Bicken (Mittenaar)

Ortsteil von Mittenaar

Bicken ist ein Ortsteil und der Verwaltungssitz der Gemeinde Mittenaar im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.

Bicken
Gemeinde Mittenaar
Wappen von Bicken
Koordinaten: 50° 42′ N, 8° 23′ OKoordinaten: 50° 41′ 32″ N, 8° 22′ 53″ O
Höhe: 239 (237–252) m
Fläche: 11,26 km²
Einwohner: 1740 (Mai 2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35756
Vorwahl: 02772
Karte
Lage von Bicken in Mittenaar

Geografie Bearbeiten

Geografische Lage Bearbeiten

Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3050, die im Dorf auf die Bundesstraße 255 trifft. Der Fluss Aar teilt den Ort in zwei Hälften, Klein- und Groß-Bicken. In diesen Fluss münden die Bäche Weibach, von Groß-Bicken kommend, und der von Klein-Bicken kommende Gettenbach.

Klima Bearbeiten

  • Durchschnittliche Jahrestemperatur: 7–8 °C je nach Höhenlage
  • Durchschnittliche Jahresschwankungen der Lufttemperatur: ca. 16,5 °C
  • Durchschnittlicher Niederschlag Jahresniederschlagssummen: ca. 800 mm

Geschichte Bearbeiten

Ortsgeschichte Bearbeiten

1990 fand man im Ortsbereich Siedlungsspuren aus der La-Tène-Zeit (400–300 v. Chr.). Ältere Siedlungsspuren und Kultstätten in den Höhenlagen stammen aus der Zeit um 2000 v. Chr.

In Bicken saß das Adelsgeschlecht der Herren von Bicken, von denen ein Anselm von Bicken erstmals im Jahre 1218 in einer Kölner Urkunde erwähnt wurde. Der Stammsitz der Herren von Bicken war Burg Bicken, von der nichts mehr erhalten ist. Der Ort selbst wurde im Codex Zwettel von 1232 erstmals erwähnt. Wahrscheinlich ist das Dorf aber noch älter, da ein von einem Wassergraben umgebenes befestigtes Haus mit Stallungen fränkischer Zeit in Bicken stand.

Eine Urkunde von 1237 erwähnt eine Sühne zwischen den Grafen Heinrich und Marquartt von Solms und Rudolf von Greifenstein einerseits und Konrad und Gumpert von Bicken andererseits. Diese Sühne war die Folge eines Angriffs auf die Reichsstadt Wetzlar durch die beiden Bickener. Diese unterlagen, nachdem die Grafen von Solms der Reichsstadt zu Hilfe gekommen waren.

Die Herren von Bicken und die Herren von Dernbach unterlagen in der von 1230 bis 1333 dauernden Dernbacher Fehde den Grafen von Nassau im Kampf um die Vorherrschaft in der Herborner Mark und mussten diesen ihre dortigen Rechte und Besitztümer abtreten oder verkaufen. Ob die verlorene Dernbacher Fehde dazu beigetrug, dass sich die Herren von Bicken aus dem Ort allmählich zurückzogen, ist nicht nachweisbar. Spätestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts teilte sich die Familie in zwei Linien, die Wolkersdorfer und die Haincher Linie.

Nach dem Ende der Dernbacher Fehde wurde am 21. Mai 1336 ein Vertrag zwischen den Herren von Bicken und dem Haus Nassau geschlossen, in dem die Herren von Bicken ihre Burg Hainchen mit dem Großteil des zugehörigen Besitzes (ausgenommen ihre Höfe und Gülten in Bicken und Herbornseelbach und die dortigen Patronatsrechte) für 800 Mark an Graf Heinrich III. von Nassau-Dillenburg verkauften. Das Gericht Ebersbach sollten sie, nachdem Graf Heinrich bewiesen habe, dass er die Lehnshoheit darüber von den Herren von Molsberg gekauft habe, von den Grafen von Nassau zu Lehen nehmen.[2]

Die günstige Verkehrslage Bickens (mit Anbindung an mehrere Fernstraßen) führte in der Vergangenheit auch zu Nachteilen. So litt der Ort während des Dreißigjährigen Krieges immer wieder unter ungebetenen Besuchen von Soldaten und Landsknechten, die mit Verlusten an Menschenleben, Hab und Gut endeten.

In der Napoleonischen Zeit war Bicken Mittelpunkt der Ortschaften Ballersbach, Bicken, Offenbach und Herbornseelbach.

Während der beiden Weltkriege musste Bicken große Verluste unter seinen Einwohnern hinnehmen. Im Ersten Weltkrieg fielen 27 und im Zweiten Weltkrieg 78 Soldaten aus dem Ort.

