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Breitscheid (Hessen)

hessische Gemeinde im Lahn-Dill-Kreis

GeografieBearbeiten

 
Breitscheid von Nordwesten aus
 
Der Ort aus Richtung Westen

LageBearbeiten

Breitscheid liegt in 266 bis 614 Meter Höhe am Osthang des Westerwaldes am Dreiländereck Hessen – Rheinland-PfalzNordrhein-Westfalen.

NachbargemeindenBearbeiten

Breitscheid grenzt im Norden an die Gemeinde Burbach (Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen), die Städte Haiger und Dillenburg, im Osten an die Stadt Herborn, im Süden an die Gemeinde Driedorf (alle im Lahn-Dill-Kreis) sowie im Westen an die Gemeinden Willingen und Liebenscheid (beide im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz).

GemeindegliederungBearbeiten

Die Gemeinde besteht neben dem Hauptort Breitscheid aus den Ortsteilen Medenbach, Erdbach, Gusternhain und Rabenscheid.

GeschichteBearbeiten

Die älteste erhaltene Erwähnung von Breitscheid, als „Bedinscheit“, stammt von 1230. Der Turm der im Jahre 1309 erbauten Kirche ist bis heute erhalten.

Der überwiegend landwirtschaftlich geprägte Ort machte sich ab dem 18. Jahrhundert seine reichen Tonvorkommen zu nutze, und so entstanden zahlreiche Häfnereien. Im Jahr 1880 hatte Breitscheid 650 Einwohner, davon lebte etwa ein Viertel vom Töpferhandwerk.[2] Mit dem Bau der Schamottefabrik 1899 brach in Breitscheid ein neues Zeitalter an: Viele vormals selbständige Häfner gaben ihr Handwerk auf und wurden Lohnarbeiter in der „Fabrik“. 1916 wurden in Breitscheid 948 und 1925 bereits 1091 Einwohner gezählt.[3]

Ende der 1930er Jahre errichtete die Wehrmacht einen Feldflugplatz oberhalb des Dorfes und im Jahr 1939 erhielt Breitscheid endlich den lange ersehnten Bahnanschluss.

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich am 31. Dezember 1971 die Gemeinde Rabenscheid freiwillig der Gemeinde Breitscheid an,[4]

am 1. Januar 1977 wurden auch Erdbach, Gusternhain und Medenbach durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen eingemeindet.[5][6] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.[7]

Die Kerngemeinde Breitscheid ist der geografische, wirtschaftliche, kulturelle und verwaltungsmäßige Mittelpunkt der Gesamtgemeinde. Mit seinen heute gut 2000 Einwohnern ist das alte Kirchdorf nicht nur der größte Ortsteil, sondern stellt mit seinen sternförmig in alle Himmelsrichtungen auseinander gehenden Straßen einen bedeutenden Verkehrsknotenpunkt des Westerwaldes dar.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Breitscheid lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[8][9]

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Breitscheid: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
521
1840
  
580
1846
  
598
1852
  
622
1858
  
620
1864
  
657
1871
  
674
1875
  
670
1885
  
741
1895
  
770
1905
  
872
1910
  
948
1925
  
1.091
1939
  
1.134
1946
  
1.550
1950
  
1.688
1956
  
1.631
1961
  
1.677
1967
  
1.671
1970
  
1.735
1972
  
2.077
1976
  
4.326
1984
  
4.447
1992
  
4.753
2000
  
5.000
2004
  
5.081
2010
  
5.110
2015
  
4.800
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [8]; 1972:[10]; 1976:[11]; 1984:[12]; 1992:[13]; 2000, 2015:[14]; 2004:[15]; nach 2000: Gemeinde Breitscheid Zahlen - Daten - Fakten (mehrere Werte aus Webarchiv)
Ab 1972 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[8]

• 1885: 728 evangelische (= 98,25 %), ein katholischer 11 Christen anderer Konfessionen (= 1,48 %), sowie ein Einwohner anderen Glaubens.
• 1961: 1363 evangelische (= 81,28 %), 289 römisch-katholische (= 17,23 %) Einwohner

PolitikBearbeiten

GemeindevertretungBearbeiten

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[16] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[17][18]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
   
Insgesamt 23 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 46,9 10 42,1 10 39,2 9 33,9 8
FWG Freie Wählergemeinschaft 38,1 9 34,0 8 39,3 9 39,9 9
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 18,3 4 23,9 5 21,6 5 26,2 6
gesamt 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 46,9 42,0 40,2 44,8

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 26. Februar 1988 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „Über einer verkürzten und eingebogenen goldenen Spitze, diese belegt mit einem rotbezungten blauen Löwenkopf und fünf blauen Schindeln, im blauen Feld vorne einen goldenen Topf, hinten schräggekreuzt einen goldenen Schlägel und einen goldenen Hammer.“[19]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

MuseenBearbeiten

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Ein Teil der Tropfsteinhöhle Herbstlabyrinth wurde zur Schauhöhle ausgebaut und 2009 eröffnet. Im Karstgebiet Breitscheid-Erdbach gibt es außerdem eine Karstquelle, mehrere Dolinen und die Erdbacher Höhlen zu besichtigen, welche man auch über einen speziellen Karstlehrpfad erreichen kann.

