth Brylle und Per Frimann drei weitere Dänen spielten. Aufgrund einer Knieverletzung konnte er in Anderlecht nicht an seine Leistungen aus seiner ersten Spielzeit beim FC Valencia anknüpfen,[1] gewann jedoch in der Spielzeit 1984/85 mit dem Verein den belgischen Meistertitel.

Nach zwei Jahren kehrte Arnesen in die Niederlande zur PSV Eindhoven zurück. Auch in Eindhoven fand er nicht zu alter Stärke zurück,[1] jedoch gewann er mit der PSV dreimal nacheinander das Double aus Meisterschaft und Pokal. 1988 gewann die PSV den Europapokal der Landesmeister, im Endspiel kam Arnesen jedoch nicht zum Einsatz. Nachdem er sich das linke Bein gebrochen hatte, beendete er im gleichen Jahr seine Karriere.[1]

NationalmannschaftBearbeiten

Am 5. Oktober 1977 spielte Frank Arnesen unter Nationaltrainer Kurt Nielsen beim 0:1 im Testspiel in Malmö gegen Schweden erstmals für die Nationalmannschaft von Dänemark. Zu diesem Zeitpunkt konnte sich die Nationalmannschaft nicht für ein großes Turnier qualifizieren und potenzielle Schlüsselspieler spielten bei ausländischen Clubs, weshalb sie nicht nominiert wurden, wodurch die dänische Nationalmannschaft eher eine Amateurmannschaft war. Der Aufschwung folgte erst ab 1979, als der Deutsche Sepp Piontek das Amt des Nationaltrainers übernahm. 1983 qualifizierte sich die dänische Nationalmannschaft nach einem 1:0-Sieg im Wembley-Stadion in London gegen England für die Teilnahme an der Europameisterschaft 1984 in Frankreich, wobei Arnesen bei diesem Spiel nicht dabei war. Das Eröffnungsspiel des Turniers im Prinzenparkstadion zu Paris verlor man mit 0:1 gegen Frankreich, im zweiten Gruppenspiel gegen Jugoslawien gewann Dänemark mit 5:0, wobei Arnesen das erste dänische Tor bei diesem Turnier erzielte und mit einem Foulelfmeter auch das 3:0 markierte. Das entscheidende Gruppenspiel gegen den amtierenden Vize-Europameister Belgien gewann Dänemark nach 0:2-Rückstand mit 3:2; Arnesen erzielte per Foulelfmeter das Tor zum 1:2. Im Halbfinale traf Dänemark auf Spanien und scheiterte erst im Elfmeterschießen. Arnesen war bereits in der 68. Minute durch Jesper Olsen ersetzt worden.

1985 qualifizierte sich die dänische Mannschaft für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 1986, was die erste WM-Teilnahme Dänemarks überhaupt bedeutete. Arnesen wurde in den ersten beiden Gruppenspielen gegen Schottland und gegen Uruguay eingesetzt. Im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland sah er die Rote Karte und war im Achtelfinale gegen Spanien gesperrt. Sein letztes Spiel machte er am 3. Juni 1987 beim 1:1 gegen die Tschechoslowakei. Insgesamt kam er auf 52 Länderspiele (14 Treffer).

Karriere als Funktionär und TrainerBearbeiten

Stationen als Funktionär
Verein Amtsantritt Amtsaustritt Funktion
Niederlande  PSV Eindhoven 01. Juli 1994 10. Mai 2004 Manager
England  Tottenham Hotspur 10. Mai 2004 04. Juni 2005 Sportdirektor
England  FC Chelsea 25. Juni 2005 12. Juli 2009 Nachwuchskoordinator,
Chefanalytiker
15. Mai 2008 22. Mai 2011 Vorstandsmitglied
12. Juli 2009 22. Mai 2011 Sportdirektor
Deutschland  Hamburger SV 23. Mai 2011 22. Mai 2013 Sportvorstand
Ukraine  Metalist Kharkiv 01. Feb. 2014 07. Mär. 2014 Sportdirektor
Griechenland  PAOK Saloniki 27. Mai 2015 17. Feb. 2016 Sportdirektor
Belgien  RSC Anderlecht 03. Jan. 2019 03. Okt. 2019 technischer Direktor
Niederlande  Feyenoord Rotterdam 20. Nov. 2019 noch aktiv technischer Direktor