Das ehemalige Rathaus von Bicken, erbaut um 1700, wich 1977/78 der Bundesstraße 255 im Zuge ihres Ausbaus. Das Fachwerkhaus wurde abgebaut und an seinem neuen Standort in der historischen Altstadt von Wetzlar wieder aufgebaut.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten die Gemeinden Bicken, Ballersbach und Offenbach zum 31. Dezember 1971 freiwillig zur neuen Gemeinde Mittenaar.[3][4] Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Bearbeiten

Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Bicken angehört(e):[5][6]

Bevölkerung Bearbeiten

Einwohnerstruktur 2011 Bearbeiten

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bicken 1740 Einwohner. Darunter waren 99 (5,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 309 Einwohner unter 18 Jahren, 750 zwischen 18 und 49, 327 zwischen 50 und 64 und 357 Einwohner waren älter.[1] Die Einwohner lebten in 732 Haushalten. Davon waren 192 Singlehaushalte, 204 Paare ohne Kinder und 258 Paare mit Kindern, sowie 66 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 150 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 471 Haushaltungen lebten keine Senioren.[1]

Einwohnerentwicklung Bearbeiten

Bicken: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2011
Jahr  Einwohner
1834
  
582
1840
  
594
1846
  
593
1852
  
539
1858
  
507
1864
  
516
1871
  
509
1875
  
527
1885
  
543
1895
  
592
1905
  
669
1910
  
713
1925
  
845
1939
  
993
1946
  
1.342
1950
  
1.371
1956
  
1.376
1961
  
1.407
1967
  
1.587
1970
  
1.741
1972
  
1.727
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.740
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[5]; Gemeinde Mittenaar[7]

Historische Religionszugehörigkeit Bearbeiten

Quelle: Historisches Ortslexikon[5]
• 1885: 0536 evangelische (= 98,71 %), 3 katholische (= 0,55 %), 4 andere Christen (= 0,74 %)
• 1961: 1176 evangelische (= 83,58 %), 203 katholische (= 14,43 %) Einwohner

Politik Bearbeiten

Wappen Bearbeiten

 
Blasonierung: „In Schwarz zwei silberne Balken.“[8]
Wappenbegründung: Gleichzeitig mit der ersten urkundlichen Erwähnung des Dorfes im Aartal 1218 wird das gleichnamige Geschlecht der Herren von Bicken bezeugt, deren Stammburg im Ort lag und die über ausgedehnte Rechte im Gericht Ebersbach verfügten. Seit 1327 standen sie im Lehnsverhältnis zu den Grafen von Nassau. Die durch die sogenannten Bickenschen Händel (1466 bis 1486) ihrer wachsenden politischen Macht beraubte Familie wurde 1664 reichsunmittelbar und starb 1732 aus. In der Gemeinde waren früher zahlreiche Adelshöfe, die jedoch bis 1631 in bäuerlichen Besitz übergingen. Da die Gemeinde weder in älterer Zeit noch während der Nassauer Herrschaft eigene Bildsiegel führte, wurde das einfache Stammwappen des Adelsgeschlechts angenommen.

Das Wappen wurde am 31. März 1952 durch das Ministerium des Innern verliehen.[9][10]

Sehenswürdigkeiten und Kultur Bearbeiten

Baudenkmäler Bearbeiten

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Mittenaar-Bicken

Vereine Bearbeiten

In Bicken ist ein Gesangverein ansässig, die Sängervereinigung 1860 Bicken. Der Verein besteht aus einem Männerchor, einem Frauenchor und einem gemischten Chor. Ebenso gibt es innerhalb des Vereines einen kleinen Chor „sing-for-fun“, einem Chor für Groß und Klein. Mit über 150 Jahren ist der Verein einer der ältesten der Region.

Infrastruktur Bearbeiten

 
Die evangelische Kirche
  • Im Ort gibt es die katholische Kirche Heilig-Geist, die evangelische Kirche und einen evangelischen Kindergarten.
  • In Bicken gibt es die Johann-Heinrich-Alsted-Schule (Grund-, Haupt- und Realschule mit Förderstufe).
  • Es gibt ein Dorfgemeinschaftshaus.

Verkehr Bearbeiten

Bicken hat folgende Haltestellen: Rathaus, Alte Schmiede, Aarbrücke und Leipziger Straße. Sie werden vom RMV mit den Linien 403, 404, 407 und 415 angefahren.

Literatur Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Anmerkungen und Einzelnachweise Bearbeiten

Anmerkungen

  1. Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan.
  2. Infolge des Friedens von Tilsit.
  3. Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses.
  4. Abtrennung der Justiz (Justizamt Herborn) bis 1854.
  5. Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs.
  6. Infolge des Deutschen Krieges.
  7. Endgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Herborn) und Verwaltung.
  8. Infolge des Zweiten Weltkriegs.
  9. Am 31. Dezember 1971 wurden Bicken der neu gebildeten Gemeinde Mittenaar eingegliedert.

Einzelnachweise

  1. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 16 und 56, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. Oktober 2020;.
  2. Heimat- und Verkehrsverein Dietzhölztal: Dernbacher Fehde
  3. Gemeindegebietsreform in Hessen; Zusammenschlüssen und Eingliederungen von Gemeinden vom 22. Dezember 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 2, S. 47, Punkt 50 Abs. 21 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,8 MB]).
  4. Karl-Heinz Gerstemeier, Karl Reinhard Hinkel: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Hrsg.: Hessischer Minister des Inneren. Bernecker, Melsungen 1977, OCLC 180532844, S. 306.
  5. a b c Bicken, Lahn-Dill-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  7. 50 Jahre Mittenaar. Gemeinde Mittenaar, abgerufen im Oktober 2023.
  8. Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeindewappen des Landes Hessen. Band 3. Angelsachsen-Verlag, Bremen 1967, S. 22.
  9. Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Bicken, Dillkreis, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 31. März 1952. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1952 Nr. 15, S. 280, Punkt 250 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,7 MB]).
  10. Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden (HHStAW), Abt. 503, Nr. 3509.