COVID-19-Pandemie in Mecklenburg-Vorpommern

Teil der COVID-19-Pandemie

Die COVID-19-Pandemie tritt in Mecklenburg-Vorpommern seit 2020 als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie und im Besonderen der COVID-19-Pandemie in Deutschland auf. Die Pandemie betrifft die neuartige Erkrankung COVID-19. Diese wird durch das Virus SARS-CoV-2 aus der Gruppe der Coronaviridae verursacht und gehört in die Gruppe der Atemwegserkrankungen.[1]

Ausbreitung von COVID-19 über die Landkreise und kreisfreien Städte Mecklenburg-Vorpommerns vom 1. bis 18. März 2020

Am 4. März wurde vom Robert Koch-Institut erstmals eine Infektion aus Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als weltweite Pandemie ein.[2]

StatistikBearbeiten

InfektionsfälleBearbeiten

Bestätigte Infektionen (kumuliert) in Mecklenburg-Vorpommern[Anm. 1][Anm. 2]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Bestätigte Infektionen (neue Fälle) in Mecklenburg-Vorpommern[Anm. 1][Anm. 2]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Anmerkungen

  1. a b Hier sind Fälle aufgelistet, die dem RKI über den Meldeweg oder offizielle Quellen mitgeteilt wurden. Da es sich um eine dynamische Situation handelt, kann es zu Abweichungen oder Verzögerungen zwischen den RKI-Fällen und Angaben anderer Stellen, etwa der betroffenen Bundesländer oder der WHO, kommen.
  2. a b Durch die Umstellung am 17. März auf nur noch elektronisch gemeldete Fälle kam es zu einer Reduzierung der Fallzahlen.

TodesfälleBearbeiten

Bestätigte Todesfälle (kumuliert) in Mecklenburg-Vorpommern[Anm. 1]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Bestätigte Todesfälle (täglich) in Mecklenburg-Vorpommern[Anm. 1]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Anmerkungen

  1. a b Hier sind Fälle aufgelistet, die dem RKI über den Meldeweg oder offizielle Quellen mitgeteilt wurden. Da es sich um eine dynamische Situation handelt, kann es zu Abweichungen oder Verzögerungen zwischen den RKI-Fällen und Angaben anderer Stellen, etwa der betroffenen Bundesländer oder der WHO, kommen.

ReaktionenBearbeiten

MaßnahmenBearbeiten

Für Reiserückkehrer aus den vom RKI benannten Risikogebieten sprach Mecklenburg-Vorpommern am 16. März 2020 ein Betretungsverbot für öffentliche Gebäude, Kliniken, Alten- und Pflegeheime aus. Privaten Arbeitgebern wurde empfohlen, ähnlich zu verfahren.[3] Ab dem 16. März wurden die Ostseeinseln für „Landesfremde“ schrittweise gesperrt. Auch Urlauber, die sich bereits dort aufhielten, mussten den Heimweg antreten.[4] Am 17. März 2020 konkretisierte Thomas Lenz, Staatssekretär im Innenministerium, inwieweit das Recht auf Freizügigkeit im Sinne von Art. 11 GG (nicht) eingeschränkt sei: „Jeder Bürger mit Hauptwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern darf sich natürlich auch nach wie vor innerhalb von MV bewegen, also auch die Inseln besuchen. Ebenso können Personen, die ihren Zweitwohnsitz im Land haben und die in MV einer erwerbsmäßigen beziehungsweise selbstständigen Arbeit nachgehen, in unser Bundesland reisen, ebenso wie Personen ohne ersten oder zweiten Wohnsitz in MV, die aber hier einer erwerbsmäßigen oder selbstständigen Tätigkeit nachgehen.“[5] Menschen aus anderen Bundesländern durften demnach nur dann nach Mecklenburg-Vorpommern einreisen oder sich weiterhin dort aufhalten, wenn sie dort beruflich zu tun hatten oder Verwandte ersten Grades (Kinder, Enkel, Eltern oder Großeltern) besuchten (besuchen wollten).