Nach Beendigung seiner aktiven Laufbahn war Arnesen zunächst als Ko-Trainer bei der PSV Eindhoven tätig. Von 1994 bis 2004 war er Sportdirektor. Während dieser Zeit war er unter anderem für die Verpflichtungen von Ronaldo, Arjen Robben, Ruud van Nistelrooy, Eiður Guðjohnsen und Park Ji-sung verantwortlich.[2] 2004 wurde er Manager bei Tottenham Hotspur, verließ den Verein jedoch nach einem Jahr wieder und wurde Nachwuchsleiter und Chefscout beim FC Chelsea. Im Mai 2008 wurde er zusätzlich in den Vorstand des Vereins berufen. In der Saison 2009/10 arbeitete er dort auch noch als Sportdirektor.

Im Februar 2011 unterschrieb Arnesen einen Vertrag zum 1. Juli 2011 als Sportvorstand beim Hamburger SV. Der Vertrag wurde mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2014 geschlossen; er wurde begleitet vom Chefscout des FC Chelsea, Lee Congerton, der die Funktion des Technischen Direktors in Hamburg übernahm.[3] Seine neuen Posten als Sportchef und Vorstandsmitglied des HSV trat Arnesen in Absprache mit seinem alten Arbeitgeber FC Chelsea vorzeitig am 23. Mai 2011 an.[4]

Am 10. Oktober 2011 wurde Arnesen vorübergehend zusätzlich zu seinem Posten als Sportchef Trainer der Bundesligamannschaft anstelle des zuvor beurlaubten Michael Oenning.[5] Er betreute die Mannschaft bis zum 16. Oktober 2011; Thorsten Fink folgte ihm dann als neuer Trainer. Im Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg führte er den HSV zu einem 2:1-Erfolg.

Nach der Saison 2012/13 trennte sich der HSV einvernehmlich von Arnesen, dessen Vertrag noch bis 2014 gültig gewesen wäre. Als Gründe nannte der Verein „finanzielle Überlegungen“ und „unterschiedliche Auffassungen über die langfristige sportliche Ausrichtung des Vereins“.[6]

Zum 1. Februar 2014 wurde Arnesen Sportdirektor beim ukrainischen Erstligisten Metalist Charkiw; sein Vertrag lief bis 30. Juni 2016.[7] Am 7. März 2014 stellte er seinen Posten aufgrund der politischen Situation in der Ukraine zur Verfügung.[8] Ende Mai 2015 schloss er mit PAOK Saloniki einen Dreijahresvertrag ab.[9] Im Februar 2016 wurde die Trennung zwischen Arnesen und PAOK Saloniki beschlossen.[10]

28. April 2017 wurde Frank Arnesen in den Aufsichtsrat der PSV Eindhoven gewählt.[11] Zum Jahreswechsel 2018/19 wechselte Arnesen als Technischer Direktor zu seinem ehemaligen Verein RSC Anderlecht.[12][13] Am 3. Oktober 2019 gab der RSC Anderlecht neben einem Trainerwechsel auch seine Entlassung bekannt.[14] Anderlecht hatte zu diesem Zeitpunkt in neun Spielen erst sechs von 27 möglichen Punkten erreicht. Einen Monat später kehrt Arnesen in die Niederlande zurück und wurde neuer Technischer Direktor von Feyenoord Rotterdam.[15]

TriviaBearbeiten

1988 nahm Arnesen mit der dänischen Nationalmannschaft und der dänischen Band Rocazino ein Lied zur Europameisterschaft auf.[16]

