Dálnice 8

Autobahn D8 in Tschechien

Die Dálnice D8 ist eine tschechische Autobahn in Mittelböhmen und Nordböhmen im Zuge der internationalen Straßenverbindung Berlin–Dresden–Prag und der Europastraße 55.

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Dálnice D8 in Tschechien
Dálnice 8
 Dálnice 8
Karte
Dálnice 8
Dálnice 8
Basisdaten
Betreiber: Ředitelství silnic a dálnic ČR
Gesamtlänge: 94 km
  davon in Betrieb: 94 km

Kraj (Region):

Die Dálnice 8 bei Lovosice-východ in Richtung Dresden
Straßenverlauf
(0)  Praha-Březiněves D0 E55
Übergang aus S8
(1)  Zdiby S9 608
Klíčany
(9)  Úžice
Moldau
(18)  Nová Ves S16
(29)  Roudnice nad Labem 240
(35)  Doksany 118 608
Eger (1180 m)
Siřejovice
(46)  Lovosice-východ 247
(49)  Lovosice-západ S15 S30
Vchynice (232 m)
(52)  Bílinka S8
Oparno (275 m)
Dobkovičky und Prackovice (455 m)
Prackovice (270 m)
Radejčín (450 m)
(64)  Řehlovice S63 E442
Stadice (323 m)
Koštov (500 m)
Trmice (440 m)
(69)  Ústí nad Labem-jih 613 E442
über die Eisenbahnen (1.059 m)
(72)  Ústí nad Labem-Předlice
(74)  Ústí nad Labem-sever S30
Varvažov
(80)  Jílové S13
Knínice (1.008 m)
Libouchec (535 m)
Panenská (2.031 m)
(87)  Petrovice 248
Mordova rokle (523 m)
Špičák (358 m)
Rybný potok (440 m)
Grenzbrücke über Schönwalder Bach (412 m)
Grenzübergang Krásný Les (CZ) - Breitenau (DE)
Vorlage:AB/Wartung/WeiterDE Weiter auf A17 E55Dresden
  • In Bau
  • In Planung
  • Beschreibung Bearbeiten

    Diese Autobahn verbindet zusammen mit der deutschen A 17 die Städte Dresden und Prag. Die Strecke ist Teil des paneuropäischen Verkehrskorridors IV von Berlin nach Istanbul. In offiziellen Publikationen wird die Verbindung Prag–Dresden auch als Via Porta Bohemica (Straße der Böhmischen Pforte) bezeichnet.

    Geschichte Bearbeiten

    Mit dem Münchner Abkommen und der Besetzung des Sudetenlandes 1938 sowie der vollständigen Zerschlagung der Tschechoslowakei 1939 durch den deutschen NS-Staat wurde zunächst eine Reichsautobahn von Dresden nach Lovosice projektiert. Ab 1940 erfolgte die Erweiterung der Planung auf die Linie Dresden – Prag – BudweisLinz mit einer Führung westlich von Prag.[1][2][3][4] Im Netzplan vom 1. August 1941 war die Autobahn Dresden – Prag mit westlicher Trasse um Prag enthalten, doch fehlte die Fortführung nach Budweis und Linz.[5]

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sah bereits 1958 die Regierung der DDR eine Autobahnverbindung von Dresden nach Prag vor.[6] Durch Beschluss der Regierung der ČSSR Nr. 286 vom 10. April 1963 wurde die Strecke Dresden – Prag in das geplante tschechische Autobahnnetz aufgenommen. Doch genoss die Verbindung zunächst keine Priorität. Deshalb wurde bis 1990 nur ein kurzer Abschnitt bei Teplice und Ústí nad Labem in Betrieb genommen, der für den internationalen Verkehr keinerlei Bedeutung hatte. Erst mit dem Ende des Kalten Krieges und der Gründung der Tschechischen Republik erfolgte eine Beschleunigung des Projektes.[7]

    Der 45 km lange Abschnitt zwischen Prag und Lovosice (Lobositz)-Východ (Ost) wurde abschnittsweise zwischen 1990 und 2000 in Betrieb genommen; auf ihm verläuft auch die Europastraße 55. Die 23,4 km lange Strecke von Trmice (Türmitz) nahe Ústí nad Labem (Aussig) zur tschechisch-deutschen Grenze mit Anschluss an die A 17 nach Dresden wurde am 21. Dezember 2006 für den Verkehr freigegeben.