Das am 17. März verhängte Tourismusverbot sah eine Heimreise bis 19. März vor,[6] zusätzlich wurden am 20. März Polizeikontrollen an den Hauptverkehrsstraßen eingeführt. Personen, die weder ihren Erstwohnsitz im Bundesland hatten noch dort einer beruflichen Tätigkeit nachgehen wollten, wurde die Einreise verweigert.[7] Innenminister Lorenz Caffier sowie Lokalpolitiker kündigten an, Zuwiderhandlungen als Straftaten gegen das Infektionsschutzgesetz zu verfolgen.[8] Ab dem 18. März 2020 waren alle Vergnügungs-, Sport-, und Freizeitstätten geschlossen.[9] Am 20. März 2020 setzte Mecklenburg-Vorpommern alle Ersatzfreiheitsstrafen bis auf weiteres aus, bereits laufende wurden unterbrochen.[10] Am 23. März 2020 setzte die Landesregierung die Vereinbarungen zum Kontaktverbot in Mecklenburg-Vorpommern um.[11]

Nicht aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Zweitwohnungsbesitzer im Amt Zarrentin wurden laut Medienberichten um den 28. März von der Polizei in ihren Wohnungen aufgesucht und aufgefordert, diese binnen drei Stunden zu verlassen.[12] Ministerpräsidentin Manuela Schwesig verteidigte die Maßnahmen.[13] Auswärts Studierende durften bei ihren Eltern in Mecklenburg-Vorpommern wohnen bleiben, da dies als Familienbesuch galt.[14]

Gemäß § 4a der Verordnung der Landesregierung vom 3. April 2020[15] sollte es Einwohnern Mecklenburg-Vorpommerns für den Zeitraum von Freitag, 10. April 2020, 00.00 Uhr, bis Montag, 13. April 2020, 24.00 Uhr untersagt sein, tagestouristische Ausflüge zu den Ostseeinseln und der Mecklenburgischen Seenplatte zu unternehmen. Dieses Verbot wurde durch das Oberverwaltungsgericht Greifswald mit Beschluss vom 9. April 2020 außer Vollzug gesetzt.[16] Alle Reisen aus anderen Bundesländern blieben gem. § 4 Abs. 1 der Verordnung aber weiterhin untersagt.[17]

Seit 27. April 2020 gilt im Land eine Maskenpflicht für den öffentlichen Nahverkehr und Geschäfte. Einige Tage später wurde die Maskenpflicht auch in Arztpraxen, Psychotherapie-Praxen sowie in Praxen anderer Gesundheitsberufe eingeführt.[18] Ministerpräsidentin Schwesig gab am 21. April 2020 in Schwerin bekannt, dass bei Verstößen gegen die Maskenpflicht bis zu 25 Euro Bußgeld drohen.[19]

LockerungenBearbeiten

Seit dem 20. April 2020 dürfen die Außenbereiche von Zoos, Tierparks und botanischen Gärten wieder besucht werden.[20]

Seit dem 27. April öffnen schrittweise die Schulen wieder. Zuerst gingen die Schüler in die Schule, die im Schuljahr 2020 Prüfungen absolvieren. Zugleich begann auch der prüfungsvorbereitende Unterricht an berufsbildenden Schulen. Seit dem 4. Mai 2020 gehen die Schüler wieder in die Schule, die im kommenden Schuljahr Prüfungen haben, sowie die Grundschüler der 4. Klassen, da diese vor dem Übergang zur Sekundarstufe I stehen. Damit auch in Schulen Abstandsregeln eingehalten werden können, hat die Landesregierung einen Hygieneplan konzipiert, den die Schulen umsetzen müssen. Ab dem 25. Mai 2020 ist ein eingeschränkter Regelunterricht für alle Kinder mit einer Mischung aus Digital- und Präsenzunterricht vorgesehen.[21]

Seit 1. Mai 2020 dürfen Spielplätze wieder geöffnet werden, und zum 2. Mai 2020 entfiel die Verkaufsflächenbegrenzung für den Einzelhandel. Seit dem 25. Mai 2020 sind die Kitas landesweit wieder für alle Kinder ohne Beschränkung der Gruppengröße geöffnet.[22]

Die Einreisebeschränkungen werden nach einem Fünf-Stufen-Plan gelockert. Demnach dürfen seit 1. Mai 2020 Zweitwohnungsbesitzer aus anderen Bundesländern wieder in das Bundesland einreisen und Dauercamper die Campingplätze wieder nutzen. Die 2. Stufe sieht vor, dass die Gastronomie unter strengen Hygienevorschriften wieder öffnen darf. Auch tourismusaffine Tagesangebote wie Boots- oder Strandkorbvermietung sollen mit Auflagen wieder öffnen dürfen. In der 3. Stufe sind Übernachtungen für Erst- und Zweitwohnungsbesitzer aus Mecklenburg-Vorpommern wieder möglich, in der 4. Stufe zusätzlich für Touristen aus anderen Bundesländern und letztlich auch für internationale Gäste.