Sport- und FreizeitmöglichkeitenBearbeiten

In der Gemeinde Breitscheid gibt es viele Sportvereine, in denen man zum Beispiel Fußball, Tennis, Tischtennis oder Sportschießen betreiben kann. In der Kerngemeinde gibt es eine Sporthalle, in allen Ortsteilen Sportplätze. Im Sommer kann man auf dem Flugplatz Breitscheid Segel-, Motorflug- und Fallschirmsport sowie im Winter Ski-Langlauf betreiben.

Grillplätze und Freizeitanlagen sind in den Ortsteilen vorhanden. Die beiden Fernwanderwege Westerwaldsteig und Rothaarsteig verlaufen durch das Gemeindegebiet.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

In der Kerngemeinde gibt es eine Mehrzweckhalle und auch die anderen Ortsteile verfügen über Dorfgemeinschaftshäuser. In Medenbach gibt es ein unbeheiztes Freibad.

VerkehrBearbeiten

Die Bundesstraße 255 berührt das südliche Gemeindegebiet. Ferner verlaufen die Landesstraßen 3042, 3044 und 3391 sowie zahlreiche Kreisstraßen durch die Gemeinde. Die Autobahn-Anschlussstelle Herborn-West an der Bundesautobahn 45 liegt von der Kerngemeinde etwa sieben Kilometer entfernt.

Der Flugplatz Breitscheid ist auch überörtlich durch seine alle zwei Jahre stattfindenden Großflugtage bekannt.

Früher war Breitscheid über die Bahnstrecke Haiger–Breitscheid an das Schienennetz angebunden. Im Ortsteil Erdbach gab es einen Spitzkehrenbahnhof, der zur Westerwaldquerbahn gehörte.

BildungBearbeiten

In Breitscheid liegt die Fritz-Philippi-Schule, welche aus einer Grund-, Haupt- und Realschule mit Förderstufe besteht. Im Ortsteil Medenbach gibt es außerdem eine Grundschule. Weiterführende Schulen (Gymnasium) können in Herborn oder Dillenburg besucht werden.

Kindergärten gibt es in Breitscheid, Medenbach und Rabenscheid.

Ansässige BetriebeBearbeiten

Als wichtigste Arbeitgeber in der Gemeinde seien die Firmen Westerwälder Thonindustrie, Georg GmbH, Cartonia Wellpappen, Sahm Holzbau, Schreiner Formen und Hofmann Ceramik genannt.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Mit der Gemeinde verbundenBearbeiten

  • Der Pfarrer und Schriftsteller Fritz Philippi (1869–1933) wirkte von 1894 bis 1904 in Breitscheid.
  • Die Hammerwerferin Kathrin Klaas (* 1984) wuchs in Breitscheid auf.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Hans Becker: Breitscheid, meine Heimat, Verlag Books on Demand, 2005, ISBN 3-8334-3718-9, S. 13
  3. Bezirkssparkasse Dillenburg: Die Zeit - das Geld - die Wirtschaft, 1995, S. 103
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 356.
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen (GVBl. II 330–28) vom 13. Mai 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 17, S. 237 ff., § 23 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  6. K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 285. DNB 770396321
  7. Hauptsatzung § 6. (PDF; 44 kB) In: Webauftritt. Gemeinde Breitscheid, abgerufen im Februar 2019.
  8. a b c Breitscheid, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  9. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  10. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 4. August 1972. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  11. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1977; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 15. Dezember 1976. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1976 Nr. 52, S. 2283, Punkt 1668 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 10,3 MB]).
  12. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1985; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 30. Oktober 1984. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1984 Nr. 46, S. 2175, Punkt 1104 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,5 MB]).
  13. Der Hessische Minister des Inneren: Kommunalwahlen 1993; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 21. Oktober 1992. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1992 Nr. 44, S. 2766, Punkt 935 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,1 MB]).
  14. Gemeindedatenblatt: Breitscheid. (PDF; 222 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH;
  15. Hessische Gemeindestatistik Ausgab2 2005. Hessisches Statistisches Landesamt
  16. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  17. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  18. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  19. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens und einer Flagge der Gemeinde Breitscheid, Lahn-Dill-Kreis vom 26. Februar 1988. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1988 Nr. 11, S. 622, Punkt 279 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 6,3 MB]).

WeblinksBearbeiten

  Commons: Breitscheid (Hessen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien