Karte des Amtes Herborn 1828

Das Amt Herborn war bis 1806 und 1813 bis 1815 ein Nassau-Oranisches und ab 1816 ein herzoglich nassauisches Amt mit Sitz in Herborn. Das Amt ging 1866 im Dillkreis auf.

GeschichteBearbeiten

OranienBearbeiten

Die Herborner Mark kam mit dem Ende der Dernbacher Fehde 1336 endgültig in den Besitz der Nassauer Grafen.

1787 bestand das Amt Herborn aus Amdorf, Ballersbach, Bicken, Breitscheid, Burg Erdbach, Fleisbach, Guntersdorf, Herborn, Herbornseelbach, Hirschberg, Hörbach, Medenbach, Merkenbach, Offenbach, Roth, Schönbach, Sinn und Uckersdorf.

1806 fiel das Amt an das Großherzogtum Berg. Im Großherzogtum Berg wurden die Ämter aufgelöst und stattdessen Kantone eingerichtet. In Hadamar entstand der Kanton Herborn. Bald nach der Völkerschlacht bei Leipzig löste sich das Großherzogtum auf und Nassau-Oranien erhielt seine Gebiete wieder zurück. Nach der Rückgabe an Nassau-Oranien wurden 1813 daraus die bisherigen oranischen Ämter, darunter das Amt Herborn in alter Form wiedereingerichtet.

Herzogtum NassauBearbeiten

Am 31. Mai 1815 trat Oranien die Erblande an Preußen ab. Preußen tauschte wiederum die Gebiete mit dem Herzogtum Nassau, so dass das Amt Herborn nun Teil des Herzogtums wurde. Bei der Ämterreform am 1. Juli 1816 blieb das Amt Herborn bestehen, wurde aber umfangreich erweitert. Es bestand bis 1866 aus Herborn, Amdorf, Arborn, Ballersbach, Beilstein mit Wallendorf, Bicken, Breitscheid, Burg, Driedorf, Eisemroth, Erdbach, Fleisbach, Guntersdorf, Gusternhain, Haiern, Heiligenborn, Heisterberg, Herbornseelbach, Hirschberg, Hohenroth, Hörbach, Mademühlen, Medenbach, Merkenbach, Münchhausen, Nenderoth, Oberndorf, Odersberg, Offenbach, Rabenscheid, Rodenberg, Rodenroth, Roth, Schönbach, Seilhofen, Sinn, Tringenstein, Uckersdorf, Übernthal, Waldaubach und Wallenfels.

1820 zählte das Amt 41 Gemeinde-Bezirke, darunter 2 Städte, 40 Dörfer, 50 Höfe und Mühlen. Im Amtsbezirk lebten 3.207 Familien und 12.947 Einwohner. Davon waren 12.866 evangelisch, 29 katholisch und 52 Juden.

Nach der Märzrevolution 1848 wurde die Verwaltung neu geordnet. Mit Gesetz vom 4. April 1849 wurden in Nassau Verwaltung und Rechtsprechung auf unterer Ebene getrennt. Die Reform trat zum 1. Juli 1849 in Kraft.[1] Für die Verwaltung wurden 10 Kreisämter gebildet, die Ämter als Justizämter (also Gerichte der ersten Instanz) weitergeführt. Die Verwaltungsaufgaben des Amtes Herborn wurden vom Kreisamt Herborn wahrgenommen, die Rechtsprechung vom Justizamt Herborn. Die Reform wurde jedoch bereits am 1. Oktober 1854 wieder rückgängig gemacht, die Kreise wieder abgeschafft und die vorigen Ämter wiederhergestellt.[2]

PreußenBearbeiten

Mit der Annexion Nassaus durch Preußen wurden auch die Ämter in ihrer alten Form aufgelöst und durch Kreise ersetzt. Das Amt Hadamar bildete 1867 gemeinsam mit dem Dillenburg den Dillkreis. Erst im Rahmen dieser Neuordnung wurden Verwaltung und Rechtsprechung getrennt. Für die Rechtsprechung in erster Instanz, die bisher durch das Amt vorgenommen wurde, wurde, zunächst die richterlichen Beamte in den Ämtern zuständig und zum 1. September 1867 das Amtsgericht Herborn gebildet.[3]

Aber auch nach der Kreisgründung bleibt die bisherige Amtsstruktur erhalten. Die Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 regelte: „Die Amtsbezirke als engere Verwaltungsbezirke in ihrer bisherigen Begrenzung bestehen“[4] Die ehemaligen Ämter bilden die Bezirke des Kreises. Gemäß § 13 der Kreisverfassung entsendeten die Bezirke, also die ehemaligen Ämter, jeweils sechs Vertreter in den neuen Kreistag. Der Amtmann hatte die Aufsicht über die Ortspolizei und Organ des Landrates.

Mit der Verwaltungsreform von 1885/1886 wurden die Ämter endgültig aufgelöst.[5]

AmtmännerBearbeiten

Herzogtum NassauBearbeiten

  • 1816–1831: Friedrich Reinhard Helmrich
  • 1832–1837: Carl Schenck
  • 1837–1840: Heinrich Ernst Schwab
  • 1840–1845: Gustav Knisel
  • 1845–1849: Wilhelm Rullmann
  • 1854–1861: Gustav Knisel
  • 1861–1864: Karl Schellenberg
  • 1864–1873: Friedrich Bäntsch
  • 1873–1884: Benno Julius Rudolph Freiherr von Eberstein
  • (1884–1886): Friedrich Johannes Klein

LiteraturBearbeiten

  • Thomas Klein: Band 11: Hessen-Nassau, der Reihe: Walther Hubatsch: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945, 1979, ISBN 3879691266, S. 154–155
  • Staats- und Adresshandbuch für das Herzogtum Nassau für das Jahr 1821, S. 72 ff.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gesetz vom 4. April 1849 (VBl S. 87); Gesetz, die Vollziehung des Gesetzes über die Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung in der unteren Instanz betreffend vom 31. Mai 1849, (VBl S. 409).
  2. Gesetz vom 24. Juli 1854 (Bvl. S. 160).
  3. VO vom 26. Juni 1867, GS S. 1094
  4. Königliche Verordnung vom 22. Februar 1867 Beilage zum Intelligenzblatt für Nassau vom 11. März 1867, § 8 und 9
  5. GS 1885, S. 229