    Da der Abschnitt zwischen Trmice (Türmitz) und Řehlovice (Großtschochau) als Schnellstraße Teplice–Ústí nad Labem (E 442, Silnice I/63, frühere Rychlostní silnice R63) bereits 1988 vollendet wurde, fehlte für eine durchgehende Autobahnverbindung Dresden–Prag nur noch der 16,4 km lange Abschnitt von Lovosice-Východ nach Řehlovice. Der Bau dieser Strecke verzögerte sich, da die Trasse ein wertvolles Naturschutzgebiet im Böhmischen Mittelgebirge durchschneidet und finanzielle Mittel für den Bau eines längeren Tunnels nicht bereitstanden.

    Im April 2007 hat das Umweltministerium der Tschechischen Republik einen wesentlichen Einspruch von Bürgerinitiativen gegen das Teilstück im Naturschutzgebiet Böhmisches Mittelgebirge zurückgewiesen, wogegen auch kein Widerspruch möglich war. Damit konnte die tschechische Autobahndirektion ŘSD den Antrag auf Baugenehmigung für den umstrittenen Abschnitt bei der Behörde des Ústecký kraj einreichen. Zunächst gelang es nicht, alle für die Trassierung benötigten Grundstücke zu erwerben.[8]

    Im Oktober 2007 begann der Bau des vorletzten Teilstücks von Lovosice-západ bis Bílinka, das 2011 eröffnet werden sollte. Die technischen Unterlagen für die Schallschutzbrücke bei Vchynice wichen jedoch vom tatsächlichen Bau ab, so dass eine neue Baugenehmigung eingeholt werden musste und der bereits fertiggestellte Abschnitt noch nicht eröffnet werden konnte.[9] Am 14. Mai 2012 wurde der Abschnitt für den Verkehr freigegeben.[10]

    Nach einem Urteil des Bezirksgerichts Ústí nad Labem aus dem Jahr 2012 waren alle Genehmigungen zum Bau der D8 illegal, da die Bevölkerung nicht angehört wurde.[11] Andererseits wurde am 20. April 2012 ein Einspruch der Umweltschützer Děti Země (Kinder der Erde) abgewiesen. Nachdem diesem Bescheid innerhalb der 14-tägigen Frist nicht widersprochen wurde, bestand seit 7. Mai 2012 Baurecht. Der zuständige Beamte in Ústí Jiří Šulc erklärte, dass der ausständige Streckenbau von 11 km innerhalb von 30 Monaten fertiggestellt werden kann, da Tunnel und Brücken fertiggestellt seien. Damit hätte der restliche Abschnitt im Dezember 2014 zur Gänze in Betrieb genommen werden können.[12] Am 25. Juli 2012 verwarf das Gericht in Ústí nad Labem eine Entscheidung der Behörde zum Bau der D8 in Richtung deutscher Grenze.[13] Daraufhin wurden die Bauarbeiten am 27. Juli 2012 vorübergehend gestoppt.[14] Am 15. August 2012 lehnte die Behörde in Ústí nad Labem erneut den Einspruch eines Umweltverbandes gegen die Streckenführung der D8 ab.[15] Die Bauarbeiten wurden schließlich am 31. August 2012 wieder aufgenommen.[16]

    Allerdings verschüttete ein Erdrutsch zwischen Dobkovičky und Prackovice am 7. Juni 2013 die bereits angefangene Trasse, so dass die Fertigstellung weiter verzögert wurde.[17][18] Die Arbeiten an der Autobahnstrecke durch das Böhmische Mittelgebirge kamen praktisch zum Erliegen. Der tschechische Verkehrsminister Antonín Prachař trat auch in Folge dieser Angelegenheit zurück.[19]

    Am 17. Dezember 2016 wurde schließlich der letzte Abschnitt der Autobahn eröffnet.[20]

    Bauabschnitte Bearbeiten

    Der Bau der D 8 wurde in folgenden Teilabschnitten realisiert:[7]

    Nr. des Abschnitts Abschnitt Länge Baubeginn Fertigstellung Querschnitt Entwurfsgeschwindigkeit Besonderheit
    801 Zdiby - Úžice 9,600 km Oktober 1990 23. Juli 1993 D26,5 120 bis 2030 geplanter Neubau des Kreuz Březiněves mit dem Prager Autobahnring (Dálnice 0); sechsstreifiger Ausbau der Prosecká radiala (Silnice I/8) auf den Kilometern -1,903 bis -4,150 in der Kategorie D34/120 und Widmung als D 8[21]
    802 Úžice – Nová Ves 8,900 km Dezember 1993 18. Oktober 1996 D26,5 120
    803 Nová Ves – Doksany 16,351 km 26. Oktober 1998 18. Juni 2001 D26,5 120
    804 Doksany – Lovosice 13,425 km Oktober 1996 26. Oktober 1998 D26,5 120 kurzer Abschnitt im Bereich der AS Doksany erst am 8. Juni 2001 in Betrieb genommen
    805 Lovosice - Řehlovice 16,413 km Herbst 2007 17. Dezember 2016 D27,5 120 1. Bauabschnitt Lovosice – Bílinka (3,924 km): Fertigstellung am 14. Mai 2013; 2. Bauabschnitt Bílinka – Řehlovice (12,489 km): Fertigstellung 17. Dezember 2016 aufgrund Bauverzögerung durch Erdrutsch
    806 Řehlovice – Trmice 4,175 km April 1984 6. November 1990 D26,5 120 Bau der Autobahn gemeinsam mit der Silnice I/63 als Verbindungsstrecke zwischen Teplice und Ústí nad Labem
    807 Trmice – Staatsgrenze CZ/D 23,344 km September 2003 21. Dezember 2006 D27,5 120 in Teilen im Querschnitt D28/100 errichtet

    Errichtungskosten Bearbeiten

    Der Rechnungshof der Tschechischen Republik (Nejvyšší kontrolní úřád, NKU) kritisierte das tschechische Verkehrsministerium in Prag wegen schwerwiegender Überschreitung der Baukosten bei Teilstücken der Autobahn D8. Durch schlechte Planung seien etwa die Kosten des Abschnitts Trmice–Staatsgrenze D-CZ von ursprünglich 1,1 Mrd. Euro auf 1,5 Mrd. Euro gestiegen, heißt es im NKU-Bericht für 2006. Erhöhungen um 33 % wie im genannten Fall seien „alarmierend“, kritisierte die Aufsichtsbehörde.

    Autobahnmaut Bearbeiten

    Es besteht auf der D 8 Mautpflicht zwischen den Anschlussstellen 1 (Zdiby) und 64 (Řehlovice) in beiden Richtungen sowie in Richtung Dresden ab Anschlussstelle 80 (Knínice) bis zur Staatsgrenze (Gegenrichtung in diesem Abschnitt mautfrei). Aus Richtung Dresden besteht die erste Möglichkeit zum Erwerb einer elektronischen Vignette bei der Tank- und Rastanlage Varvažov.[22]

    Literatur Bearbeiten

    • BMVBS (Hrsg.): Neubau der A17/D8 Dresden-Prag. Dokumentation 2006. Berlin 2006
    • Redaktions- und Verlagsgesellschaft Freital-Pirna (Hrsg.): Autobahn A 17 Dresden - Prag. Chronik eines Großprojektes. Freital 2007. ISBN 3-936642-07-9

    Weblinks Bearbeiten

    Commons: Dálnice 8 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise Bearbeiten

    1. Reichsautobahnkarte. Stand Ende März 1939. In: Die Straße, Jg. 6 (1939), Heft 9, Beilage „Autobahnweiser“, Volk und Reich Verlag, Berlin, hinter S. 278. Generalinspekteur für das deutsche Straßenwesen, abgerufen am 18. Mai 2023 (Karte).
    2. Autobahn-Übersichtskarte, Stand: 1940. Abgerufen am 5. Oktober 2014 (Bilddatei).
    3. Autobahn-Übersichtskarte, Stand 1. Mai 1941. Abgerufen am 13. November 2014 (Karte).
    4. Entwurf zur Trassenführung des Prager Rings (tschechischer Entwurf und "deutsche" Tangentenlösung). autobahn.cz/ceskedalnice.cz, abgerufen am 20. Mai 2023 (Karte).
    5. Die Entwicklung des Netzes von Autobahnen und Fernstraßen nach zeitgenössischen Karten und Plänen. Archiv für Autobahn- und Straßengeschichte/Interessengemeinschaft für historisch-wissenschaftliche Forschung und Dokumentation, abgerufen am 18. Mai 2023.
    6. Regierung der DDR, Ministerium für Verkehrswesen, Hauptverwaltung des Straßenwesens: Autobahnen und Fernverkehrsstrassen. Henning Maruhn/autobahn-online.de, 1958, abgerufen am 20. Mai 2023.
    7. a b Ředitelství silnic a dálnic ČR: Dálnice D8. Praha – Ústí nad Labem – Německo. Februar 2018, abgerufen am 20. Mai 2023 (tschechisch).
    8. Sächsische Zeitung Dresden, 25. Mai 2007.
    9. Hans-Jörg Schmidt: Teil der A17 wird später freigegeben. In: Sächsische Zeitung 14. Dezember 2011.
    10. „Frühstück in Prag“ rückt wieder ein Stück näher (Memento vom 6. Februar 2013 im Webarchiv archive.today), Online-Artikel des MDR vom 14. Mai 2012.
    11. Zum Frühstück nach Prag auf einer „illegalen“ Autobahn. sz-online.de, 9. März 2012.
    12. Autobahn D8 in Nordböhmen darf weitergebaut werden. Radio Prag, 25. April 2012.
    13. radio.cz: Kreisgericht kassiert Entscheidung zum Weiterbau der Autobahn D8 (Memento vom 29. Juli 2012 im Internet Archive)
    14. radio.cz: Bauarbeiten an der D8 im Böhmischen Mittelgebirge wurden gestoppt (Memento vom 5. August 2012 im Internet Archive)
    15. radio.cz: Bau der Autobahn D8: Kreisamt lehnt Einspruch von Umweltschützern ab (Memento vom 18. August 2012 im Internet Archive)
    16. radio.cz: Bauarbeiten an Autobahn D8 wieder aufgenommen (Memento vom 3. September 2012 im Internet Archive)
    17. Die Autobahn nach Prag rückt in weite Ferne. Freie Presse, 28. Februar 2013.
    18. Fotogalerie, Aktualne.cz, 10. März 2014.
    19. Tschechischer Verkehrsminister hört auf. Verkehrsrundschau, 13. November 2014.
    20. Letzter Autobahnabschnitt zwischen Dresden und Prag eröffnet MDR.DE. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 19. Dezember 2016; abgerufen am 17. Dezember 2016.
    21. Ředitelství silnic a dálnic ČR: Dálnice 0, úsek 519 Suchdol – Březiněves. April 2023, abgerufen am 20. Mai 2023 (tschechisch).
    22. Karte der vignettenpflichtigen Strecken. Státní fond dopravní infrastruktury, 2023, abgerufen am 19. Mai 2023.