Arnesen lebt mit seiner Familie im niederländischen Eindhoven.[17] Seine Zwillingstöchter (* 1976) und die jüngste Tochter (* 1988) kamen in den Niederlanden zur Welt.[18] Sein in Spanien geborener Sohn (* 1982) wuchs ebenfalls dort auf. In der Saison 2011/12 war er für den HSV als Scout für die Benelux-Region aktiv.[19]

Neben Dänisch spricht Arnesen auch Deutsch, Niederländisch, Englisch, Französisch und Spanisch.[18]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Kai Schiller und Marcus Scholz: „Ich musste lernen, Komplimente zu machen“. In: Hamburger Abendblatt. Zeitungsgruppe Hamburg GmbH, 7. Januar 2012, abgerufen am 16. November 2014.
  2. Diese Stars holte der neue HSV-Sportchef Frank Arnesen vom 23. Februar 2011 auf sportbild.de
  3. Hamburger Sport-Verein e.V. (Hrsg.): Frank Arnesen wird Sportchef des HSV. In: hsv.de. 20. Februar 2011, archiviert vom Original am 23. Februar 2011; abgerufen im Jahr 2011.
  4. Hamburger Sport-Verein e.V. (Hrsg.): Frank Arnesen: „Von A bis Z zusammenarbeiten“. In: hsv.de. 18. Mai 2011, archiviert vom Original am 21. Mai 2011; abgerufen im Jahr 2011.
  5. Frank Arnesen ist neuer Teamchef beim HSV. hsv.de, 10. Oktober 2011, archiviert vom Original am 12. Oktober 2011; abgerufen am 11. Oktober 2011.
  6. Hamburger Sport-Verein e.V. (Hrsg.): HSV und Frank Arnesen trennen sich. In: HSV.de. 2013, archiviert vom Original am 7. Juni 2013; abgerufen im Jahr 2013.
  7. Arnesen neuer Sportchef in Kharkiv
  8. Frank Arnesen has resigned (Memento vom 11. März 2014 im Internet Archive)
  9. Neuer Job für Ex-HSV-Sportdirektor sport1.de 27. Mai 2015.
  10. PAOK FC (Hrsg.): End of collaboration with Frank Arnesen. In: PAOK Saloniki. 17. Februar 2016, abgerufen am 4. September 2016 (englisch).
  11. Frank Arnesen commissaris bij PSV, PSV Eindhoven, 28. April 2017, abgerufen am 17. Mai 2019 (niederländisch)
  12. Frank Arnesen naar Anderlecht, PSV Eindhoven, 20. Dezember 2018, abgerufen am 17. Mai 2019 (niederländisch)
  13. Frank Arnesen wordt de nieuwe technisch directeur van RSC Anderlecht, RSC Anderlecht, 20. Dezember 2018, abgerufen am 17. Mai 2019 (niederländisch)
  14. le RSCA presente Frank Vercauteren comme entraineur principal. RSC Anderlecht, 3. Oktober 2019, abgerufen am 3. Oktober 2019 (französisch).
  15. Frank Arnesen nieuwe technisch directeur Feyenoord. In: Feyenoord Rotterdam. Feyenoord Rotterdam N.V., 20. November 2019, abgerufen am 14. Dezember 2019 (niederländisch).
  16. Nicht nur Teamchef, sondern auch Sänger – oder nicht? Radio Hamburg, abgerufen am 31. Dezember 2011.
  17. Florian Rebien: Frank Arnesen: Flucht aus der Ukraine. In: Hamburger Morgenpost. Morgenpost Verlag GmbH, 10. März 2014, abgerufen am 11. Juli 2014.
  18. a b HSV (Hrsg.): Macher, Kosmopolit, Sportsmann – Hausbesuch bei Frank Arnesen. 4. März 2011, archiviert vom Original am 7. März 2011; abgerufen am 2. August 2012.
  19. So baut Arnesen den neuen HSV