Am 4. Mai 2020 kündigte Ministerpräsidentin Schwesig an, die Gastronomie ab 9. Mai 2020 unter Auflagen wieder zu öffnen. So muss ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen den einzelnen Tischen eingehalten werden, und für Kellner ist ein Mundschutz verpflichtend. Mecklenburg-Vorpommern ist damit das erste Bundesland, in welchem die Gastronomie schrittweise wieder öffnen darf.[23] In Alten- und Pflegeheimen sind seit dem 15. Mai Besuche durch eine feste Bezugsperson für täglich eine Stunde und unter strikter Einhaltung der Hygienevorschriften erlaubt.[21] Seit dem 18. Mai dürfen Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern wieder in Hotels und Ferienwohnungen übernachten, eine Woche später fiel auch das Einreiseverbot für Touristen aus anderen Bundesländern weg. Bis Ende Mai 2020 sollten zunächst 60 Prozent der touristischen Kapazitäten wieder zur Verfügung stehen.[23]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lungenärzte im Netz: Covid-19: Ursachen. Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 4. April 2020.
  2. Tagesschau: "Tief besorgt". WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 4. April 2020.
  3. Erlass des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit zum Umgang mit Reiserückkehrern aus Risikogebieten und besonders von der Ausbreitung der COVID-19 betroffenen Gebieten; Verbot des Betretens von Gemeinschaftseinrichtungen, medizinischen Einrichtungen, Berufsschulen, Hochschulen und Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung. (PDF) Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern, 16. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  4. MV sperrt Ostseeinseln für Touristen. 16. März 2020, abgerufen am 16. März 2020.
  5. Corona in MV: Reiseverbot für Inseln und Seebäder gilt nicht für Einheimische. ostsee-zeitung.de, 17. März 2010, abgerufen am 29. April 2020.
  6. SARS-CoV-2-Bekämpfungsverordnung – SARS-CoV-2-BekämpfV Vom 17. März 2020 (Letzte Änderungen: 23. März 2020). (PDF) In: regierung-mv.de. 23. März 2020, abgerufen am 27. März 2020.
  7. Rebecca Piron: Coronavirus in Mecklenburg-Vorpommern - Alle Infos und Zahlen. In: kommunal.de. 24. März 2020, abgerufen am 27. März 2020.
  8. Corona: Verstoß gegen Tourismus-Verbot soll als Straftat gelten. In: Nordkurier.de. 19. März 2020, abgerufen am 27. März 2020.
  9. Weitere Maßnahmen der Landesregierung gegen Corona-Ausbreitung in MV. Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern, 17. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  10. Sämtliche Ersatzfreiheitsstrafen werden bis auf weiteres ausgesetzt. Justizministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern, 20. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  11. Landesregierung setzt Vereinbarungen zur Corona-Eindämmung um. (PDF) Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern, 23. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  12. Heiner Schmidt: Coronavirus: Hamburger am Schaalsee – Rauswurf nach drei Stunden. In: abendblatt.de. 28. März 2020, abgerufen am 29. März 2020.
  13. tagesschau.de: Schwesig zum Coronavirus: "Wichtig, dass alle zuhause bleiben". Abgerufen am 29. März 2020.
  14. Studenten dürfen bei Eltern in MV bleiben. In: ndr.de. 2. April 2020, abgerufen am 12. April 2020.
  15. Verordnung der Landesregierung über Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Mecklenburg-Vorpommern (SARS-CoV-2-Bekämpfungsverordnung - SARS-CoV-2-BekämpfV) vom 3. April 2020 (GVOBl. M-V 2020, S. 129, 148)
  16. Beschluss: Gericht kippt Ausflugs-Verbot an Ostern. In: Nordkurier.de. 9. April 2020, abgerufen am 9. April 2020.
  17. Stefan Ludmann: Hamburger scheitert mit Klage gegen Corona-Regeln in MV NDR, 9. April 2020.
  18. Maskenpflicht: Wo ab wann Mundschutz gilt - fallen Bußgelder an? In: rnd.de. Redaktionsnetzwerk Deutschland, 24. April 2020, abgerufen am 25. April 2020.
  19. NDR: Corona: Ohne Maske drohen 25 Euro Bußgeld in MV. In: ndr.de. 21. April 2020, abgerufen am 25. April 2020.
  20. Mecklenburg-Vorpommern mit kleinen Schritten zur Normalität. svz.de, 20. April 2020, abgerufen am 27. April 2020.
  21. a b Corona: Fahrplan für weitere Lockerungen in MV steht. In: ndr.de. 8. Mai 2020, abgerufen am 9. Mai 2020.
  22. Kitas in MV öffnen wieder für alle Kinder. In: ostsee-zeitung.de. 25. Mai 2020, abgerufen am 25. Mai 2020.
  23. a b NDR 1 Radio MV: Corona: MV holt Touristen zurück an die Ostsee. In: NDR.de. 5. Mai 2020, abgerufen am 5. Mai 2020.